Richrath ist der im Norden gelegene Stadtteil der Stadt Langenfeld (Rheinland).
Geografie mini|links|St. Martin zu Pfingsten mit Flaggenschmuck Richrath bildet mit dem sich östlich angrenzenden Wiescheid den Norden der Stadt Langenfeld. Südlich Richraths schließt sich zunächst Immigrath an, dem die weiteren Stadtteile Langenfeld-Mitte und Reusrath folgen. Den Südwesten bildet das ebenfalls zu Langenfeld zählende Berghausen. Die Nordgrenze verläuft zu den Düsseldorfer Stadtteilen Hellerhof und Garath sowie zur Stadt Hilden, letztere gehört ebenfalls dem Kreis Mettmann an. Das Gelände Richraths, auf der Mittelterrasse des Rheins (auch Heideterrasse genannt) gelegen, ist überwiegend eben. Offene Wasserläufe sind Assenbach, Burbach, Götscher Bach, Riethrather Bach sowie der meist trockene Oerkhausgraben (Stadtgrenze zu Hilden). Größere Wasserflächen, Grundwasserseen, sind durch großflächige Auskiesungen entstanden. Sie werden zum Teil als Naherholungsgebiete oder von Sportanglern genutzt. Weitere Bodenschätze außer Kies und Sand sind nicht bekannt.
Geschichte Zum Namen Richrath, so habe es bereits Josef Hünermann in der Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 1932/33 ausgeführt, sei die Rodung (-rath bedeutet Rodung) eines Richard gewesen. Unter Verweis auf das Memoirenbuch des Gereonstiftes zu Köln wird die historische Person eines Grafen Richarius angeführt, der schon in den Jahren 966 und 973 urkundlich nachweisbar sei. Man könne kaum fehlgehen, diesen als den Gründer Richraths anzusehen, resümiert noch Müller im Jahre 1955.Orts- und Flurnamen der Stadt Langenfeld erzählen aus vergangenen Tagen. In: Heimatkalender des Rhein-Wupper-Kreises 1955.
Der Namenforscher Heinrich Dittmeier hält hinsichtlich der Silbe Rich- ebenfalls eine historische Persönlichkeit als Namensgeber für möglich. Allerdings gibt er weitere Deutungen an: So könne auch ein „enger Gang“, eine „Dornenhecke“ oder ein „Gebüschstreifen“ mit Rich- gemeint gewesen sein. Ein weiterer Forscher, Hans Bahlow, vermutet dagegen einen Namen keltischen Ursprungs, der sich mit Wasser, Sumpf, Schlamm, Moder oder Moor in Verbindung bringen ließe.
Wie dem auch sei, die Ausgrabungen an der St. Martinus-Kirche jedenfalls lassen inzwischen zumindest den Grafen „Richarius“ als den Gründer Richraths ausscheiden. Schließlich wurde hier der Knochen eines Menschen entdeckt, dessen Ableben von den Forschern mit Hilfe der Radio-Carbon-Methode exakt auf das Jahr 796 bestimmt wurde. Mutmaßlich wird die Person zudem an einem hölzernen Gotteshaus bestattet worden sein, auch wenn hierzu keine archäologischen Funde mehr gemacht werden konnten.Stephan Meisel, Schon im 8. Jahrhundert, in Rheinische Post, Ausgabe Langenfeld vom 26. Juni 2004 Denn wenn Richrath um 800 bereits mit Gotteshaus bestand, kann der urkundlich erst 966 in Erscheinung getretene Graf nicht der Gründer des Dorfes gewesen sein.
Frühe Aufzeichnungen So ist der Siedlungsbeginn wegen des unbekannten Namensgebers bzw. der unbekannten Siedlergemeinschaft nicht mehr nachvollziehbar. Ohnehin lassen Funde seit der Steinzeit in Reusrath und Wiescheid eine andauernde Besiedlung des hiesigen Raumes vermuten, selbst wenn die Besiedlung wegen des Wegzugs germanischer Stämme in das römische Reich über Jahrhunderte nur sehr spärlich gewesen ist. Urkundlich erwähnt und damit für die Geschichtsforschung nachweisbar wird Richrath erstmals in den Jahren 1090/1120 als „Ruchrothe“. Die Urkunde bezieht sich auf eine von den Stiftsherrn des Suitbertus-Stiftes Kaiserswerth ausgeschriebene Weißbrotspende, zu der Richrath zwölf Pfennige beitrug. Dieser ersten Nennung Richraths folgen dann 1299 Hüsgen („Husigin“), 1302 Riethrath („Reterode“), 1336 Örkhaus („Udinghusen“ – heute Hilden) und 1336 Bräuhaus („Bruhoyve“).Rolf Müller, „Stadtgeschichte Langenfeld Rheinland“, Verlag Stadtarchiv Langenfeld 1992
Richrath als Kirchspiel und Herrschaft mini|links|Kirchturm St. Martin
Viel ist mit der Aufzählung einiger weniger Urkunden nicht gewonnen. Daher versucht die Forschung zudem, mit Vergleichen mehr Licht in die Vergangenheit zu bringen. Eine Möglichkeit bietet die Namenforschung gemeinsam mit der Auswertung vorhandener schriftlicher Aufzeichnungen. Im Blickpunkt stehen dabei unter anderem auch die Endungen der Ortsnamen. So ging man bisher davon aus, dass Orte mit der Endung auf -rath im 10. Jahrhundert gegründet wurden. Archäologische Erkenntnisse aus Richrath und neuerdings aus Reusrath aber haben diese Auffassung nunmehr ins Wanken gebracht. Grund sind die deutlich älteren Spuren der Besiedlung, die an beiden Kirchen gefunden wurden. Aufgrund der Ergebnisse geht man nunmehr davon aus, dass die Orte auf -rath gut einhundert Jahre früher als bisher angenommen gegründet worden sein könnten.Thomas Becker, Neue Erkenntnisse zu St. Martin in Richrath, in Niederwupper 20, Historische BeiträgeStephan Meisel, Reusrath wohl älter als gedacht, Ausgabe vom 9. Mai 2008
Und noch weitere Indizien sprechen für die frühere Besiedlung: St. Martinus ist dem heiligen Martin von Tours (315–397)) geweiht und wird im 16. Jahrhundert als Investiturkirche von Haan genannt. Haan aber findet bereits 925 urkundlich Erwähnung. Zudem lassen Scherbenfunde in Richrath-Nord vermuten (wie auch an anderen Stellen des Stadtgebietes, zum Teil aus der Eisenzeit (Hallstatt- und La-Tène-Zeit), dass die Siedlungsgeschichte in Richrath sogar bis in das 6. (nachchristliche) Jahrhundert zurückreichen könnte.
Hinsichtlich der Organisation des Gemeinwesens ist ebenfalls nur Bruchstückhaftes bekannt. Wohl nicht mehr Stand der Forschung ist die Annahme einer Markgrafschaft Richrath.von Galera, Langenfeld (Rhld.), Von der Markgrafschaft zur Stadt, Backofen, Langenfeld 1963 Unstreitig aber wohl begann die (Kirchen-)Geschichte mit der Zugehörigkeit eines Kirchspiels Richrath zum Dekanat Neuss.Friedhelm Görgens, Langenfeld, Droste, Düsseldorf 1984 Um 1289 wird das Kirchspiel erstmals urkundlich erwähnt, bis es dann am 30. Dezember 1666 aus der Verwaltung des Amtes Monheim in die Herrschaft Richrath überführt wurde.
Richrath bildete während des gesamten Mittelalters bis zur Franzosenzeit mit den Honschaften Berghausen, Immigrath und Wiescheid einen gemeinsamen Verband, während Reusrath hiervon stets getrennt blieb. Im französischen Satellitenstaat Großherzogtum Berg wurde 1808 aus Richrath und Reusrath nach französischem Vorbild die Mairie (Bürgermeisterei) Richrath gebildet, deren erste Sitzung am 26. August 1808 war. Sie gehörte zum Kanton Richrath im Arrondissement Düsseldorf des Großherzogtums.
Nachdem Berg 1814 an Preußen gefallen war, wurde aus der bergischen Mairie Richrath die preußische Bürgermeisterei Richrath im neuen Kreis Solingen. Sie war in die beiden Landgemeinden Richrath und Reusrath unterteilt.Otto v. Mülmann: Statistik des Regierungsbezirks Düsseldorf , 1867, S. 992 Die Richrather Bürgermeister waren von 1814 bis 1851 in Personalunion gleichzeitig Bürgermeisterei der benachbarten Bürgermeisterei Monheim, so dass in dieser Zeit manchmal auch von einer Samtgemeinde Richrath-Monheim gesprochen wurde.
Durch Erlass des Königs von Preußen erfolgte am 1. April 1910 die Verschmelzung der beiden Gemeinden Richrath und Reusrath zur Gemeinde Richrath-Reusrath.Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf 1910, S. 161 Die konstituierende Sitzung des hierzu neugewählten Gemeinderates fand am 9. Juni 1910 statt. Die Gemeinde Richrath-Reusrath wurde am 11. November 1936 in Langenfeld (Rheinland) umbenannt.Amtsblatt der Regierung zu Düsseldorf 1936, S. 309 Am 14. September 1948 ging aus der Gemeinde die Stadt Langenfeld (Rhld.) hervor.
Richraths Kirchen St. Martinus St. Martinus ist die römisch-katholische Kirche von Richrath. Ihre Geschichte reicht zurück in die Christianisierung des Rheinlands. Der heutige Bau des Kirchenschiffs geht zurück auf das Jahr 1965/66. Der Turm stammt aus dem 12. Jahrhundert. Seit dem 1. Januar 2011 gehört die Kirche zur katholischen Kirchengemeinde St. Josef und Martin.
Tochterkirche St. Pius mini|Turm von St. Martin aus Sicht der Martinschule 1973 wurde aufgrund gestiegener Gläubigen-Zahlen im nach dem Krieg entstandenen Richrath-Nord die Pius-Kirche als Tochterkirche von St. Martinus geweiht. Ein verändertes Verhalten in der Religionsausübung führte jedoch allmählich zu einer steten Abnahme der Gottesdienst-Besucher, so dass die Kirche vor wenigen Jahren wieder geschlossen wurde. Das einst vor der Kirche stehende große Holzkreuz wurde inzwischen eingefasst und präsentiert sich nunmehr vor einem goldfarbenen Spiegel an der Ostseite der St. Martinus-Kirche in der Kaiserstraße.
Evangelische Lukaskirche Eine Welle starken Bevölkerungszuwachses auch von Menschen evangelischen Glaubens durch Ostvertriebene nach 1945 erforderte die Errichtung neuer Gotteshäuser. So stieg die Zahl der Einwohner insgesamt in einem bis dahin nicht gekannten Maß. Wuchs die Einwohnerzahl von 1905 bis 1945 noch um nur 8.575 Personen, stieg sie in den 40 Folgejahren bis 1985 um 28.671 Personen an. Die seit 1. Februar 1961 offiziell die Bezeichnung „Evangelische Kirchengemeinde Langenfeld“ führende, seither mit dem Gebiet der Stadt identische Gemeinde reagierte auf den Zuzug von Protestanten in den Jahren 1960/1964 mit dem Bau des neuen Gemeindehauses an der Kaiserstraße. Diesem folgte in den Jahren 1970/1972 nach Plänen des Architekten Nathow die Lukaskirche mit sehenswerten Fenstern des Glasmalers Henk Schilling nach.
Schlaglichter aus der Geschichte Das Krankenhaus St. Martinus Kranke, die der Pflege bedurften, mussten in früherer Zeit entweder zu Hause gepflegt oder aber in weit entfernte Krankenhäuser gebracht werden. Anlaufstelle für solche Patienten wurden dann etwa das Krankenhaus zu Kaiserswerth (gegründet 1845), die Heilanstalt in Bonn (1847), die Anstalt Bethel (von Bodelschwinghsche Stiftungen Bethel) bei Bielefeld (1887) oder gar das Landarmenhaus in Trier (1893). Um diesen Übelstand zu beseitigen, ergriff der Pfarrer an St. Martin, Wilhelm Boddenberg, die Initiative zur Gründung eines Krankenhauses für die inzwischen über 7000 Einwohner zählende Bürgermeisterei Richrath. Auf seinen Antrag genehmigte der Erzbischof von Köln am 23. April 1892 die Einrichtung als eine Niederlassung der armen Franziskanerinnen aus dem Mutterhaus zu Olpe. 1890 erwarb der Pfarrer das Haus des verstorbenen Vikars Martin Bürsgens und stellte es den Franziskanerinnen zur Verfügung. Aus Olpe kam dann am 1. August 1892 die Zusage der Oberin, die hierfür notwendigen Schwestern zu entsenden. Am 4. Juni 1893 trafen die ersten vier Franziskanerinnen in Richrath ein. Für die Behandlung konnte man Dr. Müller, einen Hausarzt mit Lazaretterfahrung gewinnen. Schlusspunkt war die seitens des Pfarrers Boddenberg ausgestellte „Concession zum Betriebe eines Krankenhauses zu Richrath“ vom 9. Januar 1894.
Das Krankenhaus entwickelte sich rasch, die Chronik ist voll von Umbauten, Landkäufen, Erweiterungen und Modernisierungen. So eröffneten die Schwestern 1906 eine Koch- und Haushaltungsschule, später ein Kinderheim und bereits 1914 einen Kindergarten. Im Ersten Weltkrieg dienten mehrere Räume als Lazarett. Nach dem Tod des Gründers planten und koordinierten dann der Pfarrer Theodor Breuer sowie der Arzt Dr. Oskar Prigge die weiteren Ausbaumaßnahmen.
Bereits 1924 verfügte das Krankenhaus über 175 Betten. Mit 25 Krankenschwestern und 5 Ärzten war es eine der größten Krankenhäuser des Kreises Solingen. Und 1933 trat mit Berufung Chirurgen und Gynäkologen Dr. Eugen Löhe erstmals ein ärztlicher Leiter seinen Dienst an, der sich ausschließlich auf die Krankenhausarbeit konzentrierte. Für 1989 schließlich werden 201 Betten angegeben und es standen 274 Mitarbeiter, darunter 27 Ärzte im Dienste der Patienten.
Die Pferdebestattung vom Götscher Weg