U5-Triebwagen (oder kurz Baureihe U5) ist die Bezeichnung für die fünfte Generation von Stadtbahnfahrzeugen in Frankfurt am Main. Die Triebwagen wurden für den Einsatz bei der U-Bahn Frankfurt entwickelt und verkehren dort seit 2008 auf der A-Strecke, seit September 2012 auf der C-Strecke sowie seit April 2015 auch auf der B-Strecke. Die Auslieferung der 224 Fahrzeuge umfassenden Baureihe wurde bis Juni 2017 abgeschlossen. Mitte 2018 wurden 22 zusätzliche Mittelwagen bestellt, die 2021 bis 2023 geliefert wurden.
Allgemeines mini|links|Sicht durch einen vierteiligen Zug aus vier U5-Triebwagen (U5-ER+U5-MW+U5-MW+U5-ER) mini|links|U5-MW 1958 auf Rangierfahrt im Betriebshof Eckenheim Die U5-Wagen sind sechsachsige Hochflur-Gelenktriebwagen des kanadischen Waggonbauers Bombardier Transportation. Die Baureihe basiert auf der Plattform Flexity Swift. Diese wird in drei Varianten angeboten: Zweirichtungsfahrzeuge mit zwei Führerständen mit der Bezeichnung U5-ZR Anderthalbrichtungsfahrzeuge mit nur einem Führerstand mit der Bezeichnung U5-ER Mittelwagen ohne Führerstand mit der Bezeichnung U5-MWBekanntmachung der Auftragsvergabe durch die VGF Die Bezeichnung ergibt sich aus der Anzahl der Führerstände. Alle drei Fahrzeugvarianten haben eine Länge von etwa 25 Metern. Die Anderthalbrichtungsfahrzeuge verkehren jedoch grundsätzlich immer in Doppeltraktion. Je zwei Fahrzeuge bilden somit etwa 50 Meter lange Doppeleinheiten, die in der Mitte durch einen Personenübergang verbunden sind. Dieses Konzept entspricht den ab 1998 in Hannover eingeführten TW 2000/2500. Mit den 23 in Auftrag gegebenen Mittelwagen ist es möglich, eine Doppeleinheit aus zwei U5-ER auf eine Dreifacheinheit mit 75 oder eine Vierfacheinheit mit 100 Metern Länge zu vergrößern, die durchgängig begehbar sind.
Die U5-Wagen unterscheiden sich von der Vorgängerbauart, den U4-Triebwagen, sowohl technisch als auch optisch deutlich. Um ein Höchstmaß an betrieblicher Flexibilität zu erreichen, können beide Baureihen gemeinsam im Zugverband gekuppelt werden. Deshalb liegen die Kontaktaufsätze der Kupplungen an den Führerstandsenden wie bei der Bauart U4 oberhalb der mechanischen Kupplung. Nachdem die Zulassung durch die Technische Aufsichtsbehörde (TAB) für gemeinsame Zugverbände am 26. Juni 2014 erteilt wurde, fuhr der erste Verband im Fahrgasteinsatz am 28. Juni 2014.Mitteilung der VGF auf ihrer Facebook-Seite Die Inneneinrichtung des U5-Wagens orientiert sich an den seit 2003 im Einsatz befindlichen Straßenbahnwagen der Baureihe S. Diese wurden ebenfalls von Bombardier gefertigt und gehören zur Flexity-Classic-Familie.
Die U5-Wagen haben deutlich weniger Sitzplätze als ihre Vorgänger, weil sie barrierefrei konstruiert wurden, um mobilitätseingeschränkten Personen die selbständige Teilnahme am Öffentlichen Personennahverkehr zu ermöglichen.
Geschichte Vorgeschichte Anders als alle vorherigen Baureihen in der Geschichte der Frankfurter U-Bahn werden die Wagen der Baureihe U5 nicht aufgrund des steigenden Bedarfs an Fahrzeugen durch Netzerweiterungen beschafft, sondern dienen erstmals als Ersatz für Altfahrzeuge. Der Fuhrpark der U-Bahn ist zum Zeitpunkt der Beschaffung bis zu 40 Jahre alt. Zunächst wurde jedoch untersucht, ob durch eine Sanierung des vorhandenen Fuhrparks der Kauf neuer Fahrzeuge hinausgezögert werden konnte. Die Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass diese Alternative langfristig nicht wirtschaftlich sei, weil sie höhere Kosten und Risiken als ein Neukauf mit sich trägt. Die Entscheidung berücksichtigte, dass die bisherigen Baureihen aufgrund unterschiedlicher Ausbaustandards der drei U-Bahn-Strecken keine einheitlichen Einstiegshöhen, Fahrzeugbreiten und -längen hatten. Die Baureihe U5 war ein großer Schritt zur Standardisierung im Frankfurter U-Bahn-Netz und sollte die Triebwagen der Bauarten U2, Ptb und U3 ersetzen.
Bestellung Nach einem langen Disput um nicht bewilligte Fördergelder der Hessischen Landesregierung und einer internationalen Ausschreibung wurde am 2. Dezember 2005 schließlich bekannt, dass Bombardier Transportation die Ausschreibung gewonnen habe und den Auftrag erhalten solle. Am 15. März 2006 bestätigte der Auftraggeber, die Verkehrsgesellschaft Frankfurt (VGF), offiziell in einer Pressemeldung, bei Bombardier insgesamt 146 Fahrzeuge des Typs Flexity Swift mit einem Gesamtwert von 300 Millionen Euro zu bestellen. der VGF vom 15. März 2006 zur Vergabe des Auftrags an Bombardier
Es besteht eine Option für 24 weitere Fahrzeuge.
Die U5-Wagen sind die erste Fahrzeugbaureihe der Frankfurter U-Bahn, die nicht vom deutschen Hersteller Duewag (heute Siemens Mobility) gebaut wurde, nachdem Duewag jahrzehntelang alle Baureihen der U-Bahn und Straßenbahn seit der Nachkriegszeit geliefert hatte.
Entwicklung mini|Modell des U5-Wagens
Der Hersteller entwickelte die U5-Triebwagen in enger Zusammenarbeit mit der VGF, die wiederum verschiedene Interessenverbände in die Gestaltung mit einbezog. So wurde mit den Doppeleinheiten der Variante U5-ER beispielsweise der Wunsch von Fahrgastverbänden umgesetzt, längere Fahrzeugeinheiten zu bilden, die nach dem Vorbild der S-Bahn-Baureihe 423 in voller Länge begehbar und einsehbar sind. Dies erhöht das subjektive Sicherheitsgefühl der Fahrgäste und verringert das Risiko von Vandalismus insbesondere in den Abendstunden. Mit Behindertenverbänden wurde das Konzept zur Innenraumgestaltung erarbeitet.
Im Rahmen der Entwicklung wurde in der Stadtbahnzentralwerkstatt ein 1:1-Modell – ein sogenannter Mock-up – aufgebaut. Diese Nachbildung besteht aus einem Führerstand, zwei Sitzgruppen und einem Türbereich. Der Mock-up diente unter anderem zur Entwicklung des Fahrerpults sowie zur Erarbeitung und Präsentation des Fahrgastraums in Abstimmung mit den Interessenverbänden.
Ein weiteres Modell zeigt einen kompletten U5-ZR-Wagen im Maßstab 1:22,5 und wurde am 21. September 2007 auf einem Informationsstand der VGF in der Frankfurter Innenstadt erstmals öffentlich vorgestellt. Es befindet sich nun in der Ausstellung des Schwanheimer Verkehrsmuseums.
Produktion Alle Fahrzeuge werden im Bombardier-Werk in Bautzen gefertigt, am Standort Siegen werden die Drehgestelle gebaut und aus dem Mannheimer Werk kommt die elektrische Ausrüstung. Die Produktion der ersten Fahrzeuge begann Anfang 2007. Der Wagenkasten wird in Stahlleichtbauweise gefertigt. Der Rohbau des ersten Wagens wurde im August 2007 abgeschlossen und erhielt die Abnahme durch die VGF. Nach dem Rohbau werden die Fahrzeuge lackiert und innen ausgebaut. Aufgrund des modularen Aufbaus erfolgt der Ausbau von Wagenkästen und Fahrzeugköpfen getrennt. Aus Brandschutzgründen sind die Wagen innen mit thermoplastischen Materialien verkleidet. Die Frontscheiben bestehen aus Verbundglas, die Seitenfenster aus Einscheiben-Sicherheitsglas. Im Dezember 2007 konnte das erste Fahrzeug – ein U5-ZR-Wagen – die Montagehalle verlassen. Die Fahrzeuge werden anschließend auf einer ringförmigen Teststrecke auf dem Werksgelände ausgiebig getestet. Zum Testprogramm gehört unter anderem ein 5000-Kilometer-Dauerbetriebtest. Die Fahrzeuge erreichen eine Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h, können Steigungen bis zu fünf Prozent bewältigen und verfügen über eine moderne Drehstromtechnik.
Präsentation Mitte Mai 2008 erreichte der erste U5-Wagen Frankfurt. Dabei handelte es sich um einen Zweirichtungswagen der Variante U5-ZR mit zwei Führerständen. Dieses Fahrzeug wurde am 29. Mai im Rahmen eines großen Festes unter dem Motto „Wir packen aus! – Frankfurts größtes Geheimnis wird gelüftet“ offiziell enthüllt und der Öffentlichkeit präsentiert. Die Veranstaltung fand am nördlichen Mainufer vor dem Saalhof in Höhe des Eisernen Stegs statt, wurde von den regionalen Medien unterstützt und durch ein Unterhaltungsprogramm begleitet.
Der Wagen 604 wurde im September 2008 auf der Verkehrstechnik-Fachmesse InnoTrans in Berlin ausgestellt. Das Fahrzeug wurde im Rahmen der Messe auf den Namen seines Entstehungsorts „Bautzen / Budyšin“ (obersorbisch) getauft und anschließend nach Frankfurt geliefert. der VGF vom 24. September 2008 zur Fahrzeugtaufe
Inbetriebnahme und Einsatz Seit Mai 2008 wurden pro Jahr etwa 20 Fahrzeuge des Typs U5-ZR geliefert, nach Auslieferung des Wagens 654 im Herbst 2011 wurden dann in etwa gleichem Tempo zunächst U5-ER geliefert. Bis September 2017 sollte die Auslieferung abgeschlossen sein, tatsächlich war die Auslieferung bereits im Juni 2017 mit Wagen 696, dem letzten U5-ZR, abgeschlossen.Rüffer/Klinge/Kochte, S. 20.
Die ersten drei Wagen des Typs U5-ZR wurden im Mai und Juni 2008 per Tieflader in die Stadtbahnzentralwerkstatt geliefert. Zunächst wurden zahlreiche Probefahrten auf dem Testring der Werkstatt und vereinzelt auch auf dem Streckennetz durchgeführt. Seit Juli 2008 lief die praktische Ausbildung des Fahrdienstpersonals für die neuen Wagen. Am 12. September 2008 wurden die Wagen 602 und 603 erstmals im Fahrgastbetrieb auf der Linie U3 nach Oberursel eingesetzt. der VGF vom 11. September 2008 zur Inbetriebnahme Da es in Frankfurt zunächst noch verschiedene Bahnsteighöhen gab, konnten die U5-Wagen mit ihrer Einstiegshöhe von 87 cm nur auf der U-Bahn-Strecke A eingesetzt werden, die ersten Fahrzeuge waren daher im Betriebshof Heddernheim beheimatet. Sie lösten damit die bis zu 40 Jahre alten U2-Triebwagen ab. Nach kompletter Umstellung der A-Strecke auf U4- und U5-Wagen wurden die folgenden Fahrzeuge im Betriebshof Ost beheimatet und dort zunächst auf der U7, dann auf der U6 eingesetzt. Im Frühjahr 2015 wurden die Bahnsteige der Linie U4 an diesen Fahrzeugtyp angepasst und diese dann von der U6 auf die U4 überführt. Die U6 erhielt im Gegenzug die bis dahin auf der U4 eingesetzten Fahrzeuge der Baureihe U3. Am 9. Oktober 2016 folgte die Umstellung der Linie U5 vom Wagentyp Ptb auf U5. Bis Frühjahr 2017 wurden auch die restlichen Altfahrzeuge abgelöst, die seither noch teilweise als eiserne Reserve dienen.
Das erste Wagenpaar des Typs U5-ER (Wagen 801/802) wurde im Dezember 2011 an die VGF ausgeliefert, seit Februar 2012 ist auch diese Baureihe im Linieneinsatz. der VGF vom 10. Februar 2012.Sichtungsmeldungen in den Frankfurter Nahverkehrsforen. Für die Wartung der U5-ER-Wagen musste die Stadtbahnzentralwerkstatt erweitert werden, um die überlangen Doppeleinheiten nicht bei jeder Wartung entkuppeln zu müssen.
Bei einer Überholung im Werk bei Bombardier in Bautzen wurden die U5-ZR-Wagen 601 und 602 beim Hochwasser auf dem Werksgelände im Jahre 2010Bericht über das Hochwasser auf stern.de, zugegriffen am 17. April 2012 beschädigt. Da sie fahruntauglich sind, stehen sie seit dem Ausbau der noch verwendbaren Einzelteile der Frankfurter Feuerwehr als Übungszug im Feuerwehr- und Rettungstrainingscenter zur Verfügung.
Bremsprobleme