Altenbrak ist ein Ortsteil der Stadt Thale im Landkreis Harz in Sachsen-Anhalt und staatlich anerkannter Luftkurort.

Geographie mini|Karte von Altenbrak (1912) Der Ort erstreckt sich in einem von Osten nach Westen geöffneten Tal, etwa 1,6 km längs der Bode. Zur Talsperre Wendefurth, die Teil der Rappbodetalsperre ist, sind es drei Kilometer. Aus der Natur heraus musste sich Altenbrak zu einem ausgesprochenen Straßendorf entwickeln.

Blick vom Bösen Kleef|miniatur Vor der Staumauer liegt der Ortsteil Wendefurth. Altenbraks unmittelbare Nachbarorte sind Allrode, Blankenburg (Harz), Cattenstedt, Friedrichsbrunn, Hasselfelde, Treseburg, Wendefurth, Wienrode. In der näheren Umgebung liegen Almsfeld, Todtenrode und das Jagdschloss Windenhütte.

Geschichte Allgemeine Übersicht Nach dem Chronisten Gustav Adolph Leibrock wurde Todtenrode (Dovenrode), oberhalb von Altenbrak gelegen, um 970 als ein landwirtschaftliches Gut erwähnt.Gustav Adolph Leibrock: Chronik der Stadt und des Fürstenthums Blankenburg, der Grafschaft Regenstein und der Klöster Michaelstein und Walkenried. Verlag der Hof-Buchhandlung A. Brüggemann, Blankenburg 1865. Jahrhunderte früher, ehe Berg- und Hüttenleute sich im Bodetal ansiedelten, waren im Ort Menschen mit Landwirtschaft und Viehzucht beschäftigt (Reste dieser Ansiedlung sind für Ortskundige in der Gegend noch erkennbar). Markgraf Eckhard – auch Eckard oder Eckert – als Eigentümer schenkte es dem Stift Gernrode, die Markgraf Gero 959 gestiftet hatte.

Als Siedlungs- und Gewinnungsstätte von Erzen auf zu Tage tretenden Gängen hat Altenbrak höchstwahrscheinlich schon im 10. Jahrhundert existiert. Der Rennofen war bereits bekannt und wurde in einer Art dörflicher Gemeinschaft benutzt. Das Rambergmassiv reichte mit seinen Erzgängen bekanntlich bis Altenbrak. Zwischen 1227 und 1448 sollte die Gründung Altenbraks (lt. den Ortschronisten Günther Mros und Werner Schomburg) liegen. Seine Entstehung verdankt der Ort dem Berg- und Hüttenwesen. Mit dem ersten Hüttenbau wurde etwa gegen Ende des 14. Jahrhunderts – wahrscheinlich an der Stelle des heutigen Hütteplatzes – begonnen. Altenbrak wurde erstmals 1448 als Hüttenort erwähnt. In der ersten Bergbauperiode wurde das Gestein im Tagebau aus der Erdoberfläche herausgebrochen. Den Ganglinien folgten Tagebauten, die heute als „Hohlwege“ bekannt sind.Günther Mros: Chronik des ehemaligen Hüttenortes Altenbrak. Altenbrak 1994.

In der Chronik der Stadt und des Fürstenthums Blankenburg, der Grafschaft Regenstein und der Klöster Michaelstein und Walkenried, nach urkundlichen Quellen bearbeitet von Gustav Adolph Leibrock, heißt es auf Seite 383/384: „Zu Wienrode eingepfarrt sind Altenbrack, ein alter Hüttenort, dessen Hütten durch Wasser oder Brand zerstört und weiter abwärts in den Riefen wieder aufgebaut wurden, wovon noch Hüttegraben und Schlackenhalden zeugen. Später ging auch diese ein und man baute nun die Hütte an die alte Stelle, die alte BRACKE. Es kommt 1448 als Oldendorp im gräfl. Theilungsrecesse vor, wurde wie die übrigen Hütten von den Grafen verpachtet, dann als Lehn weggegeben; als solches Lehn besaß sie 1574 der Hüttenmeister Hans Hahne, der sie für 1300 Taler an Valentin Böttcher, Bürgermeister von Blankenburg versetzte.“

1725 wurde der Altenbraker Hüttenpächter Johann Heinrich Grofe in den Prozess der vier Oberfaktoren verwickelt.

Nachdem 1867 die letzte Hütte geschlossen worden war, verarmte die Bevölkerung. Später entwickelte sich der Tourismus, der durch die geschützte Lage des Ortes begünstigt war.

Altenbrak im Zweiten Weltkrieg Auch Altenbrak war in die kriegerischen Kampfhandlungen einbezogen. Gleich zu Anfang des Krieges wurden ca. 15 Familien aus dem Saarland und den Westwallgebieten nach Altenbrak evakuiert. Aber es gab keine Arbeitsmöglichkeiten und die Unterbringung von etwa 50 Menschen war keine ideale Lösung für alle Beteiligten. Dazu kamen nach den Bombardements in den Städten die Ausgebombten und Schutzsuchenden, meistens Frauen und Kinder; die Väter waren an der Front.

Der Ort bekam in dieser Zeit einen Einwohnerzuwachs von mindestens 200 bis 250 Personen. Gegen Ende des Krieges kamen noch einmal ungefähr 15 Familien: Flüchtlinge aus Ostpreußen, Schlesien und dem Sudetenland. Am 18. April 1945 beschossen die amerikanischen Truppen mit Artillerie und Panzer, von Hasselfelde über die Cellestraße kommend, den kleinen Ort und richteten großen Schaden an. Es starben zehn Personen. Die Menschen flohen in die ehemaligen Bergwerksstollen oder in die unzugänglichen Waldgebiete im Bodetal. Am Nachmittag rückten drei amerikanische Panzer über die Cellestraße zur Bodebrücke, zwei passierten die hölzerne Bodebrücke, der dritte Panzer brach mit der Brücke ein. Sie war somit zerstört und unpassierbar. Nach Ende der Kämpfe mussten insgesamt 39 deutsche Soldaten auf dem Friedhof Altenbrak beerdigt werden.Jürgen Möller: Der Kampf um den Harz. April 1945. Verlag Rockstuhl, Bad Langensalza 2011, ISBN 978-3-86777-257-0, S. 266. Die „Bergwiese“ – heute ein Freizeitgelände – verwandelte sich in den folgenden Tagen in ein großes provisorisches Gefangenenlager für 5000 bis 6000 deutsche Soldaten.

An eigenen Gefallenen und Vermissten hat Altenbrak 17 Männer zu beklagen. Ein Kriegerdenkmal befindet sich auf dem Friedhof in Altenbrak.

Neuanfang nach dem Zweiten Weltkrieg Am 3. September 1945 erließ die Landesregierung Sachsen-Anhalt eine Verordnung über die Durchführung der demokratischen Bodenreform: die herzoglichen Forsten und Ländereien wurden Volkseigentum; Schloss Blankenburg (Harz) kam in den Besitz des Landes Sachsen-Anhalt; in Altenbrak erhielten 20 Bürger Parzellen von (ca. 3 ha für jeden) als Bauernwald; die Standorte: Celle, Hannover, Kl. Mühlental, insgesamt 57,69 ha; auch die Gemeinde erhielt einige Flächen: Hängemattenwald (jetzt Waldbühne), Schützenplatz, Kuhtrift im Roland; die herzoglichen Ländereien wurden ebenfalls in Parzellen aufgeteilt: Die Altenbraker, die dieses Land bisher in Pacht hatten, wurden nun Eigentümer.

Von 1943 bis 1945 betrieb die herzogliche Forst im Roland zwei kleine gemauerte Brennöfen für Holzkohle, die von zwei Einwohnern bedient wurden. Die Holzkohle benötigte man zum Antrieb der LKW – mangels Benzin oder Diesel. Allein in Altenbrak benutzte man drei Lkw zum Transport notwendiger Güter. Sie fuhren die „Holzkohlevergaser“, d. h. mit Holzgas statt Benzin oder Diesel. 1948 wurde der Betrieb mit diesen Brennöfen für Holzkohle eingestellt.

Unter Führung des Bürgermeisters Erich Hoffmann, der aus Hasselfelde kam, ergriff die Bevölkerung 1946 die Initiative zur Beseitigung der Kriegsschäden, um den Ort als Fremdenverkehrs- und Erholungsstätte auszubauen. Ein eigens von der Gemeinde erworbenes Haus wurde zum Gemeindebüro ausgebaut und in ihm ein Behandlungs- und Sprechzimmer für Arzt und Zahnarzt eingerichtet. Dem Bürgermeister zur Seite standen zwei Mitarbeiterinnen und ein Rechnungsführer.

Vom 5. bis 8. Juli 1951 feierte der Ort sein 500-jähriges Jubiläum. Seit 22. Juni 1949 ist Altenbrak Luftkurort. Der Status wurde 1994 vorläufig und 2002 endgültig bestätigt. Altenbrak nannte sich viele Jahrzehnte Perle des Bodetals.

Am 1. Juli 2009 wurde die bis dahin selbstständige Gemeinde Altenbrak in die Stadt Thale eingemeindet.StBA: Gebietsänderungen vom 02. Januar bis 31. Dezember 2009

Politik Früher bildeten Altenbrak und der Nachbarort Treseburg eine Gemeinde, der ein Gemeindevorsteher aus Altenbrak vorstand. Durch eine Verordnung von Herzog Wilhelm von Braunschweig vom 28. Januar 1835 wurde Treseburg eine selbständige Kommune und besaß ab diesem Zeitpunkt einen eigenen Gemeindevorsteher. Gemeindevorsteher waren Vertreter des Bürgertums, das von den zahlreichen Handwerkern, Gaststättenbesitzern, Kaufleuten und Fremdenpensionsbesitzern repräsentiert wurde. Die Verwaltungsaufgaben eines Gemeindevorstehers waren damals noch gering. So führte er diese Tätigkeit sozusagen „nebenberuflich“ durch, hatte auch keine Hilfskräfte zur Erledigung von etwaigen Schreibarbeiten, im Gegenteil: ihm oblagen meist noch die Tätigkeiten des Standesbeamten. Ihm unterstand lediglich ein Gemeindediener. Dieser erledigte Botengänge, war verantwortlich für die Wasserversorgung und war der „Ausrufer“ von Bekanntmachungen. Mit einer an einem Stiel befestigten Messingglocke kündigte er laut und vernehmlich seine Informationen an. Ein „Ausrufer“ war noch bis nach dem Zweiten Weltkrieg in gleicher Weise tätig, bis Altenbrak 1950 eine Ortsrufanlage erhielt.

Die Gemeindevorsteher wurden von den Einwohnern für sechs Jahre gewählt und von der Kreisdirektion bestätigt. So lesen wir in einer Bekanntmachung des Gemeinnützigen Wochenblattes für Blankenburg und den Harz vom 20. November 1869: „Der für die Zeit vom 1. Januar 1870 bis 1876 zum Gemeindevorsteher von Altenbrak erwählte Schneidermeister August Röbbeling daselbst ist als solcher am 15. ds. Mts. bestätigt und eidlich verpflichtet.“

Der hier erwähnte August Röbbeling hatte das Amt des Gemeindevorstehers bis zum Ende des Ersten Weltkrieges inne und wurde von seinem Sohn, dem Schneidermeister Otto Röbbeling abgelöst.

Bürgermeister 1927–1933 Wilhelm Steffen (SPD). Nach der Machtergreifung durch die NSDAP am 30. Januar 1933, setzte man zunächst den früheren Ortsvorsteher Otto Röbbeling wieder ein, bis dann der Ortsgruppenleiter der NSDAP, Karl Leggewig, dieses Amt übernahm und es bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs innehatte. Erster Bürgermeister nach dem Zweiten Weltkrieg 1945 wurde Karl Schomburg (SPD). Ab 1946 kam Erich Hoffmann (KPD) als sein Nachfolger nach Altenbrak, der im November 1958 abgesetzt wurde. 1959 für zwei Monate (kommissarisch) Walter Koch (SED). 1959 für ebenfalls zwei Monate (kommissarisch) Bernard Prochnau (SED). 1959–1965 Otto Ebeling (SED). 1965–1980 Otto Elsner (SED). 1980–1986 Dieter Lang (SED). 1986–1989 Jörg Wenzel. 1989–1993 Konrad Pisalski. 1993–2000 Manfred Dott (CDU).Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt: Kommunalwahlen am 12. Juni 1994. Endgültige Ergebnisse der Gemeindewahlen. Statistisches Landesamt Sachsen-Anhalt, 1995, S. 431. 2001–2008 Konrad Pisalski (WG). 2008–2009 Ralf Trute.

Wappen und Flagge Das durch den Magdeburger Heraldiker Jörg Mantzsch gestaltete Wappen wurde am 10. Juli 2008 durch den Landkreis Harz genehmigt und unter der Nr. 32/2008 im Landesarchiv Sachsen-Anhalt registriert.

Blasonierung: „Gespalten von Gold und Grün, vorn eine ausgerissene grüne Fichte, hinten ein halbes silbernes Wassermühlrad am Spalt, im blauen Wellenschildfuß eine silberne Forelle.“

Die Farben der ehemaligen Gemeinde sind – ausgehend von der Tingierung des Wappens – die Farben Grün und Gold (Gelb). Die Flagge ist zweistreifig, linker Streifen grün und rechter Streifen gelb. Bei der quergestreiften Flagge ist der obere Streifen grün und der untere Streifen gelb. Mittig aufgesetzt ist das Wappen.

Wirtschaft und öffentliche Dienste Tourismus Einer der Hauptwirtschaftsfaktoren des Ortes sind die Kurgäste. Zwischen 1946 und 1988 stiegen die Gastzahlen massiv an: 1946: 1.290 Kurgäste. 1949: 4.217 Kurgäste. 1955: 7.859 Kurgäste. 1970: 10.579 Kurgäste. 1977: 17.200 Kurgäste. 1988: 25.375 Kurgäste.

Geschichte der Feuerwehr