Das Touhou Project (jap. Project, Tōhō Project), auch unter dem englischen Nebentitel Project Shrine Maiden bekannt, ist eine Serie von Dōjin-Shoot ’em ups. Das Team Shanghai Alice, das diese Computerspiele entwickelt, besteht nur aus dem japanischen Spieleentwickler ZUN. Die Serie ist dem Genre Danmaku zuzuordnen, in dem der Spieler massivem Beschuss ausgesetzt ist, durch den er sich kämpfen muss. Dabei ist auch eine übergeordnete Handlung von Bedeutung, beispielsweise in Form von kurzen Konversationen vor jedem Bossgegner.
Entwicklung Das Touhou Project ist ein Ein-Mann-Projekt des japanischen Spieleentwicklers ZUN, welcher die Musik, Grafiken und den Programmcode komplett selbst gestaltet bzw. geschrieben hat. Sein richtiger Name ist Ōta Jun'ya (), wie aus dem Abspann der PC-98-Spiele zu entnehmen ist.
Spielprinzip Der Spieler steuert einen 2D-Charakter aus der Vogelperspektive und bestreitet üblicherweise nacheinander sechs Stages, in denen jeweils ein Zwischen- und Endboss besiegt werden müssen. Der Charakter gilt als getroffen, wenn ein feindliches Geschoss die Hitbox des Charakters berührt. Bei dem Spielersprite ist nur ein verhältnismäßig kleiner Teil verwundbar bzw. wird von der Kollisionsabfrage erfasst. Dasselbe gilt auch für die Geschosse, sodass sich die Sprites überlappen können, ohne dass der Spieler ein Leben verliert.
Durch diese Spielmechanik sind relativ komplexe Angriffe möglich. Auf höheren Stufen werden schnellere und schwierigere Geschossmuster in Richtung des Spielers geworfen, sodass das Timing wichtiger wird. Auch die Bosse fordern den Spieler je nach Schwierigkeitsgrad und Level mit mehr oder weniger komplizierten Angriffsmustern. Die Muster sind großflächig angelegt und einzigartig für jeden Boss. Jeder Boss taucht einmal als Zwischengegner in einem kurzen Intermezzo etwa in der Mitte der Stage auf, bevor es dann zum eigentlichen Kampf am Ende der Stage kommt. Es ist häufig nicht dieselbe Bossgegnerin, die auch am Ende der jeweiligen Stage erscheint. In der Regel tauchen diese später als eigentliche Gegner auf, oder etwa in den Extra Stages bzw. in folgenden Touhou-Ablegern und spielen dort eine größere Rolle. Obwohl also jedes Touhou für sich abgeschlossen ist, ziehen sich Handlungsfäden durch die gesamte Reihe.
Dabei gehen in nahezu allen Spielen der Touhou-Reihe die Bosse nach einem festen Schema hervor. Jeder Gegner hat bestimmte Geschosse, die als Hauptelement seiner Muster eingesetzt werden. Dies sind beispielsweise Karten, Laser, Messer oder andere Projektile. Dabei hat jeder Boss einen Balken am oberen Bildschirmrand, der eine von mehreren Angriffsphasen zeigt. Leert der Spieler den Balken komplett innerhalb des vorgegebenen Zeitlimits, gibt es einen Punktebonus und die nächste Angriffsphase beginnt. Dasselbe passiert automatisch, wenn die Zeit abläuft, unabhängig vom Stand des Lebensbalkens.
Jeder normalen Angriffswelle folgt eine sogenannte „Spell Card“. Dies sind besondere Muster, die dem Spieler mehr Können abverlangen. Im Gegensatz zum normalen Angriff des Bossgegners winkt dem Spieler ein hoher Punktebonus, falls dieser eine Spell Card ohne Einsatz von Bomben oder dem Verlust eines Lebens innerhalb des Zeitlimits absolviert. Zusätzlich werden sämtliche Geschosse, die sich zu genau diesem Zeitpunkt auf dem Bildschirm befinden, komplett entfernt und je nach Punktesystem zum Score addiert. Im Regelfall wechseln sich Angriffswelle und Spell Card ab, wobei die Nicht-Spell-Card-Attacken bei jedem Mal fordernder werden. Im Spiel Imperishable Night gibt es zusätzlich noch ultimative Angriffe der Bossgegner, die sogenannten „Last Spells“, die nur erscheinen, wenn man in der Stufe genügend Punkte gesammelt hat. Bei den Last Spells hat der Spieler keine Möglichkeit, Bomben zu benutzen. Diese sind jedoch risikolos, da ein Fehlschlagen (Lebensverlust oder Zeit läuft aus) den Spieler kein Leben kostet, sondern maximal Bonuspunkte.
Spielmechanik Die Spielmechanik beinhaltet außerdem folgendes:
Bomben – Ähnlich wie die Smartbombs in vielen Horizontal- und Vertikalshootern hat der Spieler die Möglichkeit, durch Einsatz einer Bombe den Bildschirm von sämtlichen Geschossen und kleineren Gegnern zu säubern. Bei Bossen fügen Bomben Schaden hinzu. In Touhou heißen die Bomben Spell Cards, jedoch wird der Begriff in zwei Situationen benutzt, siehe folgenden Absatz
Spell Cards – eines der wichtigsten Elemente, der Begriff wird in der Regel zweideutig verwendet: Hauptsächlich ist eine Spell Card eine Hauptangriffsphase beim Boss, jedes Muster hat seinen eigenen Namen und im Spiel sieht man anhand einer History-Anzeige, wie oft der Spieler welche Spell Card geklärt hat; neben der Gesamtzahl wie oft der Spieler mit diesem Charakter diese SC gesehen hat. Die zweite Bedeutung von „Spell Card“ steht als alternativer Name für die spezifische Bombe des Spielers. Die Doppeldeutigkeit des Begriffs wird zum Beispiel in Imperishable Night relativ deutlich: Stage 4 hat je nach Charakterteam alternative Bossgegner. Beide können auch vom Spieler als Charaktere gewählt werden. Mit Reimu als Charakter trifft man in Stage 4 dort auf Marisa, und umgekehrt. Die jeweiligen Spell Cards der Bosse sind hierbei sehr ähnliche Versionen der Bomben, die der Spieler einsetzen kann
Feuerkraft – Diese steigt mit der Zahl der aufgesammelten Power-Up-Objekte. Diese werden von besiegten Gegnern hinterlassen. Sobald die maximale Feuerkraft erreicht ist (in den früheren Ablegern mit dem Wert 128, der dann als „MAX“ erscheint), erscheinen in den meisten Spielen keine Power-Up-Objekte mehr. Falls der Spieler allerdings ein Leben verliert, geht je nach Spiel entweder ein geringer Teil der Feuerkraft verloren oder die Spielfigur verliert komplett sämtliche Power-Up Gegenstände, die dann aber wieder eingesammelt werden können. In Mountain of Faith, Subterranean Animism und Great Fairy Wars erscheint jeweils die Schussstärke als Dezimalwert mit zwei Nachkommastellen, Bomben sind nicht mehr separat einsetzbar, sondern mit der Feuerkraft gekoppelt. Für eine Bombe büßt der Spieler jeweils 1.00 an „Power“ ein.
Stages – Es gibt im Normalfall sechs Stages je Spiel, die – einmalig durchgespielt – dann einzeln geübt werden können. Die Freischaltung erfolgt hierbei individuell für jeden Schwierigkeitsgrad. Zusätzlich verfügt jedes Spiel über eine Extra Stage mit festgesetztem Schwierigkeitsgrad, welche nach erfolgreichem Abschließen des Hauptspiels ohne Benutzung eines Continues freigeschaltet wird. Diese stellt eine besondere Herausforderung dar, da hier ein Boss in einer langen Serie von sehr vielen und besonders fordernden Spell Cards in einem Durchgang besiegt werden muss
Punktesystem – Das Scoring ist in jedem Teil der Serie etwas anders, generell bringt der Abschuss von Gegnern nur eine geringe Zahl an Punkten, während das Aufnehmen der einzelnen Objekte von Gegnern – und deren Höhe, von wo sie aufgelesen wurden – einen entscheidenden Anteil daran hat. Durch diverse Modifikatoren, und vor allem dem Graze-Zähler, können wesentlich höhere Punktzahlen erzielt werden als durch bloßes Besiegen der Gegner.
Fokus – Beim Benutzen der Fokussierung (standardmäßig die Shift-Taste) verlangsamt sich die Charakterfigur, die gefeuerten Geschosse werden konzentriert, dadurch wirkungsvoller und richten je nach Spielsituation mehr Schaden an. In den Spielen ab Perfect Cherry Blossom erscheint dann zusätzlich ein rot umrandeter weißer Punkt (Hitbox), welcher für die Kollisionsabfrage relevant ist. Unabhängig davon sind die Hitboxen sowohl bei normaler als auch fokussierter Geschwindigkeit identisch, wobei Marisa Kirisame im Ausgleich für ihre höhere Feuerkraft in der Regel eine leicht größere Hitbox besitzt als Reimu Hakurei, was im Spiel wiederum eine größere Herausforderung beim Ausweichen bedeutet.
Graze – Geschosse, die zwar die Charakterfigur durchkreuzen, aber die Hitbox verfehlen, bringen zusätzliche Punkte. Der Graze-Zähler ist in der Mehrzahl der Spiele ein entscheidender Faktor für das Punktesystem, so dass erfahrene Spieler Projektile für einen höheren Score teils gezielt „grazen“.
Schwierigkeitsgrad – Jeder Teil der Touhou-Reihe bietet vier verschiedene Stufen: Easy, Normal, Hard und Lunatic. Auf höheren Einstellungen finden sich wesentlich mehr Geschosse der Gegner, die mit höherer Geschwindigkeit fliegen, zudem sind sowohl normale Angriffe als auch Spell Cards der Bossgegner schwieriger. Mitunter gibt es zusätzliche Spell Cards, die auf niedrigen Schwierigkeitsstufen nicht auftauchen.
Charakterauswahl – Man hat die Auswahl zwischen mehreren Charakteren (Ausnahmen mit nur einem Charakter sind z. B. Shoot the Bullet oder Great Fairy Wars), die sich in i. d. R. in der Bewegungsgeschwindigkeit, Schussart und -stärke unterscheiden. So bietet Reimu Hakurei, die seit Anfang an dabei ist, in der Mehrzahl der Spiele jeweils einen zielsuchenden Schuss, der dafür verhältnismäßig schwach ist, wenn man diesen mit den Angriffen der anderen Figuren vergleicht. Teilweise kann sich der Spieler mit der Charakterauswahl eine von unterschiedlichen Schussarten vor Spielbeginn aussuchen.
Replays – Es können Aufzeichnungen gespeichert werden, welche in einer Datei mit der Endung .rpy gespeichert werden, entweder beim Verlust aller Leben (Game Over) oder dem Durchspielen aller sechs Stages bzw. des Extra-Levels. Diese .rpy-Dateien können dann zum Beispiel weitergegeben werden und ein anderer Spieler kann sie sich dann innerhalb des jeweiligen Touhou-Titels anschauen. Bei den Ablegern der Reihe mit „Sofort-Continue“ (man macht an der Stelle weiter, wo alle Leben verloren wurden, z. B. Perfect Cherry Blossom und Imperishable Night) können Replays im aktuellen Durchlauf nicht mehr gespeichert werden, sofern der Spieler bereits ein Continue verwendet hat. Durch das Replay-Feature erklärt sich auch die hohe Popularität der Videos auf den gängigen Videoportalen wie YouTube; dadurch dass der Spieler im Prinzip nur eine geeignete Aufnahmesoftware (und Touhou selbst nur verhältnismäßig geringe Hardwareanforderungen stellt) braucht oder mit Bordmitteln wie dem Windows Movie Maker arbeiten kann.
Musik ZUN setzt bevorzugt Klavier, Synthesizerklänge und Trompeten im Soundtrack ein, wobei verschiedene Stile auch innerhalb eines Spiels gemischt werden. Auffällige Merkmale sind oft schnelle Klavier-Soli und teils sehr hohe Trompetenklänge. Mitunter werden unterschiedliche Stile verwendet. Übergänge von der Stage zum Zwischenboss sind ebenso durch musikalische Stilwechsel im jeweiligen Track gekennzeichnet.
Die Soundeffekte sind durch alle Spiele hindurch zum Großteil gleich geblieben und werden eingesetzt, um Ereignisse oder Aktionen zu kennzeichnen. Dies kann beispielsweise der Erhalt oder Verlust eines Lebens oder ein Sieg über einen Boss sein. Zudem unterstützen die Effekte den Spieler, so um anzuzeigen wenn ein Boss kurz vor Ende eines Lebensbalkens steht oder wenn Projektile ihre Richtung ändern. Ein erfahrener Spieler braucht dann nicht so häufig auf die Anzeigen des Lebensbalken und ähnlich schauen und kann sich mehr auf den eigentlichen Kampf konzentrieren.
Veröffentlichung der Spiele Insgesamt wurden bis heute 24 Spiele veröffentlicht, von denen 15 der eigentlichen Reihe angehören.
PC-98 Die ersten fünf Touhou-Spiele wurden während ZUNs Studienzeit exklusiv für den japanischen PC-9801 entwickelt und von Amusement Makers veröffentlicht.
TH01 東方靈異伝 (Touhou Rei'iden) – The Highly Responsive To Prayers (1996) Als Breakout-Klon aufgebaut Der Hauptcharakter Reimu Hakurei tritt zum ersten Mal auf
TH02 東方封魔録 (Touhou Fūmaroku) – The Story of Eastern Wonderland (1997, Comiket 52) Erster Danmaku-Shooter der Serie Marisa Kirisame, später der zweite Hauptcharakter der Serie, hat ihren ersten Auftritt als Endgegner eines Levels
TH03 東方夢時空 (Touhou Yumejikū) – Phantasmagoria of Dim.Dream (1997, Comiket 53) Als 2-Spieler-Versus-Shooter, ähnlich Twinkle Star Sprites aufgebaut