miniatur|Lionel Kieseritzky (19. Jahrhundert) Lionel Adalbert Bagration Felix Kieseritzky (* in Dorpat, Gouvernement Livland, Russisches Reich; † 18. Mai 1853 in Paris) war ein deutschbaltischer Schachspieler. Im Jahr 1839 verließ er Russland und wirkte seitdem in Paris als Berufsschachspieler.Manfred van Fondern: Lexikon für Schachfreunde. Verlag C. J. Bucher, Luzern/Frankfurt am Main 1980, S. 153.
Biographie Lionel Kieseritzky war das jüngste der vierzehn Kinder des Rechtsanwalts Otto Wilhelm Kieseritzky (1755–1814) und seiner Ehegattin Catharina Felicitas, geb. von Hoffmann (1765–1837). Von 1825 bis 1829 studierte Kieseritzky an der Kaiserlichen Universität Dorpat seiner Heimatstadt Philologie und Jura, wandte sich aber später der Mathematik zu, da sich bereits früh seine Begabung dort zeigte. Er war ein gesuchter und beliebter Mathematiklehrer in Dorpat.
Als Schachspieler überflügelte er bald seine baltischen Landsleute, und Livland bot ihm auf diesem Gebiet keine Entwicklungsmöglichkeiten mehr. Der Grund für seine 1839Guttceit: Zu Kieseritzky’s Leben und Wirken, S. 298. erfolgte Auswanderung lag aber auf anderem Gebiet. Kieseritzky führte einen ausufernden, in den Einzelheiten ungeklärten Beleidigungsprozess.Stefan Löffler: Schach. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. Juni 2026, S. 9. Obwohl er den Rechtsstreit gewann, fürchtete er ein Wiederaufleben der Vorgänge und entschied sich, seine Heimat zu verlassen. Im Alter von dreißig Jahren ließ er sich in Paris nieder und lebte dort bis zu seinem frühen Tod im Alter von nur 47 Jahren.
Schachtätigkeit In Paris wurde Kieseritzky als Berufsspieler bekannt, der regelmäßig im berühmten Café de la Régence anzutreffen war. Bald war Kieseritzky ein führender französischer Meister. Er nahm schließlich 1851 am internationalen Schachturnier in London teil, bei dem erstmals die besten europäischen Schachspieler gegeneinander antraten.
Kieseritzky war ein hervorragender Kombinationsspieler und Vertreter der sogenannten romantischen Schachepoche. Nach ihm ist das Kieseritzky-Gambit benannt, eine Hauptvariante des Königsspringergambits, die nach den Zügen 1. е2-е4 е7-е5 2. f2–f4 e5xf4 3. Sg1–f3 g7–g5 4. h2–h4 g5–g4 5. Sf3–e5 entsteht. 1847 fand er eine neue Verteidigung des Damengambits.
In die Schachgeschichte eingegangen ist er aber vornehmlich durch die „Unsterbliche Partie“, die er 1851 in London gegen Adolf Anderssen spielte. Sie dauerte nur eine Stunde, und Kieseritzky verlor sie nach 23 Zügen. Aber er trug durch sein Spiel zu einer der schönsten Matt- und Opfer-Kombinationen bei, die in einer Schachpartie je vorgekommen sind. Die „Unsterbliche Partie“ setzt Maßstäbe für Ästhetik und Schönheit im Schach. Den Wettkampf, in dem diese Partie gespielt wurde, konnte Kieseritzky allerdings mit 9:6 (+8 =2 −5) für sich entscheiden.
Bisweilen als eigensinnig oder verschroben dargestellt, setzte er sich zeitweise für eine dreidimensionale Schachvariante ein. Ein von ihm konstruiertes „Raumschach“ stieß indes bei Schülern und Meisterkollegen, wie ein Bericht Anderssens nahelegt, auf Ablehnung.
Kieseritzkys beste historische Elo-Zahl betrug 2734, die er Anfang 1851 erreichte.
Bekannte Partien Anderssen - Kieseritzky, London 1851, die „Unsterbliche Partie“
Schriften (Auswahl) (Rezension: )
Literatur
Tomasz Lissowski, Bartłomiej Macieja: Zagadka Kieseritzkiego. [Das Rätsel Kieseritzkys], Warschau 1996. Gerald Schendel: Lionel Kieseritzky (1806–1853). ChessBase Magazin Nr. 85 (Dezember 2001), S. 21–26. Mario Ziegler: Das Schachturnier London 1851. ChessCoach, St. Ingbert 2013, ISBN 978-3-944158-00-6, S. 78–87.
Weblinks
Gerald Schendel: Wer war Lionel Kieseritzky? Artikel bei chessbase Informationen zu Kieseritzky (Februar 2008) in Sarah's Chess Journal (englisch) The Kieseritzky Family (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Schachspieler Kategorie:Schachspieler (Frankreich) Kategorie:Sportler (19. Jahrhundert) Kategorie:Deutsch-Balte Kategorie:Geboren 1806 Kategorie:Gestorben 1853 Kategorie:Mann