Froschhausen ist ein Stadtteil von Seligenstadt im südhessischen Landkreis Offenbach.
Geographie Geographische Lage Froschhausen liegt nordwestlich der Kernstadt Seligenstadt. Die Ortsmitte ist etwa drei Kilometer vom Seligenstädter Marktplatz entfernt.
Nachbargemeinden Die Gemarkung grenzt im Norden an Klein-Krotzenburg und Hainstadt, im Westen an Weiskirchen und im Südwesten an Jügesheim.
Gewässer Im Norden und Südosten des Orts entspringen zwei Bäche. Etwa am Autobahnkilometer 196 der Bundesautobahn A 3 entspringt der Werniggraben, der durch das Naturschutzgebiet Kortenbach bis zur Landesstraße 2310 fließt. Im Naturschutzgebiet Schwarzbruch bei Seligenstadt fließt er nach Norden entlang der Obermannslache bis in den Langhorst nach Hainburg. Am Ende des Langhorst mündet der Weihersbach in den Werniggraben. Der Weihersbach hat zwei Quellen: am Beginn des Langhorst und in einem Gartengrundstück im Wohngebiet Im Erlig in Froschhausen. Auf Froschhäuser Seite wird der Weihersbach auch als Weigertsbach bezeichnet. Die Froschhäuser nennen die Quelle des Weihersbachs auch Brunkel. Einer örtlichen Sage zufolge sollen von dort die Froschhäuser Kinder stammen.
Östlich der Ortslage liegen zwei Baggerseen, die unter dem Namen Harressee bekannt sind. Sie dienen als Angelgewässer. Das Fischereirecht liegt bei den Angelsportvereinen ASC Anglerruh (Oberer Harressee) und ASV Mainfisch (Unterer Harressee).
Geschichte In erhaltenen Urkunden wurde Froschhausen unter den folgenden Namen erwähnt (Jahr der Erwähnung): Ortsname Jahr Frochschusen 1323 Frochshusen 1324 Vroschusen 1331 Froyshusen 1336 Froschusen 1405 Froßhusen 1414 Froschusen 1468 Froschausen 1469 vnßern hof zcu frashusen 1482 In Froscheuser termeney 1586 Froschausen 1609 Frushusen 16. Jahrhundert Froschhausen 1700 – 1790 Bezeichnung der Siedlung: Villa 1323
Mittelalter Die älteste bekannte Erwähnung Froschhausens findet sich in einer Urkunde vom 22. Februar 1287, einem Vergleich zwischen dem Abt Godfried der Benediktinerabtei in Seligenstadt und der Auheimer Mark über Holzlieferungen. Froschhausen und andere um Seligenstadt liegenden Orte verdanken ihre Gründung wahrscheinlich der Rodungstätigkeit der Benediktinerabtei Seligenstadt. Es gibt keine Funde, die auf eine frühere Besiedlung hinweisen.
Im Mittelalter besaß die Abtei von Seligenstadt umfangreichen Grundbesitz in Froschhausen. Der Ort gehörte der Markgenossenschaft Auheimer Mark an, die umliegenden Wälder gehörten zum Wildbann Dreieich. Im Nordosten der Gemarkung lag der Ort Dreckshausen, der 1567 als ausgegangen bezeichnet wird und in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges zur Wüstung wurde. Und im Südosten vis-à-vis der heutigen Bundesautobahn A 3 lag der Hof Spechtsloch. Der Ort Froschhausen gehörte zum Zent Seligenstadt und von 1425 bis 1803 zum Erzstift Mainz. Neben dem Zentgericht gab es für die niedere Gerichtsbarkeit ein eigenes Hubengericht, das für Froschhausen und Klein-Krotzenburg zuständig war.
Neuzeit Die Hexenverfolgung in der frühen Neuzeit forderte auch ein Opfer in Froschhausen. Die Frau des Bürgers Volkmar Berckmann wurde im Jahr 1602 gefoltert und getötet.
Durch den Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) wurden ganze Landstriche verwüstet und entvölkert. Es kam auch zu Hungersnöten und Seuchen (Pest), so dass bei Kriegsende 1648 in Froschhausen nur noch acht oder neun bäuerliche Familien mit acht Paar Ochsen lebten. Der Nachbarort Dreckshausen wurde während des Kriegs völlig ausgelöscht und fiel wüst. Deshalb warb der im Kloster Seligenstadt amtierende Abt Leonard Colchon Siedler aus seiner wallonischen Heimat – dem Hochstift Lüttich – an, die sich in den folgenden Jahren im Bereich des Vizedomamts Aschaffenburg – auch in Froschhausen – niederließen. Auf diese Zeit lassen sich einige der hiesigen Familiennamen zurückführen, die auch heute noch geläufig sind – unter anderem Böres, Blumör, Bonifer, Dutine, Döbert, Picard, Rohe, Malsy und Massoth, wobei die ursprüngliche französische Schreibweise der deutschen Aussprache angepasst wurde.
Eine Generation später wurde 1725 unter Erzbischof Lothar Franz von Schönborn eine Fasanerie zwischen Froschhausen und Klein-Krotzenburg eingerichtet. Das Weiderecht der Bevölkerung wurde dadurch eingeschränkt. Auf diesen Fasanengarten geht der heutige Wildpark Alte Fasanerie zurück.
1786 erhielt Froschhausen nach der Aufteilung der Auheimer Mark seinen Anteil am Markwald. 1791 wurden die Einwohner aus der Leibeigenschaft entlassen. Damit konnte sich Froschhausen allmählich zu einer eigenständigen Gemeinde entwickeln. Nach der Säkularisation des Kurfürstentums Mainz 1803 im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses kam die Amtsvogtei Seligenstadt mit Froschhausen zur Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, die 1806 von Napoleon Bonaparte zum Großherzogtum Hessen erhoben wurde. Die Amtsvogtei nahm bis 1821 Verwaltung und Rechtsprechung in Froschhausen wahr. Mit der Verwaltungsreform im Großherzogtum Hessen in diesem Jahr wurden auch hier auf unterer Ebene Rechtsprechung und Verwaltung getrennt.
Für die Verwaltung wurden Landratsbezirke geschaffen, die erstinstanzliche Rechtsprechung Landgerichten übertragen. Der Landratsbezirk Seligenstadt erhielt die Zuständigkeit für die Verwaltung unter anderem für die gleichzeitig aufgelöste Amtsvogtei Seligenstadt, das Landgericht Steinheim übernahm die zuvor von der Amtsvogtei wahrgenommenen Aufgaben der Rechtsprechung.
Der Landratsbezirk Seligenstadt wurde 1832 aufgelöst; seither gehört Froschhausen zum Kreis Offenbach – aus dem 1938 Stadt- und Landkreis Offenbach wurde. Der Sitz des Landgerichts wurde zum 1. Juli 1835 von Steinheim nach Seligenstadt verlegt und die Bezeichnung in Landgericht Seligenstadt geändert.Bekanntmachung, die Verlegung des Landgerichtssitzes von Steinheim nach Seligenstadt betreffend vom 12. Mai 1835. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 29 vom 21. Mai 1835, S. 277. Mit dem Gerichtsverfassungsgesetz von 1877 wurden Organisation und Bezeichnungen der Gerichte reichsweit vereinheitlicht. Zum 1. Oktober 1879 hob das Großherzogtum deshalb die Landgerichte auf. Funktional ersetzt wurden sie durch Amtsgerichte.§§ 1, 3 Verordnung zur Ausführung des Deutschen Gerichtsverfassungsgesetzes und des Einführungsgesetzes zum Gerichtsverfassungsgesetze vom 14. Mai 1879. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 15 vom 30. Mai 1879, S. 197f. So ersetzte das Amtsgericht Seligenstadt das Landgericht Seligenstadt.
Im Ersten Weltkrieg hatte Froschhausen 46 gefallene und vermisste Soldaten zu beklagen. Mit dem Ende der Monarchie 1918 wurde aus dem Großherzogtum Hessen der Volksstaat Hessen.
Im Jahr 1928 wurde eine Schwesternstation der katholischen Ordensgemeinschaft Schwestern von der Göttlichen Vorsehung errichtet; die katholischen Ordensschwestern versorgten Kranke und leiteten den ersten Kindergarten in der Gemeinde.
Bei der Kommunalwahl im November 1929 erhielt die Zentrumspartei die Mehrheit (7 Sitze), gefolgt von der Mittelstandspartei (3 Sitze) und den Sozialdemokraten (2 Sitze).
Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten 1933 fiel es zunehmend schwer, den christlich geprägten Charakter der Gemeinde zu erhalten. Die Gleichschaltung wirkte sich auch in Froschhausen aus. Trotz des Reichskonkordats wurde die Religionsausübung eingeschränkt: In der Schule durfte der Priester keinen Religionsunterricht mehr halten, die Pfarrbücherei wurde aufgelöst.
Auch im Zweiten Weltkrieg kamen zahlreiche Soldaten aus Froschhausen ums Leben. Kurz vor dem Einmarsch der amerikanischen Truppen war Froschhausen am 25. März 1945 (Palmsonntag) das Ziel eines Fliegerangriffs.Bombenangriff auf Froschhausen. In: Seligenstädter Heimatblatt. 27. April 2016. Dabei wurden elf Menschen getötet; mehrere Fachwerkhäuser in der Ortsmitte wurden beschädigt oder zerstört. Noch am selben Tag war der Krieg für Froschhausen zu Ende.
Mit Kriegsende 1945 kam Froschhausen an die Amerikanische Besatzungszone und dann an das neugebildete Land Groß-Hessen mit der Landeshauptstadt Wiesbaden, das die US-amerikanisch besetzten Gebietsteile des vorherigen Volksstaates Hessen sowie der ehemaligen preußischen Provinz Hessen-Nassau umfasste und dann mit Annahme der neuen Landesverfassung 1946 in Hessen umbenannt wurde. Der langjährige Bürgermeister, Valentin Holler, blieb auch in den ersten Monaten der amerikanischen Militärregierung im Amt. Er war christlich geprägt und stand seit dem Kaiserreich an der Spitze der Gemeinde. Nach einer Amtszeit von 32 Jahren wurde er am 18. August 1945 verabschiedet. Sein Nachfolger Otto Adam Schmidt leitete die Gemeinde zunächst gemeinsam mit einem zweiköpfigen Bürgerausschuss, bis am 27. Januar 1946 die erste Gemeindevertretung gewählt wurde.
Nach 1945 Das größte Problem nach dem Krieg war die Wohnungsnot: Durch Heimatvertriebene war die Einwohnerzahl innerhalb weniger Jahre um fast 40 Prozent gestiegen. Die Gemeinde wies deshalb zunächst mehrere kleine Baugebiete aus. Gleichzeitig galt es, die Wasserversorgung auszubauen. Außerdem wurden der Friedhof erweitert, Rathaus und Schule renoviert. Der Bau der Kanalisation in den 1950er Jahren brachte die Gemeinde an den Rand ihrer finanziellen Leistungsfähigkeit.
In den folgenden Nachkriegsjahren erlebte der Ort einen Aufschwung vom landwirtschaftlich geprägten Straßendorf zu einer blühenden Gemeinde im Zeichen des sogenannten Wirtschaftswunders. Durch die Umwandlung des alten Sportplatzes in Bauland erhielt die Gemeinde Froschhausen die finanziellen Mittel für weitere Investitionen. Die Gewerbesteuern der Unternehmen in den zwei neuen Gewerbegebieten verbesserte die finanzielle Ausstattung weiter. Von 1960 bis 1976 baute die Gemeinde Schule, Kläranlage, Altenwohnheim, Kindergarten, Sportplatz, Feuerwehrhaus und ein Bürgerhaus.
Im Zug der Gebietsreform in Hessen wurde Froschhausen am 1. Januar 1977 per Gesetz in die Stadt Seligenstadt eingegliedert, obwohl die Gemeinde nach Ansicht der damaligen politisch Verantwortlichen politisch wie auch finanziell durchaus in der Lage gewesen wäre, selbstständig zu bleiben. Ein Rest an Eigenständigkeit verblieb insofern, als Froschhausen noch immer ein eigenes Ortsgericht hat.
1987 feierte die Gemeinde die erste urkundliche Erwähnung vor 700 Jahren mit einem Fest unter Beteiligung aller Ortsvereine. Die 725-Jahr-Feier ging vom 1. bis 3. Juni 2012 über die Bühne.
Siedlungsentwicklung Froschhausen war ursprünglich ein Straßendorf. Der alte Ortskern ist durch Fachwerkhäuser geprägt.
Durch Neubaugebiete ist der Ort gewachsen. Im Westen kam ein weit gefächertes Gewerbegebiet mit angrenzender Wohnsiedlung Am Reitpfad dazu. Der südliche Teil entwickelt sich stetig weiter. In den 1970er-Jahren wurde ein neues Wohngebiet um den Freiherr-vom-Stein-Ring erschlossen. Dort waren zuvor viele Sumpfgebiete, die nun weitestgehend trockengelegt wurden. Aus dieser Zeit stammten auch die alten Flurnamen wie der Schnackenacker. In den 1980ern entstand das Industriegebiet Am Sandborn.
Im Norden kam um die Jahrtausendwende das Wohngebiet Im Erlig dazu. Anfang der 2010er-Jahre entstand das Neubaugebiet Backesfeld im Südosten. Dort wurden auch ein Lebensmittelmarkt und ein Kindergarten gebaut.
Einwohnerentwicklung Jahr Einwohnerzahl HauptwohnsitzNur die Zahlen in dieser Spalte sind kompatibel mit Zahlen des Hessischen Statistischen Landesamtes. Nebenwohnsitz 1754 242 1829 526 1834 569 1840 651 1846 698 1852 674 1858 691 1864 580 1871 705 1875 796 1885 819 1895 920 1905 1.015 1910 1.125 1925 1.257 1939 1.371 1946 1.613 1950 1.759 1956 1.849 1961 2.099 1967 2.641 1970 2.845 26.08.2003 4.006 31.12.2009 3.924 3.679 250 31.12.2015 4.042 3.814 22831.12.20194.2073.984223
Aus der Anfangszeit sind nur noch sporadische Aufzeichnungen der Einwohnerentwicklung vorhanden. Seit 2009 werden die Einwohnerzahlen auf der Homepage der Stadt Seligenstadt veröffentlicht. Von den rund 4.000 Einwohnern haben 94 % ihren Erst- und 6 % ihren Zweitwohnsitz in Froschhausen.