250px|rechts|mini|Kuba liegt 145 km südlich des US-Bundesstaates Florida. Brothers to the Rescue (spanisch: Hermanos al Rescate, deutsch: Brüder für die Rettung, BTTR) war eine in Miami ansässige und 1991 vom Exilkubaner José Basulto gegründete Freiwilligen-Organisation von Piloten, die bis 2003 aktiv war.cubastudygroup.org: (englisch) Gründungszweck und Hauptbetätigung der Gruppe war die Unterstützung von kubanischen Bootsflüchtlingen durch Entdeckung und Hilfe aus der Luft.

Als aufgrund neuer US-Einreiseregeln ab 1995 deutlich weniger Kubaner den lebensgefährlichen Fluchtweg wählten, machten die Brothers to the Rescue durch Provokationen der von ihnen politisch abgelehnten kubanischen Regierung Fidel Castros wie vor allem öffentlichkeitswirksame Flugblattabwürfe auf sich aufmerksam, teilweise unter Verletzung des kubanischen Luftraums. Im Februar 1996 wurden zwei unbewaffnete Zivilmaschinen der Brothers to the Rescue in internationalem Luftraum durch zwei Kampfflugzeuge der kubanischen Luftabwehr abgeschossen und die vier Insassen getötet. Nach einer internationalen Untersuchung wurde Kuba für den Abschuss von den Vereinten Nationen verurteilt. Der Vorfall hatte eine nachhaltige Verschlechterung der Beziehungen zwischen Kuba und den Vereinigten Staaten zur Folge.

Aktivitäten

In den ersten Jahren rettete die Gruppe aktiv kubanische Flüchtlinge, die mit selbst gebauten Flößen oder Booten die Überfahrt versuchten. Ihnen wird bei rund 2500 Flugeinsätzen innerhalb von 13 Jahren die Mithilfe zur Rettung von über 4200 Kubanern zugeschrieben, die aus ihrem Land flüchteten. Die 1995 neu eingeführte Wet foot/Dry foot-Politik, die bedeutete, dass von der US-Küstenwache auf offener See aufgegriffene Flüchtlinge nach Kuba zurücktransportiert werden, entzog den Piloten die Grundlage: Entdeckte Bootsflüchtlinge konnten sie allenfalls aus Seenot retten, ihnen aber nicht mehr zur erfolgreichen Ankunft verhelfen.I-Team: Docs Show Cuban Shoot Down Was Expected CBS Miami vom 29. November 2009, abgerufen am 20. September 2011 (englisch) Nach Angaben von Basulto sichteten die Brothers to the Rescue zwischen August 1995 und März 1996 keine weiteren Bootsflüchtlinge auf dem Meer. Da die Gruppe stark von Spenden zugunsten der Flüchtlinge abhängig war, gingen ihre Einnahmen daraufhin stark zurück: von 1,15 Millionen Dollar im Jahre 1994 auf nur noch 320.455 Dollar ein Jahr später.

Infolgedessen verlagerte die Gruppe den Schwerpunkt ihrer Aktivitäten. In ihrer spektakulärsten Aktion warfen die Brothers to the Rescue im Juli 1995 und erneut im Januar 1996 Tausende Flugblätter ab, die in Havanna landeten und deren Inhalt sich gegen die kubanische Regierung richtete. Nach Angaben Basultos waren sie mit dem Text der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte bedruckt.fiu.edu: (englisch) Im Vergleich zu den Vorjahren führten sie wesentlich weniger Suchaktionen nach hilfsbedürftigen Bootsflüchtlingen durch. 1999 erklärte Basulto: „Unsere Hauptziele sind der Sturz der kommunistischen Tyrannei und die Errichtung eines demokratischen Systems, dabei wenden wir in einer gewaltfreien Strategie konfrontative Methoden an.“ Fidel Castro nannte die Brothers to the Rescue eine „terroristische Mafiaorganisation“.Fidel Castro: Rede vom 25. März 2003 in: Granma (deutsche Ausgabe) 2003 stellte die Gruppe ihre Flüge aus Geldmangel ein.Florida: Cuban Exile Group Halts Flights in: New York Times vom 6. Februar 2003, abgerufen am 20. September 2011 (englisch)

Brothers to the Rescue war eine Freiwilligen-Organisation, die überwiegend aus Sportpiloten bestand und sich aus Angehörigen von 17 Nationen zusammen setzte. in: La Nación (Buenos Aires) vom 3. Januar 1999, abgerufen am 19. September 2011 (spanisch) Die Gruppe verfügte seit 1991 über insgesamt sechs eigene Flugzeuge. Als letztes davon verkaufte Basulto im November 2008 die Cessna, in der er im Februar 1996 dem Abschuss durch Kampfflugzeuge des kubanischen Militärs entgangen war, einem exilkubanischen Geschäftsmann als historisches Erinnerungsobjekt. Den Kaufpreis von 100.000 US-Dollar spendete er einem von katholischen Ordensschwestern organisierten Hilfsprojekt zugunsten von Opfern der besonders zerstörerischen Hurrikane Gustav und Ike in Kuba und Haiti.

Der Flugzeugabschuss 1996 mini|250px|rechts|Diese Karte zeigt die südlichste Position vor dem Vorfall, gemäß US-amerikanischen und kubanischen Daten. 250px|mini|Diese Karte zeigt die Position der Abschüsse. Da sich die kubanischen und die US-Daten widersprechen, ermittelte die ICAO die wahrscheinlichste Position gemäß der Informationen des Schiffs „Majesty of the Seas“.

Am 24. Februar 1996 schossen zwei kubanische Militärjets, eine MiG-23 und eine MiG-29, zwei Flugzeuge der Brothers to the Rescue ab. Dabei wurden die Piloten Carlos Costa, Armando Alejandre Jr., Mario de la Peña und Pablo Morales getötet. Eine dritte Maschine, von José Basulto geflogen, wurde ebenfalls verfolgt, entkam jedoch ohne Beschuss. Die Flugzeuge waren unbewaffnete Cessna 337, ein zweimotoriges, ziviles Leichtflugzeug.

Die Untersuchung durch die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation Der Vorfall wurde auf Antrag der USA im UN-Weltsicherheitsrat und unter Zustimmung Kubas durch die Internationale Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO) detailliert untersucht. Der Abschlussbericht machte die folgenden Feststellungen: Der Abschuss ziviler Flugzeuge wurde als unvereinbar mit grundlegenden Regeln der Humanität und den üblichen Regeln der internationalen Luftfahrt verurteilt. Die beiden Flugzeuge wurden 9 bzw. 10 Seemeilen außerhalb kubanischen Luftraums abgeschossen. Angesichts deutlich abweichender Positionsangaben der kubanischen und US-amerikanischen Behörden bestimmten die Ermittler den Abschussort mit Hilfe der Daten zweier in unmittelbarer Nähe gefahrener Schiffe und der Beobachtungen ihrer Besatzungen und Passagiere. Kuba hatte unter Missachtung internationaler Luftverkehrsregeln weder versucht, die Zivilflugzeuge per Sprechfunk zur Kursänderung aufzufordern, noch sie nach dem Abfangen durch die Kampfflieger aus dem betreffenden Luftraum zu führen oder zur Landung auf einem bestimmten Flugplatz zu bewegen.

Der ICAO-Bericht rekonstruierte auch die Vorgeschichte des Abschusses. Er dokumentierte die folgenden Ereignisse: Kuba hatte die USA über mehrfache Verletzungen seiner 12-Meilen-Zone (etwa 22 Kilometer) durch US-amerikanische Flugzeuge seit Mai 1994 informiert und wiederholt Maßnahmen zur Verhinderung weiterer Luftraumverletzungen gefordert, zu denen die USA verpflichtet waren. Nach einem mit Flugblattabwurf verbundenen Tiefflug über Havanna hatte Kuba im Juli 1995 öffentlich angekündigt, zukünftige Verletzer des kubanischen Luftraums hätten mit Abschuss zu rechnen. Im Januar 1996 waren erneut Flugblätter in Havanna gelandet, die nach Angaben des Piloten außerhalb des kubanischen Luftraums abgeworfen und mit dem Wind ans Ziel gelangt waren. Nach kubanischen Angaben waren zwei Flugzeuge in den kubanischen Luftraum eingedrungen. Die US-amerikanischen Behörden hatten in öffentlichen Erklärungen sowie direkt gegenüber José Basulto vor den Konsequenzen ungenehmigten Eindringens in den kubanischen Luftraum gewarnt und rechtliche Schritte gegen Basulto eingeleitet. Nach den Flugblattabwürfen im Januar war der Leiter der kubanischen Luftverteidigung von der Regierung autorisiert worden, zur Verhinderung ähnlicher Aktionen persönlich über militärisches Eingreifen bis hin zum Abschuss zu entscheiden. Das Außenministerium der Vereinigten Staaten hatte die für die zivilen und militärischen Luftbewegungen zuständigen Stellen über die Möglichkeit unautorisierter Flüge der Brothers to the Rescue informiert und im Hinblick auf Sanktionen die Dokumentation etwaiger Verletzungen kubanischen Luftraums angefordert. Abweichend von ihren zuvor hinterlegten Flugplänen flogen die Piloten der drei Flugzeuge am 24. Februar 1996 in von Kuba als Gefahrenzonen definierte Lufträume.

Verurteilung Kubas durch die Vereinten Nationen In seiner Erklärung zur Annahme des Untersuchungsberichts verurteilte der Rat der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation den Einsatz von Waffen gegen fliegende Zivilflugzeuge als unvereinbar mit elementaren Überlegungen der Menschlichkeit und des Völkerrechts. Er merkte aber auch an, dass jeder Staat die absichtliche Nutzung von in seinem Zuständigkeitsbereich zugelassenen Zivilflugzeugen für den Grundsätzen der Zivilluftfahrt widersprechende Ziele wirksam zu verbieten habe.ICAO: zum Bericht über den Abschuss der Zivilflugzeuge, vom 28. Juni 1996, abgerufen am 15. September 2011 (englisch)

Die kubanische Regierung lehnte die zentralen Aussagen des Berichts mit der Begründung ab, die USA hätten die Untersuchung behindert und Daten verfälscht. Sie bestand auf der durch Zeugenaussagen im ICAO-Bericht widerlegten Behauptung, der Abschuss sei in kubanischem Luftraum erfolgt und vertrat die fragwürdige Auffassung, die Flugzeuge hätten nicht den Status von Zivilflugzeugen gehabt.Vereinte Nationen: Shooting down of two civil aircraft on 24 February 1996 (PDF; 52 kB) Protokoll der Verhandlungen des Sicherheitsrates, abgerufen am 20. September 2011 (englisch)

Gestützt auf den ICAO-Bericht verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Juli 1996 Resolution 1067, in der der Abschuss verurteilt und Kuba aufgefordert wurde, die Regeln der internationalen Luftfahrt einzuhalten (13 Mitglieder stimmten der Resolution zu, Russland und die Volksrepublik China enthielten sich).Vereinte Nationen:

Weitere Einzelheiten Zwei der drei an diesem Tag fliegenden Flugzeuge wurden abgeschossen. Das dritte mit Basulto an Bord wurde ebenfalls abgefangen und zum Abschuss freigegeben. Zwei MiG-23 der kubanischen Luftwaffe versuchten, es bei seinem Flug Richtung Norden zu jagen. Basierend auf Aufzeichnungen und Basultos bekannter Position verfolgten sie es bis zum 24. Breitengrad und bis hinein in US-amerikanischen Luftraum, bevor die Mission abgebrochen wurde, da die kubanischen Verantwortlichen das Risiko erkannten, zu weit nördlich zu fliegen und in den Luftraum der Vereinigten Staaten einzudringen. Laut US-Militär ist die Tatsache, dass keine F-15 der U.S. Air Force aufstiegen, auf einen „Kommunikationsfehler“ zurückzuführen. Laut der erst 2003 eingereichten Anklageschrift gegen die kubanischen Kampfflieger-Piloten und ihren Befehlshaber hatte der bei Brothers to the Rescue aktive kubanische Doppelagent Juan Pablo Roque dem FBI zuvor mitgeteilt, für das Wochenende des 24. Februar 1996 seien keine Flüge der Organisation geplant. Er gab jedoch die Information über die geplanten Flüge an seine kubanischen Auftraggeber weiter.