mini|Wappen der bayerischen Linien Arco-Zinneberg und Arco-Valley. Der Reichsadler und die Erlauchtkrone wurden der Familie im Hinblick auf die (1614 verlorene) Reichsunmittelbarkeit verliehen.
Das ursprünglich italienische Uradelsgeschlecht der Arco, erstmals 1124 urkundlich bezeugt, stammt aus dem Gebiet des Fürstbistums Trient (heute Autonome Provinz Trient). Der Stammsitz des edelfreien Geschlechts war die Burg Arco, nördlich des Gardasees am Unterlauf des Flusses Sarca gelegen. Diese war zunächst Reichslehen, ab 1210 ein Lehen des Hochstifts Trient, ab 1413 durch Entscheidung König Sigismunds erneut reichsunmittelbares Territorium. Mit der Annexion der Grafschaft Arco durch das Haus Habsburg und die Eingliederung in die Gefürstete Grafschaft Tirol 1614 endete faktisch die Reichsunmittelbarkeit.
Die italienische Linie erlosch im 20. Jahrhundert. Der um 1700 nach Bayern gezogene Zweig besteht bis heute.
Geschichte
Herkunft mini|Burg Arco, Aquarell von Albrecht Dürer, 1495 Die namengebende Burg der Herren von Arco soll in römischer oder langobardischer Zeit entstanden sein. Sie lag strategisch günstig auf einem steil abfallenden Felsen oberhalb des Sarcatals und galt jahrhundertelang als uneinnehmbar. Im 12. Jahrhundert bestand sie aus einem Turm, der mit einer Ringmauer umgeben war. In der Mitte des 13. Jahrhunderts errichtete man auf halber Höhe eine neue Burg. Den Anblick von 1495 hielt Albrecht Dürer in einem Aquarell fest.Das Bild entstand während Dürers erster Italienreise. Es befindet sich heute im Louvre, Paris.
Die gesicherte Stammreihe beginnt mit Riprandus de Arcu,Rudolf Kink (Hrsg.): Codex Wangianus. In: Fontes rerum Austriacarum, II. Abt., 5. Band, S. 24 ff., Nr. 5. dem Vater des 1124 urkundlich erstmals bezeugten Fridericus de Archo.F. Huter (Hrsg.): Tiroler Urkundenbuch. Band I. Innsbruck 1937, Nr. 150, S. 69. Aus den frühesten Lehnsurkunden ab 1186 für den Bischof von TrientWaldstein-Wartenberg: Geschichte der Grafen von Arco im Mittelalter. S. 12. gehen der edelfreie Stand und die lange währende Zugehörigkeit der Herren von Arco zum einheimischen Adel hervor. Als Edelfreie besaßen sie Privilegien, wie Immunität und hohe Gerichtsbarkeit. Ihre Burgen lagen an der Grenze zu Reichsitalien (das Trentino gehörte im 12./13. Jahrhundert nicht zum italienischen, sondern zum deutschen Reichsteil, die Grenze verlief unmittelbar nördlich des Gardasees) und ebenfalls im Bereich der deutsch-italienischen Sprachgrenze, regional wurde aber zumeist ladinisch gesprochen.
Die Brüder Ulrich (1155–1196) und Friedrich (1160–1196) erlangten durch ein Bündnis mit dem Stauferkaiser Friedrich Barbarossa (1122–1190) ein Reichslehen. 1191 begleiteten sie Heinrich VI. (1165–1197) auf seinem Zug zur Kaiserkrönung nach Rom. Systematisch bauten sie ihre Grundherrschaft aus und schützten sie durch die strategisch positionierten Burgen Castel Drena am nördlichen Zugang zum Sarcatal, Castel Penede am südlichen.
Mittelalter mini|Burgruine Arco am Gardasee 1210 zwang der Bischof von Trient, Friedrich von Wangen (reg. 1207–1218), die Herren von Arco in die bischöfliche Ministerialität, wodurch sie die Blutgerichtsbarkeit einbüßten.Waldstein-Wartenberg: Geschichte der Grafen von Arco im Mittelalter. S. 28–46. Friedrich (1186/87–1237/38), Sohn des älteren Friedrich, stand vermutlich 1220 im Gefolge Friedrichs II. von Hohenstaufen bei seiner Kaiserkrönung in Rom. Kaiser Friedrich II. erhob ihn und seine Neffen Adalbert (1198–1236) und Riprand (ca. 1203–1265) 1221 zu Grafen von Arco und Torbole. Das Castel Penede gehörte ebenfalls zum Familienerbe.
Im 13. Jahrhundert gerieten die Herren von Arco in die Auseinandersetzungen zwischen päpstlichen Guelfen und kaisertreuen Ghibellinen.Waldstein-Wartenberg: Geschichte der Grafen von Arco im Mittelalter. S. 58–84. Ulrich der „Gepanzerte“ (1232–1282),Waldstein-Wartenberg: Geschichte der Grafen von Arco im Mittelalter. S. 86–107. ein guelfischer Parteigänger, wurde der mächtigste Adelige in Judikarien. Judikarien bezeichnet das Gebiet westlich von Trient und nordwestlich des Gardasees an der oberen Sarca und des oberen Chiese sowie das des nördlich gelegenen Brentamassivs. Er gewann das Recht der Ausübung der hohen Gerichtsbarkeit zurück und baute die Herrschaft Arco systematisch aus, indem er den zersplitterten Grundbesitz arrondierte. Es gelang ihm, seine bislang auf Personen aufgebaute Machtposition in eine geschlossene territoriale Herrschaft umzuwandeln. 1269 wurde er zum Podestà von Brescia gewählt, 1273 von Cremona. Infolge von Familienstreitigkeiten um die Einheit von Besitz und Burg warf er seinen ghibellinischen Vetter Riprand lebenslang in das Verlies der Burg Arco und bemächtigte sich seines reichen Besitzes. Den Zenit seiner Macht erreichte er 1275 durch den Neutralitäts- und Friedensvertrag mit Graf Meinhard II. von Tirol. Nach seinem Tod gerieten die Herren von Arco 1284 unter Tiroler Lehenshoheit.Waldstein-Wartenberg: Geschichte der Grafen von Arco im Mittelalter. S. 156–168. mini|Harnisch des Grafen Galeazzo d’Arco, 1448 Im 14. Jahrhundert führten abermals Unstimmigkeiten innerhalb der Familie zu Auseinandersetzungen, die Anton (1355–1387) als Einziger überlebte. Er vereinte ab 1363 die gesamte Herrschaft in seiner Hand.Waldstein-Wartenberg: Geschichte der Grafen von Arco im Mittelalter. S. 200. Durch seine Eheschließung mit Orsola di Correggio begründete er erstmals politische und wirtschaftliche Beziehungen zum Fürstenhof der Gonzaga in Mantua.
Seine Nachfolger lavierten zwischen Verona, Mailand, Venedig, Tirol und dem Reich. Als Parteigänger von König, ab 1433 Kaiser Sigismund in seinem Krieg gegen Venedig wurde Vinciguerra (1375/76–1444) 1413 in den Reichsgrafenstand und die Herrschaft Arco mit den Burgen Drena, Penede und Castellino zur reichsunmittelbaren Grafschaft erhoben. Vinciguerra begleitete Sigismund 1415 zum Konzil nach Konstanz, wo ihm der Titel eines königlichen Familiaren verliehen wurde.Waldstein-Wartenberg: Geschichte der Grafen von Arco im Mittelalter. S. 222. 1433 erhielt auch Vinciguerras Bruder Anton (1381/82–1447) den Reichsgrafentitel anlässlich des Besuchs Kaiser Sigismunds in Arco.Hugo Neugebauer: Kaiser Sigmund in Arco. In: Forschungen und Mitteilungen zur Geschichte Tirols und Vorarlbergs, 1918, 15. Jg., S. 109 f. Waldstein-Wartenberg: Geschichte der Grafen von Arco im Mittelalter. S. 227.
Im 15. Jahrhundert stiegen die Grafen von Arco durch die Hochzeit Ulrichs (um 1445–1528)Aretin: XII. Generation. S. 571–598:1438 mit Caecilia von Gonzaga 1475Kaiser und Höfe.Personendatenbank der Höflinge der österreichischen Habsburger, hrsg. von Mark Hengerer und Gerhard SchönWaldstein-Wartenberg: Geschichte der Grafen von Arco im Mittelalter. S. 260–264. in den Kreis der bedeutenden Renaissancefürsten auf. Die Verbindung bescherte ihm den Besitz von Cavriana bei MantuaCavriana liegt nördlich von Mantua, in unmittelbarer Nähe von Solferino, wo 1859 die Schlacht zwischen Sardinien-Piemont/Frankreich gegen Österreich stattfand. und „auf ewige Zeiten“ das Bürgerrecht von Mantua. Doch ließen sich die Grafen nicht, wie andere italienische Adelige, in den großen Städten nieder, sondern blieben dauerhaft in Arco, wo sie sich Palazzi in der Stadt, z. B. den Palazzo di San Pietro (heute Palazzo Marchetti) und den Palazzo del Termine erbauten. Die Stammburg auf dem Felsen diente nur noch als Fluchtort in Kriegszeiten.
„Adrianische Teilung“ 1512 Nachdem sich innerhalb der Familie Arco immer wieder Auseinandersetzungen über Besitz, Führung und politische Ausrichtung ergeben hatten, wurde 1512 schließlich der Erbstreit zwischen Ulrich (um 1445–1528) und seinem Bruder Andreas (um 1434/38 bis vor 1507)Aretin: XII. Generation. S. 553–570 vom Reichskammergericht durch die „Adrianische Teilung“Die „Adrianische Teilung“ ist benannt nach dem Vermittler Kardinal Adriano Castellesi da Corneto, der bekannt war durch den humanistenfeindlichen Traktat „De vera philosophia“. Gerhard Rill: Geschichte der Grafen von Arco 1487–1614. S. 46–50. beigelegt. Sie trennte die Familie in den andreasischen und den odalricischen (Ulrich’schen) Stamm. Die territoriale Trennungslinie verlief mitten durch die Stadt Arco, sie teilte das Reichslehen in die beiden nach den Stadttoren benannten Bereiche del Ponte (andreasischer Zweig) und della Scaria (odalricischer Zweig).Gerhard Rill: Geschichte der Grafen von Arco 1487–1614. S. 40–50. Die Stammburg blieb gemeinsamer Besitz, beide Stämme blieben zu gemeinsamer Verteidigung bei äußeren Angriffen verpflichtet. Damit kehrte wieder Friede und Stabilität in diese so wichtige Grenzzone ein.
Andreasischer Stamm Der älteste Sohn des Andreas, Anton (um 1471–vor 1527 ⚭ Paula Gräfin von Lodron),Aretin: XIII. Generation. S. 609–617. Gerhard Rill: Geschichte der Grafen von Arco 1487–1614. S. 51. stand früh in königlichen Diensten am Hof Maximilians I., wo seine Schwester Agatha (um 1469–1523)Aretin: XIII. Generation. S. 603–608. Gerhard Rill: Geschichte der Grafen von Arco 1487–1614. S. 51. Hofdame der ersten Gemahlin Maximilians I., Maria von Burgund, war. 1495 ist Anton als Rat und Hofmarschall des Königs bezeugt. Im selben Jahr wurde er mit seinen drei Brüdern Alexander, Gerhard und Vinciguerra durch die Verleihung des sog. „kleinen Palatinats“ zu Hofpfalzgrafen (comites palatini) sowie zu Mitgliedern des kaiserlichen Konsistoriums ernannt.Gerhard Rill: Geschichte der Grafen von Arco 1487–1614. S. 51. Die Lehensurkunden von 1521 von Kaiser Karl V. für beide Linien erwähnten die Herrschaften Arco (curtis und Territorium), die Orte Torbole und Drena und die Burgen Castellino, Penede, Drena, Restoro sowie Castel Spine (Restor und Lomaß, heute Teile von Comano Terme).
Weitere Mitglieder des andreasischen Stammes standen im 16. Jahrhundert in Hof- und Militärdiensten der Habsburger. Dem erfolgreichen Söldnerführer Gerhard (nach 1480-ca. 1528 ⚭ Cornelia Miniscalchi)Aretin: XIII. Generation. S. 630–638. verpfändete Kaiser Maximilian I. 1518 zur Sicherung des Nordufers des Gardasees die strategisch bedeutenden Vier Vikariate Ala, Castello di Avio, Brentonico und Mori. Sie wurden 1533 an den Bischof von Trient restituiert. Im Italienischen Krieg zwischen Kaiser Karl V. und Franz I. von Frankreich kämpfte Gerhard auf kaiserlicher Seite.
Sein Neffe Vinciguerra d. J. (nach 1520–nach 1592),Aretin: XIV. Generation. S. 770–773. der 1568 an der Hochzeit Herzog Wilhelms V. von Bayern mit Renate von Lothringen teilnahm und sich bei der Brautfahrt der Kaisertochter Anna 1570 zur Hochzeit mit König Philipp II. von Spanien im Gefolge der Braut befand, trat als königlicher Kämmerer in spanische Dienste. Er soll 1571 bei der Seeschlacht von Lepanto 3000 deutsche Söldner auf dem venezianischen Flügel befehligt haben.Gerhard Rill: Geschichte der Grafen von Arco 1487–1614. S. 79. Vinciguerra „zählte im Rahmen seines Geschlechtes zu den verdienstvollsten Vasallen der Casa de Austria“.Gerhard Rill: Geschichte der Grafen von Arco 1487–1614. S. 176.
1579 eskalierte ein Zerwürfnis zwischen den Vertretern der beiden Arco-Stämme, bei dem der Führer des andreasischen Stammes Anton (um 1552–1612)Aretin: XV. Generation. S. 853–861. seinen odalricischen Vetter HorazAretin: XV. Generation. S. 948–950. (um 1555–1579) ermordete. Die Folge dieser Gewalttat war die Besetzung der Grafschaft durch Erzherzog Ferdinand II. von Tirol.Gerhard Rill: Geschichte der Grafen von Arco 1487–1614. S. 181–189. In der Kapitulation von 1614, die den Konflikt beendete, wurde die Unterwerfung der Grafschaft Arco unter die Tiroler Oberherrschaft besiegelt. Die Frage der Reichsunmittelbarkeit blieb ungeklärt.