mini|Haka der Māori (ca. 1845) Der Haka (Plural: die Haka) ist ein ritueller Tanz der Māori. Häufig ausschließlich als Kriegstanz interpretiert, bedeutet haka allerdings nichts anderes als „Tanz“ oder „Lied mit Tanz“ und ist daher ein allgemeiner Begriff für alle Arten von Māori-Tänzen. Der Haka wurde einerseits zur Begrüßung und Unterhaltung von Gästen aufgeführt, hierbei von Männern oder von Frauen, oder auch in gemischten Gruppen. Andererseits diente er aber auch zur Einschüchterung von Gegnern vor einer kriegerischen Auseinandersetzung und wurde dann ausschließlich von bewaffneten Männern vorgetragen.

mini|Haka Taparahi, 1941 im ägyptischen Sand Nach einer Māori-Legende geht die Entstehung des Haka auf Hine-Raumati, das Sommermädchen, zurück. Sie soll sich an einem warmen Sommertag als zitternde Erscheinung in der Luft offenbart haben. Dies soll der Haka von Tane-rore gewesen sein, dessen Vaterschaft sie Tama-nui-te-rā, dem Gott der Sonne, zuschrieb.

mini|Soldaten der Streitkräfte Neuseelands beim Haka Man betrachtet den Haka als eine Art Symphonie, bei der die verschiedenen Körperteile die vielen Instrumente darstellen. Die Hände, Arme, Beine, Füße, Stimme, Augen, Zunge und der Körper als Ganzes vereinigen ihre individuellen Expressionen zu einer Aussage. Mut, Ärger, Freude und andere Gefühle werden durch die Bewegungen der einzelnen Körperteile ausgedrückt. Das Äußere drückt das Innere aus.

Haka-Arten mini|Darstellung eines Haka (ca. 1890) Für viele ist der nur eine Art Kriegstanz, was nicht das Wesentliche bei vielen Arten des ist. Es gibt auch etliche andere Tänze, die in der -Kultur ihre Bedeutung haben. Der am meisten aufgeführte ist der . Dieser Tanz war immer ein zeremonieller Tanz und in keiner Weise ein Kriegstanz. Daher wird er auch ohne Waffen aufgeführt.

Die drei wichtigsten Kriegstänze sind: der , der und der . Jeder dieser hat Eigenschaften, die ihn von den anderen unterscheidet. Sie sind alle furchterregende Schauspiele, um die physische Überlegenheit und Verfassung der Krieger zu zeigen, sowie dem Gegner Angst einzujagen. Diese Ritual- beinhalten alle das Tragen von Waffen. Der zeichnet sich durch die hohen Sprünge aus, bei denen die Beine unter den Körper gedrückt werden. Beim wird zwar auch gesprungen, aber eher von einer Seite zur anderen, während beim überhaupt nicht gesprungen wird.

Eine andere -Art ist der . Bei ihm kommt es darauf an, die Krieger psychologisch zu motivieren. Die Choreographie ist sehr frei, so dass ihm jeder Tänzer selbst Ausdruck verleihen kann. Dieser Haka wird in der Regel ohne Waffen getanzt.

Der wird normalerweise bei Beerdigungen oder bei anderen Gelegenheiten, die um den Tod kreisen, getanzt. Ähnlich wie der hat er keine Choreographie und wird ohne Waffen aufgeführt.

Um Hass auf einen anderen -Stamm auszudrücken, gibt es den . Jeder Stamm hat gegenüber einem anderen Stamm einen Haka entworfen.

Tika Tonu Der aus der Hawkes Bay wendet sich vor allem an junge Leute, mit der Aufforderung nach innen zu blicken, um in sich selbst die Antwort auf Probleme zu finden. Dieser 1914 von Häuptling für seinen 15-jährigen Sohn gedichtete beinhaltet eine Botschaft von Herausforderung, Kampf, Ausdauer und Überwindung. Er wird traditionell beim Erreichen des 21. Geburtstages, oder bei beruflichen oder akademischen Abschlüssen aufgeführt. Auch bei Hochzeiten ist er beliebt. Schließlich wird er oft auch beim (eine Trauerzeremonie) zur Ehrung des Verstorbenen benutzt, um zu würdigen, dass dieser junge Leute in schwierigen Zeiten begleitet hat.

Tahu Pōtiki Der Haka Tahu Pōtiki kommt von der Südinsel Neuseelands, von Te Waipounamu. Er hat eine alte Geschichte, erlangte aber besondere Bekanntheit durch seine häufige Aufführung in Christchurch nach den schweren Erdbeben von 2011. Er sollte damals der Bevölkerung, vor allem den Schülern, helfen, mit einer Naturkatastrophe umzugehen, die 185 Menschenleben gekostet hatte. In der Folge wurde er auch benutzt, um denjenigen gegenüber Respekt auszudrücken, die bei den Terroranschlägen vom 15. März 2019 in Christchurch Angehörige verloren hatten. So wurde er am 18. März 2019 von mehreren örtlichen Schulen spontan an einer eingerichteten Gedenkstätte aufgeführt. Zwei Tage später führte die Cashmere Highschool den Haka als Willkommenszeremonie für Premierministerin Jacinda Ardern auf, die Christchurch besuchte.

Ngai Tahu, der örtliche Maori-Stamm benutzt laut Te Hurinui Clarke, einem Lehrer der University of Christchurch, diesen Haka aus historischen Gründen bevorzugt gegenüber dem Haka Ka Mate. Tahu Pōtiki sei benannt nach dem Ahnen des Stammes Ngai Tahu und feiere diesen. Der Tanz könne benutzt werden, um Ereignisse zu feiern, wichtige Entscheidungen hervorzuheben und vor allem, um in Zeiten der Traurigkeit Einheit (Kotahitanga) zu beschwören.

Frauen und der Haka In der traditionellen Kultur der Māori spielen die Frauen eine wichtige Rolle in der Darbietung des Haka. Sie treten sowohl im Haka als auch solo auf. Es gibt Haka, die nur von Frauen aufgeführt werden. Sie spielen eine große Rolle in den Zeremonien und in der Unterhaltung im traditionellen Stammesalltag. Die Reputation eines Stammes basierte auf der Aufführung eines Hakas. Die Frauen waren ein integraler Bestandteil und daher auch fähige Darstellerinnen.

In der modernen Māori-Kultur besteht die weibliche Rolle bei einem Haka hauptsächlich aus dem unterstützenden Gesang im Hintergrund. Die Männer stehen meist im Vordergrund, während die Frauen im Hintergrund mehrstimmig singen. Dennoch ist es nicht ungewöhnlich, auch Frauen in vorderster Reihe zu sehen, besonders wenn es sich um einen spontanen Haka handelt.

Haka und Rugby Die neuseeländische Rugby-Union-Nationalmannschaft, die All Blacks, führt vor jedem Länderspiel einen Haka auf. Erstmals geschah dies 1884, als eine neuseeländische Auswahl ins australische New South Wales reiste. Seit dem Rugby World Cup von 1987 führen die All Blacks vor jedem Länderspiel ihren Haka auf. Der Maori-Stamm der Ngāti Toa erklärte, auf die Verwendung des Tanzes durch die All Blacks stolz zu sein.Frankel 2014, S. 200. Benutzt werden zwei verschiedene Versionen. Bis 2005 wurde ausschließlich der Haka mit dem Titel „Ka Mate“ benutzt, seitdem existiert eine alternative Version in dem neugeschriebenen „Kapa o Pango“.

Die ausführende Mannschaft wird von den eigenen Fans unterstützt, die gegnerische Mannschaft und ihre Anhänger verfolgen oft eine Gegenstrategie, um den angeblichen psychologischen Vorteil, den die All Blacks durch den Haka gewinnen, zunichtezumachen. Die Reaktionen reichen vom Singen der eigenen Nationalhymne über Ignorieren des Hakas bis zum aggressiven Entgegengehen.

Auch die neuseeländische Rugby-League-Nationalmannschaft hat einen eigenen Haka. Auch im Schulsport wird der Haka in Neuseeland bei manchem Rugby-Spiel zelebriert. Einige Mannschaften haben ihren eigenen Haka und es gibt ein lautstarkes Spektakel, wenn die gegnerischen Teams, unterstützt von ihren jeweiligen Fans, nacheinander ihren Haka vorführen.

Ka Mate mini|Haka der All Blacks vor dem Spiel gegen Frankreich (November 2006) Der „Ka-Mate“-Haka wurde 1810 von Te Rauparaha komponiert, dem Häuptling des Stammes Ngāti Toa. Der Legende nach wurde Te Rauparaha von Feinden verfolgt. Er versteckte sich in einer Grube, in der Nahrung gelagert wurde, unter dem Rock einer Frau. Da ein solches Verhalten bei einem Häuptling undenkbar war, fühlte er sich sicher. Als er wieder aus der Grube stieg, wurde er schließlich nicht von seinen Verfolgern entdeckt, sondern von einem anderen Häuptling, der ihm freundlich gesinnt war. Aus Erleichterung führte Te Rauparaha den Ka-Mate-Haka auf, der heute mit den gleichen Worten von den All Blacks getanzt wird.

Der Haka beginnt mit fünf vorbereitenden Anweisungen eines einzelnen Anführers (gewöhnlich ein Māori aus dem Team), danach stimmt die ganze Mannschaft ein.

+Ka MateAnführer:Ringa pakia! Schlagt die Hände auf die Schenkel!Uma tiraha!Drückt die Brust nach vorne!Turi whatia!Beugt die Knie!Hope whai ake!Und die Hüften!Waewae takahia kia kino!Stampft mit den Füßen, so fest ihr könnt!Anführer:Ka mate, ka mateDas ist Tod, das ist Tod (oder: Ich werde sterben)Mannschaft:Ka ora, ka oraDas ist Leben, das ist Leben (oder: Ich werde leben)Anführer:Ka mate, ka mateDas ist Tod, das ist TodMannschaft:Ka ora, ka oraDas ist Leben, das ist LebenAlle:Tēnei te tangata pūhuruhuruDies ist der haarige Mann… Nāna nei i tiki mai whakawhiti te rā…der die Sonne brachte und sie scheinen ließ!Ā upane, ka upaneEin Schritt nach vorne, und noch einer!Ā upane, ka upaneEin Schritt nach vorne, und noch einer!Whiti te rā, hī!Die Sonne scheint!

Am 14. November 2024 führten die Abgeordneten der Māori Party im neuseeländischen Parlament diesen Haka auf, um ihre Missbilligung über eine vorgeschlagene Neuauslegung des Vertrags von Waitangi auszudrücken, die sie als nachteilig für die Māori-Bevölkerung betrachten.Maori haka in NZ parliament to protest at bill to reinterpret founding treaty. British Broadcasting Corporation, 14. November 2024, abgerufen am 18. November 2024.

Kapa o Pango Vor einem Tri-Nations-Spiel gegen Südafrika am 28. August 2005 im Carisbrook-Stadion von Dunedin führten die All Blacks überraschenderweise einen komplett neuen Haka auf. „Kapa o Pango“, verfasst von Derek Lardelli vom Stamm Ngāti Porou, enthielt eine längere und aggressivere Einleitung durch den damaligen Kapitän Tana Umaga und fand seinen Höhepunkt in einer umstrittenen, an das gegnerische Team gerichteten Geste des Hals-Durchschneidens. Die All Blacks gewannen das Spiel mit 31 zu 27.

Der neue Haka soll über mehr als ein Jahr und in Zusammenarbeit mit vielen Experten für die Kultur der Māori entwickelt worden sein. Er wird den traditionellen Haka „Ka Mate“ nicht ersetzen, sondern nur bei besonderen Gelegenheiten angewandt werden. „Kapa o Pango“ hat allerdings im Gegensatz zu „Ka Mate“ einen Text, der sich speziell auf die neuseeländische Nationalmannschaft bezieht, indem die All Blacks und das Symbol der Mannschaft, der Silberfarn, erwähnt werden.

Im Jahr 2006 wurde „Kapa o Pango“, besonders in Hinblick auf die umstrittene Geste am Schluss, noch einmal einer Überprüfung durch den neuseeländischen Rugby-Union-Verband (NZRFU) unterzogen. Die Untersuchung kam zum Schluss, dass die Geste in der Māori-Kultur eine völlig andere Bedeutung hat, so Derek Lardelli: „Die Worte und Bewegungen repräsentieren das Ziehen lebenswichtiger Energie in die Herzen und Lungen.“

„Kapa o Pango“ wurde vor dem ersten Tri-Nations-Spiel im Juli 2006 gegen Australien erneut aufgeführt und international besonders bekannt, als die All Blacks ihn vor dem Endspiel des Rugby World Cup 2011 aufführten.Frankel 2014, S. 201.

+Kapa O PangoKapa o Pango kia whakawhenua au i ahau!All Blacks, lasst mich eins mit dem Land werden!Hī aue, hī!Ko Aotearoa e ngunguru nei!Das ist unser Land, das poltert!Au, au, aue hā!Das ist meine Zeit, mein Augenblick!Ko Kapa O Pango e ngunguru nei!Das macht uns aus als die All Blacks!Au, au, aue hā!Das ist meine Zeit, mein Augenblick!I āhahā!Ka tū te ihiihiUnsere DominanzKa tū te wanawanaUnsere Überlegenheit wird triumphierenKi runga ki te rangi e tū iho nei, tū iho nei, hī!Und hoch angesehen werden!Ponga rā!Silberfarn!Kapa o Pango, aue hī!All Blacks!Ponga rā!Silberfarn!Kapa o Pango, aue hī, hā!All Blacks!

Schutz der traditionellen Kultur vor Aneignung Maori erheben den Anspruch, dass Hakas als traditionelle Kultur zu ihrem Erbe gehören und vor kultureller Aneignung durch Dritte und Ausbeutung geschützt werden müssen. Anlässe dafür waren Werbekampagnen von Lego, Ford, Sony und Fiat, die vor dem Waitangi Tribunal untersucht wurden.Frankel 2014, S. 195. In Deutschland wurden die Ansprüche 2017 bekannt, als sich Maori und ihre Unterstützer gegen einen Werbespot eines deutschen Autoversicherers wehrten, der einen Haka verwendete.Spiegel online: Deutscher Versicherer sorgt mit Maori-Tanz-Spot für Ärger, 10. Mai 2017.