mini|Stromberg/Hunsrück

Die Stadt Stromberg in der Verbandsgemeinde Langenlonsheim-Stromberg im Landkreis Bad Kreuznach mit ungefähr 3200 Einwohnern am südöstlichen Rand des Hunsrücks gilt als Heimat des Deutschen Michels. Stromberg ist ein staatlich anerkannter Luftkurort und gemäß Landesplanung als Grundzentrum ausgewiesen.Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Regionaldaten

Geographie

Geographische Lage Stromberg liegt am östlichen Rand des Soonwalds, eines zirka 40 km² großen und bis zu hohen Bergzugs im Hunsrück, und südlich des Binger Walds.

Es ist wegen des Autobahnanschlusses Stromberg an der A 61 sehr gut zu erreichen. Nach Frankfurt am Main sind es 80 Kilometer, nach Koblenz 58 Kilometer. Die Landeshauptstadt Mainz liegt 41 Straßenkilometer entfernt.

Klima und Relief Die Stromberger Kalkmulde liegt am Rande des Hunsrücks im Grenzbereich zwischen dessen maritimen Bergklima und dem eher trockenen Beckenklima des Rhein-Nahe-Tals. Stromberg hat entsprechend ein sommerwarmes und wintermildes Klima. Die durchschnittliche jährliche Niederschlagsmenge beträgt 600 mm.Niederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD

Die Durchschnittstemperaturen liegen im Juli bei 17°- 18 °C und im Januar bei 0° – 0,5°.

Topographisch hat Stromberg ein markantes Profil als „Drei-Täler-Stadt“ am Zusammenfluss von Welschbach und Dörrebach (Lehnbach) mit dem Guldenbach, wobei dieser, der stärkste, die Stromberger Gemarkung etwa halbiert.

Der Guldenbach entspringt am Volkenbacher Weiher nördlich von Rheinböllen ca. 450 m über NHN. Er hat ein starkes Gefälle aufgrund des großen Höhenunterschieds von der Quelle bis zur Einmündung in die Nahe. Der Welschbach entspringt in einem Wiesengebiet nahe dem Erbacher Kopf (470,5 m), der Dörrebach im Staatsforst Neupfalz nahe der Lehnmühle. Des Weiteren mündet in den Guldenbach auch der winzige Schindelbach, der im Stromberger Stadtwald entspringt und durch die „Klamm“ fließt. Alle diese Bäche haben sich tief in das Gestein eingeschnitten und charakteristische enge Täler geschaffen. Auch innerhalb des Stadtgebietes sind die Höhenunterschiede recht hoch. Der Stadtkern liegt ca. 220 m hoch.

Geologie um Stromberg Die Stromberger Gemarkung gehört vollständig dem Hunsrück an. Man findet in der Stromberger Mulde, einer Spezialmulde des Vorsoonwald-Bereichs, Gesteine, die auf das Mittel- und Oberdevon zurückgehen, und sogar Ablagerungen des Unterkarbons.

Im Devon entstanden über dem kristallinen Untergrund im Ablauf von 80 Millionen Jahren Ablagerungen aus Tonen, Sanden und Kalken. Diese ließen den Untergrund in einzelne Schollen zerbrechen, so dass tektonische Störungen entstanden und in denen Magma aufstieg. Aus den Sanden entstanden durch Verfestigung die Taunusquarzite und aus den Schlickablagerungen der Hunsrückschiefer.

Stromberg blieb, da es in der Mulde liegt, von der Erosion verschont. So blieben hier die Gesteine der einzelnen Zeitabschnitte erhalten. Noch heute und schon seit Jahrhunderten wird in Stromberg Kalkstein abgebaut. Karl Geib fand 1909 ein Fossil, mit dem es gelang, den Stromberger Kalk dem jüngeren Abschnitt des Mitteldevons zuzuordnen.

Vegetation Die natürliche Vegetation des Soonwalds ist ein Hainsimsen-Eichen-Buchenwald. In höheren Lagen überwiegen Buchenwälder, in tieferen Eichen- und Hainbuchenwälder, die stark vom Menschen überformt sind. Die Stromberger Flora wird auch vom Kalk beeinflusst und unterscheidet sich deshalb von der im restlichen Kreis Bad Kreuznach. Sie ist besonders schützenswert, weil schon viel von dieser seltenen Kalkflora verloren gegangen ist. Besonders interessant ist der Unterlauf des Dörrebachs, denn hier wächst Ahorn-Eschenwald, eine Waldformation, die den Schluchtenwäldern zugerechnet wird. Des Weiteren wachsen dort Berg-Ahorn, Winter-Linde und Gemeine Esche sowie seltenere Pflanzenarten, denen der (Kalk-)Boden und das Klima besonders entgegenkommen. Deshalb wurde schon oft gefordert, dieses Gebiet als Naturschutzgebiet auszuweisen.

Geschichte

Ortsname Im Jahr 1056 wird der Ortsname Stromberg im Zusammenhang mit einem Grafen Bertolfus de Strumburg erstmals erwähnt. Der erste Bestandteil des Namens, Strom-, wird von Onomastikern (Namenkundlern) meist im Sinne von „großer, breiter Fluss“ gedeutet, wobei es im Stadtgebiet aber kein entsprechendes Gewässer gibt. Einige andere verstehen Strom- deshalb im Sinne von „umströmt“, denn Stromberg als umströmter Berg erscheint wesentlich plausibler.

Vor- und Frühgeschichte Archäologen haben in der näheren Umgebung Strombergs, in Höhlen am Dörrebachweg, Gegenstände schon aus der Jungsteinzeit (ca. 5700–2000 v. Chr.) gefunden, nämlich mehrere Steinbeile, ein durchbohrtes Feuersteinmesser und Pfeilspitzen, einen Knochenpfriem und mehrere Holzkohlenreste mit Getreidekörnern.

In der jüngeren Eisenzeit (ca. 450 v. Chr.) war die Gegend von Kelten bewohnt. Aus der spätkeltischen Zeit wurde in Stromberg bisher nichts gefunden. Die gesamte Region stand ab der Zeit um Christi Geburt für mehrere Jahrhunderte unter römischer Herrschaft und römischem Einfluss, was sich in Kultur und Sprache noch heute bemerkbar macht. Insbesondere wurden der Straßenbau und der Weinanbau von den Römern hierher gebracht.

Stromberg entstand an der Stelle, wo die Ausoniusstraße, die von Norden nach Bingen führte, auf einer Brücke (die erst 1821 von einem Hochwasser zerstört wurde) über den Guldenbach führte. Zu ihrem Schutz wurde auf dem Gollenfels ein Wachturm errichtet und im Stromberger Stadtwald für die Wachmannschaft und ihre Familien ein Vicusdorf gebaut, in dessen Nähe Reste römischer Grabhügel erhalten sind.

Das frühe Mittelalter Im 5. Jahrhundert n. Chr. wurde im Zuge der Völkerwanderung das Gebiet um Stromberg von den Franken erobert und war danach Teil ihres Reiches. Nach der endgültigen Teilung des Frankenreichs um 840 gehörte es zu dessen östlichen Teil, aus dem das Deutsche Reich hervorging.

891 fuhren plündernde Wikinger oder Nordmannen den Rhein bis an die Nahe und den Hunsrück hinauf. In den ersten Jahrzehnten des 10. Jahrhunderts drangen auch die Ungarn bis ins linksrheinische Gebiet vor. Das war Anlass für die Franken, Verteidigungsanlagen wie Burgen zu bauen. Ihr Erbauungsjahr ist nicht genau bekannt, man weiß nur, dass sie 1056 bereits existierte.

Die Sprache der Stromberger Region ist seit der Völkerwanderung das Deutsche in Gestalt des Fränkischen. Die lokale Mundart ist dem Übergangsbereich zwischen Rheinfränkischem (Pfälzisch) und Mittelfränkischem (Moselfränkisch) zuzuordnen.

Vom Mittelalter bis zur Kurpfälzischen Herrschaft (10. bis 18. Jahrhundert) In den ersten 400 Jahren dieser Periode dominiert die Geschichte der Stromburg die des Ortes. Sie gehörte seit der fränkischen Gaueinteilung dem Nahegau an. Die Nahegaugrafen hatten erheblichen Einfluss auch über ihr eigentliches Herrschaftsgebiet hinaus.

Wahrscheinlich wurde die alte Stromburg durch Bertolf I., der den Namen erstmals erwähnt, oder durch einen seiner Vorfahren zur Verteidigung der Straße von Bingen zum Königsforst erbaut. Sie galt als „reichsunmittelbar“, war also direkt dem König unterstellt. Kaiser Heinrich V. (1106–1125) bezeichnet sie in einem Brief, den er 1120 auf einem Italienzug verfasste, als „castrum nostrum Strumburg“ (dt.: Unsere Veste Stromburg). Als der Brief geschrieben wurde, war die Burg gerade von dem Mainzer Erzbischof Adalbert I. überfallen worden, der sich im Investiturstreit auf die Seite des Papstes gestellt hatte. In seinem Brief beschreibt Heinrich den Zerstörungsgrad der Burg als „funditus“ (von Grund auf). Ab diesem Zeitpunkt sind für rund 150 Jahre keine Grafen der Stromburg mehr belegbar. Mit einiger Sicherheit handelt es sich bei den frühen Nennungen der Burg um die „Alte Stromburg“ auf dem Pfarrköpfchen. Bei archäologischen Untersuchungen wurde die Anlage in das 11. und 12. Jahrhundert datiert.

Während derselben Zeit entwickelte sich jedoch im Tal, am Fuße der Burg, der Ort Stromberg. Sein heutiger Name erscheint allerdings zum ersten Male 1344 als „Thal Stromberg“; zuvor, im 13. Jahrhundert, wurde er „Stromveldt“ genannt. Zu ihm gehörten schon frühzeitig Roth, Genheim und Eckenroth, wahrscheinlich nicht mit ihren vollen Gemarkungen, aber zumindest einen Teil davon.

Im Jahre 1156 belehnte Friedrich I. (Barbarossa) Konrad von Hohenstaufen mit der Pfalzgrafschaft. Um 1200 gehörten zur Pfalzgrafschaft am Rhein das Hochgericht und das Münster in Kreuznach, des Weiteren Güter aller Art im Stromberger Bezirk, sowie die Siedlungen Roth, Genheim, Schweppenhausen, Eckenroth und mehrere Einzelhöfe.

1214 wurde die Pfalzgrafschaft von Kaiser Friedrich II. an das Haus Wittelsbach vergeben. Die Wittelsbacher taten viel für den Ausbau ihres Machtbereiches und unterteilten ihn in Amtsbezirke. Von einem solchen wurde Stromberg, als offenbar schon bedeutendere Siedlung, 1255 „locus praecipuus“ (Hauptort), also bereits vor der Ortsnamen-Ersterwähnung (1344). Im Jahr 1268 wurden in Stromberg erstmals auch Bürgermeister und Richter erwähnt.

1329 wurde die Pfalzgrafschaft von Ludwig IV. seinen Neffen Rudolf II., Ruprecht I., und Ruprecht II. zugeteilt. Ihnen gehörten also unter anderen Kaub, der Pfalzgrafstein, die Stahlberg, Bacharach, Diebach, Steeg, Heimbach, Rheinböllen, die Fürstenberg und Stromberg. Am 18. Februar 1338 teilten Rudolf II. und die beiden Ruprechte die Grafschaft untereinander auf, den Ruprechten fielen dabei unter anderem Stromberg, Bacharach, Diebach und Rheinböllen zu.

Im 14. Jahrhundert wird Stromberg in den Jahren 1367, 1374 und 1394 als Stadt erwähnt. Als herrschaftliche Repräsentanten werden für Stromberg 1388 erstmals Burgmänner, 1418 erstmals Amtmänner genannt. 1402 und 1403 konnte Pfalzgraf Ruprecht III. die Stromburg wieder besuchen, die Aufbauarbeiten an der Burg waren also zu diesem Zeitpunkt beendigt.

Bei einer Verpfändung ihres Ortes werden die Stromberger als „arme Leute“ bezeichnet. Zwar war ihr Ort eine befestigte Stadt, blieb aber weitgehend ländlich orientiert und unterschied sich somit nicht viel von den umliegenden Dörfern wie Argenthal, Dill, Grumbach, Horn, Koppenstein, Laubach und Oberstein. Da Stromberg auch oft als „Thal“ (vor allem im 15. Jahrhundert (1410, 1416, 1424, 1464, und 1481)) bezeichnet wird, ist zu vermuten, dass die Stadt nur zum Teil bevorrechtigt war. Aber sie hatte ein Ortsgericht, oft das Marktrecht, Befestigungen, gewisse Freiheiten der Einwohner und das Siegelrecht.

Um 1414 hatte Stromburg Unter- und Oberbürgermeister, seit dem 15. und 16. Jahrhundert gab es als weitere städtische Beamte Zöllner. Ende des 16. Jahrhunderts wurde Stromberg sogar zum Oberamt erhoben. Zu diesem gehörten zum einen natürlich die Stromburg und die Stadt am Fuße des Berges, zum anderen die „Walddörfer“ westlich der Nahe, die mehr oder weniger im Soonwald lagen (Eckenroth, Schindelberg, Warmsroth, Roth, Genheim, Teile von Windesheim, Waldlaubersheim und Waldalgesheim, wozu auch noch Heddesheim, Breitenfelser Hof und Dorsheim zählten), und die „Gaudörfer“ östlich der Nahe (Appenheim, Engelstadt, Ensheim, Grolsheim, Horrweiler, Niederhilbersheim und Welgesheim). Da sich die Kriegstechnik weiterentwickelt hatte, war die militärische Bedeutung der alten Rittergeschlechter geschwunden, auf der Stromburg saßen sie nur noch als Burgmänner.

Die Rechte und Pflichten der Stromberger waren genau festgelegt. Für das Jahr 1589 galt u. a.: