mini|Julius Sachs Julius Sachs bzw. Julius von Sachs (* 2. Oktober 1832 in Breslau, Provinz Schlesien; † 29. Mai 1897 in Würzburg) war ein deutscher Botaniker und Hochschullehrer in Bonn, Freiburg im Breisgau und Würzburg. Er gilt als Begründer der experimentellen Pflanzenphysiologie und gemeinsam mit Wilhelm Knop als Mitbegründer der Hydrokultur. Sein offizielles botanisches Autorenkürzel lautet „“.
Leben und Wirken Sachs war das siebte Kind und der zweite Sohn von Christian Gottlieb Sachs († 1848), einem Graveur und Kupferstecher, und seiner Frau Maria Theresia, geborene Hofbauer († 1849). Er wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Sachs besuchte vier Jahre lang eine Seminarschule und anschließend ab 1845 das Elisabet-Gymnasium in Breslau. Dort freundete er sich mit den beiden Söhnen von Jan Evangelista Purkyně, Emanuel (1831–1882) und Karel, an. Den naturwissenschaftlichen Unterricht am Gymnasium empfand Sachs als unzureichend. Deshalb las er in seiner Freizeit naturkundliche und naturphilosophische Schriften, unter anderem von Lorenz Oken. Außerdem begann er wissenschaftliche Zeichnungen für Purkyně anzufertigen. 1848 erlitt sein Vater einen tödlichen Schlaganfall. Kurz darauf starb seine Mutter an der Cholera. Als mittellose Waise verließ er das 1850 das Gymnasium, um zur See zu fahren. Purkyně, der seit 1850 in Prag lehrte, nahm Sachs in seinen Haushalt auf. 1851 legte er am Akademischen Gymnasium die Reifeprüfung ab und begann im Dezember 1851 an der Karl-Ferdinands-Universität ein Studium der Naturwissenschaften.
Am 17. Juli 1856 wurde er zum Dr. phil. promoviert. Das Verfassen einer Dissertation war an der Universität von Prag nicht notwendig. Sachs hatte bis dahin schon etwa 20, meist morphologisch-entwicklungsgeschichtliche, Übersichtsartikel verfasst. Er bezog eine eigene Wohnung in der Prager Neustadt. Im Folgejahr habilitierte Sachs sich. Nach einer Probevorlesung im März 1857 wurde er am 23. Juli 1857 als Privatdozent für Pflanzenphysiologie zugelassen.
Friedrich von Stein machte Julius Adolph Stöckhardt auf einen 1857 veröffentlichten Artikel aufmerksam, in dem Sachs die Stellung der Seitenwurzeln untersuchte und dazu die Pflanzen in Wasserkultur heranzog. Stöckhardt erkannte die Bedeutung dieser Herangehensweise für ernährungsphysiologische Fragen und wandte sich direkt an Sachs. Im April 1859 wurde Sachs physiologischer Assistent von Stöckhardt an der Königlich Sächsischen Akademie für Forst- und Landwirthe zu Tharandt in Tharandt. Dort wirkte er knapp zwei Jahre. Er beschäftigte sich unter anderem mit der „Abhängigkeit der Keimung von der Temperatur“A. Stöckhardt: Rückblick auf die im akademischen Laboratorium zu Tharandt vorgenommenen forstlich- und physiologisch-chemischen Untersuchungen, eine Anregung zur Gründung forstlicher Versuchsanstalten. In: Tharander Jahrbuch, zugleich Festschrift zum 50jährigen Jubiläum der Akademie 1866 (= Jahrbuch der Königl.-Sächs. Akademie für Forst- und Landwirthe zu Tharand Band 17). 3. Abteilung, Leipzig 1866, S. 116–117 (online)., untersuchte „Chemische Vorgänge bei der Keimung ölhaltiger Samen (Kürbissamen)“A. Stöckhardt: Rückblick auf die im akademischen Laboratorium zu Tharandt vorgenommenen forstlich- und physiologisch-chemischen Untersuchungen, eine Anregung zur Gründung forstlicher Versuchsanstalten. In: Tharander Jahrbuch, zugleich Festschrift zum 50jährigen Jubiläum der Akademie 1866 (= Jahrbuch der Königl.-Sächs. Akademie für Forst- und Landwirthe zu Tharand Band 17). 3. Abteilung, Leipzig 1866, S. 118–119 (online). und führte „Vegetationsversuche in wässrigen Lösungen der Nährstoffe“A. Stöckhardt: Rückblick auf die im akademischen Laboratorium zu Tharandt vorgenommenen forstlich- und physiologisch-chemischen Untersuchungen, eine Anregung zur Gründung forstlicher Versuchsanstalten. In: Tharander Jahrbuch, zugleich Festschrift zum 50jährigen Jubiläum der Akademie 1866 (= Jahrbuch der Königl.-Sächs. Akademie für Forst- und Landwirthe zu Tharand Band 17). 3. Abteilung, Leipzig 1866, S. 119–120 (online). durch.
Im Februar 1861 ging er als „Lehrer der Physiologie der Thiere und Pflanzen“ und Leiter der landwirtschaftlichen Versuchsstation an die Königliche Gewerbeschule in Chemnitz. Nach nur zwei Monaten folgte Sachs einem Ruf von Eduard Hartstein und wurde „Lehrer für Naturgeschichte“ an der Landwirtschaftlichen Akademie Poppelsdorf in Poppelsdorf bei Bonn.
Kurz darauf, im Mai 1861, heiratete er in Prag Johanna Claudius (1837–1901). Das Paar hatte vier Kinder: Elisabeth (1862–1936), Hugo (1865, verstarb nach sechs Wochen), Richard (1867–1934) und Maria (1869–1932).
Während der sechs Jahre, die Sachs in Bonn arbeitete, gelang ihm unter anderem der Nachweis, dass Stärke, die sich durch Kohlensäureassimilation in den Chlorophyllkörnern bildet, im Dunkeln verschwindet und im Licht wieder neu auftritt. Diesen Nachweis erbrachte er mit der bekannten Iodprobe.
In dieser Zeit trat Sachs auch als botanischer Schriftsteller hervor. 1865 veröffentlichte er das Handbuch der Experimental-Physiologie der Pflanzen, das in klarer Darstellung eine Übersicht wichtiger Experimente zur Pflanzenphysiologie enthielt. Damit gelang es Sachs, dieses Fach einer breiten Fachöffentlichkeit bekannt zu machen.
Im April 1867 wurde er als Nachfolger von Heinrich Anton de Bary an die Albert-Ludwigs-Universität in Freiburg im Breisgau berufen. Dort hielt es ihn allerdings wegen der schlechten Arbeitsbedingungen kaum ein Jahr. Im Oktober 1868 folgte er einem Ruf an die Universität Würzburg, an der er trotz zahlreicher Rufe an andere Universitäten (unter anderem Jena, Heidelberg, Wien, Berlin, Bonn und München) über 30 Jahre lang wirkte. Das von ihm 1867 als „Spelunke“ bezeichnete Gebäude des botanischen Instituts (das „alte Epileptikerhaus“ in der heutigen Klinikstraße 3) baute er aus und ließ es 1869/1870 um zwei Stockwerke erhöhen.Andreas Mettenleiter: Das Juliusspital in Würzburg. Band III: Medizingeschichte. Herausgegeben vom Oberpflegeamt der Stiftung Juliusspital Würzburg anlässlich der 425jährigen Wiederkehr der Grundsteinlegung. Stiftung Juliusspital Würzburg (Druck: Bonitas-Bauer), Würzburg 2001, ISBN 3-933964-04-0, S. 382–383 und 480. Sachs erforschte unter anderem die Verzweigung von Wurzeln, die ihn zur Keimungsphysiologie führte. Er trug Wesentliches zur Klärung der Vorgänge bei der Photosynthese bei und schloss bei entwicklungsphysiologischen Untersuchungen auf das Vorhandensein „blütenbildender Stoffe“, eine Hypothese, die erst ein halbes Jahrhundert später wieder aufgegriffen und bestätigt wurde.
Von 1874 bis 1888 gab Sachs die Zeitschrift Arbeiten des Botanischen Instituts in Würzburg (3 Bände) heraus.
Sachs forschte vor allem auf dem Gebiet der Pflanzenphysiologie. Die Autoritäten auf diesem Gebiet waren zu seiner Zeit vor allem Hugo von Mohl, Carl Wilhelm von Nägeli und Friedrich Wilhelm Hofmeister. Diese beschäftigten sich hauptsächlich mit Studien an Pflanzenzelle und -gewebe. Sachs entwickelte als ExperimentalphysiologeVgl. Hans Burgeff: Sachs und das Experiment. In: Verhandlungen der Physikalisch-Medizinischen Gesellschaft. Neue Folge. Band 57, 1932, S. 41–51. Vgl. auch Ernst G. Pringsheim: Julius Sachs, der Begründer der neuen Pflanzenphysiologie, 1832–1897. Fischer, Jena 1932. frühere Ansätze von Stephen Hales, Thomas Andrew Knight, Nicolas Théodore de Saussure oder Jean Baptiste Boussingault weiter.
Er entwickelte das „Auxanometer“, ein Gerät zur Messung des Pflanzenwachstums.
Neben seinen zahlreichen Arbeiten auf dem Gebiet der Pflanzenphysiologie (unter anderem der Reizphysiologie) befasste Sachs sich auch mit anderen Gebieten der Botanik und Biologie. Er nahm beispielsweise Stellung zur Stammesgeschichte der Pflanzen sowie zur Deszendenztheorie von Charles Darwin, dessen Formulierung eines Selektionsprinzips er allerdings für eine unzureichende Erklärung für die Evolution hielt.
Viele Schüler und Assistenten von Sachs wurden später bekannte Botaniker, darunter Julius Oscar Brefeld, Francis Darwin, Karl Ritter von Goebel, Adolf Hansen, Georg Albrecht Klebs, Spiridon Miliarakis, Hermann Müller-Thurgau, Gregor Kraus, Fritz Noll, Wilhelm Pfeffer, Karl Prantl, Ernst Stahl, Hugo de Vries und Otto Appel.
Ehrungen Sachs wurde 1868 der Titel eines Ehrendoktors der Medizinischen Fakultät der Universität Bonn verliehen.
1874 wurde Sachs korrespondierendes und 1880 auswärtiges Mitglied der Bayerischen Akademie der Wissenschaften. Im Jahr 1880 wurde er zum Mitglied der Leopoldina gewählt, 1882 wurde Sachs in die American Academy of Arts and Sciences,Members of the American Academy. Listed by election year, 1850–1899 (PDF) Abgerufen am 24. September 2015. 1885 in die Königlich Niederländische Akademie der Wissenschaften sowie in die Accademia delle Scienze di Torino und am 31. Mai 1888 zum auswärtigen Mitglied der Royal Society gewählt.. Seit 1893 war er Mitglied der Académie royale des Sciences, des Lettres et des Beaux-Arts de Belgique und seit 1895 der National Academy of Sciences.
Schriften (Auswahl) Bücher Handbuch der Experimental-Physiologie der Pflanzen. Untersuchungen über die allgemeinen Lebensbedingungen der Pflanzen und die Functionen ihrer Organe. (= Handbuch der physiologischen Botanik Band 4). Wilhelm Engelmann, Leipzig 1865 (Digitalisat, Digitalisat).
Physiologie végétale. Recherches sur les conditions d'existence des plantes et sur le jeu de leurs organes. Victor Masson et fil, Paris 1868 (Digitalisat) – übersetzt von Marc Micheli (1844–1902). Lehrbuch der Botanik nach dem gegenwärtigen Stand der Wissenschaft. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1868 (Digitalisat, Digitalisat). 2. Auflage, Wilhelm Engelmann, Leipzig 1870 (Digitalisat). 3. Auflage, Wilhelm Engelmann, Leipzig 1873 (Digitalisat). 4., umgearbeitete Auflage, Wilhelm Engelmann, Leipzig 1874 (Digitalisat). Traité de botanique conforme à l'état présent de la science. F. Savy, Paris 1874 (Digitalisat) – übersetzt nach der 3. Auflage von Philippe Édouard Léon Van Tieghem. Text-book of botany. Morphological and physiological. Clarendon Press, Oxford 1875 (Digitalisat) – übersetzt von Alfred William Bennett (1833–1902), unter Mitwirkung von William Turner Thiselton-Dyer. Ueber den gegenwärtigen Zustand der Botanik in Deutschland. Rede zur Feier des 290. Stiftungstages der Julius-Maximilians-Universität gehalten […] am 2. Januar 1872. Thein, Würzburg 1872 (Digitalisat, Digitalisat). Geschichte der Botanik vom 16. Jahrhundert bis 1860. Oldenbourg, München 1875 (= Geschichte der Wissenschaften in Deutschland. Band 15). Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf; Vorlesungen über Pflanzen-Physiologie. Wilhelm Engelmann, Leipzig 1882 (Digitalisat). 2., neu bearbeitete Auflage, Wilhelm Engelmann, Leipzig 1887 (Digitalisat). Lectures on the physiology of plants. Clarendon Press, Oxford 1887 (Digitalisat) – übersetzt von H. Marshall Ward. Gesammelte Abhandlungen über Pflanzen-Physiologie. 2 Bände, Wilhelm Engelmann, Leipzig 1892–1893 (Digitalisate).
Zeitschriftenbeiträge Rak [Der Flusskrebs.] In: Živa. Časopis přírodnický. Band 1, Prag 1853, S. 71–83 (Digitalisat). Rozmluva o růstu bylin. [Ueber das Wachsthum der Pflanzen.] In: Živa. Časopis přírodnický. Band 1, Prag 1853, S. 139–146, 229–236, 293–304, 336–343 (Digitalisat). Morphologie des Crucibulum vulgare Tulasne. In: Botanische Zeitung. Band 13, 1855, Sp. 833–845, 849–861 (Digitalisat) – Teil der Habilitationsschrift. O travách. [Gramineae.] In: Živa. Časopis přírodnický. Band 4, Prag 1856, S. 148–171 (Digitalisat). Lilije. [Liliaceae.] In: Živa. Časopis přírodnický. Band 4, Prag 1856, S. 233–252 (Digitalisat). O výparu na povrchu rostlin. [Excretionen auf der Oberfläche der Pflanzen.] In: Živa. Časopis přírodnický. Band 4, Prag 1856, S. 355–366 (Digitalisat).