mini|hochkant|Baedekers Berlin und Umgebungen. 11. Auflage. (1900)
Baedeker ist der Name eines Reiseführers für Reiseziele im In- und Ausland. Er erschien erstmals 1832 in dem vom Namensgeber Karl Baedeker 1827 gegründeten Verlag in Koblenz, der ab 1872 in Leipzig, ab 1948 in Malente und ab 1956 in Freiburg im Breisgau arbeitete. Seit 1997 gehört der Verlag zur MairDumont-Gruppe mit Sitz in Ostfildern.
Durch seinen prägnanten Sprachstil, die Genauigkeit der Reiseinformationen und die großzügige kartographische und sonstige Ausstattung wurde er im 19. Jahrhundert vor allem im deutschsprachigen Raum mit seinem roten Leineneinband und der goldfarbenen Beschriftung im Prägedruck zum Synonym des Reiseführers schlechthin. Die frühzeitige Aufnahme fremdsprachiger Ausgaben in das Reiseführerprogramm – für den internationalen Markt änderte der Verleger sogar die Schreibweise seines Nachnamens (nun ohne den deutschen Umlaut „ä“)Im Börsenblatt (z. B. 1872 Nr. 140 S. 2273) war allerdings längere Zeit die ursprüngliche Schreibweise des Namens zu finden. – verschaffte dem Baedeker auch einen weltweiten Ruf. Zudem wurden für die Bearbeitung der Bände oft in ihren Bereichen ausgewiesene Fachleute herangezogen, was zu einer hohen Qualität der Texte führte.
Neben der 2010 eingestellten Reihe Baedekers Stadtführer erschienen von 1979 bis 2012 die Baedeker unter dem Titel Baedeker Allianz Reiseführer in den Kennfarben der beteiligten beiden Unternehmen „Rot/Blau“. Seit 2013 tragen sie wieder den alleinigen Namen Baedeker. Die nun eingeführten Kennfarben wurden zunächst beibehalten; beim 2018 grundlegend überarbeiteten Einbanddesign ist nur noch der Reihenname „allianz-blau“ unterlegt.
Gesamtübersicht zur Entwicklung der Reiseführer-Reihe mini|175px|Karl Baedeker (1801–1859) Ausgangspunkt der Baedeker-Reiseführer war die von J. A. Klein im Koblenzer Verlag F. F. Röhling sehr erfolgreich publizierte „Rheinreise von Mainz bis Köln“, die durch ihren neuen Verleger Karl Baedeker ab 1832 schrittweise überarbeitet wurde und 1839 einen gelben Biedermeiereinband erhielt, dessen Typus auch bei mehreren anderen von ihm neu ins Programm genommenen Reiseführern (Schweiz, Belgien, Holland) verwendet wurde. Beim inhaltlichen Aufbau orientierte sich Karl Baedeker Ende der 1830er Jahre zunächst an dem englischen Vorbild von John Murray, fand jedoch bald seinen eigenen, auf die Bedürfnisse der in den deutschen Landen ansässigen Käufer seiner Reiseführer zugeschnittenen Stil. 1846 hielten erstmals das Baedeker–Rot und Sterne für besonders wichtige Sehenswürdigkeiten beim Reiseführer für Deutschland und Österreich Einzug. Der rote Leineneinband erhielt dann ab Ende der 1870er Jahre seine klassische Gestaltung und schmückte über 70 Jahre die inzwischen international renommierten Reiseführer. Lagen unter der Ägide des bereits 1859 verstorbenen Karl Baedeker nur Reiseführer für Deutschland und einige europäische Nachbarländer vor, dehnten die folgenden Baedeker-Generationen die Reisebeschreibungen bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1914 auf fast ganz Europa und Nordamerika sowie Teile von Nordafrika, Arabien und Ostasien aus. Die Titel wurden teilweise auch in französischer und englischer Sprache, vor allem im Ausland, angeboten.
Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges kam die Reiseführerproduktion fast vollständig zum Erliegen, was den Verlag in eine äußerst schwierige Lage brachte. Die Verschlechterung der wirtschaftlichen Situation auch weiter Kreise der Käuferschaft nach dem Kriegsende 1918 durch die anschwellende Inflation und die damit einhergehende Devisenknappheit, die auch dem seit 1872 in Leipzig ansässigen Baedeker Verlag sehr zusetzten, führte ab den 1920er Jahren zu einem Ausbau der Reiseführerproduktion insbesondere für deutsche Regionen, für deren Bereisen keine ausländischen Geldmittel erforderlich waren. Es gab aber noch Überarbeitungen für viele europäische Reiseziele (u. a. Österreich, Schweiz, Benelux, Italien, Iberische Halbinsel, Großbritannien, Skandinavien), das Mittelmeer sowie Kanada und Ägypten, neue Bearbeitungen dagegen nur wenige (Dalmatien, Madeira). Der Zweite Weltkrieg führte 1943 zur Vernichtung des Verlagsarchivs und wesentlicher Grundlagen der Produktion (Verlagsaufzeichnungen, Pläne und Karten).
Erst 1948 war der Verlag mit der Veröffentlichung eines Stadtführers für den Verlagssitz Leipzig wieder auf dem Buchmarkt präsent. Angesichts der politischen Lage im Nachkriegsdeutschland gründete der Urenkel von Karl Baedeker, Karl Friedrich Baedeker, den Verlag mit altem Namen in Malente (Schleswig-Holstein) neu und verlegte ihn 1956 nach Freiburg i.Br. In den 1950er Jahren wurden erneut vor allem die Regionen der jungen Bundesrepublik und viele ihrer touristisch und/oder wirtschaftlich bedeutenden Städte bearbeitet. In dem 1951 von Karl Friedrich Baedeker, Kurt Mair und Oskar Steinheil zusätzlich gegründeten Baedekers Autoführer-Verlag wurden auf die Bedürfnisse von Autofahrern zugeschnittene Autoführer vor allem für das Gebiet der Bundesrepublik und ausgewählter europäischer Länder hergestellt. 1987 schlossen sich schließlich die beiden Verlagshäuser Baedeker Autoführer-Verlag und Karl Baedeker Verlag zur Karl Baedeker GmbH mit Sitz in Ostfildern/Kemnat zusammen. Die bereits 1979 begonnene Kooperation des Baedeker Autoführer-Verlags mit der Allianz-Versicherung, verbunden mit dem schrittweise Ausbau der Reiseführerproduktion für fast alle Gebiete der Erde, wurde fortgesetzt. Dabei war im Erscheinungsbild das Allianz–Blau an die Seite des Baedeker–Rot getreten. Diese Farbkombination ist auch in der aktuellen Reiseführerproduktion nach Ausscheiden der Allianz-Versicherung aus der Kooperation im Jahre 2013 noch zu finden.
Aktuell umfasst die Baedeker-Reihe ein breites Sortiment von Titeln zu Reisezielen in der ganzen Welt, so dass im Hinblick auf das 200. Jubiläum der Verlagsgründung 2027 und das auch nicht mehr so fern liegende 200. Jubiläum des Erscheinens des ersten Baedeker–Reiseführers im Jahre 1832 die Strahlkraft der Marke „Baedeker“ gegenwärtig ungebrochen scheint.
Reihengeschichte im Einzelnen Die vom Verlagsgründer von 1832 bis 1859 bearbeiteten Bände Rheinreise
Erwerb des Verlags von Franz Friedrich Röhling mit Kleins „Rheinreise“ durch Karl Baedeker 1832 Ähnlich wie eine Verlegergeneration vor ihm Friedrich Arnold Brockhaus seinen Erfolg auf dem deutschen Lexika-Markt durch den Erwerb und die Überarbeitung eines zuvor dort schon angebotenen Lexikons begründet hatte, sollte der verlegerische Erfolg des Karl Baedeker Verlags mit seinem Kauf des Verlags von Franz Friedrich Röhling im Jahre 1832 seinen Anfang nehmen. Mit diesem Erwerb durch den 1801 geborenen Verlagsgründer, der am 1. Juli 1827 in Koblenz eine Verlagsbuchhandlung eröffnet hatte, ging nämlich auch das 1828 von dem Historiker Johann August Klein (1778–1831) verfasste Buch Rheinreise von Mainz bis Köln, Handbuch für SchnellreisendeDie erste Ausgabe der Rheinreise von Mainz bis Köln von 1828 als Digitalisat, das der damals in voller Blüte stehenden Rheinromantik entsprang, in das Eigentum von Karl Baedeker über. Klein war ein intimer Kenner der Geschichte und der örtlichen Verhältnisse der Rheinlandschaft. Die mit übernommenen Restbestände der Rheinreise, die mit 12 Umrisszeichnungen von Johann Adolf Lasinsky von am Rheinufer gelegenen Orten und Bauwerken geschmückt war, wurden nun mit einer von den Gebr. Becker in Koblenz lithographierten Karte des Rheinlaufs verkauft. Da die erste Ausgabe im Karl Baedeker Verlag noch nicht von Karl Baedeker verfasst worden war, erhielt sie von Alex Hinrichsen in seiner Bibliografie der Baedeker-Ausgaben die Zählnummer „D 0“.Die laufende Angabe der Bibliographienummern in diesem Artikel folgt den Angaben von Hinrichsen: Baedeker’s Reisehandbücher 1832–1990. Bevern 1991. Sie ist hier ausführlich erläutert
Von Karl Baedeker überarbeitete Auflage von Kleins „Rheinreise“ von 1835
1835 (das Titelblatt ist ohne Jahresangabe) erschien dann die zweite, durch Karl Baedeker stark erweiterte und verbesserte Auflage unter dem Titel Rheinreise von Straßburg bis Rotterdam (D 1) – der deutschsprachige Baedeker begann, den Reiseführermarkt zu erobern.Digitalisat des Bands von 1835 von der Uni Köln.Vergleiche dazu den Artikel von Heinrich Krohn: Karl Baedeker und seine Konkurrenten. In: Reisen und Leben. Heft 16, 1988, S. 5 ff. Sie enthielt wiederum die 12 Umrisszeichnungen von Lasinsky. Zusätzlich zur bisherigen, bis Straßburg verlängerten Karte des Rheinlaufs Mainz bis Köln, auf der nun auch eine Teilkarte des im Buch besprochenen Laufs der Mosel von Trier bis Coblenz eingedruckt war, musste entsprechend der Ausweitung des behandelten Reisegebiets auf den Niederrhein eine zweite Flusslaufkarte von Coblenz bis Amsterdam und Rotterdam mitgeliefert werden. Zum im Wesentlichen noch Kleinschen Text für den Flussabschnitt von Mainz bis Köln steuerte der Bau-Inspektor von Lassaulx auf 65 Seiten architekturhistorische Berichtigungen und Zusätze zu den dort besprochenen Bauwerken bei, ihre Einarbeitung in den Text selbst war aus Zeitgründen nicht mehr möglich gewesen. Unter der Redaktion von Karl Baedeker wurden Abschnitte über den Flusslauf von Straßburg bis Mainz und von Köln bis Amsterdam und Rotterdam mit der Beschreibung der wichtigeren holländischen Städten hinzugefügt, ebenso Ausflüge u. a. zu Mosel und Nahe, in die Bäder des Taunus, nach Aachen und Spa. Sie sollten das Buch für den Reisenden brauchbarer machen und wurden deshalb schon in einer deutlich knapperen, auf das Wesentliche beschränkten Sprache verfasst, die sich wenig später zum sprichwörtlichen Baedeker-Stil entwickeln sollte. Als Anhang wurden Preisangaben zur rheinischen Dampfschifffahrt und zu den so genannten Eiljachten auf der Mosel zwischen Trier und KoblenzKarl-Heinz Zimmer: Personenschifffahrt auf der Mosel in alter Zeit - Die Eiljachten: Der erste öffentliche Personenverkehr auf der Mosel (Digitalisat) auf www.regionalgeschichte.net vom 14. Juli 2010. geliefert. Die beiden dafür bis 1841 auf der Mosel eingesetzten hölzernen Schiffe, „Stadt Trier“ und „Mosella“, mussten aufgrund des noch unregulierten Flusses mit häufig nur geringem Tiefgang zum großen Teil getreidelt werden. Schließlich gab es noch eine Aufstellung der wichtigsten Gasthöfe und Wirtshäuser am Rhein von Straßburg bis Rotterdam, an Mosel, Ahr und Nahe sowie in den Taunusbädern. Der schmucklose braune oder blau-grüne Leinenband im Format 17 × 11 cm trug nur ein aufgeklebtes Rückenschild mit der Titelangabe „Klein‘s Rheinreise. Zweite Auflage.“.
mini|200px|Veste Ehrenbreitstein (Umrisszeichnung nach Johann Adolf Lasinsky) mini|150px|Bad Bertrich im Uesbachthale an der Mosel (1847), Slg: Stiftung Stadtmuseum Berlin.Das Buch wurde in der im 19. Jahrhundert bekannten Verlagsbuchhandlung von Léon Saunier erworben, die Zweigstellen in Danzig, Stettin und Elting unterhielt und 1926 ihr 100-jähriges Jubiläum begehen konnte; siehe die Jubiläumsschrift als Digitalisat. mini|150px|Titelblatt der Rheinreise (1849) mit K. Bädeker als Bearbeiter Völlige Neubearbeitung von Kleins „Rheinreise“ durch Karl Baedeker 1839 im Biedermeier-Einband