Ebersbach an der Fils ist eine Stadt im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg. Sie ist die westlichste Stadt des Landkreises und grenzt im Westen an den Landkreis Esslingen. Im Osten schließt sich die Stadt Uhingen an.
Geographie Geographische Lage Das Stadtgebiet erstreckt sich vom Schurwald im Norden bis zum Vorland der mittleren Schwäbischen Alb im Süden.
Ebersbach liegt 32 Kilometer ostsüdöstlich der Landeshauptstadt Stuttgart in 264 bis 481 Meter Höhe und beheimatet damit den tiefsten Punkt des Landkreises Göppingen.https://www.leo-bw.de/web/guest/detail-gis/-/Detail/details/ORT/labw_ortslexikon/670/Ebersbach+an+der+Fils Im Osten der Stadt mündet etwas oberhalb im Gebiet der Nachbarstadt die in tiefem Tal aus dem Schurwald kommende Nassach in die Fils, im Westen liegt die Kleine Schweiz, die vom Benfingbächle durchflossen wird. Das Stadtgebiet wird in ostwestlicher Richtung vom breiten unteren Filstal durchzogen. Südlich der Fils reicht die Gemarkung noch über die teils lößbedeckte Schlierbacher Platte bis zum Albvorland.
Stadtgliederung Neben der Kernstadt gehören zu Ebersbach die sechs Stadtteile Büchenbronn, Bünzwangen, Krapfenreut, Roßwälden, Sulpach und Weiler. Die offizielle Benennung der Stadtteile erfolgt durch vorangestellten Namen der Stadt und durch Bindestrich verbunden nachgestellt der Name der Stadtteile. Die Stadt ist zudem in die vier Wohnbezirke im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung Ebersbach einschl. Büchenbronn, Krapfenreut und Sulpach, Bünzwangen, Roßwälden und Weiler ob der Fils gegliedert. Die Stadtteile Bünzwangen, Roßwälden und Weiler ob der Fils bilden zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung.Hauptsatzung der Stadt Ebersbach an der Fils vom 7. Mai 1991, zuletzt geändert am 14. September 2004 (PDF; 27 kB) Im Stadtteil Bünzwangen liegt die abgegangene Ortschaft Stainboß.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2. S. 302–304.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Ebersbach an der Fils.
Geschichte Frühe Geschichte Das Stadtgebiet ist verkehrstechnisch günstig gelegen. Es wurde bereits in römischer Zeit von einer Durchgangsstraße passiert, die Italien mit den Niederlanden verband. Bedingt durch diese günstige Lage ist Ebersbach bereits seit 1523 als feste Poststation am Niederländischen Postkurs von Brüssel über Augsburg nach Innsbruck und Trient belegt.Frühester Beleg für 1523 bei Joseph Rübsam: Zur Geschichte der ältesten Posten in Tirol und den angrenzenden Ländern, in: L’Union Postale (UP) 12, Dezember 1891, S. 199, weitere Belege aus dem 16. Jahrhundert bei Martin Dallmeier: Quellen zur Geschichte des europäischen Postwesens 1501 – 1806 Teil II Urkunden-Regesten, Lassleben Kallmünz 1977, S. 33, 37 und 41.
Erstmals wurde Ebersbach im Jahr 1170 in der Ursperger Chronik erwähnt. Seit 1274 gehörte das Dorf zu Württemberg. Vor 1477 bekam der Ort das Marktrecht. Ab 1500 lag Ebersbach im Schwäbischen Reichskreis. Seit jeher unterstand der altwürttembergische Ort Ebersbach dem Amt in Göppingen. Auch bei der Umsetzung der neuen Verwaltungsgliederung im Königreich Württemberg blieb Ebersbach nunmehr dem Oberamt Göppingen zugeordnet.
Verschiedene, leider nicht ganz eindeutige Indizien deuten auf die Existenz einer Burg im Umfeld der Veitskirche, vom 12. bis zum 15. Jahrhundert.
19. und 20. Jahrhundert Der Ort war vor allem vom Handwerk stark geprägt. Vertreten waren vor allem Leinenweber, Schmiede und Wagner. Eine Ebersbacher Besonderheit waren dabei die Sandler, die bis in die 1960er Jahre in den Ebersbacher Steinbrüchen Sand abgebaut haben. Etwa seit Mitte des 19. Jahrhunderts begannen sich in Ebersbach Industriebetriebe zu entwickeln. Die meisten waren im Textilbereich tätig.
Im Zuge der Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangte Ebersbach 1938 zum Landkreis Göppingen. 1945 wurde der Ort Teil der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Baden, das 1952 im jetzigen Bundesland Baden-Württemberg aufging.
Vielfach wird in der Literatur nach 1974 behauptet, dass gegen Ende des Zweiten Weltkrieges in Ebersbach ein Außenlager des KZ Natzweiler-Struthof errichtet worden sei. Zuerst hat vermutlich Julius Schätzle in Stationen zur Hölle (Frankfurt am Main 1974, S. 64 und Karte bei S. 80) dies publiziert. Die Recherchen des Stadtarchivs Ebersbach/Fils ergeben jedoch ein anderes Bild: Demnach gab es hier kein Arbeitskommando eines Konzentrationslagers. Die Errichtung eines solchen Außenlagers kann bislang archivalisch nicht nachgewiesen werden. Zeitzeugenaussagen von 1945 bis 1999, die Herkunft und die Aufsicht über die vielen hier in der Industrie eingesetzten Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs widerlegen die Vermutung von J. Schätzle von 1974.
Am 12. Februar 1975 wurde die Gemeinde zur Stadt erhoben.
Eingemeindungen 17. Mai 1926: Krapfenreuthttps://www.ebersbach.de/krapfenreut.html 1. April 1932: Sulpachhttps://www.ebersbach.de/sulpach.html 1. Januar 1972: Roßwälden 1. Januar 1975: Bünzwangen und Weiler ob der Fils 80px|RoßwäldenRoßwälden 80px|BünzwangenBünzwangen 80px|Weiler ob der FilsWeiler ob der Fils
Einwohnerentwicklung Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg für die Daten ab 1961
Datum Einwohner 1837 2.738 1907 4.137 17. Mai 1939 5.711 13. September 1950 8.738 6. Juni 1961 11.470 27. Mai 1970 13.789 31. Dezember 1983 14.135 25. Mai 1987 14.596 31. Dezember 1991 15.857 31. Dezember 1995 15.948 31. Dezember 2005 15.729 31. Dezember 2010 15.291 31. Dezember 2015 15.206 31. Dezember 2020 15.55807. Juli 202516.593
Politik
Gemeinderat In Ebersbach wurde der Gemeinderat bis 2019 nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Inzwischen hat der Gemeinderat die unechte Teilortswahl abgeschafft. Der Gemeinderat besteht jetzt aus 22 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem ErgebnisWahlinformationen des Kommunalen Rechenzentrums.
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FWVFreie Wählervereinigung27,49628,247CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands23,25523,456SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands19,83422,136GRÜNEBündnis 90/Die Grünen11,77315,864AfDAlternative für Deutschland14,5737,222BIGBündnis für Innovation und Gerechtigkeit3,1013,101gesamt100,022100,026Wahlbeteiligung64,30 %61,31 %
Bürgermeister NameAmtszeitBemerkungManuela Raichle (CDU)seit 2025gewann in der Stichwahl gegen den bisherigen AmtsinhaberEberhard Keller (SPD)2017–2025verfehlte die WiederwahlSepp Vogler (parteilos)2009–2017trat nicht zur Wiederwahl anEdgar Wolff (Freie Wähler)1996–2009wurde zum Landrat des Landkreises gewählt
Wappen Die Blasonierung des teilredenden Wappens lautet: „In Rot auf grünem Grund ein stehender goldener Eber mit silbernen Hauern.“
Bereits im Jahre 1489 ist der Eber als Ortssiegel belegt. Die Darstellung des Wappentieres änderte sich im Laufe der Zeit: In einer farbigen Zeichnung aus dem Jahre 1535 wurde der Eber stehend dargestellt, so wie er auch seit 1937 im heutigen Ortswappen zu sehen ist. In manchen älteren Siegeln und auf einem Schlussstein der Kirche, ist der Eber schreitend oder springend abgebildet. In die Marksteine wurden früher, vermutlich zur Vereinfachung, Doppelhaken eingehauen, die seit dem Jahre 1686 belegt sind. Die rot-grüne Ortsflagge ist seit den 1920er-Jahren nachweisbar und verstößt mit dieser Farbkombination gegen die Farbregeln der Heraldik.
Partnerschaften Ebersbach unterhält partnerschaftliche Beziehungen zu Bourg-lès-Valence in Frankreich seit 1980 und Ebersbach-Neugersdorf in Sachsen seit 1991.
Wirtschaft und Infrastruktur mini|Verlauf der B 10 und der Eisenbahnstrecke durch die Stadt Ebersbach an der Fils Die Stadt gehört zur Metropolregion Stuttgart.
Verkehr Die Stadt ist über die Bundesstraße 10 oder mit der Filstalbahn (Stuttgart – Neu-Ulm) über den Bahnhof Ebersbach (Fils) zu erreichen.
Der regionale Busverkehr erfolgt im Rahmen des Verkehrs- und Tarifverbunds Stuttgart. Für den innerstädtischen Busverkehr wurde ein Bürgerbus, der Eberbus, eingerichtet, der das Stadtgebiet mit der Linie BB 90 abdeckt.
Über eine Alltagsradroute aus dem Radnetz Baden-WürttembergDas RadNETZ Baden-Württemberg auf www.radroutenplaner-bw.de ist Ebersbach über Reichenbach an der Fils mit Plochingen und in der anderen Richtung über Uhingen mit Göppingen verbunden.
Religionen Seit der Einführung der Reformation 1537 ist Ebersbach evangelisch geprägt. Heute sind in den einzelnen Stadtteilen weitere Kirchengemeinden und Religionsgemeinschaften vertreten.
Evangelische Kirche Alle evangelischen Gemeinden gehören zum Kirchenbezirk Göppingen. Kirchengemeinde Bünzwangen-Sulpach Die Kirchengemeinden Bünzwangen und SulpachWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Bünzwangen-Sulpach sind seit 2013 zu einer Kirchengemeinde fusioniert. Eine eigene Kapelle St. Leonhard ist in Bünzwangen bereits 1481 erwähnt. Die heutige Leonhardskirche in Bünzwangen wurde 1778 als chorloser Rechteckbau durch Anbau an den alten Turm errichtet. Barockgemälde der zwölf Apostel und Jesus zieren die Emporenbrüstung. Drei Ölgemälde (Christus, Moses, Johannes der Täufer; um 1885) stammen von dem Bünzwanger Künstler und Professor der Stuttgarter Kunstakademie Jakob Grünenwald.Petra Scheible-Schober und Jürgen Helmbrecht: Jakob Grünenwald (1821–1896). Ein schwäbischer Genremaler; hg. Karl-Heinz Rueß; Veröffentlichungen des Stadtarchivs Göppingen Band 35, Göppingen/Weißenhorn 1996, S. 138
Eine Kirche wurde in Sulpach bereits 1275 erwähnt. Im 16. Jahrhundert wird sie St. Lorenz genannt. Ihre jetzige Form erhielt die Laurentiuskirche im Jahre 1607. 1955 schuf Rudolf Yelin d. J. drei Chorfenster (links und rechts: die Evangelisten mit ihren Symbolen; Mitte: Abendmahl, Kreuzigung, Auferstehung, Königskrone) – Die pfarramtliche Versorgung beider Gemeindeteile erfolgt schon seit langem durch den Inhaber der Pfarrstelle Bünzwangen-Sulpach. Kirchengemeinde Ebersbach an der Fils Die Kirchengemeinde Ebersbach an der FilsWebsite der Evangelischen Kirchengemeinde Ebersbach an der Fils umfasst die Kernstadt sowie die Stadtteile Büchenbronn und Krapfenreut. Eine Kirche wurde in Ebersbach 1228 erstmals erwähnt. 1481 wird sie St. Veit genannt. Die heutige VeitskircheDieter Wiedmaier: Die evangelische Veitskirche in Ebersbach an der Fils; hg. Ev. Pfarramt Ebersbach West; Ebersbach 1993 ist eine ehemalige Wehrkirche im ummauerten Kirchhof. Der Chor ist netzgewölbt. Der Turm der Kirche wurde 1625 durch einen Blitzschlag zerstört und danach von Heinrich Schickhardt wieder aufgebaut und mit einem neuen Turmhelm versehen. Der Stuttgarter Architekt Paul Heim jun. (1905–1988) leitete die große Renovierung 1956. Dabei schuf Rudolf Yelin d. J. drei Chorfenster (links Altes Testament, Farben blau/grün: Schöpfung, Sündenfall, Kain und Abel, Turmbau zu Babel, Mose-Gesetzgebung; Mitte Neues Testament 1, Evangelien, Farben gelb/ocker: Kindersegnung, Heilungswunder, Kreuzigung, Grablegung; rechts Neues Testament 2, Farben grün/ocker: Aussendung der Jünger, Auferstehung, Herr über Lebende und Tote). Kirchengemeinde Roßwälden