Die Deutsche Turnliga e. V. (DTL) vertritt offiziell die Interessen der Bundes- und Regionalligavereine Frauen und Männer im Turnen sowie der Rhythmischen Sportgymnastik.
Betätigungsfeld Schwerpunkte der Arbeit sind neben der Durchführung der verschiedenen Ligen die Weiterentwicklung sowie die Steigerung des Bekanntheitsgrades des deutschen Turnens und der Rhythmischen Sportgymnastik in Medien und Öffentlichkeit. Die gemeinnützige Sportorganisation wird von einem ehrenamtlichen Präsidenten sowie drei Abteilungen geführt.
Organisation Das Ligasystem der Deutschen Turnliga besteht seit dem Jahr 1969. Die Deutsche Turnliga ist als eingetragener Verein (e. V.) organisiert und wurde am 12. Juli 1997 als Deutsche Kunstturnliga Männer gegründet; 2002 erfolgte die Umbenennung in Deutsche Turnliga. Ihr steht ein mehrköpfiges Präsidium vor, dessen Präsident seit 2024 Michael Götz ist. Dessen Nachfolger als Vizepräsident Finanzen ist Jochen Scheuerer. Die drei Abteilungen der DTL führen Bettina Ländle (Turnen Frauen), Birgit Beiße (Rhythmische Sportgymnastik) und Mirko Wohlfahrt (Turnen Männer), die gleichzeitig auch Vizepräsidenten der DTL sind. Ein weiterer Vizepräsident ist Nicolas Prochaska, der die Abteilung Recht führt. Dem Präsidium gehören außerdem mit Rudi Brand (Informationstechnik) und Nils B. Bohl (Medien- und Öffentlichkeitsarbeit) zwei weitere, kooptierte Mitglieder an.
Die Geschäftsstelle des Vereins befindet sich in Heilbronn. Dort sitzt auch die DTL Marketing GmbH, die unter anderem für die Veranstaltung der Bundesliga der Frauen und der Rhythmischen Sportgymnastik sowie das DTL-Finale verantwortlich zeichnet. Geschäftsführerin der GmbH ist seit November 2019 Kathrin Baumann.
Modus und Ausrichtung Männer (Stand: 2025) Die Bundesliga der Männer ist in eine erste, zweite und dritte Bundesliga aufgeteilt, wobei letztere jeweils zweigleisig sind (Nord- und Südstaffel). Je Staffel nehmen 8 Mannschaften an der jährlichen Austragung teil (das Wettkampfjahr entspricht dem Kalenderjahr). In der Vorrunde turnt jede Mannschaft gegen jede andere Mannschaft, es gibt also 7 Wettkampftage (mit je 4 Wettkämpfen). Die meisten Wettkämpfe finden samstags statt. Um Konflikte mit anderen relevanten Wettkämpfen wie WM, EM etc. zu vermeiden, gibt es auch vorgesehene Ausweichtermine. Geturnt wird in olympischer Reihenfolge (Boden, Pferd, Ringe, Sprung, Barren, Reck), mit einem großen Einturnen vor dem Boden, einem weiteren kleinen Einturnen nach den Ringen, und noch einem vor dem Reck, dem letzten Gerät. Die Wettkämpfe werden nach dem sogenannten Score-System ausgetragen, welches (mit Veränderungen) seit 2003 genutzt wird. Hier starten jeweils 4 Turner je Mannschaft pro Gerät, wobei immer ein Turner von Mannschaft A gegen einen Turner aus Mannschaft B in einem sogenannten Duell antritt. Anhand der Punktedifferenz der beiden Punkte werden Relativpunkte (Score-Punkte) vergeben: Punktedifferenz Scorepunkte 0,10 und weniger 0 0,15 bis 0,25 1 0,30 bis 0,50 2 0,55 bis 1,00 3 1,05 bis 2,00 4 2,05 bis 6,00 5 6,05 und mehr10 Anhand der gesamten Score-Punkte wird der Wettkampf entschieden. Für einen gewonnenen Wettkampf werden zwei Punkte vergeben, ein Punkt für ein Unentschieden, und null Punkte für eine Niederlage. Zusätzlich werden anhand der Score-Punkte je Gerät zwei Gerätepunkte (also 12 Gerätepunkte je Wettkampf) vergeben. Bei Punktgleichheit in der Tabelle entscheidet die Differenz zwischen gewonnenen und verlorenen Gerätepunkten über die Platzierung. So kann selbst ein insgesamt aussichtsloser Wettkampf noch bis zum Ende für Spannung sorgen, da die unterlegene Mannschaft auch an den letzten Geräten noch Punkte für die Tabelle holen kann. An jedem Gerät werden je zwei Duelle von Mannschaft A begonnen, und zwei von Mannschaft B (die Reihenfolge wechselt von Gerät zu Gerät, das Startrecht am ersten Gerät wird vor Wettkampfbeginn ausgelost). Durch diesen Modus kann eine Mannschaft einen Wettkampf trotz niedrigerer Gesamtpunktzahl durch geschicktes Taktieren gewinnen.
Beispiel: Nehmen wir an, dass die Punktzahlen je Turner im Voraus bekannt sind, und zwei Duelle an einem gegebenen Gerät schon unentschieden ausgetragen wurden (und damit noch zwei übrig sind). Mannschaft A startet das dritte Duell mit einem sehr starken Turner der 14,0 Punkte erhält. Der letzte Turner von Mannschaft A wird mit Sicherheit 11,0 Punkte erhalten. Es stellt sich die Frage, ob Mannschaft B nun einen eigenen starken Turner, der 13,5 Punkte erzielen wird, gegen den dritten Turner von Mannschaft A antreten lässt, oder einen schwächeren Turner, der 10,5 Punkte erzielt. Wählt man den stärkeren, so würde man im dritten Duell 2 Score-Punkte verlieren (14,0 zu 13,5), und ebenso 2 Score-Punkte im vierten Duell (11,0 zu 10,5). Damit würde B das Gerät mit 0 zu 4 Score-Punkten verlieren. Setzt Mannschaft B hingegen seinen schwächeren Turner im dritten Duell, so verliert B in diesem zwar 5 Score-Punkte (14,0 zu 10,5), kann aber im letzten Duell 5 Score-Punkte gewinnen (11,0 zu 13,5), und einen Gerätepunkt erreichen.
Das DTL-Finale Das Finale der Deutschen Turnliga (DTL-Finale) ist die größte nationale Turnmeisterschaft in Deutschland. Gegen Jahresende werden dort vor großer Kulisse die deutschen Mannschaftsmeister im Turnen und der Rhythmischen Sportgymnastik ermittelt. Weltweites Alleinstellungsmerkmal der DTL ist, dass die Entscheidungen um den Titel im sogenannten Scoresystem fallen. Dabei treten einzelne Turner aus den Mannschaften im direkten Duell gegeneinander an. Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen dürfen jeweils der Erst- und Zweitplatzierte der Bundesliga um den Titel kämpfen. Während die Turner über die gesamte Saison im Scoresystem gegeneinander antreten, turnen die Frauen die Entscheidung erst seit dem Finale am 3. Dezember 2022 in Neu-Ulm im Duell-System aus. An den restlichen Wettkampftagen wird der Sieger im konventionellen Wertungssystem ermittelt. In der Rhythmischen Sportgymnastik kämpfen ebenfalls zwei Teams im Scoresystem um den Titel, dort jedoch die jeweils beste Mannschaft der Bundesliga Staffeln A und B. Die Aufsteiger in die Bundesligen der Männer sowie in die Regionalliga der Frauen werden in einem gesonderten Aufstiegswettkampf ermittelt, dem sogenannten „Supersamstag“. Das DTL-Finale der Rhythmischen Sportgymnastik 2021 erstmals in Bremen ausgetragen. Austragungsort ist seit 2024 Fellbach-Schmiden.
Geschichte Männer Saison Meister (ges.) 1969 TA Uni Köln 1970 TSV Bayer 04 Leverkusen 1971 TSV Bayer 04 Leverkusen (2) 1972 TSV Bayer 04 Leverkusen / SV Neckarsulm 1973 TSV Bayer 04 Leverkusen (3) 1974 TB Oppau 1975 TSV Bayer 04 Leverkusen (4) 1976 TSV Bayer 04 Leverkusen (5) 1977 TB Oppau (2) 1978 Siegerländer KV 1979 Siegerländer KV (2) 1980 KTV Heilbronn / Neckarsulm 1981 TG Saar 1982 TG Saar (2) 1983 FC Bayern München 1984 TK Hannover 1985 TK Hannover (2) 1986 FC Bayern München (2) 1987 FC Bayern München (3) 1988 FC Bayern München (4) 1989 WKTV Stuttgart 1990 WKTV Stuttgart (2) 1991 SC Cottbus 1992 SC Cottbus (2) 1993 SC Berlin 1994 WKTV Stuttgart (3) 1995 WKTV Stuttgart (4) 1996 WKTV Stuttgart (5) 1997 TK Hannover (3) 1998 SC Berlin (2) 1999 SC Cottbus (3) 2000 SC Cottbus (4) 2001 WKTV Stuttgart (6) 2002 WKTV Stuttgart (7) 2003 SC Cottbus (5) 2004 MTT Chemnitz / Halle 2005 KTV Straubenhardt 2006 SC Cottbus (6) 2007 SC Cottbus (7) 2008 SC Cottbus (8) 2009 KTV Straubenhardt (2) 2010 SC Cottbus (9) 2011 KTV Straubenhardt (3) 2012 TG Saar (3) 2013 TV Wetzgau 2014 MTV Stuttgart 2015 KTV Straubenhardt (4) 2016 KTV Straubenhardt (5) 2017 KTV Straubenhardt (6) 2018 KTV Obere Lahn 2019 KTV Straubenhardt (7) 2020 TG Saar (4) 2021 TuS Vinnhorst 2022 TuS Vinnhorst (2) 2023 KTV Straubenhardt (8) 2024 KTV Straubenhardt (9) 2025 KTV Straubenhardt (10) Anfangsjahre und Etablierung (1969–1990) Ende der 1960er Jahre beschlossen die Verantwortlichen im Deutschen Turnerbund (Westdeutschland), dass ab 1969 die Deutschen Vereins-Mannschafts-Meisterschaften als Bundesliga ausgetragen werden sollten. Im ersten Jahr durften 13 Vereine, welche im Vorjahr eine gewisse Qualifikationspunktzahl erreicht hatten (die zweite Mannschaft der TA Uni Köln durfte nicht teilnehmen, da je Verein nur eine Mannschaft startberechtigt war), in einer Nord- und einer Südstaffel die Vorrunde austurnen. Im Final am 6. Dezember 1969 konnte die TA Uni Köln die erste Meisterschaft erringen.
Für die Saison 1970, in welcher nur noch 10 Vereine starten durften, qualifizierten sich automatisch die je vier besten Mannschaften der beiden Staffeln aus dem Vorjahr, dazu gab es einen Qualifikationswettkampf für die übrigen zwei Startplätze. Die Saison wurde erst im Frühjahr 1971 beendet. Meister wurde der TSV Bayer 04 Leverkusen (damals noch unter dem Namen TuS 04 Leverkusen), welcher bis in die Mitte der 70er Jahre die Bundesliga dominierte. Ab 1972 fand die Bundesliga wieder in Nord- und Südstaffel statt, mit wechselnden Formaten. So gab es 1975 nur zwei Wettkampftage (je eine Qualifikations- und eine Finalwettkampf), um die Belastung der Kaderturner in der Olympiavorbereitung gering zu halten. 1989 gab es sogar nur einen Wettkampf, da im gleichen Jahr die Weltmeisterschaften in Stuttgart stattfanden.
Stärkster Verein der 1980er Jahre war der FC Bayern München, welcher gleich viermal die Meisterschaft errang, und mehrfach den zweiten Rang belegte. 1988 wurde beschlossen, dass ab 1990 die Bundesliga nur eingleisig (mit 8 Mannschaften) sein sollte. Diese Mannschaften wurden bei dem (einzigen) Bundesligawettkampf 1989, am 12. November, in Dillingen ermittelt.
Nach der Wende (1990–2002) Nach der Deutschen Wiedervereinigung wurden die Mannschaften der ehemaligen DDR in das Ligasystem integriert. Jeweils drei Mannschaften aus Ost und West waren direkt qualifiziert, während die letzten beiden Startplätze in einem Qualifikationswettkampf bestimmt wurden. In den Jahren nach der Wende gewannen bis auf eine Ausnahme nur Mannschaften aus dem Osten oder Stuttgart den Titel.
Einführung des Score-Systems (2003–2014) 2003 wurde das Score-System eingeführt. Seitdem wird die Meisterschaft im sogenannten DTL-Finale entschieden. Bis zum Jahr 2010 wurde der SC Cottbus mit 9 Titeln alleiniger Rekordhalter.
Dominanz der KTV Straubenhardt (2014–2025) Von 2015 bis 2019 konnte die KTV Straubenhardt vier Mal die Meisterschaft erringen, nur 2018 verloren der Verein denkbar knapp mit 34:36 gegen die KTV Obere Lahn. In den Jahren 2020 und 2021 wurde die Bundesliga aufgrund der COVID-19-Pandemie in zwei Staffeln ausgetragen. Ab 2022 wurde die Liga wieder im gewohnten Format ausgetragen, ab 2023 gewann die KTV Straubenhardt die Meisterschaft erneut drei Mal in Folge, ohne dabei auch nur einen Wettkampf (von jeweils 8 je Saison) zu verlieren. 2025 wurden sie zudem mit ihrem 10ten Titel Rekordmeister in der DTL.