mini|Leutershausen, Luftaufnahme (2016) mini|Blick auf die Altstadt von Leutershausen (2015) mini|Malerwinkel mit Blick auf den Unteren Turm (2016)

Leutershausen (, ostfränkisch: LaidaschhausnE. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 125. Dort folgendermaßen transkribiert: „laidəschháusn“.) ist eine Stadt im mittelfränkischen Landkreis Ansbach und zählt zur Metropolregion Nürnberg.

Geografie Geografische Lage Leutershausen liegt an der Altmühl etwa in der Mitte zwischen der Bezirkshauptstadt Ansbach und Rothenburg ob der Tauber. Nachbargemeinden sind (im Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Geslau, Colmberg, Lehrberg, Ansbach, Herrieden, Aurach, Dombühl, Schillingsfürst und Buch am Wald.

Gemeindegliederung

Die Gemeinde hat 49 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Bei dem Gemeindeteil Erndorf wurde zeitweise nur ein einzelner Hof so genannt, während die beiden anderen Anwesen des Ortes Simonsmühle bzw. Büttnersdorf hießen.

Auf dem Gemeindegebiet liegen die Gemarkungen Brunst, Büchelberg (Gemarkungsteil 1), Eckartsweiler, Erlach, Erlbach, Frommetsfelden (Gemarkungsteil 1), Jochsberg, Leutershausen, Mittelramstadt, Neunkirchen b.Leutershausen, Rauenbuch und Wiedersbach. Die Gemarkung Leutershausen hat eine Fläche von 6,394 km². Sie ist in 2227 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 2871 m² haben.

Klima

In Leutershausen beträgt die durchschnittliche Niederschlagsmenge im Jahr 685 mm.

Geschichte Leutershausen wurde vermutlich um 800 von fränkischen Siedlern gegründet. Der erste schriftliche Beleg als „Liuthereshusun“ findet sich in der Wildbannurkunde Kaiser Ottos III. im Jahr 1000. Das Grundwort ist ahd. „hûs“ (=Haus, festes Gebäude) im Plural, das Bestimmungswort ist der Personenname „Liuthere, Liuther“, so dass sich die Ortsnamensbedeutung Zu den Häusern des Liuther ergibt.E. Fechter: Die Ortsnamen des Landkreises Ansbach, S. 124 f.W.-A. v. Reitzenstein: Lexikon fränkischer Ortsnamen, S. 131.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg fanden hier und im Umland zahlreiche Exulanten eine neue Heimat, die als Protestanten aus Österreich vertrieben worden waren.E. Krauß: Exulanten im Evang.-Luth. Dekanat Leutershausen.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es in Leutershausen 172 Anwesen, 79 innerhalb der Stadtmauern und 93 in der Vorstadt. Das Hochgericht und die Dorf- und Gemeindeherrschaft übte das brandenburg-ansbachische Stadtvogteiamt Leutershausen aus. Alle Anwesen hatten das Fürstentum Ansbach als Grundherrn (Stadtvogteiamt Leutershausen: 159, Kastenamt Colmberg: sieben, Klosterverwalteramt Sulz: drei, Pfarrpfründe: drei). Neben den Anwesen gab es noch kommunale, kirchliche und herrschaftliche Gebäude.M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 882 f. Von 1797 bis 1808 unterstand der Ort dem Justizamt Leutershausen und Kammeramt Colmberg.

Im Geographischen statistisch-topographischen Lexikon von Franken (1801) wird der Ort folgendermaßen beschrieben:

1806 kam Leutershausen an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde im Jahr 1808 der Steuerdistrikt Leutershausen gebildet, zu dem Froschmühle, Mittelramstadt, Rammersdorf und Winden gehörten. 1810 kam es zur Bildung der Munizipalgemeinde Leutershausen; Ruralgemeinde Mittelramstadt mit Froschmühle, Mittelramstadt, Rammersdorf und Winden.Staatsarchiv Nürnberg, Regierung von Mittelfranken, Kammer des Inneren, Abgabe 1952, 3863: Formation der Municapial- und Ruralgemeinden im Landgericht Leutershausen 1810. Zitiert nach M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 964.

Leutershausen war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Leutershausen zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Colmberg. Ab 1862 gehörte Leutershausen zum Bezirksamt Ansbach (1939 in Landkreis Ansbach umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb bis 1879 beim Landgericht Leutershausen, seit 1880 ist das Amtsgericht Ansbach zuständig. Die Finanzverwaltung ging 1880 an das Rentamt Ansbach über (1919 in Finanzamt Ansbach umbenannt).M. Jehle: Ansbach: die markgräflichen Oberämter Ansbach, Colmberg-Leutershausen, Windsbach, das Nürnberger Pflegamt Lichtenau und das Deutschordensamt (Wolframs-)Eschenbach, Bd. 2, S. 999. Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 6,550 km².

Leutershausen im Wandel der Zeit (Beispiele) mini|Fachwerk am Markt – ca. 1920 mini|Fachwerk am Markt – Heute Das Haus am Markt (ehemals auch Synagoge) ging 1866 für 2730 Taler an einen Seifensieder, Spezereihändler. Vor allem durch den nahen Eisenbahnbau florierte das Geschäft. Später entwickelte sich daraus ein beliebter EDEKA-Laden und wurde im Vergleich zu den neuen Supermärkten langsam zum „Tante-Emma-Laden“ bis er schließlich aus dem Stadtbild verschwand. Heute befindet sich darin eine Pizzeria.

Eingemeindungen Gemeinde Einwohner(1970) Eingemeindungs-datum Bemerkungen Auerbach 328 1. Januar 1972 Eingliederung von 164 der 328 Einwohner, Umgliederung der anderen Einwohner nach Colmberg Bieg 183 1. Juli 1972 Eingliederung von 121 der 183 Einwohner, Umgliederung der anderen Einwohner nach Colmberg Brunst 213 1. Mai 1978 Büchelberg 286 1. Juli 1972 Eingliederung von 155 der 286 Einwohner, Umgliederung der anderen Einwohner nach Aurach Eckartsweiler 105 1. Juli 1976 Erlach 139 1. Mai 1978 Erlbach 272 1. Januar 1972 Frommetsfelden 138 1. Juli 1972 Jochsberg 310 1. Januar 1972 Mittelramstadt 192 1. Januar 1972 Neunkirchen bei Leutershausen 577 1. Januar 1972 Rauenbuch 145 1. Januar 1972 Wiedersbach 548 1. Januar 1972

Einwohnerentwicklung Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 5046 auf 5615 um 569 Einwohner bzw. um 11,3 %. Gemeinde Leutershausen Jahr 1979 1987 1991 1995 2003 2005 2007 2008 2009 Einwohner 5039 5052 5220 5469 5620 5615 5647 5597 5564 HäuserEs sind nur bewohnte Häuser angegeben. Im Jahre 1818 wurden diese als „Feuerstellen“ bezeichnet, 1840 und 1852 als „Häuser“ sowie 1871 bis 2017 als „Wohngebäude“. 1333 Quelle Jahr 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 Einwohner 5549 5481 5488 5463 5460 5556 5578 5575 Häuser 1628 1635 1638 1648 1653 1659 1669 Quelle

Gemeindeteil Leutershausen (= Gemeinde Leutershausen bis zur Gebietsreform) Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 Einwohner 1262 1371 1401 1401 1430 1414 1482 1540 1578 Häuser 330 195 200 230 Quelle Jahr 1885 1890 1895 1900 1905 1910 1919 1925 1933 Einwohner 1578 1557 1475 1442 1434 1408 1375 1357 1400 Häuser 234 238 239 268 Quelle Jahr 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 Einwohner 1520 2075 2239 2191 2160 2200 2199 Häuser 334 418 580 Quelle

Politik Bürgermeister 1858–1887: Friedrich Meyer – Ziegeleibesitzer 1887–1900: Leonhard Gabler – Sattlermeister 1900–1914: Johann Faatz – Mühlenbesitzer 1914–1919: Friedrich Samhammer – Färbereibesitzer 1919–1925: Fritz Probst – Schmiedemeister 1925–1937: Karl Faatz – Stegmühlbesitzer 1937–1945: Georg Schiller – Molkereiverwalter 1945: Hans Reichard – Rechtsanwalt 1945–1962: Friedrich Schultheiß – Landwirt 1962–1964: Egon Erzum (CSU) – Oberstleutnant a. D. 1964–1966: Friedrich Meyer 1966–1974: Heinz Wellhöffer (parteilos) – Elektromeister 1974–2002: Dieter Gundel (parteilos) 2002–2016: Siegfried Heß (CSU) 2016–2020: Sandra Bonnemeier (parteilos) seit 2020: Markus Liebich (Bürgerforum Leutershausen)

Stadtrat Der Stadtrat von Leutershausen hat 21 Mitglieder einschließlich des hauptamtlichen Bürgermeisters.

SPD CSU Alternative Liste (ALL) Freie Wähler Fortschrittliche Bürger Fraktionslos Gesamt 1996 5 12 2 – 2 – 21 Sitze 2002 5 11 1 4 – – 21 Sitze 2008 5 10 1 5 – – 21 Sitze 2014 4 7 5 4 – 1 21 Sitze 2020 6 9 5 – – 1 21 Sitze

(Stand: November 2020)Stadtrat, abgerufen am 9. September 2022.

Wappen und Flagge Wappen

Flagge Die Gemeindeflagge ist weiß-rot.

Städtepartnerschaft Seit dem 1. Juli 2000 besteht eine Partnerschaft mit der Stadt Szendrő in Ungarn.

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Basilika St. Peter mini|Ehemaliges markgräfliches Stadtschloss, Luftaufnahme (2016) mini|Unteres Tor

Baudenkmäler

Bauwerke, die Leutershausen und die Umgebung auszeichnen, sind vor allem: in Leutershausen: Teile der ehemaligen Stadtmauer und die Stadttore. der Röhrenbrunnen vor dem Rathaus das Alte Landgericht, auch als Schloss Leutershausen bezeichnet die Kirche St. Peter das Gustav-Weißkopf-Denkmal die ehemalige Synagoge, heute Wohnhaus, Untere Marktgasse 6 mini|Röhrenbrunnen mit Oberem Tor Im Gemeindeteil Jochsberg sind zu nennen: die Kirche St. Mauritius

Bodendenkmäler

Mahnmal Ein Denkmal an der Seitenmauer des Friedhofs erinnert an die zwei Wehrmachtssoldaten Friedrich Döppel und Richard Köhler (Wehrmachtsdeserteur), die wegen Desertation im April 1945 von einem SS-Kommando erschossen wurden.Gedenkstätten für die Opfer des Nationalsozialismus. Eine Dokumentation, Band 1. Bundeszentrale für politische Bildung, Bonn 1995, ISBN 3-89331-208-0, S. 160.

Museum Gustav-Weisskopf-Museum Pioniere der Lüfte Museum im Unteren Tor (Heimatmuseum)

Sport Sportanlagen: Stadion mit überdachter Tribüne Vereinsheim Alte und Neue Turnhalle drei weitere Fußballplätze vier Tennisplätze zwei Beachvolleyballfelder (Sportzentrum) zwei Basketballfelder (Sportzentrum und Schule) Hallenbad Freibad Altmühlbad (Flussbad)

Veranstaltungen Altstadtfest Kirchweih Christkindlesrunterläuten

Wirtschaft und Infrastruktur Leutershausen ist Mitglied im Tourismusverband Romantisches Franken und in der Entwicklungsgesellschaft Region Hesselberg. Die Stadt ist zudem Mitglied der Kommunalen Allianz „AGIL“, die aus den Orten Aurach, Burgoberbach, Herrieden und Leutershausen besteht.

Unternehmen Durch die Ansiedlung Vertriebener aus Schlesien und dem Sudetenland entstanden mehrere Firmen. Dazu gehörten der Steinmetzbetrieb Hanel, die Färberei Hausner, die Töpferei Seiler, der Handschuhmacher Müller. Bis heute befindet sich in Leutershausen Deutschlands größter Garnveredler, die TVU Textilveredlungsunion GmbH & Co. KG, (ehemals Hausner). die zugleich auch der größte Arbeitgeber in Leutershausen ist.

Verkehr Die Staatsstraße 2249 führt nach Gebsattel (16 km nordwestlich) bzw. nach Neunstetten (5,5 km südwestlich). Die Staatsstraße 2446 führt nach Schillingsfürst (11 km westlich) bzw. über Wiedersbach und Schalkhausen nach Ansbach (11 km östlich). Die Staatsstraße 2245 führt nach Colmberg (6 km nördlich). Die Kreisstraße AN 3 führt nach Jochsberg (1,7 km nordwestlich) bzw. nach Sachsen (0,8 km südlich). Von Sachsen zweigt die Kreisstraße AN 4 in Richtung Südwesten nach Erlbach ab. Die Kreisstraße AN 23 führt an Rammersdorf vorbei nach Winden (2,3 km nordöstlich).

Im Gemeindeteil Wiedersbach liegt an der Bahnstrecke Nürnberg–Crailsheim die Station Leutershausen-Wiedersbach, die Ende der 1980er-Jahre stillgelegt wurde. Der Halt wurde jedoch zum Fahrplanwechsel im Dezember 2017 reaktiviert und in die S-Bahn Nürnberg eingebunden. Jeweils zweistündlich halten die Linien S 4 (Nürnberg–Crailsheim) und RE 90 (Nürnberg–Stuttgart).

An dieser Station begann auch die 22,7 km lange Strecke 5252 nach Bechhofen (eröffnet am 16. Juni 1903, Personenverkehr eingestellt am 28. November 1966, Güterverkehr folgte am 31. Mai 1970, Rückbau bis zur Parallelführung zur Hauptbahn 1972).

Durch Leutershausen führen die Fernwanderwege Grünes Schlüsselloch und Rangau-Randweg.

Persönlichkeiten mini|Gustav-Weißkopf-Denkmal mini|Gustav Weißkopf

Söhne und Töchter der Stadt