Orthodoxe Kirchen (von und , hier „der richtige Lobpreis oder die rechte Lehre Gottes“; Singular „Orthodoxe Kirche“) oder byzantinisch-orthodoxe Kirchen sind die vorreformatorischen Kirchen des byzantinischen Ritus. Sie sind dabei von Beginn an sowohl katholisch als auch apostolisch in der Nachfolge der Apostel (). Die selbstverwalteten Ostkirchen sind teilweise Nationalkirchen und weisen kulturelle Unterschiede auf, stehen jedoch in Kirchengemeinschaft miteinander. Angehörige der orthodoxen Kirchen verstehen sich als Einheit und sprechen daher meist von der Kirche der Orthodoxie im Singular.
Die orthodoxen Kirchen hätten laut Pressemitteilungen des Patriarchen von Konstantinopel Bartholomaios I. weltweit ca. 300 Millionen Angehörige und seien die drittgrößte christliche Gemeinschaft der Welt. Einer Studie der Society for Orthodox Christian History in the Americas zufolge dürfte gemäß Untersuchungen die Zahl geringer sein. Die Studie nennt als gemittelten Schätzwert eine Gesamtzahl der Orthodoxen von weltweit 192 Millionen Menschen. Andere Recherchen wie die Pew Research Center kommen auf Ergebnisse von etwa 270 Millionen Gläubige Weltweit.
Die orthodoxen Kirchen sind zu unterscheiden von den altorientalischen Kirchen (auch orientalisch-orthodox) und den katholischen Ostkirchen, die größtenteils von byzantinischen Kirchen abstammen.
Nach theologischem, christlich-orthodoxem Selbstverständnis ist die Orthodoxe Kirche
mini|Hagia Sophia, ehemals die größte orthodoxe Kirche
Bezeichnung Alle heutigen autokephal-nationalen orthodoxen Kirchen auf dem Balkan, in Griechenland, Kleinasien, Syrien und Russland entstanden im hellenistischen Kulturraum oder wurden von dorther gegründet und standen bis zur muslimischen Eroberung Konstantinopels im Jahre 1453 unter der Verwaltung der byzantinischen Reichskirche. Von ihnen zu unterscheiden sind einerseits die mit der römisch-katholischen Kirche unierten Kirchen östlicher Riten, andererseits die sogenannten altorientalischen Kirchen. Zusammenfassend werden orthodoxe, unierte und altorientalische Kirchen oft als Ostkirche bezeichnet. Der Begriff Ostkirche ist dabei lediglich ein geografischer Sammelbegriff und bezeichnet nicht eine als Einheit verstandene Gruppe von Kirchen, da beispielsweise die orthodoxen Kirchen mit den unierten Kirchen nicht in Kommuniongemeinschaft stehen.
In den orthodoxen Kirchen werden verschiedene Bezeichnungen verwendet, die die orthodoxe Identität ausdrücken: orthodoxe Kirche, orthodoxe katholische Kirche, östlich-orthodoxe Kirche, Ostkirche.
Sonstige Bezeichnungen im deutschsprachigen Raum Griechisch-Orientalisch In: bmukk.gv.at, 11. März 2011. ist in Österreich ein rechtlicher Sammelbegriff für die russischen, serbischen, rumänischen, bulgarischen und griechischen Gemeinden (die kirchlich von dem jeweiligen Patriarchat abhängen). Im Fürstentum Liechtenstein lautet der entsprechende rechtliche Sammelbegriff „christlich-orthodox“.
Selbstbezeichnung Die eigentliche Bezeichnung aus Sicht der orthodoxen Kirche selbst ist im Glaubensbekenntnis genannt: . Oft wird das Wort „allumfassend“ missverständlich mit „katholisch“ wiedergegeben.
Die Bezeichnung Konfession, die aus dem protestantischen Bekenntnischristentum stammt, ist der Orthodoxie fremd. Begriffe wie griechisch-orthodox oder russisch-orthodox sollten nach Meinung einiger Autoren für die autokephalen Nationalkirchen nicht verwendet werden, da sich orthodoxe Christen nicht als „russisch-orthodox“ oder „bulgarisch-orthodox“ verstehen, auch nicht als „Teile der einen Kirche“ (da ja Jesus Christus auch nicht die Summe einzelner Teile ist, sondern eine unteilbare Einheit), sondern als unmittelbaren Ausdruck der „ganzen einen Kirche“. Das hindert die Gläubigen aber nicht daran, jeweils durch Ort, nationale Zugehörigkeit, Sprache und Tradition z. B. an die russische orthodoxe Kirche oder die bulgarische orthodoxe Kirche gebunden zu sein.
Die Bezeichnungen griechisch-katholisch oder griechische Kirche für die Orthodoxie als Ganzes sind historische Fremdbezeichnungen (18./19. Jahrhundert). Heute bezeichnet „griechisch-katholisch“ die mit der römisch-katholischen Kirche unierten byzantinischen Riten.
Geschichte Ursprünge mini|hochkant=2|Entwicklung des Christentums Die kirchlichen Traditionen und Lehren der orthodoxen Kirchen gehen auf die Jerusalemer Urgemeinde zurück und fanden ihre volle Ausprägung im byzantinischen Reich mit dessen Zentrum Byzanz bzw. Konstantinopel. Deshalb spricht man auch von der „griechischen Kirche“ im Gegensatz zur lateinischen Kirche bzw. römischen Kirche. Der Sammelbegriff Ostkirchen ist, vor allem in Westeuropa, ebenfalls gebräuchlich, schließt aber auch andere im östlichen Mittelmeerraum beheimatete Kirchen ein, die sich theologisch oder liturgisch von der Orthodoxie byzantinischer Tradition unterscheiden – nämlich die meist in der Neuzeit entstandenen „katholischen Ostkirchen“, die seit dem Konzil von Chalkedon von der Reichskirche getrennten altorientalischen Kirchen (die auch als orientalisch-orthodoxe oder als monophysitische bzw. miaphysitische Kirchen bezeichnet werden, im Fall der syrisch-orthodoxen Kirche auch als „Jakobiten“, wobei es sich immer um kontroverse und von den Gläubigen mitunter selbst abgelehnte Fremdbezeichnungen handelt) sowie die Apostolische Kirche des Ostens (die auch als „nestorianische“ Kirche bezeichnet wird).
Bei den orthodoxen Kirchen handelt es sich um eine Gruppe von Kirchen, die in Kirchenverständnis, Lehre und Kult weitgehend übereinstimmen und ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl haben. Sie betrachten sich nicht jeweils als Teil einer einzigen Kirche, sondern als unmittelbaren Ausdruck der einen Kirche. Sie erheben den Anspruch, sich im Unterschied zu den westlichen Kirchen dogmatisch ausschließlich an den Beschlüssen der sieben ökumenischen Konzile zwischen 325 und 787 zu orientieren. Bibel- und Liturgiesprache der Orthodoxie ist die jeweilige Landessprache oder eine ältere Form derselben, wie etwa Altgriechisch oder Kirchenslawisch, eine alte slawische Sprachform. Außer der griechischen Tradition ist bei den orthodoxen Kirchen des byzantinischen Ritus vor allem die slawische bedeutend, da slawische Gebiete im frühen Mittelalter das Christentum besonders von Byzanz übernahmen und sich auch später eher auf Konstantinopel als auf Rom bezogen. Eine weitere bedeutende Kulturgruppe in der Orthodoxie bilden die aramäischen Christen.
Moderne Die orthodoxen Kirchen sind nach der römisch-katholischen Kirche die zweitgrößte christliche Konfession, gefolgt von den Kirchen der Anglikanischen Gemeinschaft, der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen und des Lutherischen Weltbundes. Nur die Pfingstbewegung, der nach Angaben des US-amerikanischen International Bulletin of Missionary Research 2011 rund 271 Millionen Menschen angehörten, wäre noch größer.Das Christentum 2011 in Zahlen. In: pro-medienmagazin.de, 5. Dezember 2011; die Angehörigen der rasch wachsenden Pfingstgemeinden werden dort auf 612 Millionen beziffert; sie sind allerdings kaum als Einzelkonfessionen zu fassen.
Um 1830 hatten die Orthodoxen (seinerzeit im Westen als bezeichnet) etwa 34 Millionen Angehörige, die etwa 10 Millionen Gläubige (also zusammen 45 Millionen ); sie standen etwa 175 Millionen Mitgliedern der westlichen Kirchen gegenüber, davon 120 Millionen Katholiken einschließlich „griechisch-katholischer“ Gläubiger, die den Papst anerkannten, aber weiter dem byzantinischen Ritus folgten. Damit stellte die Orthodoxie seinerzeit der um 200 Millionen Christen und 3 % der Weltbevölkerung (seinerzeit auf 1 Milliarde geschätzt).Johann Christian Jahn: Jahrbücher für Philologie und Pädagogik, 2. Jahrgang, 2. Band, 1. Heft, Verlag B. G. Teubner, 1827, S. 442 ().
Die großen Migrationsbewegungen seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ließen in den meisten Ländern der Welt orthodoxe Diasporagemeinden der verschiedenen Landeskirchen entstehen. Diese Entwicklung verstärkte den bereits 1902 angestoßenen Vorbereitungsprozess für ein allorthodoxes Konzil. Im März 2014 wurde dieses Konzil für 2016 in Istanbul angekündigt.Fr. Cyril Hovorun: The Fragile Promise of the Pan-Orthodox Council. In: catholicworldreport.com, 14. März 2014. Infolge von Spannungen zwischen Russland und der Türkei berief eine allorthodoxe Versammlung im Januar 2016 das Panorthodoxe Konzil für den 18. bis 26. Juni 2016 nach Heraklion auf Kreta ein, wo 156 Delegierte aus zehn autokephalen Kirchen teilnahmen und vier Kirchen abgesagt hatten: die Patriarchate von Antiochien, Georgien, Bulgarien und Russland.Was hat das Konzil auf Kreta gebracht? Deutschlandfunk vom 27. Juni 2016 (abgerufen am 15. August 2018).
Organisation Beispiele für die einzelnen Organisationstypen siehe Liste der Ostkirchen. Dieser Artikel ist eine Liste mit (nach Möglichkeit) allen orthodoxen Kirchen, die meist auch eigene Artikel haben, die dort verlinkt sind.
Kanonische Kirchen Die orthodoxen Kirchen unterscheiden zwischen kanonischen und nicht-kanonischen Kirchen. Kanonische Kirchen sind autokephale und autonome Kirchen, die in voller Kommunion mit dem ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel und den anderen kanonischen Kirchen stehen. Nicht-kanonische Kirchen haben sich irgendwann aus theologischen oder politischen Gründen von der Kommunion mit dem ökumenischen Patriarchat oder einer kanonischen Kirche getrennt.
Im Verständnis der kanonischen orthodoxen Kirchen stehen nur diese selbst in der vollen apostolischen Sukzession, weshalb nur in ihnen die ganze Fülle der Sakramente zu finden sei. Theologische Aussagen über andere Kirchen und den Heils- oder Unheilsstatus ihrer Mitglieder werden in der orthodoxen Kirche jedoch so weit wie möglich vermieden.
Autokephale und autonome Kirchen mini|Georgischer Priester in seinem Ornat
In den orthodoxen Kirchen wird zwischen autokephalen und autonomen Kirchen unterschieden. Autokephale Kirchen sind rechtlich und geistlich völlig selbständig und wählen ihr Oberhaupt selbst. Ihnen unterstehen mitunter weitere Kirchen oder Diözesen in anderen Ländern (besonders den Patriarchaten von Konstantinopel und Moskau). Autonome Kirchen sind zwar bezüglich innerer Angelegenheiten bis zu einem gewissen Grade auch selbstständig, aber in mancher Hinsicht von einer anderen autokephalen Kirche abhängig.
Eine autokephale Kirche kann, je nach Größe und historischer Bedeutung, den Titel Patriarchat, Erzbistum oder Metropolie tragen und wird entsprechend von einem Patriarchen, Erzbischof oder Metropoliten geleitet. An der Spitze einer autonomen Kirche steht ein Erzbischof oder ein Metropolit.
Verschiedene orthodoxe Kirchen in Westeuropa und Nordamerika Die verschiedenen orthodoxen Gemeinden in Westeuropa und Nordamerika sind jeweils oft der heimatlichen Kirche oder auch dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel unterstellt. Dies widerspricht eigentlich dem orthodoxen Kirchenrecht, nach dem in jedem Gebiet nur eine orthodoxe Kirche existieren soll. Dies wird aber wegen der besonderen Situation der großen Zahlen an Migranten mit Bedarf an muttersprachlicher Seelsorge erduldet (, im Kontrast zu Die heilige Eucharistie in Zeiten der Corona-Krise. In: eparhija-nemacka.com, abgerufen am 22. September 2022.). Ein zweites Argument hierfür ist, dass man in einem seit alters her römisch-katholischen Gebiet keine vollgültige Parallelkirche errichten möchte, da ja (wie weiter unten erklärt wird) die Orthodoxen solches umgekehrt auch in ihren eigenen Ländern ablehnen.
Rechtliche Stellung der Bischöfe