Andreas „Andy“ Köpke (* 12. März 1962 in Kiel) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler. Er war von Oktober 2004 bis Juli 2021 Torwarttrainer der deutschen Fußballnationalmannschaft. Von 2023 bis 2024 war er Torwarttrainer der Nationalmannschaft von Südkorea.Trainerteam, kfa.or.kr, abgerufen am 12. Januar 2024
Seine größten Erfolge als Spieler waren die Titel bei der EM 1996 (als Stammtorhüter) und bei der WM 1990 (als dritter Torhüter). Als Torwarttrainer gewann er die Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien.
Spielerlaufbahn Verein Holstein Kiel Andreas Köpke begann als Rechtsaußen bei Holstein Kiel. Noch in der Jugend wurde er zum Torhüter umgeschult und spielte für Holstein Kiel ab der Saison 1979/80 in der 2. Bundesliga Nord. Am 38. Spieltag der gleichen Saison, dem 30. Mai 1980, kam er zu seinem ersten Profieinsatz. Beim 7:1-Sieg gegen den VfL Osnabrück stand er für die damalige Nummer 1 Manfred Ludwig in der Startformation und wurde in der 73. Minute für die eigentliche Nummer 2 Martin Burmeister ausgewechselt.Spielstatistik Holstein Kiel – VfL Osnabrück 7:1 (3:1) vom 30. Mai 1980 auf fussballdaten.de Im Folgejahr kam Köpke – als Ersatztorwart hinter dem neuen Stammtorhüter Thomas Richter und Manfred Ludwig – zu fünf Pflichtpartien in der zweiten Liga. Ende der Saison stiegen auf Grund der Zusammenlegung der 2. Bundesliga Nord und Süd zwölf Teams ab. Köpkes Mannschaft belegte Platz 19 und musste so in der nächsten Saison in der Oberliga spielen. Zwei Jahre lang blieb er als Stammkeeper in der Oberliga Nord noch bei seinem Heimatverein.
SC Charlottenburg 1983 wechselte er zum gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegenen Berliner Verein SC Charlottenburg und wurde Stammtorhüter in der Mannschaft von Trainer Bernd Erdmann. auf andreas-koepke.de Köpke bestritt zusammen mit dem Stürmer Jörg Gaedke alle 38 Spiele. Dabei blieb er viermal ohne Gegentor. Trotz des Gewinns von insgesamt 10 Spielen und einem 8:1-Sieg gegen den 1. FC Saarbrücken am vorletzten Spieltag, der den höchsten Erfolg der ganzen Zweitligasaison bedeuteteSpielstatistik SC Charlottenburg – 1. FC Saarbrücken 8:1 (2:1) vom 19. Mai 1984 auf fussballdaten.de, stand der Club am Ende der Saison auf einem Abstiegsplatz. Aus diesem Grund entschied sich Köpke zu einem Vereinswechsel und unterschrieb beim Ortsrivalen Hertha BSC, der in der 2. Bundesliga spielte.
Hertha BSC Bei der Hertha wurde er als Nachfolger von Gregor Quasten verpflichtet und war auf Anhieb Stammspieler. Zwei Jahre blieb er bei Hertha. Nach deren Abstieg aus der 2. Bundesliga wechselte er 1986 zum Bundesligisten 1. FC Nürnberg.
1. FC Nürnberg – Teil 1 Noch vor Ligabeginn verletzte sich der Nürnberger Stammtorhüter Herbert Heider schwer. Damit rückte Köpke nach und gab am 9. August 1986 seine Premiere in Deutschlands höchster Fußballspielklasse, als der 24-Jährige im Auswärtsspiel bei Werder Bremen im Tor stand. Zur Halbzeit führte sein Team mit 2:0. Nach der Pause traf der Bremer Angreifer Manfred Burgsmüller drei Mal und leitete damit den Sieg für die Hanseaten ein.Spielstatistik SV Werder Bremen – 1. FC Nürnberg 5:3 (0:2) vom 9. August 1986 auf fussballdaten.de Im Rückspiel am 21. Februar 1987 revanchierten sich die Nürnberger mit einem 5:1-Erfolg.Spielstatistik 1. FC Nürnberg – SV Werder Bremen 5:1 (0:0) vom 21. Februar 1987 auf fussballdaten.de
Bis zum Abstieg 1993/94 durchlebte Köpke bei den Franken eine durchwachsen erfolgreiche Zeit. Seine beste Platzierung mit der Mannschaft war in der Saison 1987/88, als der FCN Fünfter wurde und Köpke die drittwenigsten Gegentore entgegennehmen musste. Nur Oliver Reck vom Meister Werder Bremen und Bodo Illgner vom 1. FC Köln erhielten weniger Gegentore.Tabelle der Bundesliga 1987/1988 auf fussballdaten.de
Am 12. Spieltag der Meisterschaft von 1992/93 gegen den 1. FC Köln, beim Stand von 0:1, erhielt der Club einen Foulelfmeter zugesprochen. Köpke lief aus seinem Tor in den gegnerischen Strafraum und nahm den Ball an sich. Er traf erfolgreich in das Tor, das von seinem langjährigen Nationalmannschaftskollegen und damaligen Konkurrenten Bodo Illgner gehütet wurde. Durch einen weiteren Treffer von Percy Olivares wurde das Spiel gedreht und gewonnen.Spielstatistik 1. FC Nürnberg – 1. FC Köln 2:1 (1:1) vom 31. Oktober 1992 auf fussballdaten.de Auch im Folgejahr traf er vom Punkt. Beim 3:0-Erfolg gegen Dynamo Dresden am 8. Oktober 1993 verwandelte Köpke zum Endstand in der 88. Minute der Partie.Spielstatistik 1. FC Nürnberg – Dynamo Dresden 3:0 (2:0) vom 8. Oktober 1993 auf fussballdaten.de
Am 32. Spieltag 1993/94, der Club steckte im Abstiegskampf, der FC Bayern München spielte um die Meisterschaft, trafen die beiden Mannschaften aufeinander. Entscheidend wurde dabei ein Phantom-Tor, das über Meisterschaft und Abstieg entschied: Köpke musste sich von Thomas Helmer einen angeblichen Gegentreffer anrechnen lassen, obwohl Helmer gar nicht das Tor getroffen hatte. In der 26. Minute des Spiels, nach einer Ecke, versuchte der Bayern-Verteidiger, den Ball aus kurzer Distanz in Köpkes Tor unterzubringen, stocherte den Ball aber an Torhüter und Tor vorbei ins Aus. Belegt werden konnte dies durch die aufgestellten Fernsehkameras. Zu großem Nürnberger Entsetzen entschied der Schiedsrichter-Assistent Jablonski auf Tor, überzeugte den Schiedsrichter Hans-Joachim Osmers, der wiederum den Treffer als gültig anerkannte. Am Ende gewannen die Münchner mit 2:1, und Nürnberg legte Protest ein. Der DFB gab dem Einspruch statt und setzte ein Wiederholungsspiel an. Dieses endete 0:5 aus Sicht der Nürnberger, und der Abstieg war damit bestätigt. auf andreas koepke.de
Eintracht Frankfurt Nach dem Abstieg der Nürnberger verpflichtete Bundesligist Eintracht Frankfurt den Torhüter. Dort löste Köpke Uli Stein als Stammtorhüter ab. Mit Oka Nikolov kam ein junges Talent aus der Frankfurter Jugendabteilung, der hinter Köpke zur Nummer 2 wurde. Unter Trainer Jupp Heynckes blieben die Frankfurter hinter den Erwartungen zurück, so dass im April 1995 Charly Körbel das Amt übernahm. Unter beiden Chefcoachs war Köpke die unumstrittene Nummer 1 und absolvierte als einziger Spieler alle Ligapartien für die Eintracht.Eintracht Frankfurt: Der Kader 1994/1995 auf fussballdaten.de Auch im Folgejahr hatte Köpke die meisten Einsätze unter den Spielern, konnte aber auch seinen fünften Abstieg mit dem fünften Profiverein nicht verhindern. Mit 68 Gegentreffern markierten die gegnerischen Spieler so viele Tore wie bei keinem anderen Team.Die Spiele der Bundesliga 1995/1996 am 34. Spieltag auf fussballdaten.de
Olympique Marseille Nach der für ihn sehr erfolgreichen Fußball-Europameisterschaft 1996 – Köpke wurde mit der Nationalmannschaft Europameister, spielte alle Partien durch und bekam international beste Kritiken – wurde Köpke als Neuzugang bei dem VfB Stuttgart vorgestellt und bereits im Trikot der Schwaben offiziell präsentiert.
Kurze Zeit später gab er einen Wechsel zum FC Barcelona bekannt. Doch dieser Wechsel scheiterte, weil Barcelona die beidseitig unterschriebene AusstiegsklauselSchock für Köpke vom 20. Oktober 1998 auf welt.de aufgrund der rechtlich unklaren Situation mit dem VfB einen Tag vor Ablauf nutzte und stattdessen Portugals Nationaltorhüter Vítor Baía verpflichtete. Köpke beschuldigte anschließend den DFB, schuld an seinem gescheiterten Wechsel zu Barcelona zu sein. vom 11. November 1996 auf berliner-zeitung.de
Somit war Köpke zunächst vereinslos, bevor er bei Olympique Marseille unterschrieb.Andreas Köpke steht vor Wechsel zu Olympique Marseille vom 20. Juli 1996 auf welt.de Auch hier wurde Köpke Stammtorwart. In seinem ersten Jahr bei den Franzosen wurde er Zehnter, ein Jahr später Vierter in der Ligue 1, wobei Marseille mit 27 Gegentreffern die beste Abwehr der Liga stellte. Zur Winterpause der Spielzeit 1998/99 entschied sich Köpke zu einer Rückkehr in die Bundesliga, nachdem er seinen Stammplatz früh in der Saison an den damals 25-jährigen Stéphane Porato verloren hatte.
1. FC Nürnberg – Teil 2 In Deutschland schloss er sich wieder seinem alten Verein Nürnberg an, der in der 1. Bundesliga spielte. Dieser befand sich zu diesem Zeitpunkt (Winterpause) auf einem Abstiegsplatz und erhielt bis zum 18. Spieltag die zweitmeisten Gegentore der Bundesliga.Tabelle der Bundesliga 1998/1999 am 18. Spieltag auf fussballdaten.de Köpke löste die damalige Nummer 1 Andreas Hilfiker ab. Mit ihm schafften es die Nürnberger bis zum 33. Spieltag auf den 12. Platz.Tabelle der Bundesliga 1998/1999 am 33. Spieltag auf fussballdaten.de Durch eine 1:2-Niederlage gegen den direkten Abstiegskonkurrenten SC Freiburg und der Siege der anderen gefährdeten Teams stand der erneute Abstieg mit den Nürnbergern fest. Entscheidend waren hier die weniger geschossenen Tore gegenüber Eintracht Frankfurt.
Im fortgeschrittenen Fußballeralter ging Köpke den Gang in die 2. Liga mit an und stand dort für die Nürnberger in den folgenden zwei Jahren zwischen den Pfosten. 1999/2000 wurde der direkte Wiederaufstieg mit Platz 4 verpasst, im Jahr darauf mit dem 1. Platz gesichert. Trotzdem entschied sich Köpke zum Karriereende und verabschiedete sich mit dem Aufstieg vom aktiven Profifußball. Nachfolger wurde der 15 Jahre jüngere Darius Kampa.
Am 15. Juni 2001 wurde Köpke in einem Abschiedsspiel im ausverkauften Nürnberger Stadion von 40.000 Fans verabschiedet.
Köpke absolvierte 346 Einsätze (2 Tore) in der 1. Bundesliga, 173 Einsätze (0 Tore) in der 2. Bundesliga und 68 Einsätze (0 Tore) in der französischen Ligue 1.
2010 wurde er durch eine Internetabstimmung auf der Webseite des 1. FC Nürnberg fcn.de zur Torhüter-Legende des Jahrhunderts gewählt.Wer ist eure Torhüter-Legende des Jahrhunderts? (fcn.de)
Auswahleinsätze mini|Köpke als Teil des Stabes der Nationalmannschaft (2006) Im Sommer 1988 war Köpke Stammtorhüter der bundesdeutschen Olympiaauswahl. Ein Innenbandriss verhinderte jedoch seine Teilnahme am olympischen Fußballturnier in Seoul,Karlheinz Wild: Fünf gucken in die Röhre. In: kicker Sportmagazin. 19. September 1988, Seite 21. bei denen das Team von DFB-Coach Hannes Löhr die Bronzemedaille gewann.
In der Nationalmannschaft bestritt er von 1990 bis 1998 59 Länderspiele und nahm an drei Fußball-Weltmeisterschaften teil.
Köpke gab sein Debüt im DFB-Dress am 30. Mai 1990 in Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft gegen das dänische Team, als er zur Halbzeit gegen Aumann eingewechselt wurde.Spielstatistik Deutschland – Dänemark 1:0 (1:0) vom 30. Mai 1990 auf fussballdaten.de Nachdem Bodo Illgner nach dem Ausscheiden im Viertelfinale der Fußball-Weltmeisterschaft 1994 aus der Nationalmannschaft zurückgetreten war, avancierte Köpke zum neuen Stammtorhüter. Nach dem Ausscheiden im Viertelfinale der WM 1998 gegen Kroatien entschied sich Köpke, seine Karriere in der Nationalmannschaft zu beenden.
Höhepunkte seiner Laufbahn waren der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien ohne Einsatz als dritter Torhüter hinter Stammkeeper Bodo Illgner und Raimond Aumann (Nummer 2) und der Gewinn der Fußball-Europameisterschaft 1996 in England als Stammspieler. Im Verlauf des Turniers hielt er zwei Elfmeter. Den ersten Schuss hielt Köpke im Gruppenspiel gegen Italien (0:0), was das Ausscheiden des damaligen Vizeweltmeisters bedeutete. Den zweiten Schuss hielt er im Elfmeterschießen des Halbfinals gegen den englischen Verteidiger Gareth Southgate und sicherte dem deutschen Team damit den Finaleinzug.
Köpke blieb in 28 von 59 Länderspielen ohne Gegentor. Damit hatte er eine Zeit lang die beste Quote unter allen Torhütern mit mindestens 20 Einsätzen. Mittlerweile (Stand: Juli 2025) liegt er auf dem zweiten Platz hinter Jens Lehmann. Mit 0,76 Gegentoren pro Länderspiel im Durchschnitt weist Köpke die beste Quote aller Torhüter mit mehr als 20 Einsätzen auf.
Rivalität mit Bodo Illgner