mini|hochkant|Gotland (Landsat) Gotland ist eine schwedische Insel und historische Provinz. Die nach Seeland (Dänemark) zweitgrößte Insel der Ostsee liegt nordöstlich von Öland. Ihren Namen hat sie vom Germanenstamm der Goten, die die Insel laut der Gutasaga um die Zeitenwende zumindest teilweise verließen, um auf dem Kontinent, später als Ost- und Westgoten, große Reiche im mediterranen Raum zu errichten.
Die Insel Gotland bildet zusammen mit einigen benachbarten kleineren Inseln die Provinz Gotlands län, die historische Provinz Gotland sowie die Gemeinde Gotland.
Geographie mini|Bläse Kalkbruksmuseum Gotland liegt 90 km von der schwedischen Ostküste entfernt und ist 117 km lang sowie 45 km breit.
Gotland bildet ein meist 20 bis 30 m hohes Plateau aus silurischen Kalken und Mergel, das nach Osten zum Meer hin mit schroffen Felswänden und isolierten Felspfeilern abfällt. Im Süden liegt ein größerer Bereich auf einer Sandsteinformation. Hauptort und einzige Stadt der Insel ist die frühere Hansestadt Visby. Entsprechend seinen Ressourcen ist Gotland von der Stein- und Zementindustrie, vom Mergel- und Tonabbau und vom Fischfang geprägt worden. Die Kalkbrennerei (Kalköfen von Bärlast und Kyllaj) trug zur Entwaldung der Insel bei. Im Jahr 1730 wurde die Zahl der Öfen auf 18 halbiert. Heute wird nur noch an wenigen Orten Kalkstein abgebaut. Die Zementherstellung ist auf den Ort Slite konzentriert, wo Schwedens größtes Werk steht. In Bläse befindet sich ein Kalkwerksmuseum (schwed. Bläse kalkbruksmuseum).
Die höchste Erhebung ist unter 82 m hoch. Es gibt auf Gotland insgesamt etwa 50 ständig mit Wasser gefüllte Seen, von denen vier eine Fläche von mehr als einem Quadratkilometer haben: Bäste träsk, Tingstädeträsk, Fardumeträsk und Bogeviken.Karakterisering och klassificering av gotländska ytvatten enligt ramdirektivet för vatten. 3, 2005, S. 22 (schwedisch).
Das Klima ist mild mit einer mittleren Januartemperatur von 0 °C.
Flora und Fauna mini|hochkant|Spitzels Knabenkraut ist eine besondere Rarität der gotländischen Pflanzenwelt Aufgrund des milden Klimas gedeihen Kastanien und Walnussbäume.
Gotland ist bekannt für seine sehr artenreiche Naturlandschaft. Besonders die Vogelwelt und die Vielfalt an Orchideen sind hervorzuheben. Zahlreiche Naturreservate wurden auf der gesamten Insel eingerichtet, darunter das Uppstaigreservat und eines auf der Torsburg sowie zwei weitere auf den westlich vorgelagerten Felseninseln Lilla Karlsö und Stora Karlsö (kleine und große Karlsinsel). Das Guteschaf (schwed. Gutefår), eine kleine robuste Hausschafrasse, ist die älteste schwedische Rasse. Bis in die Neuzeit gehörte die winterliche Robbenjagd auf Gotland zur Ernährungsgrundlage der Inselbevölkerung.
Landschaftssymbole Blume: Efeu Tier: Igel Vogel: Halsbandschnäpper Fisch: Steinbutt
Geschichte Jäger und Sammler Gotland ist eine Insel mit einigen Nebeninseln (u. a. Fårö, Lilla und Stora Karlsö und Östergarnsholm), die nach der letzten Eiszeit aufgrund der Landhebung und unterschiedlicher Meeresstände der Ostsee in mehreren Etappen aus der Ancylussee emporwuchs. Die Insel wurde zunächst von Jägern und Sammlern besiedelt. Die Skelettfunde von Stenkyrka und Lummelunda sind etwa 8000 Jahre alt. Damit sind sie nicht nur die ältesten in Gotland, sondern gehören auch zu den ältesten in Schweden. Von erheblicher Bedeutung war die Robbenjagd, die bereits im Mesolithikum begann.Christian Lindqvist, Göran Possnert: The first seal hunter families on Gotland. On the Mesolithic occupation in the Stora Förvar cave. In: Current Swedish archaeology 7 (1999), S. 65–87 (online).
Bäuerliche Kultur, Metallzeitalter Um 2000 v. Chr. wurden die Jäger von Ackerbauern verdrängt. Die Siedlungen der Bronzezeit dienten offenbar auch als Handelsplätze. An mehreren von ihnen haben Archäologen Feuerstein gefunden, der aus Südschweden stammt; Pfeilspitzen aus Schiefer kamen aus Mittelschweden oder Norrland und Bernstein vom südlichen Ostseeufer. Nur wenige Funde der vorchristlichen Eisenzeit der Hallstatt- und La-Tène-Kultur sprechen für eine weitgehende Isolierung zwischen 500 und 100 v. Chr. Während der römischen Kaiserzeit gab es enge Kontakte zu Mitteleuropa, wie Importfunde belegen.
Aus der Vorzeit haben sich viele Überreste als Bodendenkmale erhalten. Spätbronzezeitliche Schiffssetzungen und mittelalterliche Bildsteine sind Elemente, deren Ursprung offenbar auf Gotland lag. Radgräber (bei Linde und Stenkyrka), beinahe 400 Runensteine, auch Menhire und Steinkisten sind sehr zahlreich. Steinhügelgräber, die auf Schwedisch Rojr (deutsch „Röser“) heißen, und Felsritzungen vervollständigen die Relikte der Vorzeit. Das Bulverket, ein Pfahlbau im Tingstädeträsk, ist eine einmalige Anlage aus dieser Zeit. Seltsam sind auch die Trullhalsar (Trollhälse), vendelzeitliche Grabkreise, die sich ähnlich auch im heutigen Polen finden. Nicht zuletzt prägten sechs große Gräberfelder (z. B. Gräberfeld von Lilla Bjärs, Gräberfeld von Lilla Ihre) und frühzeitliche Burganlagen, darunter Stora Havor, Gammelslott, Grogarnsberget, Herregårdsklint, Styrmansberg und die Torsburg, die jüngere Vorzeit der Insel ebenso wie die Trojaburgen, die nordischen Labyrinthe.
Das Freilichtmuseum von Bunge und Gotlands Fornsal in Visby zeigen viel davon. Die über 800 auf der Insel gefundenen wikingerzeitlichen Hortfunde, darunter die drei im Jahr 2000 geborgenen Horte von Spillings (allein 65 kg Silber mit einem Materialwert von 600.000 €), sind hingegen in Stockholm zu sehen. Das gilt auch für den vorwikingerzeitlichen Hortfund von Havor. Bereits Mitte des 7. Jahrhunderts war das Baltikum Ziel von schwedischen Aktivitäten. Sagas, die allerdings erst im 13. Jahrhundert aufgezeichnet wurden, schildern die Taten der Könige Ivar Vidfamne (Ívarr inn víðfaðmi – 655–695 n. Chr.) und Harald Hildetand. Ivar Vidfamne soll das Baltikum und die Gegend um Gardarike in Karelien erobert haben. Von dauerhafter Landnahme kann aber keine Rede sein, denn das Reich zerfiel mit seinem Tod. Dass kurische Waffen und Schmuckstücke nach Gotland gelangten, belegen Ziernadeln, Fibeln und Schwerter aus dem 10. Jahrhundert. Man fand Utensilien, wie sie in der Umgebung von Memel und Kretinga vorkommen, an der gotländischen Küste. Das Grab in Hugleifs belegt die Anwesenheit von Kuren auf der Insel. Die Funde deuten Handelsbeziehungen zu den Balten an, allerdings erst im 10. und 11. Jahrhundert.
Eine Besonderheit ist, dass das Altgutnische, das auf der Insel im Mittelalter gesprochen wurde, eine eigenständige nordgermanische Sprache war und dass auf Gotland ein eigenes Landesrecht (Landskapslag) galt, das erst in der frühen Neuzeit ersetzt wurde. So kennt das Gutalag (Gotlandsgesetz) bis 1595 keinen Lagman.
Vorgeschichtliche Häuser Die Reste der ältesten Siedlungsstruktur auf Gotland stammen aus der Zeit um Christi Geburt. Es sind große Steinfundamente, die bis zu 60 m lang sein können und Mauerstärken bis zu 1,5 m zeigen. Auf der Insel gibt es annähernd 1800 in Gruppen liegende Fundamente. Die großen Häuser boten Platz für Wohnteil und Stall. Auf den Fundamenten ruhte ein steiles Dach, abgestützt durch Doppelreihen kräftiger Pfosten. Das Dach war vermutlich mit Reet (gotländ. „Ag“) gedeckt, das bis in unsere Zeit als Deckmaterial für ländliche Wirtschaftsgebäude dient. Man baute primär Gerste, Weizen und Roggen an. Die Saat wurde durch Mauern aus Stein vor Vieh und Wild geschützt. Einige Reste der alten Ackersystemgrenzen, so genannte „Fornäckrar“ gibt es noch. Vieh wurde auch auf den nicht umzäunten Weiden, den Allmenden, gehalten. Rinder, Ziegen, Schafe, Hausschweine und Hühner sind in der prähistorischen Siedlung Vallhagar belegt. Einige der Plätze, darauf deuten reiche Funde hin, waren eisenzeitliche Handelszentren.
Schon in heidnischer Zeit war Gotland in 20 Thingbezirke eingeteilt. Diese Einteilung bestand bis 1745 fort, wurde dann aber den Pfarrbezirken angepasst.
Mittelalter, Christianisierung, Fernhandel In der Mitte des 10. Jahrhunderts gehörte die Insel noch zum Reich der heidnischen mittelschwedischen Svear, unter deren Schutz sie sich gestellt hatte. Der Sage nach soll der Norwegerkönig Olav der Heilige die Insel 1029 christianisiert haben. Die Grabplatte aus der Johanneskirche von Visby dokumentiert den Übergang. Gotland war bereits vor und während der Zeit der Wikinger sowie im frühen und späten Mittelalter ein wichtiger Platz für den Ostseehandel. Später hatte die Hanse maßgeblichen Anteil daran. Lange bevor Lübeck und andere Städte an der Ostsee gegründet wurden, waren die Inselhäfen Paviken und Fröjel, später dann Visby Drehpunkt des Warenverkehrs zwischen Avaldsnes auf Karmøy und Kaupang in Norwegen, Birka und Sigtuna in Schweden, Dorestad in den Niederlanden, Haithabu, Ribe und Tissø im damaligen Dänemark, Quentovic in Frankreich, Jomsburg (Vineta), Ralswiek, Reric, Truso und Wiskiauten an der südlichen Ostseeküste, Nowgorod in Russland und Seeburg im Baltikum. Bäuerliche Händler brachten begehrte Güter über das Meer. In ihrem Gefolge, wohl als Gäste oder als Partner, kamen im 12. Jahrhundert immer mehr Kaufleute aus den neu gegründeten Städten an der Ostsee und aus dem Rheinland und Westfalen auf die Insel. Schnell übernahmen sie mit eigenen Schiffen den Großteil des Handelsvolumens.
Die deutschen Händler, zum größten Teil ansässig in Visby, wo sie großen Einfluss auf die Stadtentwicklung mit dem Bau prachtvoller Höfe, Häuser und der Marienkirche hatten, wurden alsbald zur ernsthaften Konkurrenz für die ländliche Bevölkerung; Spannungen waren daher unausweichlich. Dieser Gegensatz zwischen Kaufleuten und Landbevölkerung mündete 1288 in einen militärischen Konflikt. In mehreren Kämpfen musste sich die Stadt Visby, die dem schwedischen König Magnus Ladulås unterstand und ihm zur Heeresfolge verpflichtet war, gegen die Bauern behaupten und erlitt dabei trotz ihrer Befestigungsanlage – die noch heute weitgehend erhaltene Stadtmauer war knapp 3,6 km lang und hatte neben drei Toren auch 44 Wehrtürme – schwere Zerstörungen.
Niederschlagung der Landbevölkerung, dänische Herrschaft, Vitalienbrüder 1361 landete der dänische König Waldemar Atterdag mit einer 3000 Mann starken Streitmacht auf der Insel. Ein eilig aufgestelltes Heer der Landbevölkerung – die Bürger verschanzten sich derweilen – stellte sich dem Invasionsheer entgegen. Es wurde in einer ersten Schlacht bei Mästerby geschlagen. Die verbleibenden Kämpfer zogen sich nach Visby zurück. Es ist unklar, warum sie dorthin zogen. Womöglich erhofften sie sich trotz Differenzen in der Vergangenheit militärischen Beistand oder Schutz innerhalb der stark befestigten Stadt. Die Stadt gewährte allerdings keinen Einlass. Daher wurde das letzte Aufgebot vom überlegenen dänischen Heer auf offenem Feld gestellt und in der Schlacht von Visby vernichtend geschlagen. Rund 2000 Menschen fanden den Tod. Nach der Schlacht kapitulierte die befestigte Stadt Visby, erhielt aber im Gegenzug zwei Tage später die Bestätigung ihrer alten Rechte und Privilegien.
mini|Galgen bei Visby mini|Vertrag mit dem Deutschen Orden über die Rückgabe Gotlands mini|Gotland als Teil Dänemarks Seitdem war Gotland dänisch. Im Krieg Dänemarks gegen Schweden besetzten 1394 die Vitalienbrüder die Insel als Operationsbasis, wo sie sich als Freibeuter unter der Losung „Gottes Freunde, aller Welt Feinde!“ allmählich verselbstständigten und zu gefürchteten Seeräubern entwickelten. Auf Vivesholm liegen noch die Reste einer Befestigungsanlage, die Albrecht von Mecklenburg nach seiner Absetzung als schwedischer König als Anführer der Vitalienbrüder bauen ließ.