mini|hochkant=1.3|Stadtansicht von Süden mini|hochkant=1.3|Spalt, Luftaufnahme (2016) Spalt (, fränkisch: SchbaldE. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 74. Dort nach den Regeln des HONB folgendermaßen transkribiert: „šbåld“.) ist eine Stadt im Landkreis Roth (Mittelfranken, Bayern).
Geografie Lage Spalt befindet sich inmitten des Spalter Hügellandes zwischen Nürnberg, Ansbach und Treuchtlingen im Norden des Fränkischen Seenlands. Im Südwesten der Stadt liegen der Große Brombachsee und dessen Vorsperre Igelsbachsee. Durch den Ort fließt die Fränkische Rezat, die sich bei Georgensgmünd mit der Schwäbischen Rezat zur Rednitz vereinigt.
Nachbargemeinden (von Norden im Uhrzeigersinn) Abenberg Georgensgmünd Röttenbach Pleinfeld Absberg Haundorf Mitteleschenbach Windsbach
Gemeindegliederung Die Gemeinde hat 28 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben): Hier ist Sägmühle noch als Gemeindeteil aufgelistet.
Die Einöden Griesmühle und Sägmühle sind mit der Anlage des Großen Brombachsees abgegangen.
Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Enderndorf am See, Fünfbronn, Großweingarten, Mosbach, Spalt und Wernfels. Die Gemarkung Spalt hat eine Fläche von 8,358 km². Sie ist in 2703 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 3092,10 m² haben. In ihr liegt neben dem namensgebenden Ort der Gemeindeteil Kaltenbrunn.
Geschichte Frühe Geschichte Die Geschichte der Stadt Spalt geht auf das Kloster St. Salvator zurück, das 810 zum ersten Mal urkundlich erwähnt wurde. 2010 wurde das Stadtjubiläum „1200 Jahre Spalt“ gefeiert. Über das Jahr verteilt fanden zahlreiche Veranstaltungen in den Kategorien LebensLust (regionale Bräuche und Traditionen), LebensWege (Spalter Geschichte) und LebensArt (Kunst und Kultur) statt. 1031 wurden in einer Güterbeschreibung des Klosters erstmals auch Spalt und der Spalter Wein erwähnt. Der Ort selbst wurde ca. 1135 als „Spalte“ erstmals urkundlich bezeugt. Der Ortsname leitet sich vom gleichlautenden Flurnamen ab. Mit Spalt wurde der schroffe Taleinschnitt der Fränkischen Rezat bezeichnet.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 210 f.Nach E. Wagner: Land- und Stadtkreis Schwabach, S. 74 f., Erstnennung 1142 als „Spalte“.
In den Jahren 1294 und 1295 erlangte der Eichstätter Bischof Reinboto vom Regensburger Bischof und dem Nürnberger Burggrafen Konrad die Vogteirechte über Spalt und die umliegenden Dörfer.
Der Hopfenanbau in Spalt ist seit 1341 urkundlich belegt. Etwa zur gleichen Zeit wurde Spalt erstmals als Stadt erwähnt. Eine erste Stadtmauer mit Laufgräben wurde 1366 errichtet, bis 1422 folgten das Untere Tor (Nürnberger Tor) und das noch erhaltene Obere Tor.
1450 wurde Spalt im Zuge des Ersten Markgrafenkriegs von Nürnberger Truppen belagert, da das Bistum Eichstätt auf der Seite des Ansbacher Markgrafen Albrecht Achilles stand. Dem Ersten Bürgermeister Hans Gruber gelang es, sich aus der Stadt zu schleichen und den Markgrafen zu Hilfe zu holen. Dieser ritt noch am selben Tag mit 400 Reitern in die Stadt ein, worauf die überraschten Nürnberger die Flucht ergriffen. Seit 1950 wird zur Feier der Befreiung alle fünf Jahre ein Heimatfestspiel mit einem mittelalterlichen Landsknechtlager veranstaltet.
1545 und 1632 wurden Spalt und die Umgebung von der Pest heimgesucht. 1545 starben 450, 1632 211 Menschen. Während der Hexenverfolgung im Hochstift Eichstätt wurden vier Frauen aus Spalt als vermeintliche Hexen hingerichtet. Dies waren Bärbel Kop aus Wernfels, † 25. Juni 1535, Margaretha Hagerin aus Spalt, † 27. Juni 1562, Margaretha Finckhin und Anna Maulin aus Güsseldorf, beide † 23. Juli 1575.Stürzl, Zur Hexenverfolgung im Oberen Stift des Hochstifts Eichstätt. Nachtrag zu: Hinrichtungen wegen Hexerei in Eichstätt. In: Blätter des Bayerischen Landesvereins für Familienkunde. Selbstverlag, München. 2016 S. 128.
Im Dreißigjährigen Krieg wurde Spalt 1632 von schwedischen Dragonern besetzt. Einen Angriff des bayerischen Reitergenerals Johann von Werth im darauffolgenden Jahr sollen nur 13 von 400 Schweden überlebt haben. Zum Ende des Krieges waren 48 von den 156 Bürgerhäusern der Stadt verlassen. 1647 stürzten Chorkuppel und Hauptmauer der Emmeramskirche ein.
Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Spalt 232 Anwesen. Das Hochgericht übte das eichstättische Pflegamt Wernfels-Spalt aus. Grundherren waren das Kastenamt Spalt (229 Anwesen: 8 Gastwirtschaften, 214 Häuser, 1 Apotheke, 3 Schmieden, 2 Mahlmühlen, 1 Ziegelei) und die Kollegiatstifte St. Emmeram und St. Nikolaus (1 Haus, 1 Badhaus, 1 Schmiede). Neben den Anwesen gab es herrschaftliche (Rentamtsgebäude), kommunale (2 Schulhäuser, Hirtenhaus, Schäferhaus, Flureswohnung, Armenhaus, Wachthaus, Schießhaus, Türmerswohnung, 2 Torhäuser, 3 Türme) und kirchliche Gebäude (Pfarrhaus, Kaplaneihaus, Pfarrmesnerhaus, Schulhaus, Gottesackerkirche, Stiftskirche St. Nikolaus, Pfarrkirche St. Emmeram).F. Eigler: Schwabach, S. 423.
1802 kamen das Pflegamt Wernfels-Spalt und damit auch Spalt an das Kurfürstentum Bayern, 1803 durch den Hauptlandesvergleich kurzzeitig zum Königreich Preußen und 1806 zum Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde 1808 der Steuerdistrikt Spalt gebildet. 1811 entstand die Munizipalgemeinde Spalt. Mit dem Zweiten Gemeindeedikt (1818) wurde Spalt zur Stadt II. Klasse erhoben. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Pleinfeld (1858 in Landgericht Roth umbenannt) zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Spalt (1919 in Finanzamt Spalt umbenannt). Ab 1862 gehörte Spalt zum Bezirksamt Schwabach (1939 in Landkreis Schwabach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Roth (1879 in Amtsgericht Roth umbenannt), seit 1970 ist das Amtsgericht Schwabach zuständig.F. Eigler: Schwabach, S. 485. 1932 wurde das Finanzamt Spalt aufgelöst. Seitdem gehört Spalt zum Sprengel des Finanzamtes Schwabach.F. Eigler: Schwabach, S. 464. Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 8,313 km².
Eingemeindungen Am 1. Januar 1972 wurde im Zuge der Gebietsreform in Bayern die Gemeinde Großweingarten eingegliedert. Am 1. Juli 1972 kamen Enderndorf (zum Teil) und Fünfbronn hinzu, die beide vorher zum Landkreis Gunzenhausen gehört hatten. Mosbach und Wernfels folgten am 1. Mai 1978.
Einwohnerentwicklung Gemeinde Spalt Jahr 1987 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016Einwohner 4830 5069 5041 5042 5002 4993 4929 4918 4937 4988 4947Häuser 1271 1555 1565 1570 1577Quelle
Ort Spalt (= Gemeinde Spalt bis zur Gebietsreform) Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2015Einwohner 1474 1785 1745 1778 1800 1837 1805 1813 1944 2060 1971 1916 1858 1829 1805 1782 1899 1904 1955 3006 2944 2916 2722 2734 2531 2582HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahr 1818 wurden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840 als Häuser und 1871 bis 2016 als Wohngebäude. 321 307 360 356 356 374 354 406 506 677 Quelle Spalt: 1778 Einwohner, 306 Häuser; Fallhaus: 7 E., 1 H. Laut Historischem Gemeindeverzeichnis hatte die Gemeinde 1752 Einwohner. Spalt: 1784 Einwohner; Fallhaus: 6 E.; Mühlreißig: 10 E. Im Original: 256 Wohngebäude. Einwohnerzahlen auf der Website grossweingarten.de
Politik mini|Rathaus Gemeinderat
Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Stimmenanteile und Sitzverteilungen: Partei/Liste20202014%Sitze % Sitze CSU33,17 32,8 6 SPD6,01 10,7 2 Unabhängige Wählergemeinschaft/Freie Wähler16,83 15,0 3 Grüne6,31–– Frauen auch ins Rathaus (Fair)12,43 14,6 3 Freie Wählerschaft Großweingarten11,22 13,5 3 Landliste14,13 13,3 3Wahlbeteiligung63,9 %62,6 %
Bürgermeister Erster Bürgermeister ist seit Februar 1995 Udo Weingart (CSU). Er wurde am 18. November 2012 mit 79,7 % und 2020 mit 84,5 % der Stimmen wiedergewählt.
Wappen und Flagge Wappen
Flagge Die Gemeindeflagge ist grün-weiß(-grün).
Städtepartnerschaften Seit 1984 besteht eine Städtepartnerschaft mit Bad Sauerbrunn im österreichischen Bundesland Burgenland und seit 2006 mit St. CloudPartnerschaft Spalt/St. Cloud auf der Webseite des Generalkonsulates Chicago Abgerufen am 1. August 2020 im US-amerikanischen Bundesstaat Minnesota.
Kommunale Allianz KABS Spalt ist Teil der Kommunalen Allianz KABS, die 2007 von den politischen Gemeinden Kammerstein, Abenberg, Büchenbach und Spalt gegründet wurde. Seit Dezember 2014 ist die Gemeinde Rohr ebenfalls der Allianz beigetreten. Neben einer intensiven Zusammenarbeit der Verwaltungen und gemeindlichen Einrichtungen, insbesondere auch der Betrieb eines Wertstoffhofes in Büchenbach ist die Sicherung der gemeindlichen Schulstandorte ein wichtiges Thema.
Raumordnung Seit 2007 ist Spalt Teil der Kommunalen Allianz KABS, zu der auch die politischen Gemeinden Kammerstein, Abenberg, Büchenbach und Rohr gehören.Kommunale Allianz KABS
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke (einschließlich Museen)
mini|hochkant|Kornhaus Das Kornhaus ist eine ehemalige Zehntscheuer der Fürstbischöfe von Eichstätt. Der Fachwerkbau stammt aus der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts, ging 1862 in den Besitz der Stadt über und diente von 1897 bis 1984 als Hopfenlager und -signierhalle. Das Bauwerk ist 36 Meter lang, 13 Meter breit und 20 Meter hoch. Das Gebäude wurde saniert und umgestaltet und jetzt ist dort das Hopfen- und Biermuseum „HopfenBierGut“ und die Tourist-Information untergebracht. Das Museum „HopfenBierGut“ wurde 2015 mit der „Goldenen Bieridee“ ausgezeichnet.Goldene BierIdee – Preisträger 1999–2017 (PDF) Bayerischer Brauerbund. mini|hochkant|Rathaus, Detail Das barocke Rathaus wurde nach Plänen von Gabriel de Gabrieli, dem Hofbaumeister in Eichstätt, in den Jahren 1751 bis 1756 errichtet. Es diente zunächst als Dekanatshof. Von 1818 bis 1932 war in dem Gebäude das Rent- und Finanzamt Spalt untergebracht. Seit 1933 dient es seinem heutigen Zweck. Im Rathaus befand sich bis zum Abschluss der Umbaumaßnahmen am Kornhaus auch die Touristik-Information. Das einstige Doppelkanonikatshaus diente ursprünglich als Refektorium der Chorherrenstifte St. Nikolaus und St. Emmeram. Zu diesem Zweck wurde es in den Jahren 1753 bis 1756 errichtet. Nach der Säkularisation wurde das Gebäude als Schule genutzt. Bis 1981 diente es noch als Kloster der Armen Schulschwestern. Inzwischen ist dort der städtische Kindergarten untergebracht. mini|hochkant|Kirche Sankt Nikolaus Die ehemalige Stiftskirche St. Nikolaus wurde in den Jahren 1767 bis 1771 unter dem Deutschordensbaumeister Matthias Binder aus Ellingen errichtet. Dieses noch erhaltene barocke Bauwerk war der Nachfolger einer ersten Kirche für das 1294 gegründete Chorherrenstift St. Nikolaus, die von 1302 bis 1313 an gleicher Stelle gebaut worden war. Stifter waren der Nürnberger Burggraf Konrad II. der Fromme und dessen Gattin Agnes von Hohenlohe. Die Kirche ging aus dem Besitz des Königreichs Bayern in den der Stadt Spalt über. Im Inneren sind Fresken von Franz Kürzinger sowie Stuckarbeiten der Wessobrunner Schule zu sehen. An der einstigen Friedhofsmauer sind 24 alte Grabdenkmäler zu sehen, von denen eines, das die Nr. 14 trägt, das Epitaph des Stiftsdekans Wolfgang Agricola ist. In den 1960er Jahren wurde die Kirche renoviert. mini|hochkant|Spalter Madonna in der Pfarrkirche St. Emmeram Die Pfarrkirche St. Emmeram geht auf das karolingische Kloster St. Salvator zurück, eine Regensburger Gründung. Aus diesem Kloster ging im 12. Jahrhundert in Spalt das Chorherrenstift St. Emmeram hervor, dessen Kirche zunächst als romanische Basilika gestaltet war, aber im 16. und 17. Jahrhundert mehrere Umbauten erfuhr, so dass sie heute, abgesehen von der Krypta und der Apsis, das Bild einer barocken Kirche bietet. Bis 1880 besaß die Kirche noch einen Lettner. In der Kirche befindet sich die Spalatin-Madonna, die Georg Spalatin 1519 der Kirche schenkte. Eine Sanierung erfolgte in den 1970er und 1980er Jahren.