Wölfersheim ist eine Gemeinde im hessischen Wetteraukreis.
Geografie Geografische Lage Wölfersheim liegt 40 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main in der Wetterau unweit der Städte Bad Nauheim und Friedberg (Hessen). Die Gemeinde liegt verkehrsgünstig an der A 45 mit eigener Ausfahrt Wölfersheim. Die Naherholungsgebiete Wetterauer Seenplatte, Niddastausee und Vogelsberg liegen direkt vor der Haustür.
Nachbargemeinden Wölfersheim grenzt im Norden an die Städte Münzenberg und Hungen (Landkreis Gießen), im Osten an die Gemeinden Nidda und Echzell, im Süden an die Städte Reichelsheim und Friedberg (Hessen) sowie im Westen an die Stadt Bad Nauheim und die Gemeinde Rockenberg (alle im Wetteraukreis).
Gemeindegliederung Wölfersheim schloss sich im Zuge der Gebietsreform in Hessen am 31. Dezember 1970 mit den Orten Melbach, Södel und Wohnbach zur Großgemeinde Wölfersheim zusammen. Am 31. Dezember 1971 trat auch Berstadt der Großgemeinde bei.
Geschichte mini|hochkant|Bronzezeitliches Grab, gefunden in der Nähe des Wölfersheimer Bahnhofs, heute im Wetterau-Museum in Friedberg. Die Grabfunde gaben der Bronzezeit-Stufe Wölfersheim ihren Namen. Vor- und Frühgeschichte In der Nähe der Autobahnauffahrt zur A 45 wurde 2019 ein Dorf aus der Rössener Kultur ausgegraben, welches aus der Zeit um 4500 vor Chr. bestand. 2024 entdeckte man bei Borsdorf eine weitere Steinzeitsiedlung, welche noch 2000 Jahre älter ist.Klaus Nissen: Noch eine Siedlung aus der Steinzeit. in: Wetterauer Zeitung, Nr. 248 vom 24. Oktober 2024, S. 27. Durch die Lage in der fruchtbaren Wetterau haben zahlreiche Kulturen die Gegend aufgesucht. Grabfunde aus der Bronzezeit waren namensgebend für die Stufe Wölfersheim.Wolf Kubach: Gräber zwischen Hügelgräber- und Urnenfelderkultur. Die bronzezeitlichen Grabfunde von Wölfersheim. In: Vera Rupp (Hrsg.): Archäologie der Wetterau. Bindernagel, Friedberg 1991, ISBN 3-87076-065-6, S. 175–186 (Sonderausgabe der Wetterauer Geschichtsblätter 40/1991). Die Funde werden heute im Wetterau-Museum in Friedberg ausgestellt.
Eine von Friedberg kommende Römerstraße zieht durch das Wölfersheimer und Wohnbacher Feld auf das Römerkastell Arnsburg bei Arnsburg-Lich zu. Eine andere verläuft vom Kastell Echzell (zum Teil Echzeller Weg) kommend, fast unmittelbar an der Westseite des Dorfes und vereinigt sich zwischen Wohnbach und Münzenberg mit der ersten. Das Mittelstück der Straße Echzell–Arnsburg ist noch leicht an der Straße zwischen Wohnbach und Wölfersheim zu erkennen, ist aber im Laufe der Jahrhunderte durch die Flurbereinigung verschwunden. Die Landstraße von Wohnbach nach Münzenberg bis zum Waldeingang ist ein Rest der Römerstraße. Sie geht weiter durch den Wald bis zur Gabelung mit der ersten. Ein mittelalterlicher Grenzstein markiert diesen Punkt.
In der Gemarkung Hinterwald, nur wenige Minuten westlich von der zuerst genannten Römerstraße entfernt, befinden sich Reste eines römischen Gutshofes, der im Volksmund „das steinerne Haus“ genannt wird. Die Reste bestehen aus einem niedrigen, annähernd quadratischen Wall mit einer Breite von etwa 160 Schritten, der Mauerwerk in sich birgt, an der Ostseite, nach der Römerstraße zu, den Eingang noch erkennen lässt und in der Nähe der Westseite die Fundamente zweier quadratischer, etwa zwanzig Schritt breiter Bauwerke in sich fasst.
Auch findet man noch die Ruine eines römischen Signalturms an der Römerstraße, circa 800 Meter nordwestlich vom Gutshof entfernt. Der Turm diente zur Signalübermittlung entlang des Limes-Systems und hatte auf Grund seiner hohen Lage wahrscheinlich Sichtkontakt zu den umliegenden Kastellen. Eine ähnliche Signalturmruine gibt es auf dem Johannisberg in Bad Nauheim.
mini|Schild an dem Fundort der Villa „Auf dem Gleichen“
Beim Bau der Autobahn A 45 im Jahre 1976 wurden circa einen Kilometer westlich von Wohnbach am Waldrand zahlreiche Mauerreste entdeckt. Nach Einschaltung von Bodendenkmalpflegern wurde eine Villa rustica, ein römischer Gutshof, freigelegt, die seit Ende des letzten Krieges bekannt war. Die Entdeckung sprach sich schnell herum und es fanden sich zahlreiche Besucher aus dem Dorf und der Umgebung ein, die die antiken Mauern, die noch bis zu einem Meter standen, bewunderten. Aus Zeitmangel konnte nicht alles freigelegt werden, weil der Bau der Autobahn fortgeführt werden musste, und die Mauern wurden wieder zugeschüttet. Die A 45 Gießen–Hanau führt direkt über die Ruinen. Der Rest des Anwesens, der noch über 80 Meter über die Autobahntrasse hinaus reichte, wurde bei Feldregulierungsarbeiten völlig zerstört.
Ein weiterer, nicht an der Oberfläche sichtbarer römischer Gutshof „Auf dem Gleichen“ befindet sich in der Nähe der Römerstraße Friedberg–Arnsburg bei der Sandkaute von Wölfersheim. Bei einer Befliegung der Luftbildarchäologie wurde entschieden, den Brunnen des Anwesens zur Gewinnung von Vegetationsresten freizulegen, da das Herrenhaus schon eine Länge von 50 Metern aufwies. Des Weiteren wurden einige Gräber des dazugehörenden Gräberfeldes ausgegraben. Das Grabmal einer wohlhabenden römischen Frau vom Gutshof Wohnbach gibt es im Wetterau-Museum in Friedberg zu betrachten. mini|Lageplan der Ortsbefestigung von Wölfersheim
Mittelalter Ortsname und fränkische Besiedlung Wölfersheim, der größte Ortsteil der gleichnamigen Gemeinde, wurde erstmals im Jahre 1128 erwähnt. 1128 VulfersheimManfred Stimming, Mainzer Urkundenbuch 1. Darmstadt 1932, Nr. 554, S. 466–468. 1142–1153 WoluersheimPeter Acht, Mainzer Urkundenbuch 2. 1968–1971, Nr. 184, S. 342–343. 1147 WluersheimLudwig Clemm, Die Urkunden der Prämonstratenserstifter Ober- u. Nieder-Ilbenstadt, in: Archiv für hessische Geschichte und Altertumskunde NF 14, 1925, S. 129–223, 15, 1928, S. 147–224, hier Bd. 14, Nr. 21, S. 141–142. Der Ortsname Wölfersheim gehört zu den personennamenbezogenen Heimorten. Dies gilt auch für die Wüstungen Heyenheim (9. Jahrhundert)Urkundenbuch Fulda, 510. und Gysenheim (1090–1150)Heinrich Meyer zu Ermgassen: Der Codex Eberhardi des Klosters Fulda. Bd. 1. 1995, S. 333 = Ernst Friedrich Johann Dronke, Traditiones Antiquitates Fuldensis (TAF), Capitulum 25, S. 60. in der heutigen Wölfersheimer Gemarkung. Diese Ortsnamen verweisen auf eine Entstehung in der Zeit der fränkischen Landnahme.
Der Fund eines fränkischen „Adelsgrabs“ aus dem 7. Jahrhundert ist dokumentiert.G. Behrens, Fränkische Gräber des 7. Jahrhunderts aus Hessen. in: Germania 21, 1937, S. 267–272, doi:10.11588/ger.1937.40154. Zu den Fundstücken gehörten Spatha, Sax, Ango, Pfeilspitzen und Schildbuckel, außerdem ein Glasbecher, ein Buckelgefäß und eine Goldmünze.
Der Name Wölfersheim kann sich von den Personennamen Wolfrat oder Wolfhard ableiten, wobei der Name Wolfhard um 800 viel häufiger anzutreffen war. Auch die Personennamen Giso und Hai(ch)o sind um 800 üblich gewesen.Jürgen Steen, Königtum und Adel in der frühmittelalterlichen Siedlungs-, Sozial und Agrargeschichte in der Wetterau. Studien zum Verhältnis von Landnahme und Kontinuität am Beispiel einer Randlandschaft des Merowingerreichs. Frankfurt am Main 1979, S. 168 f. Die genannten drei Orte bilden die nördliche Gruppe der Heimorte mit personenbezogenem Ortsnamen zwischen Wetter und Horloff. Ortsbefestigung Mit der Vollendung der Ortsbefestigung im Jahre 1408Die Angabe auf der Website der Gemeinde ist falsch! wurden Wölfersheim unter der Regierung des letzten Falkensteiners, Werner von Falkenstein, gewisse Privilegien verliehen. Zwar ist keine Entwicklung zur wirklichen Stadt erfolgt, aber Wölfersheim wurde nun als Flecken, Befestigung, Oppidum oder „Schloss“ bezeichnet. Die Ringmauer um den historischen Ortskern war 794 m lang und hatte vier Wehrtürme, nämlich den Weißen Turm, den Schwarzen Turm, den heutigen Kirchturm und den Narrenturm. Letzterer ist heute ein Turmstumpf; er ist von einer Scheune auf einem Privatgrundstück umgeben, aber noch immer teilweise von außen sichtbar. Es werden noch weitere Wehrtürme vermutet, jedoch ist die Existenz nicht nachweisbar. Umgeben von der Mauer war Wölfersheim damals vier Hektar groß.Wetterauer Zeitung vom 17. April 2008, S. 30, Artikel: Von der kleinen Siedlung zur „Minderstadt“ Die gute Erhaltung der Wehrtürme lässt sich auch aus der weiteren Nutzung begründen. Der Schwarze Turm wurde als Glockenturm für die Antoniuskapelle benutzt und war außerdem Gemeindebackhaus. Er wurde im 19. Jahrhundert als Armenhaus ausgebaut. Ein Privatmann aus Dorheim baute ihn zu einem Wohnturm aus. Der Weiße Turm wurde im 18. Jahrhundert als Gefängnis weiterverwendet. Den nördlichen Wehrturm benutze man als Basis für den Glockenturm der evangelisch-reformierten Kirche.
Neuzeit Reformation in Wölfersheim Wölfersheim war bis 1611 eine Filiale von Södel. Die Pfarrei Södel war ursprünglich im Besitz des Mainzer Bistums, worauf auch das Martinspatrozinium verweist. Im 12. Jahrhundert erhielt das neu gegründete Kloster Ilbenstadt Besitz zu Wölfersheim und Södel. Auch die Kirche zu Södel wurde dem Kloster unterstellt. Der damalige Pfarrer Seifried Bender führte in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts den evangelisch-lutherischen Gottesdienst in seiner Gemeinde Södel ein. Das genaue Jahr der Einführung der Reformation ist nicht bekannt. Da sich Wölfersheim von der Södler Mutterkirche lösen wollte, stellte man in den 1560er Jahren, ohne die Mutterkirche oder das Kloster Ilbenstadt zu fragen, den Wetzlarer Theologen Antonius Schüler als Lehrer ein. Später übertrug man ihm zusätzlich den Pfarrdienst. Als Seifried Bender alt und krank wurde, bat er Antonius Schüler, auch den Pfarrdienst in Södel mitzuübernehmen. Nach Benders Tod setzte Valentin Textor die Rechte der Pfarrei Södel wieder durch und schickte Antonius Schüler fort.S. 39–41 Allerdings hielt man ab jetzt auch Gottesdienst in Wölfersheim.20 Gulden Symon Leurelius, Textors Nachfolger, führte den reformierten Gottesdienst in der Gemeinde Södel ein. Damit stieß er in Södel auf Widerstand. Das Gericht und die Gemeinde Södel reichten eine Beschwerde beim Kloster Ilbenstadt ein, die Folgendes ausführt:
Das Kloster setzte daraufhin Leurelius in Södel ab. Er wechselte aber 1611 nach Wölfersheim. Die Absetzung des Pfarrers in Södel und die Übernahme desselben als Pfarrer von Wölfersheim bedeutete die kirchliche Trennung von Södel und Wölfersheim.S. 40
Nach Leurelius Tod im Januar 1612 versuchten die Södler die alten Rechte wieder geltend zu machen. Eine Notiz im Kirchenbuch, die den Widerstand der Wölfersheimer zeigt, lautet wie folgt:
Die Standesherrschaft setzte dann, laut Notiz, einen eigenen reformierten Pfarrer (Eberhard Venator) ein. Im Dreißigjährigen Krieg versuchte das Kloster Ilbenstadt eine Gegenreformation in Wölfersheim, die allerdings misslang.S. 41
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden auf freiwilliger Basis die Gemeinden Melbach, Södel, Wohnbach und Wölfersheim zur erweiterten Gemeinde „Wölfersheim“ zusammengeschlossen. Als Verwaltungssitz wurde Wölfersheim bestimmt.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Wölfersheim angehört(e):
vor 1742: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Braunfels, (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Wölfersheim ab 1742: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Braunfels, (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Wölfersheim ab 1806: Großherzogtum Hessen,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Oberfürstentum Hessen, Amt Wölfersheim (des Fürsten Solms-Braunfels) ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Wölfersheim (des Fürsten Solms-Braunfels) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt WölfersheimPatrimonialgericht: Standesherrliches Amt Wölfersheim des Fürsten Solms-Braunfels.