mini|Hessen im Jahr 1930

Der Landkreis Darmstadt (bis 1938 Kreis Darmstadt) war ein Landkreis im Großherzogtum Hessen, im Volksstaat Hessen und im deutschen Bundesland Hessen. Die Stadt Darmstadt schied am 1. November 1938 als kreisfreie Stadt aus dem Kreis aus, blieb aber Verwaltungssitz. Der Landkreis ging 1977 zusammen mit dem Landkreis Dieburg im neuen Landkreis Darmstadt-Dieburg auf.

Geographie Einordnung des Kreises in das Großherzogtum Hessen Zusammen mit den Kreisen Bensheim, Dieburg, Erbach, Groß-Gerau, Heppenheim und Offenbach sowie zeitweise mit den Kreisen Lindenfels, Neustadt und Wimpfen bildete der Kreis Darmstadt die Provinz Starkenburg, die wiederum zusammen mit den Provinzen Oberhessen und Rheinhessen das Großherzogtum Hessen darstellten.

Nachbarkreise Der Landkreis grenzte 1976 im Uhrzeigersinn im Norden beginnend an die Landkreise Offenbach und Dieburg, den Odenwaldkreis sowie die Landkreise Bergstraße und Groß-Gerau.

Geschichte Territoriale Entwicklung Nach der Verkündung der Verfassung des Großherzogtums Hessen am 17. Dezember 1820 folgte am 14. Juli 1821 eine umfassende Verwaltungsreform. Statt der Ämter wurden nun größere Landratsbezirke gebildet, darunter auch der Landratsbezirk Darmstadt. Er ging bei der nächsten Gebiets- und Verwaltungsreform 1832 im neuen Kreis Darmstadt auf.Edict, die Organisation der dem Ministerium des Innern und der Justiz untergeordneten Regierungsbehörden betreffend vom 6. Juni 1832. In: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt, Nr. 55, 4. Juli 1832, S. 365–376.

Am 31. Juli 1848 wurde der Kreis Darmstadt mit dem Kreis Groß-Gerau und Teilen des Kreises Offenbach zum Regierungsbezirk Darmstadt zusammengeschlossen. Diese Verwaltungsreform galt jedoch nur knapp vier Jahre, denn am 12. Mai 1852 wurde die Zusammenlegung wieder aufgehoben. Dabei entstand ein neu abgegrenzter Kreis Darmstadt aus der Stadt Darmstadt sowie Teilen der Landgerichtsbezirke Gernsheim, Groß-Gerau, Langen, Reinheim und Zwingenberg.Bayerischen Staatsbibliothek: Großherzoglich Hessisches Regierungsblatt Nr. 30, 1852 (reader.digitale-sammlungen.de)

Am 1. Juli 1874 wurde dem Kreis Darmstadt im Rahmen einer hessischen Kreisreform die Gemeinde Malchen aus dem Kreis Bensheim zugeschlagen.

Am 1. November 1938 wurde in Südhessen eine umfangreiche Gebietsreform durchgeführt: Die Stadt Darmstadt schied aus dem Kreis Darmstadt aus und bildete einen eigenen Stadtkreis Der restliche Kreis bildete seitdem den Landkreis Darmstadt. Aus dem aufgelösten Kreis Bensheim wechselten die Gemeinden Alsbach, Balkhausen, Bickenbach, Hähnlein, Jugenheim, Ober-Beerbach und Seeheim in den Landkreis Darmstadt. Aus dem Kreis Dieburg wechselten die Gemeinden Allertshofen, Brandau, Ernsthofen, Frankenhausen, Herchenrode, Hoxhohl, Lützelbach, Neunkirchen, Neutsch, Nieder-Modau, Ober-Modau, Rohrbach und Wembach in den Landkreis Darmstadt.

Der Landkreis Darmstadt umfasste danach zunächst 39 Gemeinden. Am 1. April 1952 wechselten die drei Gemeinden Asbach, Klein-Bieberau und Webern aus dem Landkreis Dieburg in den Landkreis Darmstadt. Die nunmehr 42 Gemeinden des Landkreises wurden im Rahmen der Gebietsreform in Hessen bis Ende 1976 auf 28 verringert.

Am 1. Januar 1977 wurde der Landkreis Darmstadt bis auf die Gemeinde Wixhausen, die nach Darmstadt eingemeindet wurde, mit dem Landkreis Dieburg zum Landkreis Darmstadt-Dieburg zusammengelegt.

Einwohnerentwicklung Datum EinwohnerStatistisches Jahrbuch für die Bundesrepublik Deutschland 1977 1852 54.273 1900 112.941 1910 137.773 1925 145.015 1939 59.052 1950 83.604 1961 97.439 1970 119.436 1976 134.800

Wappen und Flagge mini|100px Wappen links|100px Blasonierung: „In Blau 41 silberne Sterne um einen aufgelegten goldenen Herzschild mit rotem, blau-bezungtem und -bewehrtem Löwen.“

Das Wappen wurde dem Landkreis am 5. April 1962 durch den Hessischen Innenminister genehmigt. Gestaltet wurde es durch den Bad Nauheimer Heraldiker Heinz Ritt.

Die 41 Sterne symbolisieren die 41 Städte und Gemeinden, die zur Entstehungszeit des Wappens Teil des Landkreises waren. Das Herzschild zeigt eine Abwandlung des Wappens der Grafen von Katzenelnbogen, zu deren Obergrafschaft die meisten Orte im Kreis gehörten.Klemens Stadler: Deutsche Wappen, Band 1; Angelsachsen-Verlag, Bremen 1964, S. 25.

Flagge

Die Flagge wurde dem Landkreis am 7. August 1962 durch das Hessische Innenministerium genehmigt und wird wie folgt beschrieben:

Flaggenbeschreibung: „In der Mitte des von Rot und Weiß geteilten Flaggentuches aufgelegt das Kreiswappen.“

Gemeinden Die folgende Tabelle enthält alle Gemeinden, die dem Landkreis Darmstadt während seines Bestehens angehörten sowie die Daten aller Eingemeindungen:

Gemeinde eingemeindetnach Datum derEingemeindung Allertshofen Modautal 1. April 1971 Alsbach Alsbach-Hähnlein 1. Januar 1977 Arheilgen Darmstadt 1. April 1937 Asbach Modautal 1. Januar 1977 Balkhausen Jugenheim 31. Dezember 1971 Bessungen Darmstadt 1. April 1888 Bickenbach Brandau Modautal 1. Januar 1977 Braunshardt Weiterstadt 1. Juli 1973 Darmstadt kreisfreie Stadt 1. November 1938 Eberstadt Darmstadt 1. April 1937 Eich Eschollbrücken 31. Dezember 1971 Ernsthofen Modautal 1. Januar 1977 Erzhausen Eschollbrücken Pfungstadt 1. Januar 1977 Frankenhausen Mühltal 1. Januar 1977 Gräfenhausen Weiterstadt 1. Januar 1977 Griesheim Hahn (bei Ober-Ramstadt) Wembach 1927 Hahn Pfungstadt 1. Juli 1972 Hähnlein Alsbach-Hähnlein 1. Januar 1977 Herchenrode Ernsthofen 31. Dezember 1971 Hoxhohl Modautal 1. April 1971 Jugenheim Seeheim-Jugenheim 1. Januar 1977 Klein-Bieberau Modautal 1. Januar 1977 Lützelbach Brandau 31. Dezember 1971 Malchen Seeheim 31. Dezember 1971 Messel Modau Ober-Ramstadt 1. Januar 1977 Neunkirchen Brandau 31. Dezember 1971 Neutsch Modautal 1. Januar 1977 Nieder-Beerbach Mühltal 1. Januar 1977 Nieder-Modau Modau 1. Juli 1971 Nieder-Ramstadt Mühltal 1. Januar 1977 Ober-Beerbach Seeheim 31. Dezember 1971 Ober-Modau Modau 1. Juli 1971 Ober-Ramstadt Pfungstadt Rohrbach Ober-Ramstadt 1. April 1972 Roßdorf Schneppenhausen Weiterstadt 1. Januar 1977 Seeheim Seeheim-Jugenheim 1. Januar 1977 Traisa Mühltal 1. Januar 1977 Waschenbach Nieder-Ramstadt 1. April 1972 Webern Klein-Bieberau 1. September 1959 Weiterstadt Wembach Ober-Ramstadt 1. Januar 1977 Wixhausen Darmstadt 1. Januar 1977

Kfz-Kennzeichen Am 1. Juli 1956 wurde dem Landkreis bei der Einführung der bis heute gültigen Kfz-Kennzeichen das Unterscheidungszeichen DA zugewiesen. Es wird im Landkreis Darmstadt-Dieburg und in der kreisfreien Stadt Darmstadt durchgängig bis heute ausgegeben.

Leitende Beamte

Kreisräte 1832–1848 Karl Rinck von Starck Von 1848 bis 1852 bestanden im Großherzogtum Hessen keine Kreise. Die Aufgaben wurden von Regierungsbezirken wahrgenommen. 1852–1853 Karl Rinck von Starck 1853–1858 Friedrich Kritzler 1858–1870 Wilhelm von Willich gen. von Pöllnitz 1870–1874 Theodor Goldmann 1874–1881 Friedrich Küchler 1881 Karl Rothe 1881–1899 Gustav von Marquard 1899–1910 Ludwig von Senarclens-Grancy 1910–1917 (1922) Friedrich Wilhelm Fey

Kreisdirektoren (1910) 1917–1922 Friedrich Wilhelm Fey Wilhelm Best (1922–1924) Eugen Kranzbühler (1924–1928) Heinrich Gebhardt (1928–1934) Karl Meisel (1934) Karl Jann (1934–1937)

Landräte Georg Wink (SPD) (1945–1962)Wink, Georg. In: LAGIS: Hessische Biografie; Stand: 15. April 2021. Gustav Krämer (SPD) (1962–1973) Heinrich Baumann (SPD) (1973–1977) (Quelle:Landkreis Darmstadt-Dieburg (Hg.): Landkreis Darmstadt-Dieburg. Von den Anfängen der Kreisverwaltung zur Region der Zukunft, S. 62f.)

Literatur Jürgen Rainer Wolf: 150 Jahre Kreisverwaltung in Darmstadt-Dieburg. Hg.: Kreisausschuß des Landkreises Darmstadt-Dieburg. Darmstadt 1985. Landkreis Darmstadt-Dieburg (Hg.): Landkreis Darmstadt-Dieburg. Von den Anfängen der Kreisverwaltung zur Region der Zukunft. Darmstadt 2007.

Einzelnachweise

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