Der Große Panda (Ailuropoda melanoleuca), auch Riesenpanda oder Pandabär, ist eine Säugetierart aus der Familie der Bären (Ursidae). Als Symbol des WWF und manchmal auch des Artenschutzes allgemein hat er trotz seines sehr beschränkten Verbreitungsgebiets weltweite Bekanntheit erlangt. In älterer deutscher Literatur wird der Große Panda auch Bambusbär oder Prankenbär genannt. Der Gefährdungsstatus der Bärenart wurde 2016 vom IUCN von stark gefährdet (endangered) auf gefährdet (vulnerable) abgesenkt, da die Bestände sich etwas erholt hatten. Nach Schätzungen, die auf der letzten offiziellen Zählung basieren, gibt es über 2000 wild lebende Tiere, da von 2011 bis 2014 insgesamt 1864 Pandas in freier Wildbahn gezählt werden konnten.Giant Panda, Text summary, Justification (engl.) IUNC Red List, abgerufen am 1. April 2021.
Merkmale Große Pandas erreichen eine Kopfrumpflänge von 120 bis 150 Zentimetern, der Schwanz ist wie bei allen Bären nur ein Stummel von rund 12 Zentimetern Länge. Das Gewicht erwachsener Tiere variiert von 75 bis 160 Kilogramm. Große Pandas entsprechen in ihrem Körperbau weitgehend den anderen Bären, stechen jedoch durch ihre kontrastreiche schwarz-weiße Färbung hervor.
Fellfärbung mini|Schädel mit Gebiss
Die Grundfarbe ihres dichten, wolligen Fells ist weiß, die Beine sind schwarz. Das Schwarz der Vorderbeine zieht sich weiter über die Schultern und bildet einen Gürtel, der meist den Vorderkörper umschließt. Schwarz sind außerdem die Ohren, die Umgebung der Augen und manchmal die Schwanzspitze. Die Population im Qinling-Gebirge (Ailuropoda melanoleuca qinlingensis), die erst 1985 entdeckt und 2005 als erste offizielle Unterart anerkannt wurde, zeichnet sich dagegen durch eine braun-weiße Farbgebung aus.Qiu-Hong Wan, Hua Wu und Sheng-Guo Fang: A new subspecies of Giant Panda (Ailuropoda melanoleuca) from Shaanxi, China. Journal of Mammalogy 86 (2), 2005, S. 397–402.
Die Gründe für die auffällige Färbung sind nicht genau bekannt. Diskutiert werden die Abschreckung von Feinden, die bessere Thermoregulation oder die Tarnung. Sehr selten gibt es Albinos, deren Fell weiß ist.Erster Albino-Panda läuft in Fotofalle In: Die Welt. 26. Mai 2019.
Weitere Merkmale Der Kopf wirkt massiver als der anderer Bären, was an den verlängerten Jochbeinbögen und an den stärkeren Kaumuskeln liegt. Wie die meisten Bären haben sie 42 Zähne, die hinteren Vorbackenzähne und die Backenzähne sind größer und breiter als die der anderen Vertreter ihrer Familie, eine Anpassung an die spezielle Ernährung. Ein weiteres artspezifisches Merkmal ist der verlängerte Handwurzelknochen der Vorderpfoten, der einen „Pseudodaumen“ bildet und dem besseren Ergreifen der Nahrung dient.
Name Die in China übliche Bezeichnung für den Großen Panda ist dà xióngmāo (), wörtlich „große Bären-Katze“, oder einfach xióngmāo (), wörtlich „Bären-Katze“. In chinesischen Quellen finden sich etwa 20 verschiedene Bezeichnungen für Große Pandas, aber keine davon hat Ähnlichkeit mit dem Wort Panda. auf der Website des Smithsonian National Zoological Park. Ursprünglich wurde der Name in westlichen Quellen für die Kleinen Panda verwendet und stammt aus dem Nepali.Kleiner Panda auf animalinfo.org.
In manchen Regionen Nepals heißen sie Ponja, zu deutsch „Bambusfresser“. Daraus wurde der Name „Panda“ abgeleitet.doksite.de, Doksite - Portal rund um den dokumentarischen Film.
Der Gattungsname „Ailuropoda“ kommt vom griechischen „αἴλουρος“ = „Katze“ und „πούς“ = „Fuß“ Der Artname „melanoleuca“ kommt vom griechischen „μέλας“ = „schwarz“ und „λευκός“ = „weiß“. Alles in allem also etwa „schwarzweißer Katzenpföter“.
Verbreitung und Lebensraum mini|Verbreitungsgebiet des Großen Pandas
Das Verbreitungsgebiet der Großen Pandas umfasst gebirgige Gegenden auf den Territorien der chinesischen Provinzen Sichuan, Gansu und Shaanxi. Das Habitat der Pandas sind subtropische Berghänge mit dichter Bewaldung. Hier leben sie im Sommer in Höhen von 2700 bis 4000 Metern, im Winter wandern sie in tiefer gelegene, oft rund 800 Meter hohe Gebiete ab. Das Klima in ihrem Lebensraum ist generell feucht und niederschlagsreich, die Sommer sind kühl und die Winter kalt.
Lebensweise Große Pandas sind Bodenbewohner, die allerdings gut klettern und schwimmen können. Das Fressen geschieht meist in einer sitzenden Haltung, so dass die Vorderpfoten frei sind, um nach Nahrung zu greifen. Die Tiere sind dämmerungs- oder nachtaktiv und schlafen bei Tage in hohlen Baumstämmen, Felsspalten oder Höhlen. In den Bambusdickichten legt der Panda tunnelförmige Wechsel an, die seine Futterplätze mit den Schlafplätzen verbinden.
Große Pandas sind Einzelgänger, die ein Revier von rund 4 bis 6 Quadratkilometern bewohnen. Die Territorien von Weibchen haben ein rund 30 bis 40 Hektar großes Kerngebiet, das gegen Artgenossinnen verteidigt wird. Männchen sind flexibler und zeigen kein Territorialverhalten, ihre Reviere haben kein Kerngebiet und überlappen sich oft mit denen anderer Männchen. Trotzdem gehen sie Artgenossen aber meist aus dem Weg. Während ihrer Wanderungen markieren sie ihre Route durch Urin und indem sie Bäume zerkratzen oder sich daran reiben. Im Gegensatz zu anderen Bärenarten halten Große Pandas keinen Winterschlaf, sie wandern während der kalten Jahreszeit lediglich in tiefer gelegene Regionen.
Ernährung Große Pandas sind unter den Bären die ausgeprägtesten Pflanzenfresser; sie ernähren sich zu 99 % von Bambus, wobei sie vor allem junge Blätter und Sprossen zu sich nehmen. Da Bambus jedoch sehr nährstoffarm und die Verdauung der Pandas nicht ideal dafür ausgerüstet ist, müssen sie große Mengen davon zu sich nehmen, um ihren Nahrungsbedarf zu decken: Der Tagesbedarf liegt bei rund 10 bis 40 Kilogramm Bambus. Zu den Pflanzen, die sie darüber hinaus verzehren, gehören Enziane, Schwertlilien, Krokusse und Bocksdorn. In geringen Mengen nehmen sie auch Raupen sowie kleine Wirbeltiere zu sich. In Gefangenschaft kommen sie sogar mit Honig, Eiern, Fisch, Obst wie Melonen oder Bananen und auch Süßkartoffeln zurecht. Große Pandas sind gemeinhin 10–16 Stunden des Tages mit der Nahrungsaufnahme beschäftigt.
In ihrem Verdauungstrakt zeigen Große Pandas einige Anpassungen an die vorwiegend pflanzliche Ernährungsweise. Die Speiseröhre ist mit einer Hornschicht ausgekleidet, der Magen ist dickwandig und erinnert an den Muskelmagen der Vögel. Die Oberfläche des Dickdarms ist im Vergleich mit anderen Bärenarten vergrößert, ein Blinddarm fehlt.
Wie andere Bären gewinnen Pandas einen großen Teil ihrer Energie aus Proteinen – nach neueren Studien stammen demnach 50–60 % des Energiebedarfs aus Bambusprotein. Die Stoffwechselrate der Großen Pandas ist außergewöhnlich gering und beträgt nur 38 % der durchschnittlichen Stoffwechselrate eines landlebenden Säugetiers vergleichbarer Größe.Yonggang Nie et al.: Exceptionally low daily energy expenditure in the bamboo-eating giant panda. In: Science. Band 349, Nr. 6244, 2015, S. 171–174, doi:10.1126/science.aab2413.
Bislang ist ungeklärt, seit wann Bambus die Hauptnahrungsquelle der Großen Pandas ist. Eine GenanalyseHuabin Zhao et al.: Pseudogenization of the Umami Taste Receptor Gene Tas1r1 in the Giant Panda Coincided with its Dietary Switch to Bamboo. In: Molecular Biology and Evolution. Band 27, Nr. 12, 2010, S. 2669–2673, doi:10.1093/molbev/msq153. und ein fossiler SchädelChangzhu Jin et al.: The first skull of the earliest giant panda. In: PNAS. Band 104, Nr. 26, 2007, S. 10932–10937, doi:10.1073/pnas.0704198104. waren dahingehend interpretiert worden, dass die Vorfahren der heutigen Großen Pandas schon vor vier (angepasste Genetik) bzw. zwei Millionen Jahren (Gestalt des Schädels) an pflanzliche Kost angepasst waren. Eine Isotopenuntersuchung der Zähne und Knochen von Pandas, die zwischen 1970 und 2000 verstorben waren, und ein Vergleich mit mindestens 5000 Jahre alten Funden ergab jedoch Hinweise auf ein weit abwechslungsreicheres Nahrungsspektrum noch vor 5000 Jahren; welche Pflanzen damals zusätzlich verzehrt wurden, konnte diese Analyse allerdings nicht aufklären.Han Han, Wei Wei, Yibo Hu et al.: Diet Evolution and Habitat Contraction of Giant Pandas via Stable Isotope Analysis. In: Current Biology. Online-Publikation vom 31. Januar 2019, doi:10.1016/j.cub.2018.12.051 Battle over when giant pandas started their bamboo diet heats up. Auf: nature.com vom 31. Januar 2019.
Fortpflanzung mini|Rund einwöchiges Jungtier in einer chinesischen Zuchtstation Pandas werden zwischen dem fünften und siebten Lebensjahr geschlechtsreif. Die früher verbreitete Ansicht, Pandas seien nicht sehr reproduktionsfreudig, konnte mittlerweile zum Teil auf nicht artgerechte Haltungsbedingungen in Gefangenschaft zurückgeführt werden. Wie bei Bären üblich, bekommen Pandaweibchen alle zwei bis drei Jahre Nachwuchs und können in freier Wildbahn sechs oder mehr Junge im Laufe ihres Lebens großziehen.Großer Panda (Ailuropoda melanoleuca) WWF-Artenlexikon, abgerufen am 1. April 2021. Die Paarungszeit der Großen Pandas fällt in die Monate März bis Mai – dann finden sich die sonst einzelgängerischen Tiere zu Paaren zusammen. Die Befruchtung ist aber auch dann jeweils nur in einem sehr knapp bemessenen Zeitraum möglich; dieser liegt zwischen 24 Stunden und 3 Tagen.National Geographic: Sexmüde Pandabären, 8. Juli 2016. Dabei kann es zwischen den Männchen zu Kämpfen um das Paarungsvorrecht kommen. Wie bei anderen Bären kommt es auch bei ihnen zur verzögerten Einnistung. Die befruchtete Eizelle bleibt für rund 45 bis 120 Tage im Uterus, bevor es zur Nidation kommt. Im Anschluss an die Paarung verlassen die Männchen stets das trächtige Weibchen, welches die Aufzucht alleine vollzieht.
Die meisten Geburten fallen in die Monate August oder September, ein Wurf besteht aus ein oder zwei, selten drei Jungtieren. Neugeborene Pandabären sind winzig und völlig hilflos. Abgesehen von etwas schütterem, weißem Fell sind sie fast nackt und außerdem blind. Auffällig ist auch, dass neugeborene Pandas noch einen Schwanz haben, der rund ein Drittel der Körperlänge ausmacht. Im Direktvergleich zu anderen Bärenarten sind die hamstergroßen Jungen mit 80 bis 200 Gramm Geburtsgewicht nur ein Viertel bis ein Drittel so schwer. Ihre Mutter wiegt etwa eintausend Mal so viel, so dass der relative Gewichtsunterschied zwischen der Mutter und ihrem Wurf bei Großen Pandas größer ist als bei sämtlichen Plazentatieren. Unter allen Säugetieren insgesamt weisen nur einige Beuteltiere einen größeren relativen Gewichtsunterschied auf.
Die ein bis zwei Jungen werden in einem geeigneten Versteck wie einer Höhle oder einem hohlen Baum zur Welt gebracht. Im Falle einer Mehrlingsgeburt überlebt (in freier Wildbahn) in der Regel nur das Erstgeborene, es sei denn, es ist deutlich schwächer; in diesem Fall entscheidet die Mutter sich für das stärkere Jungtier. Warum Pandas, obwohl sie nur ein Junges aufziehen, dennoch in fast der Hälfte der Fälle Mehrlinge zur Welt bringen, ist noch nicht vollständig geklärt; es liegt jedoch nahe, dass es sich um einen natürlichen Selektionsprozess handelt.
Mit rund einem Monat weisen die Jungtiere die typische Fellzeichnung auf, mit 40 bis 60 Tagen öffnen sie die Augen, und im Alter von fünf bis sechs Monaten nehmen sie erstmals feste Nahrung zu sich. Mit acht bis neun Monaten werden junge Pandas entwöhnt, bleiben jedoch noch bei ihrer Mutter, bis sie anderthalb bis drei Jahre alt sind.
Die Lebenserwartung eines Pandas in freier Wildbahn liegt bei ca. 20 Jahren.tierlexikon.ch: Großer Panda, 8. Juli 2016. In Gefangenschaft wurden manche Pandas fast doppelt so alt. Sowohl das Pandamännchen Bao Bao aus dem Zoologischen Garten Berlins als auch ein Exemplar im San Diego Zoo erreichten ein Alter von etwa 34 Jahren,Nowak, S. 694.Tagesspiegel: Pandabär Bao Bao ist tot, 22. August 2012.