Ein Schiffsnamenpräfix ist eine dem Schiffsnamen vorgestellte Buchstabengruppe, die eine Zuordnung des Schiffes in eine definierte Gruppe erlauben.
Liste Die nachfolgende Liste gibt eine Orientierung über bekanntere Präfixe, wie sie tausendfach in der Literatur zu finden sind.
Verwendung von Präfixen in der Handelsschifffahrt Die Präfixe im zivilen Schifffahrtsbereich werden in der Regel genutzt, um die Antriebsart, die Verwendung des Schiffes oder eine Kombination dieser Eigenschaften genauer zu beschreiben. Die zivilen Präfixe sind uneinheitlich, nicht standardisiert und international verschieden. So bezeichnet das Präfix in der englischen Sprache sowohl das Sailing Ship, also ein Segelschiff, als auch das Steamship, also ein Dampfschiff. Im deutschsprachigen Bereich wird mit hingegen meist das Segelschiff bezeichnet, kommt ein „S“ hinzu, bezeichnet es mit dem Präfix SSS ein Segelschulschiff. Ebenso wenig wie die Verwendung ist die Schreibweise geregelt, so wird neben der reinen Buchstabenkombination zum Beispiel bei Motorschiffen () auch oder in der Literatur genutzt. Zusätzlich wird die Unterscheidung für den Laien zwischen Präfix und Namensteil dadurch erschwert, dass Eigner ihren Schiffen teilweise auch Namen geben, bei denen am Anfang eine Abkürzung steht, so zum Beispiel die Praxis bei der französischen Reederei CMA CGM. Hilfreich ist die Ära zu betrachten: Im 19. Jahrhundert waren fast nur Segelschiffe unterwegs; die wenigen Dampfer wurden mit „SS“ hervorgehoben. 30–50 Jahre später war dies umgekehrt; praktisch alle Schiffe waren Dampfschiffe, die wenigen Segler wurden mit „SS“ hervorgehoben. Dann kamen die ersten und seltenen Motorschiffe auf und wurden mit „MS“ gekennzeichnet; das ist bis heute der Normalzustand, und diese Kennzeichnung ist in der Regel überflüssig und wird seltener verwendet.
Sprache Präfix Bedeutung Übersetzung Englisch CS Cable Ship Kabelleger CV Container Vessel Containerschiff DSV Deep Submergence Vessel Tiefsee-U-Boot FB, F/B Ferry boat FährschiffHSFHigh Speed FerryHochgeschwindigkeitsfähreMFMotor FerryMotorfähre F/V Fishing Vessel Fischereischiff GTS Gas Turbine Steamer Gasturbinenschiff MS Motor Ship Motorschiff MSY Motor Sailing Yacht Motorsegelschiff MT, M/T Motor Tanker Motortanker MV, M/V Motor Vessel Motorschiff (MS) NS Nuclear Ship Atomschiff PS Paddle Steamer Schaufelraddampfer RV Research Vessel Forschungsschiff SS Steam Ship Dampfschiff SS Sailing Ship Segelschiff SV, S/V Sailing Vessel Segelschiff S/Y Sailing Yacht Segelyacht TS Turbine Steamer Dampfturbinenschiff TS Training Ship Segelschiff im Rahmen des Sail Training
Verwendung von Präfixen bei Kriegsschiffen und hoheitlich genutzten Wasserfahrzeugen Die Bestimmung von Schiffsnamen liegt auch für Kriegsschiffe und andere Schiffe mit hoheitlichem Auftrag wie allgemein üblich, beim Eigner von Schiffen, was die Verwendung von Präfixen im Schiffsnamen einschließt.
Die Kennzeichnung von Kriegsschiffen als solche ist im internationalen Völkerrecht sowie im Seerecht vorgeschrieben. Traditionell werden dazu Marineflaggen der jeweiligen Seestreitkräfte und andere Kennzeichen genutzt. Nähere Bestimmungen zur Gestaltung der Schiffsnamen gibt es im Völkerrecht nicht, wobei sich beispielsweise Deutschland vorbehält, ungeeignete Schiffsnamen zu untersagen.
Die Onomastik zu Schiffsnamen ist ein wissenschaftlich kaum erschlossener Bereich. Historisch war die Verwendung von Präfixen in Kriegsschiffsnamen bis zu Zeiten der Silberflotte nicht verbreitet; stattdessen gab es viele Schiffsnamen im Kontext zu geheiligten Personen oder Stätten, was mit Schiffsnamen bekannt ist, denen teilweise formelhaft ein „Santa ...“ oder „Nuestra Señora de ...“, wie bei Santa Maria (Schiff) oder Nuestra Señora de las Maravillas (Schiff), vorangestellt war.
Bei den Schiffen der Seestreitkräfte des britischen Vereinigten Königreiches und später des Commonwealth of Nations wurde es nach der Stuart-Restauration bereits im 17. Jahrhundert üblich, den Schiffsnamen die Formel „His Majesty’s Ship“ und später „Her Majesty’s Ship“ voranzustellen. Die Verwendung einer Abkürzung in Form eines Schiffspräfix wurde mit der HMS Phoenix (1783) offiziell. Ebenfalls historisch bekannt sind die Präfixe „HBMS“ für „His Britannic Majesty’s Ship“ sowie „HMY“ für die Staatsyachten der britischen Krone. Die Tradition von Schiffsnamen mit etlichen Präfixen wird von der Royal Navy bis in das 21. Jahrhundert fortgeführt und in den Regelwerken der Marine beschrieben. Im angloamerikanischen Raum werden Schiffspräfixe weitgehend in zusammengeschriebener Schreibweise genutzt und nicht als Abkürzung mit Punkten gekennzeichnet. Sie sind mit offiziellen Schiffsnamen wie HMS Queen Elizabeth (R08) in Literatur und Öffentlichkeit bekannt. Analog dazu steht „HMAS“ für „His Majesty’s Australian Ship“, Schiffe der kanadischen Seestreitkräfte haben das Präfix HMCS für „His Majesty’s Canadian Ship“ und in Neuseeland wird HMNZS für „His Majesty’s New Zealand Ship“ als Präfix für Kriegsschiffe geführt. Als hoheitlich genutztes Präfix ist „RMS“ für Royal Mail Ship bzw. „Royal Mail Steamer“ weltweit mit etlichen Schiffen wie Titanic oder Queen Mary bekannt. Analog dazu das Präfix „RMV“ für „Royal Mail Vessel“ nur bei Motorschiffen verwendet.
Die Nutzung von Schiffspräfixen bei der United States Navy bezieht sich hauptsächlich auf die Schiffspräfixe im Format „USS“ für das Präfix United States Ship sowie „USNS“ für „United States Naval Ship“. Verbindliche Anordnungen hinsichtlich der Nutzung des Präfixes USS sind seit 1907 bekannt. Das USNS-Präfix kann nur genutzt werden, solange sich ein Schiff im Besitz der US-Marine befindet. Wenn das Schiff nach seiner Außerdienststellung an die United States Maritime Administration übergeben wird, erhält es das Präfix eines Zivilschiffes, so beispielsweise geschehen bei der „USNS Comet (T-AK-269)“, deren offizieller Schiffsname zur (SS) „Comet“ wechselte. Sie wurde später bei der „Ready Reserve Force“ (RRF) eingegliedert. Vom späteren Schiffseigner, der DOT-United States Maritime Administration, wird teilweise auch die Bezeichnung „ex-USNS COMET“ genutzt. Weitere Präfixe siehe Liste.
Im deutschsprachigen Raum sind Schiffspräfixe als Abkürzung im Format von „S. M. S.“ für „Seiner Majestät Schiff“ (vor Schiffsnamen) oder „S. M. Y.“ für „Seiner Majestät Yacht“ historisch belegt und wurden sowohl für Kriegsschiffe als auch für Schiffe genutzt, die anderweitig mit hoheitlichem Auftrag genutzt wurden. Die Kaiserliche Marine hat dazu Flottenverzeichnisse mit Kriegsschiffen und Hilfsschiffen geführt, in denen nach dieser (teils erweiterten) Nomenklatur zu den Schiffen in Marineverordnungsblättern veröffentlicht wurde. Die Originalschreibweisen von der Kaiserlichen Marine aus jener Zeit folgen Formaten, die zum Teil einen gekürzten Präfix mit Schiffsklassikation einschließen und den folgenden Namensbestandteil apostrophieren. Nachfolgend Beispiele zur offiziellen Nomenklatur und Einträgen der Schiffe bei der Kaiserlichen Marine:
S. M. S. „Bayern“ S. M. S. „Blücher“ S. M. Y. „Hohenzollern“ S. M. Torpedoboot „Schütze“ S. M. Torpedoboot „S 23“ S. M. Kanonenboot „Iltis“ S. M. Aviso „Pommerania“ S. M. Tender „Hay“
Die k.u.k Marine nutzte Präfixe, die jenen für Deutschland gleichen. Weniger bekannt ist hingegen das Präfix „FGS“ für Federal German Ship, welches 1956 für Kriegsschiffe der Bundeswehr eingeführt wurde. Es wird vorwiegend im Verwaltungszusammenhang genutzt.
NATO-Staaten oder Seestreitkräfte, die zur Geschichte der Französischen Marine bekannt sind, haben nur teilweise normierte Schiffspräfixe eingeführt. Das Präfix „FS“ für „French Ship“ wurde/wird vorwiegend für Schiffe der Marine Nationale im Rahmen von administrativen Aufgaben und in Dokumentationen für die NATO genutzt, wie analog dazu weitere NATO-Präfixe wie „BNS“ für „Belgium Naval Ship“, „FGS“ für „Federal German Ship“, „HS“ für „Hellenic Ship“, „ITS“ für „Italian Ship“, „PNS“ für „Portuguese Naval Ship“, „SNS“ für „Spanish Naval Ship“. Einige der NATO-Staaten nutzen auch im 21. Jahrhundert die historisch eingeführten Präfixe mit Bezug auf deren Monarchien.
Im Bereich der Kriegsmarinen wurden und werden Präfixe nicht von allen Staaten obligatorisch genutzt. Die Kaiserlich Japanische Marine verzichtete beispielsweise auf solche Präfixe. Trotzdem benutzen einige Fachautoren in der Sekundärliteratur Präfixe wie (, (engl.) für ) oder („Imperial Japanese Navy“, (englisch) für ). In den Schiffverzeichnissen, Listen, Normen Vorschriften oder Verordnungen der jeweiligen nationalen Seestreitkräfte bzw. deren Staaten sowie in Koordination mit Alliierten Streitkräften, wie mit der Anti-Hitler-Koalition oder der NATO, wurden Benennungsformate für Schiffe vereinbart. Historisch dazu bekannt sind etliche Präfixe von Schiffsnamen, die sowohl internationalisiert als auch in nationalen Bezeichnungen der Schiffe verbreitet sind. Belegt sind dazu u. a. für die Niederlande „Hr.Ms.“ oder „Zr.Ms“ bzw. internationalisiert „HNlMS“ für „His/Her Netherlands Majesty’s Ship“, für Norwegen mehrere landesprachliche Abkürzungs-Variationen und „HNoMS“ für „His Norwegian Majesty’s Ship“, „HSwMS“ für „His Swedish Majesty’s Ship“, „ORP“ für „Okręt Rzeczypospolitej Polskiej“ (Kriegsschiff der Republik Polen) und etliche weitere bekannte Präfixe.