Adelberg (bis 1851 Hundsholz) ist eine Gemeinde im Landkreis Göppingen in Baden-Württemberg. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. Bis 1851 hieß der Ort Hundsholz, danach übernahm er den Namen des nahen Klosters Adelberg.
Geographie Geographische Lage Adelberg liegt auf dem östlichen Schurwald in 334 bis 473 m Höhe ü. NHN zwischen den Tälern der Rems im Norden und der Fils im Süden. Die Kreisstadt Göppingen befindet sich in Luftlinie etwa 8 Kilometer südöstlich des Orts.
Klima Der Jahresniederschlag beträgt 1045 Millimeter. Er liegt damit im oberen Viertel der in Deutschland erfassten Werte, an 87 % der Messstationen werden niedrigere Werte registriert. Der trockenste Monat ist der Februar, der nasseste der Juni (1,9-mal mehr Niederschlag als im Februar). Die Niederschläge variieren stark, an nur 18 % der Messstationen werden höhere jahreszeitliche Schwankungen registriert.
Nachbargemeinden Adelberg grenzt an folgende Gemeinde (im Uhrzeigersinn, östlich beginnend): Börtlingen, Wangen (beide Landkreis Göppingen), Schorndorf, Plüderhausen (beide Rems-Murr-Kreis).
Gemeindegliederung Zu Adelberg gehören das Dorf Adelberg, der Weiler Adelberg-Kloster und die Häuser Herrenmühle, Mittelmühle und Zachersmühle. Nassach wurde 1971 nach Uhingen umgemeindet.Landesarchivdirektion Baden-Württemberg (Hrsg.): Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band III: Regierungsbezirk Stuttgart, Regionalverband Mittlerer Neckar. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004758-2, S. 337–339.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Adelberg.
Geschichte Kloster und altwürttembergisches Klosteramt Adelberg (bis 1851 Hundsholz) teilte im Wesentlichen die Geschichte des Klosters und Klosteramts Adelberg.
mini|Hundsholz 1685 im Forstlagerbuch von Andreas Kieser Hundsholz gehörte zur Gründungsausstattung des Klosters. Zunächst unter staufischer Vogtei, gelangten Kloster und Ort im 14. Jahrhundert schließlich an Württemberg, das ab 1500 zum Schwäbischen Reichskreis gehörte. Nach der Reformation, die ab 1535 (endgültig 1565) Fuß fasste, wurde das Klosteramt Adelberg gegründet, zu dem neben dem ehemaligen Kloster auch der alte Klosterbesitz und damit Hundsholz gehörte. 1565 wurde das Kloster, wie zwölf weitere württembergische Männerklöster, unter der Leitung von Christoph Binder in eine evangelische Klosterschule umgewandelt, die bis 1630 bestand. Ihr berühmtester Schüler war 1584–1586 Johannes Kepler. Außerdem war Adelberg Sitz einer der vier Prälaturen (bzw. Generalsuperintendenzen oder Generalate) der württembergischen Landeskirche.
Entwicklung seit dem 19. Jahrhundert Nach der Gründung des Königreichs Württemberg wurde der größte Teil des Klosteramts 1807 mit Hundsholz in das Oberamt Schorndorf eingegliedert. 1830 kaufte die Gemeinde Hundsholz die Klostergüter im Dorf und auch das Kloster selbst auf. 1843 wurde das Klostergebiet auch formal eingemeindet und die Gesamtgemeinde nannte sich seit 1851 Adelberg.
Die Kreisreform von 1938 während der NS-Zeit in Württemberg führte zur Zugehörigkeit zum Landkreis Göppingen, die bis heute besteht. Von 1945 bis 1952 gehörte Adelberg zum Nachkriegsland Württemberg-Baden, das 1945 in der Amerikanischen Besatzungszone gegründet worden war. Im Jahre 1952 gelangte die Gemeinde zum neuen Bundesland Baden-Württemberg.
Ausgliederungen Am 1. September 1971 wurde ein Gebiet mit damals mehr als 200 Einwohnern an die Nachbargemeinde Uhingen abgetreten.
Einwohnerentwicklung Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg für die Daten ab 1961
Stichtag / -jahr Einwohnerzahl 1525 250 1721 350 1769 403 1851 850 1907 808 1912 705 17. Mai 1939 761 1946 1112 13. Juli 1950 1223 6. Juni 1961 1219 27. Mai 1970 1505 31. Dezember 1983 1646 25. Mai 1987 1710 31. Dezember 1991 1957 31. Dezember 1995 2091 31. Dezember 2000 2041 31. Dezember 2005 2042 31. Dezember 2010 2006 31. Dezember 2015 1956 31. Dezember 2020 1989
Politik
Verwaltungsverband Adelberg gehört mit Birenbach, Börtlingen und Rechberghausen dem Gemeindeverwaltungsverband „Östlicher Schurwald“ an, der seinen Sitz in Rechberghausen hat.
Bürgermeister Bürgermeister der Gemeinde ist seit 2026 Yasin Önüt. Zuvor amtierten von 1994 bis 2010 Wolf-Dieter Hermann und von 2010 bis 2026 Carmen Marquardt.https://Staatsanzeiger: Bürgermeisterwahl Adelberg 2018/
Gemeinderat Der Gemeinderat in Adelberg besteht aus den 10 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten und der Bürgermeisterin als Vorsitzende. Die Bürgermeisterin ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Ergebnis. Die Wahlbeteiligung betrug 74,41 % (2019: 72,38 %).
Partei / Liste Stimmenanteil Sitze Vergleich 2019 Miteinander für Adelberg 35,15 % 3 47,54 %, 5 Sitze Perspektive Adelberg 25,26 % 3 30,31 %, 3 Sitze Adelberger Impuls 22,31 % 2 22,15 %, 2 Sitze Wir für Adelberg! 17,28 % 2 0 %, 0 Sitze
Wappen und Flagge
Wappen und Flagge wurden am 7. April 1959 offiziell verliehen.
Partnerschaften Partnergemeinde von Adelberg ist Lichtensteig im Kanton St. Gallen in der Schweiz.
Wirtschaft und Infrastruktur Adelberg gehört zur Randzone der Metropolregion Stuttgart.
Verkehr An das überörtliche Straßennetz ist Adelberg durch die Landesstraße 1147 an die Gemeinde Rechberghausen und den zu Schorndorf gehörenden Stadtteil Oberberken angeschlossen. Die von der Regionalbus Stuttgart bediente Buslinie 260 (Göppingen–Schorndorf) schließt Adelberg an den öffentlichen Personennahverkehr an. Von 1912 bis 1962 war die vier Kilometer von Adelberg entfernte Bahnstation Adelberg-Börtlingen der Hohenstaufenbahn in Betrieb.
Bildung Adelberg verfügt über eine eigene Grundschule. Weiterführende Schulen gibt es in den Nachbarorten.
Industrie Das größte Industrieunternehmen und der größte Arbeitgeber (650 Mitarbeiter) ist die Firma ERNI Electronics. ERNI ist Hersteller von industriellen Steckverbindern, beispielsweise für die Automobilindustrie, und hat neben der Produktionsstätte im Industriegebiet einen weiteren Standort im Dorf.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Der in der evangelischen Ulrichskapelle im Kloster befindliche Hochaltar mit Tafelgemälden von Bartholomäus Zeitblom wurde von der Denkmalstiftung Baden-Württemberg zum Denkmal des Monats März 2010 ernannt. Die Dorfkirche im Ort, heute Pfarrkirche der evangelischen Kirchengemeinde Adelberg im Kirchenbezirk Göppingen, entstand 1490–1493 und besitzt eine Predella, die ebenfalls der Zeitblom-Werkstatt zugeschrieben wird. Die gesamte farbige Fensterverglasung stammt von 1972, das mittlere der fünf Chorfenster zeigt das „Licht in der Finsternis“. Ein Passionszyklus-Gemälde von 1980 des Adelberger Künstlers Ernst Lutz (1941–2008) ist als Dauerleihgabe der Kommune in der Kirche ausgestellt.
Museen Museum in der Klostervilla
Regelmäßige Veranstaltungen Adelberger Nachmittag der Geschichte
Söhne und Töchter der Gemeinde Karl Friedrich Harttmann (1743–1815), Theologe, Kirchenlieddichter Dieter Remppel (* 1940), Politiker (CDU), Landtagsabgeordneter 1984–1996
Literatur
Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Baden-Württemberg I. Deutscher Kunstverlag, München 1993, ISBN 3-422-03024-7. Gemeinde Adelberg: Adelberg – eine Bilddokumentation. 2.A. Adelberg 1992. Karl Kirschmer: Chronik von Adelberg, Hundsholz und Nassach. Göppingen 1964. Max Miller, Gerhard Taddey (Hrsg.): Handbuch der historischen Stätten Deutschlands. Band 6: Baden-Württemberg (= Kröners Taschenausgabe. Band 276). 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Kröner, Stuttgart 1980, ISBN 3-520-27602-X. Walter Ziegler, Richard Vollmer: Kloster Adelberg, Landkreis Göppingen, Dekanat Schorndorf. Adelberg 1985.
Weblinks
Adelberg bei LEO-BW
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Landkreis Göppingen
Kategorie:Schurwald Kategorie:Ersterwähnung 1294