Die VA TECH WABAG Ltd. ist eine weltweit tätige indische Firmengruppe, die auf den Bau von umwelttechnischen Anlagen mit den Schwerpunkten Wasser und Abwasser spezialisiert ist. Im Firmennamen ist zwar das Wort „WABAG“ enthalten, aber in Deutschland ist das ehemalige mittelständische deutsche Unternehmen WABAG, von der dieses Wort der Gruppe ursprünglich übernommen wurde, nach dem Verkauf der letzten Nachfolgefirma 2004 nicht mehr aktiv. Die ehemalige deutsche Firma WABAG war, wie die aktuelle internationale VA Tech WABAG Gruppe, ebenfalls auf den Bau von umwelttechnischen Anlagen mit den Schwerpunkten Wasser und Abwasser im In- und Ausland spezialisiert.

Wie fast alle ehemaligen größeren deutschen Firmen und Konzerntöchter oder deren Abteilungen, die auf dem Gebiet des Anlagenbaus für Wasser- und Abwasser bis zur Jahrtausendwende im In- und Ausland tätig waren, hat auch die WABAG ihre geschäftlichen Aktivitäten in Deutschland inzwischen eingestellt. Nachfolgend wird in den beiden Kapiteln „ehemalige WABAG“ und „aktuelle VA TECH WABAG“ die Entwicklung dieser beiden Firmen angeführt.

Geschichte Ehemalige WABAG Zusammenfassung

Die Geschichte der WABAG ist ein Beispiel für die Umbrüche in der deutschen Industrie seit den letzten Dekaden. Die WABAG wurde 1924 in Breslau als selbständiges Unternehmen gegründet und nach dem Zweiten Weltkrieg in Kulmbach als „"Wabag" Wasserreinigungsbau Verwaltungsgesellschaft mbH“ wieder aufgebaut. Sie gehörte in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts zu den größten und wichtigsten deutschen Unternehmen auf dem Gebiet wassertechnischer Anlagen, die viele Verfahren und Anlagenbauteile entwickelte und in die Praxis einführte. Im Laufe ihrer Geschichte meldete beispielsweise die WABAG 120 Patente an.Eva Steindorfer: Die neue Mittelklasse macht die Wasserversorgung leistbar. In: DiePresse.com, 23. August 2012.

Mit dem Einstieg der Deutschen Babcock 1973 und der vollständigen Übernahme 1986/87 verlor die WABAG ihre Selbständigkeit und wurde eine Tochterfirma der Babcock. Der Name dieser Tochterfirma war „"Wabag" Wassertechnische Anlagen GmbH“. Nach der völligen Übernahme durch die Deutsche Babcock wurde in Deutschland das Geschäft der WABAG zuerst als Tochterfirma weitergeführt. Bis Mitte der 1990er Jahre wurden einige Niederlassungen im Ausland und zum Beispiel 1992 in Deutschland die Tochterfirma „Wabag Leipzig GmbH“, Sitz in Markkleeberg gegründet. Diese Tochterfirma verlegte 1996 ihren Sitz von Markkleeberg nach Zwenkau.Handelsregister Amtsgericht Leipzig, in: Blatt HRB 4822.

In Deutschland wurde die Wabag 1995 eine Tochterfirma der „BOAG Balcke-Dürr AG, Ratingen“.Handelsregister Amtsgericht Kulmbach, in: Blatt HRB 264. Letztere gehörte zur Deutschen Babcock. 1999 erfolgte der Zusammenschluss der Deutschen Babcock mit dem VA-Technologie-Konzern in Österreich. Im Zuge der Umorganisation dieser neuen Gruppe wurde am 10. August 2000 die „VA TECH WABAG GmbH & Co. KG Kulmbach“ gegründet. Bereits einen Tag später wurde diese neue Gesellschaft mit der Tochterfirma „Wabag Leipzig GmbH“ zur „VA TECH WABAG GmbH & Co. KG Leipzig“ mit Sitz in Zwenkau verschmolzen. Eine weitere Änderung war am 21. August 2000 die Verschmelzung mit der „VA TECH Esmil GmbH & Co. KG Ratingen“.Handelsregister Amtsgericht Ratingen, in: Blatt HRA 1092. Vor der Auflösung der deutschen Tochter der „VA TECH Österreich“ folgte noch eine Namensänderung der 2000 gebildeten Wabag Leipzig am 14. Januar 2004 zur „VA TECH WABAG Deutschland GmbH, Zwenkau“.Handelsregister Amtsgericht Ravensburg, in: Blatt HRA 1448. Die vielen Änderungen, die die Wabag zwischen 1995 und 2004 einschließlich ihrer Tochterfirmen in Deutschland erfuhr, wurden etwas vereinfacht angegeben. Als Hinweis sei hierzu auf die vielen Änderungen des Firmensitzes und der Zuständigkeiten der Amtsgerichte mit ihren Handelsregistern verwiesen. Auf den ursprünglichen Stammsitz Kulmbach folgten Bayreuth, Leipzig, Berlin-Charlottenburg, Bremen, Ismaning, Ravensberg, Siershahn und Lüneburg.

Als 2005 der Siemens-Konzern den VA-Technologie-Konzern übernahm, wurde die deutsche Tochterfirma VA TECH Deutschland GmbH, Zwenkau einschließlich der französischen VA TECH Aktivitäten an die französische VEOLIA-Gruppe veräußert. Die aufgelöste „VA TECH WABAG Deutschland GmbH, Zwenkau“ wurde am 14. Januar 2004 im Handelsregister gelöscht. Es folgte die Abspaltung und Bildung der „Wabag Wassertechnik GmbH, Zwenkau“ am 22. Juli 2004 von der VA TECH Deutschland und die Eintragung dieser Abspaltung in das Handelsregister am 3. September 2004.Handelsregister Amtsgericht Leipzig, in: Blatt HRB 20823, S. 2.

Seit 2004 gehört das letzte Nachfolgeunternehmen in Deutschland mit direkten Bezug zur Wabag zur Veolia-Gruppe und war deren Tochterfirma. Alle anderen VA TECH Wasser- und Abwasseraktivitäten wurden 2007 von Siemens Österreich an die VA TECH WABAG India Ltd. weitergereicht.

Am 18. Februar 2005 wurde die „Wabag Krüger GmbH“ gebildet.Handelsregister Amtsgericht Leipzig, in: Blatt HRB 20823, S. 3. Diese Krüger Wabag GmbH wurde am 14. September 2005 eine Tochter der Holding von „Veolia Water Systems Deutschland Holding GmbH, Siershahn“ und am 25. November 2005 im Handelsregister Leipzig eingetragen. Muttergesellschaft war die Veolia Water, in der die weltweiten Aktivitäten der Veolia für den „Sektor Wasser“ zusammengefasst sind. Die Krüger Wabag GmbH bestand nach dem Verkauf an die Veolia als Krüger Wabag GmbH weiter und wurde 2005 die Tochter der „VWS Deutschland GmbH“.Handelsregister Amtsgericht Lüneburg, in: Blatt HRB 202160, S. 1. Mit dem zu diesem Zeitpunkt bereits zur Veolia Water gehörenden Unternehmen „Elga Berkefeld GmbH, Celle“ wurde 2009 die Krüger Wabag GmbH zur „VWS Deutschland GmbH“ verschmolzen.Handelsregister Amtsgericht Leipzig, in: Blatt HRB 20823, S. 5. Letztere war bis 2015 aktiv und bot Wassertechnische Anlagen in und von Deutschland aus an.Onlinefassung der VWS Deutschland GmbH

In der zweiten Hälfte des Jahres 2015 erfolgte eine Neuordnung der Wasseraktivitäten von Veolia Water in Deutschland. Unter dem Firmennamen „Veolia Water Technologies Deutschland GmbH“ wurden die bisherigen Firmen „VWS Deutschland GmbH“, „VWS Aquafab GmbH“, „Aquantis GmbH“ und „PMT Plastik-Metallo-Technologie GmbH“ verschmolzen.Internetaufruf der Veolia Water Technologies Deutschland GmbHHandelsregister Amtsgericht Lüneburg, in: Blatt HRB 20823, S. 3. Die Verschmelzung der VWS Deutschland GmbH wurde am 10. September 2015 im Handelsregister eingetragen.Handelsregister Amtsgericht Lüneburg, in: Blatt HRB 202160, S. 3.

Seit 2009 sind somit die ehemalige WABAG und deren Nachfolgefirmen unter dem Namen Wabag in Deutschland nicht mehr tätig. Als Handelsname wurde Krüger Wabag jedoch erst 2014 im Handelsregister gelöscht. Allerdings gibt es ein Unternehmen, das 2003 am ehemaligen Standort der WABAG in Kulmbach von einigen ehemaligen Wabag-Mitarbeitern neu gegründet wurde und die weiterhin wassertechnische Anlagen als „Wasser Bau Gesellschaft Kulmbach mbH (WBG)“ vertreibt.Internetfassung der „Wasser Bau Gesellschaft Kulmbach mbH (WBG)“

Nachfolgend eine ausführlichere Chronologie von der Entwicklung der Wabag zur Internationalen Wabag und deren Ende in Deutschland.

Gründung

Am 1. August 1924 gründete der Kaufmann Max Reeder in Breslau die „WABAG Wasserreinigungsbau Ges. mbH“. Das Geschäftsziel war „die Schaffung von Anlagen für die Aufbereitung von Wasser, welches im Rohzustand zur Verwendung als Trinkwasser oder für die Industrie nicht geeignet ist“. Im Jahre 1925 kam der Jungingenieur Alfred Kretzschmar zur WABAG und stieg bald zum Oberingenieur und Prokuristen auf.

Eine der Neuentwicklungen des Unternehmens war die Erfindung der WABAG-Filterdüse. Auf der Brauereiausstellung 1926 in München wurde der WABAG-Kiesfilter vorgestellt. Die Verbesserung der Technik für Filteranlagen ermöglichte eine Monopolstellung im Bau von Großfilteranlagen. Es folgte 1934 die Entwicklung der Schnellfilteranlagen.

Vorkriegsjahre

In den Jahren 1934 bis 1939 wurden Aufbereitungen für chemische Betriebe, Kommunen, Talsperren, Wasserwerke, Papierfabriken und Zellwolle gebaut. Im Ausland wurden offene Filteranlagen in Ankara und Izmir, ein Wasserwerk in Prag, eine Druckfilteranlage in Rio de Janeiro und die Entsäuerungen in Athen und Rorschach/Schweiz gebaut.

Ende 1939 war WABAG in der Neudorfer Straße (heute ulica Komandorska) in Breslau auf über 100 Mitarbeiter angewachsen. Während des Krieges wurden Provisorien und Rekonstruktionen von zerstörten Trinkwasseranlagen zur Hauptaufgabe. Bis 1944 wurden 60 Badewasseraufbereitungen und die erste Entsalzung mittels der Technik des Ionenaustausches realisiert. In den Kriegsjahren wurden weiterhin Anlagen für die Aufbereitung von Kesselspeisewasser und Kühlwasser und zur Enteisenung und Entmanganung von Rohwässern errichtet.

Gegen Ende des Krieges Anfang 1945 wurde bei Kämpfen um Breslau die Gebäude und Werkstätten der WABAG völlig zerstört. Der Gründer des Unternehmens, Max Reder, gilt seitdem als verschollen.

Nachkriegsjahre

Nach dem Krieg begann im Juni 1945 in Kulmbach unter Führung von Alfred Kretzschmar der Wiederaufbau des Unternehmens. Es begann mit der Instandsetzung von bombardierten Anlagen für die Wasseraufbereitung. Der Aufbau der Wabag erfolgte auf einem Gelände in der Lichtenfelser Straße, dass von der amerikanischen Militärregierung zugeteilt worden war. 1949 wurden wieder 40 Personen beschäftigt. Der damalige Mangel an Stahl führte zur Entwicklung und dem Bau der ersten Betonfilter für die Wasserreinigung.

Die Wirtschaftswunderjahre

In den Jahren 1951 bis 1958 folgte ein Boom für den Bau wassertechnischer Anlagen. Schwerpunkt war die Trinkwasseraufbereitung, die weltweit, z. B. 1954 in Karachi und Lahore, für die Aufbereitung von Flusswasser zum Schwerpunkt wurde. 1954 wurde das neue Verwaltungs- und Betriebsgebäude in Kulmbach fertiggestellt und die Belegschaft war auf über 100 Personen angestiegen. Die WABAG agierte als Generalunternehmer für den Bau von etwa 200 Hallenbädern in Deutschland. Ende der 50er Jahre tätigte man erhebliche Exporte nach Italien, insbesondere für die Porzellanindustrie, sowie Vollentsalzungsanlagen für Stahlwerke. Erwähnenswerte Patente aus dieser Zeit um 1957 sind Neuentwicklungen für Druckfilter, Düsenböden und die fortlaufende Enthärtung von Wasser.

Die 1960er Jahre

Nach dem plötzlichen Tod von Alfred Kretzschmar 1963 übernahm sein Sohn Wolfgang die Firma. Sein Interesse galt besonders der Entwicklung von neuen Verfahren und Technologien. Zu diesem Zeitpunkt waren etwa 200 Mitarbeiter beschäftigt und der Auftragseingang lag bei ca. 20 Mio. DM pro Jahr. Zum 40-jährigen Jubiläum 1964 wurden etwa 95 % aller Aufbereitungsanlagen für Talsperrenwasser in Deutschland von der WABAG projektiert und erstellt.

Die 1970er Jahre, der Beginn der Konzern-Zugehörigkeit

Anfang der 1970er war die Belegschaft in Kulmbach auf insgesamt 350 Mitarbeiter gestiegen und der Auftragseingang betrug 80 Mio. DM pro Jahr. In dieser Zeit begann der Bau von Rauchgasentschwefelungsanlagen (REA), die damals von den Energieversorgern in Deutschland errichtet werden mussten. Für die Aufbereitung der Abwässer, die in diesen Anlagen anfielen, wurden entsprechende Anlagen geliefert. Mit dem Einstieg der Deutschen Babcock im Jahre 1973 begannen die Konzern-Jahre. Diese neue Zugehörigkeit zum Babcock-Konzern wurde auch in der Presse außerhalb der Wirtschaftspresse erwähnt.Umwelt: Wie die Pilze. In: Der Spiegel, Ausgabe 7/1974. Im gleichen Jahr stieg Karl-Helmut Werkmann von der Deutschen Babcock in die kaufmännische Geschäftsführung ein, um die nächsten 20 Jahre die Geschicke des Unternehmens zu lenken.Handelsregister Kulmbach, in: Blatt HRB 264, Eintrag vom 20. Januar 1994. Unter Werkmann wurde WABAG Hauptlieferant für Trinkwasseraufbereitungen in Algerien. Auch in die Türkei und nach Iran hat WABAG ihre Anlagen exportiert.

Die 1980er Jahre bis 2000