Kleinmaischeid ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Neuwied in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Dierdorf an.
Geographie Kleinmaischeid liegt südwestlich von Dierdorf auf einer Anhöhe zwischen den Tälern des Ommelsbachs im Osten und des Iserbachs im Westen. Mitten durch den Ort führt die Bundesstraße 413. Das Gemeindegebiet gehört zum Naturpark Rhein-Westerwald und befindet sich naturräumlich im Süden des sogenannten Niederwesterwalds. Zu Kleinmaischeid gehört der Wohnplatz Kettemers-Mühle.
Durch die EU-Erweiterung 2004 galt Kleinmaischeid bis zum 31. Dezember 2006 als geographischer Mittelpunkt der Europäischen Union und löste damit die belgische Gemeinde Viroinval ab. Am 10. Oktober 2004 wurde aus diesem Anlass ein Denkmal eingeweiht, der einen Zirkel zeigt. Durch den EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien am 1. Januar 2007 verlagerte sich der geographische Mittelpunkt nach Meerholz, einem Stadtteil von Gelnhausen in Hessen.
Die Berechnung führten Geographen vom französischen Institut géographique national (IGN) in Paris durch. Sie gaben die Lage des EU-Mittelpunktes mit an.
mini|Kleinmaischeid, Luftaufnahme (2018)
Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung als Metschet erfolgte am 20. Januar 1148 durch eine Bestätigungsurkunde dem Kloster Laach (heute Abtei Maria Laach) von Papst Eugen III. Der Papst erwähnte in diesem Schreiben an den Laacher Abt Gilbert († 1152) den salischen Zehnten (decimae salicae) zu Maischeid, der auf eine Schenkung des Rembaldus de Isenburch (Rembold I. von Isenburg) zurückgeführt wurde. Diese Schenkung diente offensichtlich zur Güterausstattung des 1093 gegründeten Klosters Laach. Der „Laacher Hof“ (teilweise auch „Hof Maischeid“ genannt) lag, wie sich aus späteren Urkunden ergibt, in der Gemarkung Kleinmaischeid.
Der Ortsname mit der Endung „-schet“ („-scheid“) weist darauf hin, dass die Siedlung in einer hochmittelalterlichen Rodungsphase angelegt wurde; „-scheid“ bedeutet Scheide = Grenze, womit man Orte bezeichnete, die als Grenzorte dienten. Die Silbe „Met-“ kann von einem Personennamen wie Mato oder Metfried hergeleitet werden. Graf Metfried von Wied könnte der Gründer gewesen sein. Nach einer anderen Interpretation könnte auch Reinbold von Isenburg (* 1092, † 1121) der Gründer gewesen sein, der Ortsname Metschet würde dann bedeuten „Grenze zum Besitztum von Metfried“.
Zum „Laacher Hof“ gehörten zwei Mühlen und umfangreiche Wälder. Aus Geldnot verkaufte das Kloster Laach den Hof im Jahr 1255 an den Trierer Erzbischof und Kurfürsten Arnold von Isenburg. Nach dessen Tod 1259 kam er wieder in Besitz des Klosters. Ab dem Jahr 1353 wird der „Laacher Hof“ auch „Hof Minkelfey“ genannt, diese Bezeichnung erscheint in den Laacher Urkunden erstmals im Jahr 1428. Diese späte Übernahme des Namens ist wohl darauf zurückzuführen, dass das Kloster auch in der Nähe von Polch einen gleichnamigen Hof besaßen (im heutigen Ortsteil Minkelfeld der Gemeinde Kerben im Landkreis Mayen-Koblenz).
Zum „Hof Minkelfey“ gehörte ein mit einem Schultheißen und mit Schöffen besetztes Hofgericht. Das Kloster Laach hatte das Besitzerrecht an dem Hof, die Grafen zu Wied übten das Schutzrecht aus. Das Kloster Laach verkaufte den Hof im Jahr 1539 für 580 Gulden an Graf Heinrich von Isenburg-Grenzau, im Jahr 1575 verkaufte das Kloster die Rechte aus dem Waldbesitz an Graf Johann zu Wied.
Graf Salentin von Isenburg-Grenzau, Heinrichs Sohn, verkaufte im Jahr 1600 zahlreiche Rechte an den Trierer Erzbischof Lothar von Metternich. Hierzu gehörten der „Lächerhof zu Klein Meyscheid“ und der mit „Buchholz“ bezeichnete Waldbesitz.
Neben dem Kloster Laach hatte das Kloster Fulda Besitzungen in Kleinmaischeid. In einer Urkunde aus dem Jahr 1388 wird durch Graf Salentin von Isenburg (ein Ahne des bereits genannten Salentin) beurkundet, dass er das „Dorff Meisthuyt“ (Dorf Maischeid) als fuldisches Lehen besitzt. Das Lehen war erblich. Das Kloster Fulda hatte aber weit vorher bereits Besitzungen im Westerwald, wie sich aus Güteraufzeichnungen aus dem 9. Jahrhundert ergibt.
Nach dem Tod des letzten Isenburger Grafen, Graf Ernst von Isenburg-Grenzau († 30. September 1664) fiel das Lehen wieder an das Kloster Fulda zurück. Daraufhin vergab diese ihren Belehnungsanteil für Burg und Flecken Isenburg sowie das „Kirspell Meyscheitt“ (Kirchspiel Maischeid) mit dem Dorf „Kleinmeischeitt“ an die Freiherren von Walderdorff. Die Grafen zu Wied machten daraufhin Ansprüche aus dem altväterlichen Erbe für Isenburg geltend. Ein zwischen Johann Philipp, Freiherr von Walderdorf, und Graf Friedrich III. zu Wied ausgehandelter Vergleich wurde 1666 durch den Abt von Fulda bestätigt. Dieser Vergleich führte zu einer Gemeinherrschaft aus den Häusern Walderdorff und Wied-Neuwied (ab 1700 Wied-Runkel).
Politik Gemeinderat Der Gemeinderat in Kleinmaischeid besteht aus 16 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 9. Juni 2024 in einer Mehrheitswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister Philipp Rasbach als Vorsitzenden.
Die Sitzverteilung im Gemeinderat: Wahl SPD CDU FWG Gesamt 2024 per Mehrheitswahl 16 Sitze 2019 9 3 4 16 SitzeDer Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2019, Stadt- und Gemeinderatswahlen 2014 9 3 4 16 Sitze 2009 9 3 4 16 Sitze 2004 9 4 3 16 Sitze FWG = Erste Freie Wählergruppe Kleinmaischeid e. V.
Bürgermeister Stefan Pung wurde am 10. Juli 2024 Ortsbürgermeister von Kleinmaischeid. Bei der Direktwahl am 9. Juni 2024 war er als einziger Bewerber mit einem Stimmenanteil von 87,6 % für fünf Jahre gewählt worden.
Pungs Vorgänger Philipp Rasbach (SPD) hatte das Amt seit Juli 2014 inne. Bei der Direktwahl am 26. Mai 2019 war er mit 82,11 % für weitere fünf Jahre bestätigt worden, bei der Wahl 2024 trat er nicht erneut an. Rasbachs Vorgänger war sein Vater Horst Rasbach (SPD).
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke mini|Kleinmaischeider Kirche mini|Denkmal am ehemaligen Mittelpunkt der EU Eine Skulptur am Mittelpunkt der Europäischen Union Mit einer 3,50 Meter hohen Skulptur in Form eines Zirkels zeigt die Gemeinde Kleinmaischeid, dass sie zwischen den EU-Erweiterungen am 1. Mai 2004 und am 1. Januar 2007 der geographische Mittelpunkt der Europäischen Union war. Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) weihte das Denkmal am Sonntag, 10. Oktober 2004 ein.
Die Skulptur besteht aus einem Zirkel auf einer Europakarte. Eine der beiden Spitzen des 3,50 Meter hohen Zirkels aus Edelstahl sticht in die steinerne Europakarte am Boden, und zwar an die Stelle, wo Kleinmaischeid (Kreis Neuwied) liegt. Ein Kreis von zwölf Bodenleuchten soll die zwölf Sterne der EU-Fahne symbolisieren. Die Skulptur wurde von dem Bad Kreuznacher Künstler Gernot Meyer-Grönhof gestaltet.
Veranstaltungen Ein Höhepunkt des Jahres ist die traditionelle Kirmes mit dem Umzug, bei dem die jungen Bewohner des Ortes mit den Traditionsfarben des Ortes, Rot und Weiß, geschmückt auf ihren Fahrrädern durch den Ort ziehen.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Durch den Ort führt die Bundesstraße 413. In der Nähe befindet sich die Anschlussstelle Dierdorf der Bundesautobahn 3. Der nächstgelegene ICE-Bahnhof ist in Montabaur.
Kirche Im Ort gibt es die zur Pfarrei Großmaischeid gehörende Katholische Filialkirche St. Wendelinus.
Persönlichkeiten Ehrenbürger Am 10. Juli 2024 wurde Harald Wendt (* 13. Januar 1942; † 17. Juli 2024) für seine Verdienste um die Gemeinde zu ihrem ersten Ehrenbürger ernannt.
In Kleinmaischeid geboren Peter Hermann (1952–2026), Fußballspieler und -trainer
Weblinks
Internetpräsenz der Ortsgemeinde Kleinmaischeid Informationen der Verbandsgemeinde Dierdorf über Kleinmaischeid
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Neuwied Kategorie:Ersterwähnung 1148