mini|Merianstich der Stadt Hamm mit Festungsanlagen und Stadtmauer von 1647, Nordansicht über die Lippe hinweg Die Geschichte der westfälischen Stadt Hamm umfasst den Zeitraum von der Stadtgründung im Jahre 1226 bis heute. Während des Mittelalters war Hamm Sitz der Grafen von der Mark und hanseatische Prinzipalstadt für die märkischen Städte. Sie gehörte damit neben Münster, Dortmund und Soest, in deren Mitte sie liegt, zu den bedeutenderen Städten Westfalens. Hamm diente fast seit seiner Gründung als Verwaltungs- und Gerichtssitz der Grafschaft Mark. Viele spätere märkische Stadtgründungen erhielten das Hammer Recht. Die Besiedlung des heutigen Raumes Hamm lässt sich bis in die Vorgeschichte zurückverfolgen und ist durch zahlreiche Siedlungs- und Grabfunde belegt. Durch schwere Brände und Kriegseinwirkungen gingen große Teile des Städtischen Archives und der Bausubstanz verloren. Als Folge daraus bleibt die Geschichte der Stadt unvollständig und kann daher häufig nur durch Urkundenfunde in auswärtigen Archiven näher beleuchtet werden.

mini|hochkant|Stadtwappen der kreisfreien Stadt Hamm mini|Innenstadt von Hamm. Der Bereich zwischen den Grünflächen entspricht etwa der Fläche der Stadt kurz nach ihrer Gründung. Nur der östliche Rand (links) des Verlaufs der Stadtmauer ist nicht vom Bild erfasst. In der Mitte befindet sich die Pauluskirche.

Vorgeschichte der Stadtgründung Um 800 wurde in Herringen eine Pfarrei gegründet, die später Stammpfarrei im Gebiet des Stadtkreises Hamm wurde und von der sich Kamen, Bönen und Rhynern als kleinere Pfarreien abtrennten.

Im 10. Jahrhundert war das Gebiet um das heutige Hamm Teil der Grafschaft von Werl. Im Jahre 1000 kam es zur Teilung der Werler Herrschaft. Graf Hermann II. von Werl erhielt den östlichen Teil um Werl und wurde somit zum Stammvater der Grafen von Arnsberg.

Nach streitiger Auffassung herrschte Hermanns Bruder Bernhard über den Bereich der späteren Grafschaft Hövel im heutigen Stadtbezirk Hamm-Bockum-Hövel. Diese erstreckte sich auf beiden Seiten der Lippe und umfasste das gesamte Stadtgebiet von Hamm. Demnach ließ Bernhard von Hövel im Jahre 1003 von Werl aus die Burg Hövel errichten und nannte sich seither Graf Bernhard von Hövel. Es kam zur Gründung der Grafschaft Hövel. Bernhard blieb bis zu seinem Tod nach 1030 Graf von Hövel. Er starb ohne männliche Nachfahren. Über seine Tochter Ida von Lauffen ging sein Besitz samt Grafschaft an die Herren von Berg über, da Ida die Frau Heinrichs von Lauffen war – deren gemeinsame Tochter Adelheid von Lauffen wurde die Frau Adolfs I. von Berg. Als zusätzliches Patrozinium kam im 11. Jahrhundert das des Heiligen Heribert dazu, dem Klostergründer von Deutz. Der Hof und die Kirche Herringen gelangten 1020/30 durch das Bistum Köln an das neugegründete Kloster Deutz, dessen Vogteirechte von Beginn an bei den Grafen von Berg lagen. Nach 1075 wurde die Homburg als Residenz der Grafen von Berg gebaut. 1077 war Graf Adolf I. von Berg Comes de Huvili (Graf von Hövel).

Nach den Forschungen Leidingers ist eine Grafschaft Hövel dagegen erst für die Zeit nach 1124 plausibel. Hövel habe zunächst im Besitz der Grafen von Arnsberg gestanden und sei erst nach dem Tode des letzten Arnsberger Grafen an die Berger Grafen gelangt. Vgl. zu diesem Themenkomplex den Beitrag „Grafen von Hövel“.

Um 1100 wurde die Pankratiuskirche in der Mark erbaut. Die spätere Mutterkirche von Hamm war zunächst die Eigenkirche der Besitzer von Hof Mark. 1150 ließ Graf Eberhard I. von Berg-Altena eine erste Burganlage bei Nienbrügge als Sicherungsposten für seine Grafschaft Hövel errichten. 1161 wurde der Erbstreit zwischen Adolfs Söhnen Eberhard I. von Berg-Altena und Engelbert I. von Berg entschieden; die Familie spaltete sich in den bergischen und den altenaischen Familienzweig. Eberhard wurde ab 1166 Graf von Altena und Hövel, während Engelbert die Grafschaft Berg erhielt. Damit wurden die Weichen für das Entstehen der späteren Grafschaft Mark und des Adelsgeschlechts der Grafen von der Mark gestellt.

Die Edelherren von Rüdenberg besaßen noch in der Mitte des 12. Jahrhunderts den Oberhof in der Mark, also die Herrschaft Volmestein. Vermutlich im Jahre 1166 teilten die Brüder Conrad und Rabodo ihre väterlichen Güter. Der Oberhof Mark fiel dem Rabodo zu. Von dieser Zeit an führte er den Beinamen „von der Mark“, erstmals erwähnt in der Bredelarschen Stiftungsurkunde von 1170. Um 1170 veräußerte der Edelmann Rabodo von der Mark den Oberhof Mark, zu dessen Besitzungen auch der Burghügel gehörte, auf dem später die Burg Mark errichtet wurde, an den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg, da er Geld für andere Unternehmungen brauchte. Philipp hatte solche Geschäfte schon häufiger getätigt. Er kaufte den kleinen Grafen und Edelherren ihre Eigenburgen, Eigenklöster und -kirchen ab und ließ sie einen Vasalleneid schwören, dann belehnte er die Burgen, Klöster und Kirchen erneut. Rabodo wurde Philipps Vasall und erhielt Oberhof Mark als Lehen. Rabodo starb 1170 (andere Angabe: 1178). Es ist unklar, ob er sein Lehnsrecht an Friedrich von Altena verkaufte oder ob nach seinem Tod, durch den der Mannesstamm derer von Rüdenberg erlosch, das Lehnsrecht von Philipp von Heinsberg an Friedrich übergeben wurde.

Um 1180/81 wurde die Grafschaft Hövel unter Everhards Söhnen Arnold und Friedrich geteilt. Arnold erhielt die Gebiete südlich der Lippe. Burg Hövel ging dabei wie auch die Burg in Altena an Friedrich. Arnold benötigte also eine neue Residenz und ließ in der Folge die Burg Nienbrügge ausbauen. Außerdem erwarb er 1190 die Isenburg.

1193 wurden die zuvor an den Kölner Erzbischof Philipp von Heinsberg veräußerten Besitzungen der Grafen, darunter Burg Hövel und Burg Nienbrügge, durch den neuen Erzbischof von Köln, Adolf von Altena, an die mit ihm zum Teil nahe verwandten Edelleute zurückgegeben. Auch das Flurstück Wiseberg, auf dem später Hamm entstehen sollte, ging wieder an Friedrich von Altena. 1198 ließ Friedrich von Berg-Altena nach erfolgter Erbteilung Burg Mark auf dem zum Besitz des Oberhofes Mark gehörenden Burghügel errichten. Er forcierte diesen Kauf zugunsten seines jüngeren Sohnes Adolf, der sich schon 1202 Graf Adolf I. von der Mark nannte. Friedrich starb 1198 oder 1199.

Arnold von Altena-Isenberg ließ 1200 die nahe der Burg Nienbrügge befindliche Ansiedlung zur Stadt Nienbrügge ausbauen. 1202 nannte sich Graf Adolf I. nach seinem Besitz Adolf von der Mark und grenzte so seine Linie Altena-Mark von den Grafen von Altena-Isenberg ab. In der Folge wurde die Burg Mark zum Familiensitz des Grafengeschlechts. Nach dem Tode Arnolds und dessen ältesten Sohn Eberhard 1207/1209 erbte Arnolds dritter Sohn, Graf Friedrich von Altena-Isenberg, Nienbrügge. 1216 wurde der Hauptsitz der Grafschaft von Nienbrügge nach der Isenburg verlegt.

Im Streit um Ländereien, Vogteirechte und Erpressungen der Adeligen gegen ihre Untergebenen ließ der Landesherr Graf Friedrich von Altena-Isenberg den Erzbischof von Köln, Engelbert I. von Berg, 1225 entführen, um ihn zum Einlenken zu zwingen. Dabei wurde Engelbert, vermutlich ohne dass dies von Friedrich beabsichtigt war, von den Häschern niedergestreckt und starb. Zur Strafe wurde Friedrich in Köln aufs Rad geflochten und seine Besitzung Nienbrügge durch Adolf I. von der Mark geschleift. 1225/26 bot Graf Adolf I. von der Mark den heimatlosen Einwohnern an, auf seinem Land zu siedeln. Es ist umstritten, ob der Stadtgründung strategische Interessen zugrunde lagen oder ob es sich um ein rein wirtschaftlich motiviertes Siedlungsunternehmen des Landesherren handelt. Die Landwirtschaft bildete in dieser Zeit die Hauptsicherung der Existenz. Ob zudem die Absicht hinzu kam, die Stadt Hamm als Stützpunkt zur Beherrschung des Nordufers der Lippe und zur Ermöglichung eines Vorstoßes ins Münsterland anzulegen, ist hingegen fraglich.Karl Wulf, Hamm – Stadt zwischen Lippe und Ahse. Historischer Rückblick von den Anfängen bis etwa 1930. Herausgegeben vom Stadtplanungsamt Hamm, September 1999, S. 17.

Grafschaft Mark (1226–1609) mini|Gründungsprivileg und Stadtrechte von Hamm. Die Urkunde weist einige Ungereimtheiten auf, wurde jedoch vom Nachfolger des Unterzeichners Graf Adolf I. von der Mark, Graf Eberhard I. von der Mark, am 21. März 1279 bestätigt. Die Stadt Hamm wurde urkundlich am Aschermittwoch im März des Jahres 1226 gegründet. Adolf I. von der Mark stattete die als Planstadt angelegte Siedlung mit einem ursprünglich für eine „Stadt Mark“ vorgesehenen Stadtrecht von 1213 aus (streitig – womöglich datiert das erste Stadtrecht von Hamm auch erst auf das Jahr 1279). Die neue Siedlung lag nur wenige hundert Meter von der alten Stadt Nienbrügge entfernt. Die Reste von Nienbrügge dienten dabei nach umstrittener Auffassung als Baustofflieferant. Da die Stadt Hamm auf der Landspitze zwischen der Ahse und der Lippe an der Einmündung der Ahse entstand, erhielt diese Siedlung den Namen „tom Hamme“ (zum Hamm) bzw. Ham – nach der alten Bezeichnung für ein solches Flurstück, dem Ham. Daraus entwickelte sich im Laufe der Zeit die heutige Schreibweise „Hamm“. M. E. Esselen mutmaßt in seinem Buch „Beschreibung und kurze Geschichte des Kreises Hamm“, dass der Verlauf der Ahse im Zuge der Stadtgründung künstlich verändert wurde. Grabenartige Vertiefungen in der Nähe von Nienbrügge seien ein deutlicher Hinweis, dass die Ahse zuvor bei Nienbrügge in die Lippe mündete. Ansonsten sei auch kein Grund erkennbar, warum Nienbrügge ausgerechnet an diesem Standort errichtet worden ist.Karl Wulf: Hamm – Stadt zwischen Lippe und Ahse. Historischer Rückblick von den Anfängen bis etwa 1930. Herausgegeben vom Stadtplanungsamt Hamm, September 1999, S. 9 f.

Graf Adolf I. von der Mark stattete die gleichberechtigten Ansiedler mit einheitlich bemessenen Hausstellen in einem schachbrettartig angeordneten Straßennetz aus. Die Hauptachse wurde durch die Trasse einer alten Römerstraße von Xanten nach Lippstadt gebildet. Jede der abgabepflichtigen, sogenannten „Wortstellen“ war etwa 307 m² bzw. 10,30 × 28,90 m groß. Den Baublock bildeten zwei Streifen von Hausstellen, deren Giebelhäuser den parallel verlaufenden Straßenzügen zugewandt waren. In der Mitte des Blocks stießen zwei Parzellen aufeinander. Das Einzelanwesen entsprach in seiner baulichen Gestaltung dem ländlichen Bauernhaustyp mit großer Toreinfahrt. Der Stadtmittelpunkt blieb für den Marktplatz ausgespart. Ritter und Burgmannen erhielten Grundstücke in Randlagen mit größerem Zuschnitt.Karl Wulf: Hamm – Stadt zwischen Lippe und Ahse. Historischer Rückblick von den Anfängen bis etwa 1930. Herausgegeben vom Stadtplanungsamt Hamm, September 1999, S. 16 ff. Die Münzprägung setzte bereits vor 1235 ein.