Alice im Wunderland (ursprünglich Alice’s Abenteuer im Wunderland; englischer Originaltitel Alice’s Adventures in Wonderland) ist ein erstmals 1865 erschienenes Kinderbuch des britischen Schriftstellers Lewis Carroll.

Alice im Wunderland gilt als eines der hervorragenden Werke aus dem Genre des literarischen Nonsens.Gabriele Schwab: The mirror and the killer-queen: otherness in literary language. Indiana University Press, Bloomington, Indiana 1996, ISBN 0-253-33037-8, S. 49–102. (Kapitel 2: Nonsense and Metacommunication: Alice in Wonderland.) Gemeinsam mit der 1871 erschienenen Fortsetzung Alice hinter den Spiegeln wird dieses Kinderbuch zu den Klassikern der Weltliteratur gezählt. So ist die Erzählung heute beispielsweise Bestandteil der ZEIT-Bibliothek der 100 Bücher. Die britische Zeitung The Guardian nahm 2009 sowohl Alice im Wunderland als auch Alice hinter den Spiegeln in die Liste der 1000 Romane auf, die jeder gelesen haben muss.1000 Novels everyone must read: the definitive List. Abgerufen am 8. März 2014. Die Erzählweise und -struktur, die Figuren und die Metaphorik haben einen unverändert großen kulturellen Einfluss. Alice im Wunderland erfuhr Adaptionen für die Bühne und im Film. Figuren der Erzählung, wie zum Beispiel die Grinsekatze, der Jabberwocky, der Märzhase und der verrückte Hutmacher, oder einzelne Episoden, wie beispielsweise die der Teegesellschaft, in die Alice hineingerät, wurden in der Popkultur immer wieder aufgegriffen und zitiert.

Die fiktive Welt, in der Alice im Wunderland angesiedelt ist, spielt in solch einer Weise mit Logik, dass sich die Erzählung unter Mathematikern und Kindern gleichermaßen großer Beliebtheit erfreut.Jean-Jacques Lecercle: Philosophy of nonsense: the intuitions of Victorian nonsense literature Routledge, New York 1994, ISBN 0-415-07652-8, S. 1ff. Sie enthält zahlreiche satirische Anspielungen – nicht nur auf persönliche Freunde Carrolls, sondern auch auf die Schullektionen, die Kinder im England jener Zeit auswendig lernen mussten.Im Buch The Annotated Alice (erweiterte Fassung: All About Alice) des amerikanischen Schriftstellers Martin Gardner sind die zahlreichen Anspielungen des Werkes näher erläutert. Meistens werden die Geschichte und ihre Fortsetzung Alice hinter den Spiegeln (im Original: Through the Looking-Glass and What Alice Found There) als eine Einheit angesehen. Bekannt sind die Erzählungen auch durch die Illustrationen des britischen Zeichners John Tenniel in den ersten Ausgaben.

Inhalt mini|hochkant=1.15|Alice bei der Teegesellschaft von John Tenniel (1865), koloriert mini|hochkant=1.15|Alice und der Dodo (Zeichnung von John Tenniel, 1865) mini|hochkant=1.15|Die Cheshire Cat

Während ihre Schwester ihr aus einem Buch vorliest, sieht die Titelheldin Alice ein sprechendes, weißes Kaninchen, das auf eine Uhr starrt und meint, es komme zu spät. Neugierig folgt Alice ihm in seinen Bau. Dort fällt sie weit hinunter und landet in einem Raum mit vielen Türen. Nach einiger Zeit findet sie einen Schlüssel, mit dem sie die kleinste Tür aufsperren kann. Sie öffnet diese, schafft es allerdings nicht hindurch, weil sie zu groß ist. Kurz darauf findet sie ein Fläschchen mit einem Trunk, der sie kleiner macht. Aber als sie klein genug ist, ist die Tür wieder geschlossen. Aus diesem Grund entsteht ein Chaos, bis Alice letztlich klein genug ist und das Wunderland, das von Paradoxa und Absurditäten nur so strotzt, betreten kann.

Sie geht zum Haus des weißen Kaninchens, isst dort etwas und wird riesig groß. Als das weiße Kaninchen nach Hause kommt, kann es nicht in das Zimmer hinein, in dem Alice ist. Alice wird wieder klein und flieht in den Wald. Dort trifft sie auf eine Raupe, die Alice hilft, ihre Normalgröße zu erlangen.

Nach kurzer Zeit kommt Alice zu einer Herzogin, bei der sie auf die Cheshire Cat (Grinsekatze) trifft. Diese gibt ihr den Rat, zum Märzhasen und zum verrückten Hutmacher zu gehen, die seit langem eine Teeparty veranstalten. Die Teegesellschaft ist allerdings so verrückt, dass Alice nach kurzer Zeit beschließt, wieder zu gehen.

Letzten Endes kommt sie zum Herzkönig und zur Herzkönigin; letztere möchte liebend gern jemandem den Kopf abschlagen lassen. Sie fordert Alice auf, mit anderen Tieren und Menschen, die wie Spielkarten aussehen, Croquet zu spielen, wobei ein Flamingo der Schläger und ein Igel der Ball sind. Am Schluss werden alle bis auf Alice von der Herzkönigin zum Tode verurteilt, jedoch vom Herzkönig begnadigt, so dass die Herzkönigin nicht mehr weiterspielen kann.

Kurz nach dem Croquetspiel führt die Herzkönigin Alice zu einem Greif. Diesem befiehlt die Königin, Alice zum Schildkrötensupperich, einem Mischwesen aus Kalb und Meeresschildkröte, zu führen, damit dieser ihr seine Lebensgeschichte erzählt. Während der Schildkrötensupperich Alice und dem Greif ein Lied vorträgt, ertönt in der Ferne der Ruf: „Die Verhandlung beginnt!“ Der Greif begleitet Alice zurück zum Schloss der Herzkönigin.

Dort kommt es zu einer Gerichtsverhandlung, bei der der Herzbube beschuldigt wird, die Törtchen der Königin gestohlen zu haben. Im Gerichtssaal trifft Alice den verrückten Hutmacher wieder, der Zeuge sein soll. Alice wird ebenfalls als Zeugin aufgerufen. Allerdings ist sie inzwischen so groß, dass sie ein Chaos verursacht, statt eine Zeugin zu sein. Alice wacht neben ihrer Schwester wieder auf.

Werkgeschichte mini|hochkant=1|Alice Pleasance Liddell, Vorbild für die fiktive Alice. Foto von Lewis Carroll aus den späten 1850er Jahren mini|hochkant=1|Alice Liddell 1860, 5 Jahre vor der Erstveröffentlichung

Das Buch wurde erstmals am 4. Juli 1865 veröffentlicht. Es ist inspiriert durch eine Bootsfahrt auf der Themse genau drei Jahre zuvor (gemeinhin wird für den Termin dieser legendären Bootsfahrt der 4. Juli 1862 angegeben, der jedoch ein kühler, wolkiger und regnerischer Tag warAstronomical and Meteorological Observations Made at the Radcliffe Observatory, Oxford, Vol. 23), auf der Carroll den drei Schwestern Lorina Charlotte, Alice Pleasance und Edith Mary Liddell, Töchtern des Oxforder Dekans, eine Geschichte erzählte, die er erst unter dem Namen Alice’s Adventures Under Ground und dann nach Erweiterungen als Alice’s Adventures in Wonderland niederschrieb. Carroll war sich zunächst unschlüssig, ob er sein Werk publizieren sollte. Er gab es in dieser Situation seinem Freund George MacDonald, der es seinen Kindern vorlas. MacDonalds Sohn Greville war so begeistert, dass er wünschte, „es gäbe 60.000 Bände“ davon. Diese Begeisterung genügte, um Carroll selbst zu überzeugen. Das Buch fand gleich nach seinem Erscheinen großen Anklang und viele begeisterte Leser. Dazu gehörten unter anderem der junge Oscar Wilde und Königin Victoria.

Nur 22 Exemplare der ersten Edition von 1865 haben sich bis heute erhalten, davon befinden sich fünf in Privathand und 17 in öffentlichen Bibliotheken. Im Jahre 1998 wurde eine Erstausgabe für 1.500.000 US-Dollar versteigert und wurde damit zum bisher teuersten Kinderbuch. 1865 veröffentlichte Carroll ein Faksimile seines deutlich kürzeren, selbst illustrierten Originalmanuskriptes Alice's Adventures Under Ground. 1890, 25 Jahre nach Erscheinen der Originalausgabe, erschien The Nursery “Alice”, eine verkürzte Version von Alice im Wunderland, die vom Autor selbst für Kinder im Alter bis zu fünf Jahren adaptiert worden war und 20 kolorierte und vergrößerte Zeichnungen von John Tenniels Illustrationen aus dem Originalbuch enthielt. Den Umschlag entwarf die Malerin und Illustratorin Gertrude Thomson, eine Bekannte von Carroll.

Im Jahr 1871 veröffentlichte Lewis Carroll die Fortsetzung Through the Looking-Glass, and What Alice Found There (deutscher Titel: Alice hinter den Spiegeln). Statt mit Spielkarten wird in dieser Geschichte die Handlung mit Schachpartien ausgeschmückt.

Illustration Lewis Carroll selbst illustrierte die erste von Hand geschriebene Ausgabe, die er Alice Liddell zum Weihnachtsfest schenkte. Den ersten „offiziellen“ Illustrationen von John Tenniel folgten viele Varianten namhafter Illustratoren (Auswahl): Arthur Rackham (1907) Marta Hofrichter (1912) Uriel Birnbaum (1923) Mervyn Peake (1946) Hanny Fries (1947) Robert Högfeldt (1947) Nils Graf Stenbock-Fermor (1948) Lilo Rasch-Naegele (1949) Wiltraud Jasper (1950) Ruth Koser-Michaëls (1955) Helmar Becker-Berke (1967) Frans Haacken (1967) Ralph Steadman (1967) Salvador Dalí (1969) Max Ernst (1970) Peter Blake (1970) Tove Jansson (1977) Anthony Browne (1988) Lisbeth Zwerger (1999) Yayoi Kusama (2012) Benjamin Lacombe (2016)

LesArt, das Berliner Zentrum für Kinder- und Jugendliteratur zeigte 2017 die Ausstellung „It’s Always Tea-Time“, in der aktuelle Illustrationen von 72 Künstlern und Künstlerinnen aus 16 Ländern gezeigt wurden.BuchmarktBaltikum Blatt

Literarische Weiterführungen mini|Statue der Alice in Llandudno (Wales) Der Roman hat seit seinem Erscheinen im Jahre 1865 neben Carrolls eigener Fortsetzung Durch den Spiegel und was Alice dort fand aus dem Jahr 1871 zahlreiche Fortsetzungen und Parodien nach sich gezogen oder Autoren bei der Wahl ihres Titels beeinflusst, wobei die Adaptionen, von Medienwahl bis Umsetzung, oft eigene Wege gingen.

Selbst in die Medizin ist der Name des Romans eingegangen: Das Alice-im-Wunderland-Syndrom bezeichnet eine Erkrankung, bei der Patienten sich selbst oder ihre Umgebung in veränderter Weise, oft verkleinert oder vergrößert, wahrnehmen.

Literarische Adaptionen Über die Jahre hinweg haben viele Autoren die Geschichte von Alice neu bedacht und in andersartige Formen umgewandelt.

Eine finstere und brutale Richtung schlägt Christina Henrys Die Chroniken von Alice ein. Hier befindet sich die vermeintlich verrückte Alice in einer Heilanstalt und durchlebt nächtliche Albträume, in denen ein Mann mit Kaninchenohren vorkommt.Ceridwen Christensen: 8 Books that reimagine Alices Wonderland In: B&N Sci-Fi & Fantasy. 11. Juli 2016, abgerufen am 2. Juni 2021.

In Nickolas Cooks Adaption Alice in Zombieland befindet sich Alice zwar in dem ursprünglichen Rahmen von Lewis Carrolls Wunderland, jedoch baute Cook typische Horrorelemente ein, mit denen er seine Protagonistin konstant konfrontiert. Alice wird beispielsweise nicht vom weißen Kaninchen in den Bau geführt, sondern von einer schwarzen Ratte in ein Grab. Das Wunderland selbst besteht zu einem großen Teil aus Monstern und Zombies und Alices Mission ist es, dem Ganzen wieder zu entkommen.Review: Alice in Zombieland In: Book Polygamist. 7. September 2011, abgerufen am 2. Juni 2021.

Colleen Oakes Queen of Hearts beleuchtet den möglichen Werdegang der Roten Königin und fungiert somit als Prequel zu Lewis Carrolls Wunderland. Prinzessin Dinah, die später als die Rote Königin bekannt sein wird, wünscht sich dabei anfangs nichts mehr als die Anerkennung ihres Vaters und die Liebe des Jungen, in den sie selbst verliebt ist. Jedoch wird sie betrogen und erkennt, dass sie sich und ihren zukünftigen Thron schützen muss.8 Books that reimagine Alices Wonderland In: B&N Sci-Fi & Fantasy. 11. Juli 2016, abgerufen am 2. Juni 2021.

Literarische Zitate Douglas Adams spielt im zweiten Roman seiner Anhalter-Serie (Das Restaurant am Ende des Universums) auf eine Szene in Alice hinter den Spiegeln an. Dort behauptet Alice gegenüber der weißen Königin, es sei unmöglich, die Zeit rückwärts zu durchlaufen. Die weiße Königin antwortet, dass Unmögliches zu glauben nur eine Frage der Übung sei. Sie selbst habe in jungen Jahren teilweise bis zu sechs unmögliche Dinge schon vor dem Frühstück geglaubt. Im Restaurant-Roman werden sechs Gründe aufgezählt, wieso das Restaurant am Ende des Universums unmöglich sei. Dann folgt der Werbespruch von Milliways: „Wenn Du heute morgen schon sechs unmögliche Dinge getan hast, warum dann nicht als siebentes zum Frühstück ins Milliways, das Restaurant am Ende des Universums?“