mini|hochkant=1.25|Sankt-Laurentius-Kirche Erwitte () ist eine Stadt in Nordrhein-Westfalen, Deutschland und gehört zum Kreis Soest.
Geografie Geografische Lage Erwitte liegt in Westfalen, etwa 8 km südlich von Lippstadt, 15 km östlich von Soest, ca. 60 km von Dortmund und 30 km westlich von Paderborn entfernt. Der höchste Punkt befindet sich im südöstlichen Stadtgebiet auf 183,8 m ü. NN und der niedrigste nordwestlich des Ortsteils Böckum auf 75,5 m ü. NN.
Geologie Die Stadt liegt im Bereich der oberen Plänerkalk-Formation, der sog. Erwitte-Formation, die aus bis zu meterdicken gebankten, weißen bis grauen Mergelkalksteinen mit grauen dezimetermächtigen Mergel-Zwischenlagen besteht und die Grundlage für die lokale Zementindustrie bildet.Siehe Mineralatlas.de
Geschichte St. Laurentius Erwitte und die Stadtkirche St. Petri Geseke waren die einzigen Urpfarreien zwischen Soest und Paderborn. Durch die Überlieferung aus Corvey ist die Existenz des Ortes im 9. Jahrhundert belegt. 2021/23 wurden jedoch die Fundamente einer 30 Meter langen steinernen Kirche aus dem frühen 10. Jahrhundert östlich von Erwitte im Ortsteil Eikeloh freigelegt, die am Ort einer älteren Hofstelle errichtet worden war und wohl schon im 12. Jahrhundert abgebrochen wurde.Unbekannte Kirche mit besonderem Grundriss in Erwitte entdeckt. In: www.archaeologie-online.de, 15. September 2023.
Der Ort Erwitte lag an einer Kreuzung des Hellwegs mit dem Lipperweg. Im Königshof Erwitte waren mehrere Könige und Kaiser zu Gast. Insbesondere Heinrich I. weilte dort 935 und fertigte dort verschiedene Urkunden aus. König Heinrich II. schenkte Bischof Meinwerk von Paderborn einige Güter der Umgebung. Konrad II. schenkte dem Bistum Paderborn 1027 die Curia regis in Erwitte.Roger Wilmans: Die Kaiserurkunden der Provinz Westfalen 777–1313, Band 2 Die Urkunden der Jahre 901–1254. Bearbeitet von F. Philippi. Regensberg, Münster 1881 (online). Zum Königshof gehörte eine Kapelle. Diese war das älteste kirchliche Bauwerk der Umgebung. Die Pfarrrechte hatte indes die den Kölner Erzbischöfen unterstehende Laurentiuskirche. Diese wurde unter Erzbischof Sigewin von Are dem Patroklistift in Soest unterstellt.
Der Ort und die Umgebung waren im Mittelalter Sitz verschiedener bedeutender Adelsgeschlechter. Darunter waren auch die Herren von Erwitte. Zwar bestand schon 1027 ein Markt. Aber Erwitte hat sich im Mittelalter nicht zu einer Stadt im Rechtssinn entwickelt.
Die Kölner Erzbischöfe sind 1256 als Inhaber des örtlichen Gogerichts erstmals bezeugt. Erwitte war daher vielfach zwischen Köln und Paderborn umstritten. Im 17. Jahrhundert gelang es dem Adelsgeschlecht Landsberg zu Erwitte sowohl das kurkölnische Drostenamt Erwitte wie auch die Erbamtsmannschaft des Königshofsbezirk Erwitte-Westerkotten in einer Hand zu vereinen. Sie erbauten das Schloss Erwitte. Die Familie Droste zu Erwitte baute Haus Erwitte.
In der Zeit der Hexenverfolgungen um 1630 leitete Hexenkommissar Heinrich Schultheiß die Hexenprozesse in Erwitte. 1630 beschwerten sich die Westerkötter, dass „leider bey dieser inquisition, Exekution und Außrottung der Hexen viel zu nachsichtigh vergegangen werde“. Der Erwitter Pfarrer Jodocus Boget wurde 1630 wegen Hexerei auf dem Scheiterhaufen verbrannt.
Erst nachdem in den 1920er Jahren mit der Zementindustrie ein wirtschaftlicher Aufschwung einsetzte, wurde Erwitte 1936 zur Stadt erhoben.vergl. Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Bd. 3: Nordrhein-Westfalen. Stuttgart 1970, S. 210f.
Während der Zeit des Nationalsozialismus war in der Erwitter Burg eine Reichsschulungsburg der DAF und der NSDAP untergebracht. Am Ostersonntag, 1. April 1945, erschoss ein Angehöriger des Freikorps Sauerland acht sowjetische Zwangsarbeiter in Erwitte.Broschüre des DGB zum Gedenken S. 48 Von 1959 bis 1970 war Erwitte Standort des Flugabwehrraketen-Bataillons 21 (Fla Rak Btl 21) sowie der 2. Batterie des Bataillons. Untergebracht waren die Einheiten in der Burg Erwitte, dem Schloss des Ortes. 1970 erfolgte der Umzug nach Echtrop am Möhnesee.
Ausdehnung und Nutzung des Stadtgebietes Die als „Größere Kleinstadt“ klassifizierte Stadt umfasst ein Gebiet von 89,41 Quadratkilometer. Die Ausdehnung des Stadtgebietes in Nord-Süd-Richtung beträgt rund sieben Kilometer, in Ost-West-Richtung 15,5 Kilometer. Der größte Teil des Stadtgebiets wird landwirtschaftlich genutzt.
Flächenach Nutzungsart Gebäude-,Frei- undBetriebsfläche Erholungs-undFriedhofsfläche Verkehrs-fläche Landwirt-schafts-fläche Wald-fläche Wasser-fläche Moor, Heide, Unland Abbau-land Flächen anderer Nutzung Fläche in km² 7,96 0,82 4,86 70,7 2,18 0,87 0,99 1,02 0,01 Anteil an Gesamtfläche 8,9 % 0,9 % 5,4 % 79,1 % 2,4 % 1,0 % 1,1 % 1,1 % 0 %
Nachbargemeinden Erwitte grenzt nördlich an die Stadt Lippstadt, östlich an die Stadt Geseke, südöstlich an die Stadt Rüthen, südlich an die Gemeinde Anröchte und westlich an die Gemeinde Bad Sassendorf.
Stadtgliederung Erwitte gliedert sich in 15 Stadtteile.
Ortschaft Einwohner Stand: 1. Juli 2026, Fläche Ortsvorsteher/in 2025–2030 Bad Westernkotten 4.730 13,2 km² Franz-Josef Schütte (CDU) Berenbrock 323 3,45 km² Rita Ahle (CDU) Böckum 244 Ulrich du Mont (CDU) Ebbinghausen 212 Teresa Klause-Deimel (CDU) Eikeloh 510 7,73 km² Annemarie Altstädt (CDU) Erwitte 6.723 Kai Günther (CDU) Horn-Millinghausen 1.013 3,24 km² Martin Jöring (SPD) Merklinghausen-Wiggeringhausen 159 Andreas Lutterbüse (CDU) Norddorf 134 Jürgen Werner (CDU) Schallern 308 3,55 km² Nina Schweitzer Schmerlecke 719 Mario Bußmann (SPD) Seringhausen 66 3,22 km² Meinolf Hötte (SPD) Stirpe 1.058 5,56 km² Michael Andreas Peitz (CDU) Völlinghausen 743 7,73 km² Hubert Hense (CDU) Weckinghausen 58 2,24 km² Hubert Rickert-Schulte jun. (CDU)
Eingemeindungen Am 1. Januar 1975 wurde nach § 46 des Münster/Hamm-Gesetzes die bisherige Stadt Erwitte und die Gemeinden Bad Westernkotten, Berenbrock, Böckum, Ebbinghausen, Eikeloh, Horn-Millinghausen, Merklinghausen-Wiggeringhausen, Norddorf, Schallern, Schmerlecke, Seringhausen, Stirpe, Völlinghausen und Weckinghausen zu einer neuen Gemeinde zusammengeschlossen. Die Gemeinde erhielt den Namen Erwitte und das Recht, die Bezeichnung „Stadt“ zu führen. Das Amt Erwitte wurde aufgelöst. Rechtsnachfolgerin wurde die neugebildete Stadt Erwitte.Gesetz zur Neugliederung der Gemeinden und Kreise des Neugliederungsraumes Münster/Hamm (Münster/Hamm-Gesetz). Vom 9. Juli 1974
Politik
Gemeinderat Die 34 Sitze im Gemeinderat verteilen sich seit der Kommunalwahl 1974 folgendermaßen auf die Gruppierungen: CDU SPD FDP BG Grüne AfD Linke 2025 16 6 3 2 2 4 1 2020 14 7 7 2 4 – – 2014http://www.wahlergebnisse.nrw.de/kommunalwahlen/2014/aktuell/c974016kw1400.html 13 11 7 3 − – – 2009 12 10 9 3 − – –2004141082– – –199917116–– – –199417143–– – –198915163–– – –198418133–– – –197918133–– – –19742410––– – –
Bürgermeister Zurzeit bekleidet das Amt des Bürgermeisters Hendrik Henneböhl. Nr. Bild Name (Lebensdaten) Partei Amtsantritt Ende der Amtszeit 1 Heinrich Maurer(1885–1965) CDU 1947 1952 2 Heinrich Schmidt(1886–1964) SPD 1952 1956 3 Heinrich Maurer(1885–1965) CDU 1956 1964 4 Hans Rasche(1923–1994) CDU 1964 1979 5 Franz Meier(1941–2022) CDU 1979 1984 6 Heinz Schulte(1933–2003) CDU 1984 1989 7 Franz-Josef Spiekermann(1935–2012) SPD 1989 1991 8 Franz Meier(1941–2022) CDU 1991 1997 9 Wolfgang Fahle(* 1934) CDU 1997 2009 10 Peter Wessel(* 1957) CDU 2009 202011 Hendrik Henneböhl(* 1988) CDU2020
Wappen, Flagge und Siegel Der Stadt Erwitte ist mit Urkunde des Regierungspräsidenten in Arnsberg vom 21. Dezember 1977 das Recht zur Führung eines Wappens verliehen worden (§ 3 Absatz 1 der Hauptsatzung), (PDF; 112 kB) das nahezu identisch ist mit dem Wappen des ehemaligen Amtes Erwitte.
Wappenbeschreibung
„Von Gold und Rot gespalten. Vorn ein aufgerichteter roter, goldgekrönter Löwe, hinten ein schräglinkes goldenes hausmarkenähnliches Zeichen in Form einer mit einem Querbalken versehenen Wolfsangel.“; vergleiche dazu die Blasonierung laut § 3 Absatz 1 der (PDF; 112 kB): „Von Gelb und Rot gespalten; vorn ein roter, gelbbekrönter Löwe, hinten ein schräglinker, gekreuzter gelber Doppelhaken.“
Bedeutung
Die Farben sind die des Klosters Corvey (erste urkundliche Erwähnung Erwittes), der Löwe entstammt dem Wappen der Ritter von Erwitte, das hausmarkenähnliche Zeichen wird als Sälzerhaken gedeutet und ist am Kirchturm der Johannes-Kirche in Bad Westernkotten angebracht.
Flagge und Banner
Der Stadt Erwitte ist ferner mit Urkunde des Regierungspräsidenten in Arnsberg vom 21. Dezember 1977 das Recht zur Führung einer Flagge und eines Banners verliehen worden (§ 3 Absatz 2 der Hauptsatzung).
„Beschreibung der Flagge: Von Gelb zu Rot im Verhältnis 1:1 längsgestreift, in der Mitte der Wappenschild der Stadt.
Beschreibung des Banners: Von Gelb zu Rot im Verhältnis 1:1 längsgestreift, in der Mitte der oberen Hälfte der Wappenschild der Stadt.“
Siegel
Durch Urkunde des Regierungspräsidenten in Arnsberg vom 21. Dezember 1977 ist der Stadt Erwitte außerdem das Recht zur Führung eines Dienstsiegels verliehen worden. (§ 3 Absatz 3 der Hauptsatzung)
„Siegelbeschreibung: Das Siegel zeigt den Wappenschild der Stadt und führt im Siegelrund in Großbuchstaben oben die Umschrift STADT, unten ERWITTE.“
Städtepartnerschaft Es besteht eine Partnerschaft mit der Stadt Aken in Sachsen-Anhalt.
Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Schloss Erwitte mini|Altes Rathaus, ehemaliges Gogerichtsgebäude mini|Windmühle in Schmerlecke
In Erwitte selbst und in den dazugehörenden Gemeinden gibt es zahlreiche Sehenswürdigkeiten. Dazu zählen unter anderem: Historische Rathaus Königshof aus der Zeit Karls des Großen Westfälischer Hellweg Schlossgelände mit Festhalle Laurentius-Kirche im romanischen Stil aus dem 9. Jh. mit hohem Turm Schloss Erwitte der Grafen von Landsberg Böllhoffhaus mit der Heimatstube Heimathof Gradierwerke und Wassermühle in Westernkotten Historische Windmühle in Schmerlecke (1831) Galerie Kontraste des Künstlerehepaars Evelyn und José Ocón (ebenfalls in Horn). Galeriegräber in Erwitte-Schmerlecke
Gruppen und Vereine rund um die Musik Tambourkorps Musikverein Bad Westernkotten DJK Fanfarenzug Erwitte Erwitter Kinder- & Jugendchorwettbewerb GFF (Gesellschaft der Freunde und Förderer klassischer Konzerte in Erwitte) Hellwegmusikanten Erwitte e. V. Jagdhornbläsercorps Erwitte Kirchenchor Cäcilia Männergesangverein 1885 Erwitte e. V. Musikschule Erwitte Tambourcorps Erwitte 1906 e. V. Blasorchester Bad Westernkotten Vocalensemble Erwitte Kulturring Erwitte e. V.
Parks mini|Am Schloss Erwitte Stadtpark mit Schlossbad Kurpark im Ortsteil Bad Westernkotten
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Erwitte liegt an der Bundesautobahn 44. Im Ort kreuzen sich die Bundesstraße 1 und die Bundesstraße 55. Die durch Erwitte führende Bahnstrecke Münster–Warstein ist die Stammbahn der Westfälischen Landes-Eisenbahn und wird von dieser im Güterverkehr befahren. Der nächstgelegene Bahnhof für den Personenverkehr befindet sich in Lippstadt.
Der regionale Busverkehr erfolgt im Rahmen der Regionalverkehr Ruhr-Lippe GmbH.
Ansässige Unternehmen Brand KG (brandgroup), Werk Erwitte, Hersteller von Federn und Drahtbiegeteilen Theodor Heimeier Metallwerk (IMI Hydronic Engineering), Hersteller von Heizungsarmaturen Schlüter Baumaschinen GmbH Spenner Zementwerk Thomas Zement GmbH & Co. KG Wittekind Zementwerk Hella Distribution Franz Bracht Kran-Vermietung Schäffer Maschinenfabrik GmbH Materialprüfungsamt NRW, Außenstelle Erwitte, Brandprüfstelle Volksbank Erwitte, Zweigniederlassung der Volksbank Beckum-Lippstadt BTM [Europe] Blechverbindungstechnik GmbH Lippstädter Transportbeton GmbH & Co. KG
Bildung Erich-Kästner-Grundschule Erwitte Astrid-Lindgren-Grundschule Bad Westernkotten Cyriakus-Grundschule Horn-Millinghausen Städtisches Gymnasium Erwitte