Koblenz (bis 1926 Coblenz; mundartlich Kowelenz) ist eine kreisfreie Großstadt im nördlichen Rheinland-Pfalz. Sie ist mit Einwohnern () nach Mainz und Ludwigshafen am Rhein die drittgrößte Stadt dieses Landes und nimmt Platz 72 unter den größten Städten Deutschlands ein. Koblenz bildet neben Mainz, Ludwigshafen am Rhein, Trier und Kaiserslautern eines der fünf Oberzentren in Rheinland-Pfalz. mini|Offizielles Logo der Stadt Koblenz mini|hochkant=2|Blick von der Festung Ehrenbreitstein auf Koblenz und das Deutsche Eck mini|hochkant=2|Panorama der Koblenzer Innenstadt mini|hochkant=1.7|Panorama von Koblenz mit den Stadtteilen Kesselheim, Lützel und Neuendorf, rechts der Rhein, links die Mosel mini|Koblenz vom Kühkopf aus gesehen Koblenz ist Sitz der Universität Koblenz, des RheinMoselCampus der Hochschule Koblenz, der Verwaltung des Landkreises Mayen-Koblenz, der Struktur- und Genehmigungsdirektion Nord (bis 1999 Bezirksregierung Koblenz), des Bundesarchivs, des Landeshauptarchivs, der Landesarchäologie Rheinland-Pfalz, des Landesamtes für Steuern, des Landesamtes für Finanzen, ehemals Oberfinanzdirektion Koblenz, des Verfassungsgerichtshofes Rheinland-Pfalz, des Bundesamtes für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr, des Bundeswehrzentralkrankenhauses und des Landesamtes für Vermessung Geobasisinformation Rheinland-Pfalz.
Koblenz, das 1992 sein 2000-jähriges Bestehen feierte, gehört zu den ältesten Städten Deutschlands. Der ursprüngliche, lateinische Name des römischen Kastells ConfluentesDieser Name ist nach Bellinghausen: 2000 Jahre Koblenz, 1971, Seite 42 möglicherweise eine Lehnübersetzung des keltischen Wortes Condate „Zusammenfluss“. () leitete sich von der Lage der Stadt an der Mündung der Mosel in den Rhein am sogenannten Deutschen Eck ab. Seit dem 5. Jahrhundert gehörte die Stadt zum Fränkischen, ab 870 mit kurzen Unterbrechungen zum Ostfränkischen, dem späteren Römisch-deutschen Reich. Seit 1018 im Besitz des Erzstifts und Kurfürstentums Trier, war es seit dem 17. Jahrhundert dessen Residenzstadt. Nach kurzer Zugehörigkeit zu Frankreich fiel Koblenz 1815 an Preußen und war ab 1822 Hauptstadt von dessen Rheinprovinz. Seit 1946 gehört die Stadt zum damals neu gebildeten Land Rheinland-Pfalz. Im Jahr 1962 überschritt Koblenz die 100.000-Einwohner-Marke und wurde damit zur Großstadt.
Teile von Koblenz gehören zum UNESCO-Welterbe: Seit 2002 bildet die Stadt mit ihren Kulturdenkmälern das nördliche Tor zur Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal, und das Kastell Niederberg steht seit 2005 als Teil des Obergermanisch-Rätischen Limes auf der UNESCO-Liste. Im Jahr 2011 fand in Koblenz die erste Bundesgartenschau in Rheinland-Pfalz statt.
Die Stadt ist seit 1997 Mitglied im Klima-Bündnis.Mitgliedsländer und -Kommunen im Klima-Bündnis, abgerufen am 30. Juni 2019.
Geographie Lage Koblenz liegt am Deutschen Eck, einer durch Mosel und Rhein gebildeten Mündungsspitze. Die nächstgelegenen Großstädte in räumlicher Entfernung sind Bonn (etwa 55 km rheinabwärts), Wiesbaden (etwa 55 km rheinaufwärts), Mainz (etwa 62 km rheinaufwärts) und Siegen (etwa 65 km nordöstlich). Koblenz wird begrenzt von den Ausläufern des Hunsrücks im Süden und der leicht hügeligen Landschaft des Maifeldes (Ausläufer der Eifel) im Westen. Die rechts des Rheins gelegenen Stadtteile im Osten des Stadtgebietes liegen in den Ausläufern des Westerwaldes und reichen, mit zum Teil starkem Gefälle, bis dicht an den Fluss heran.
Die zwischen Mosel und Rhein im Süden gelegenen Stadtteile sind teilweise mit üppigem Mischbaumbestand bewaldet und bilden die „Grüne Lunge“ und das Naherholungsgebiet von Koblenz. Dieser Abschnitt des Rheins gehört zum Mittelrhein.
Koblenz liegt laut Angabe des Bundesamtes für Kartographie und Geodäsie auf .Bundesamt für Kartographie und Geodäsie zur Ortslage Koblenz: Höhe 73 m ü. NHN. Das Deutsche Eck liegt bei Höhe. Die höchste vollständig im Stadtgebiet gelegene Erhebung ist mit der Kühkopf im Stadtwald. Die höchste Stelle des Stadtgebietes mit befindet sich auf der Grenze zur Stadt Rhens am Nordhang des Maulbeerkopfes, dessen hoher Gipfel auf Rhenser Stadtgebiet liegt.
Nachbargemeinden mini|Blick von der ISS auf Koblenz 2008 Die kreisfreie Stadt Koblenz grenzt an drei Landkreise: im Nordosten an den Westerwaldkreis (Simmern und Eitelborn), im Osten an den Rhein-Lahn-Kreis (Lahnstein, Fachbach und Miellen) und im Süden, Westen und Norden an den Landkreis Mayen-Koblenz (Rhens, Waldesch, Dieblich, Winningen, Kobern-Gondorf, Mülheim-Kärlich, Kaltenengers, Urmitz, St. Sebastian, Bassenheim, Niederwerth, Vallendar, Bendorf und Urbar).
Im Norden grenzt der Landkreis Neuwied sowie im Süden der Rhein-Hunsrück-Kreis an die Stadt.
Stadtgliederung mini|Blick auf Güls und die Mosel Das Stadtgebiet von Koblenz ist in 30 (statistische) Stadtteile gegliedert. Die Einteilung erfolgte im Rahmen der kleinräumigen Gliederung auf Empfehlung des Deutschen Städtetags. Eine Besonderheit bilden hierbei die Karthause, die statistisch in Karthause Nord, Karthause-Flugfeld und Karthäuserhofgelände, sowie die Südliche Vorstadt, die statistisch in Mitte und Süd untergliedert wird. Die Karthause und die Südliche Vorstadt sind hingegen historisch aus einheitlich gewachsenen Strukturen entstanden und werden in der Bevölkerung nur in ihrer Gesamtheit als Stadtteil angesehen. Einen Beschluss des Rats der Stadt Koblenz über den Status als Stadtteil dieser statistischen Gliederungseinheiten gibt es jedoch nicht.
Neun Stadtteile bilden insgesamt acht Ortsbezirke, deren Anliegen gegenüber der Stadt durch einen Ortsbeirat und einen Ortsvorsteher vertreten werden. Die übrigen 21 Stadtteile haben keine Ortsbeiräte.
Die 30 Stadtteile von Koblenz sind Altstadt, Arenberg (Ortsbezirk zusammen mit Immendorf), Arzheim (Ortsbezirk), Asterstein, Bubenheim (Ortsbezirk), Ehrenbreitstein, Goldgrube, Güls mit Bisholder (Ortsbezirk), Horchheim, Horchheimer Höhe, Immendorf (Ortsbezirk zusammen mit Arenberg), Karthause (mit den statistischen Stadtteilen Karthause Nord, Karthause-Flugfeld und Karthäuserhofgelände), Kesselheim (Ortsbezirk), Lay (Ortsbezirk), Lützel, Metternich, Moselweiß, Neuendorf, Niederberg (mit Neudorf), Oberwerth, Pfaffendorf, Pfaffendorfer Höhe, Rauental, Rübenach (Ortsbezirk), Stolzenfels (Ortsbezirk), ehemals Kapellen, Südliche Vorstadt (mit den statistischen Stadtteilen Mitte und Süd) und Wallersheim.
Gewässer Neben den zwei Flüssen Rhein und Mosel wird das Stadtgebiet von kleineren Bächen durchflossen, die in Mosel oder Rhein münden. Einer der bekanntesten Bäche ist der Königsbach in Stolzenfels, der namensgebend für die am Königsbach früher ansässige Brauerei war. Weitere Bäche sind u. a. der Anderbach, Bienhornbach, Bubenheimer Bach, Brückbach, Brückerbach, Dörrbach, Eschbach, Eselsbach, Fußsohler Graben, Griesentalbach, Gründgesbach, Immendorfer Bach, Kleinbornsbach, Kripper Bach, Laubach, Lauxbach, Meerkatzbach, Mühlenbach, Münster Bach, Obersberger Bach, Remstecker Bach, Schleiderbach, Siechhausbach, Silberkaulsbach und Wintersborner Bach.
Siehe auch: Gewässer in Koblenz.
Klima mini|Klimadiagramm von Koblenz – Werte: 1978–1990
Koblenz liegt in der sogenannten gemäßigten Zone mit gemäßigt kühlem Klima und vorherrschenden Westwinden. Im westdeutschen Tiefland und im Rheingraben bringen diese Winde vom Atlantik und der Nordsee her jährlich etwa 700 mm Niederschlag. Koblenz ist mit einer jährlichen Durchschnittstemperatur von 10,8 °C und einer jährlichen Niederschlagsmenge von 674 mmNiederschlagsmittelwerte von Deutschland für den Zeitraum von 1961 bis 1990, Quelle: DWD ganzjährig humid.
Kältester Monat ist mit einer Temperatur von 2,7 °C der Januar, wärmster Monat der Juli mit einem Schnitt von 19,5 °C. Der Hitzerekord liegt bei 39,4 °C und wurde am 8. August 2003 in Koblenz gemessen. Aufgrund seiner Lage im Tal der umgebenden Mittelgebirge Eifel, Hunsrück und Westerwald sowie der Nähe von drei Flüssen (Rhein, Mosel, Lahn) bildet sich in Koblenz oftmals ein „Kesselklima“ aus, das im Sommer im Vergleich zum Umland oftmals recht schwül ist. In den Herbst- und Wintermonaten sind zähe Nebellagen keine Seltenheit, während auf den Höhen der Mittelgebirge wolkenfreier Himmel herrscht. (PDF; 4,4 MB) in: Umweltkurier Koblenz, Herbst 2009.
Geschichte
Im Laufe seiner Geschichte gehörte Koblenz zu verschiedenen Staaten und Gebietskörperschaften:
mini|Basilika St. Kastor mini|Schloss Stolzenfels mini|hochkant=1.2|Balduinbrücke mini|hochkant=1.2|Festung Ehrenbreitstein
Die Geschichte der Stadt Koblenz ist sehr wechselhaft und gekennzeichnet von kriegerischen Auseinandersetzungen bei zahlreichen Grenzkonflikten sowie einem großen baulichen Wandel. Bereits seit der Steinzeit ist das Gebiet von Koblenz besiedelt. Die Römer bauten hier erstmals eine befestigte städtische Siedlung. Es entstanden im heutigen Altstadtkern das Kastell Confluentes zur Sicherung der Römischen Rheintalstraße (Mainz–Köln–Xanten) und in Niederberg das Kastell Niederberg zur Sicherung des Limes sowie erster Brücken über Rhein und Mosel. Koblenz gehört somit zu den ältesten Städten Deutschlands. Nach dem Rückzug der römischen Truppen im 5. Jahrhundert wurde Koblenz von den Franken erobert, die hier einen Königshof gründeten. In der 836 geweihten Kastorkirche fanden 842 Verhandlungen zwischen den drei Enkeln Karls des Großen statt, die schließlich zur Teilung des Fränkischen Reichs im Vertrag von Verdun 843 führten.
In der folgenden Herrschaft der Erzbischöfe und Kurfürsten von Trier blühte Koblenz weiter auf: Aus der auf dem Ehrenbreitstein um 1020 erbauten Burg entwickelte sich die spätere Festung Ehrenbreitstein. In unsicheren Zeiten wurden hier die wertvollsten Heiligtümer und Unterlagen des Kurstaates aufbewahrt. Im 12. Jahrhundert erbauten die Erzbischöfe von Trier die Florins- und die Liebfrauenkirche. Im 13. Jahrhundert entstanden die Burg Stolzenfels als kurtrierische Zollburg am Rhein sowie die Alte Burg am Moselufer in der Stadt Koblenz als eine Zwingburg gegen die nach mehr Unabhängigkeit strebenden Bürger und Sitz eines Amtmanns. Erzbischof Balduin von Luxemburg ließ mit einer festen Brücke, der Balduinbrücke, erstmals seit den Römern einen festen Moselübergang entstehen. Im Dreißigjährigen Krieg verlegte Kurfürst Philipp Christoph von Sötern seinen Amtssitz von Trier in das neu erbaute Schloss Philippsburg am Fuße des inzwischen zur Festung ausgebauten Ehrenbreitsteins. Im Jahre 1786 zog Kurfürst Clemens Wenzeslaus von Sachsen in das Kurfürstliche Schloss nach Koblenz um. Von hier regierte er den Kurstaat bis zu seinem Ende 1794, als das Land und Koblenz von der französischen Revolutionsarmee erobert wurden. Von 1789 bis 1794 (und danach auf die Festung Ehrenbreitstein bis 1799) hatten sich gegenrevolutionäre Kräfte um die Brüder von Louis XVI. nach Koblenz zurückgezogen und es dank ihres Onkels Wenzeslaus als „Klein-Paris“ relativ selbstständig verwaltet, bis es dann durch Severin Marceau erobert wurde.
mini|zentriert|hochkant=3|Stadtansicht nach Braun und Hogenberg 1572
Die folgende französische Zeit prägte Koblenz () weit über deren Ende hinaus. Es entstand der Begriff des Schängel, mit dem bis heute jeder bezeichnet wird, der in Koblenz geboren ist. Im Frieden von Lunéville fiel Koblenz 1801 auch formal an Frankreich und wurde Hauptstadt des französischen Département de Rhin-et-Moselle. Das Ende dieser französischen Zeit kam 1814 mit der Besetzung von Koblenz durch russische Truppen.