In Treatment – Der Therapeut ist eine US-amerikanische Fernsehserie über einen Psychotherapeuten namens Paul Weston, gespielt von Gabriel Byrne, und die Therapie-Sitzungen mit seinen wöchentlich wiederkehrenden Patienten. Zwischen 2007 und 2010 produzierte der Fernsehsender HBO drei Staffeln. Die ersten beiden wurden 2008 und 2011 erstmals im deutschsprachigen Fernsehen gezeigt. Staffel eins und zwei basieren direkt auf der mehrfach ausgezeichneten israelischen Serie BeTipul (בטיפול), die dritte Staffel knüpft mit eigenen Ideen daran an.
Die Serie erhielt mehrere Auszeichnungen und fällt, ebenso wie das Original BeTipul, durch ein ungewöhnliches Serienkonzept auf.
Inhalt und Struktur Jede Staffel zeigt über einen Verlauf von mehreren erzählten Wochen, wie sich eine Reihe von Paul Westons Fällen und dessen eigene Besuche bei einer Therapeutin entwickeln. Kennzeichnend für die Serie ist dabei ihre zyklische Struktur: Jedem Wochentag ist eine Sitzung von Paul mit einem bestimmten Patienten bzw. der Therapeutin zugeordnet, wobei eine Serienfolge sich einer Sitzung widmet. Dem Zuschauer begegnet somit regelmäßig alle paar Folgen eine spezifische Figurenkonstellation wieder. Während die Patienten von Staffel zu Staffel wechseln, ist die Therapeutin in den ersten beiden Staffeln dieselbe. Sie fungiert zunächst als Pauls Supervisorin, in der zweiten begibt sich Paul bei ihr selbst in Therapie. Die dritte Staffel ersetzt die bisherige Therapeutin durch eine andere.
Die Inszenierung ist sehr minimalistisch: Eine typische Folge beschränkt sich auf die Praxis von Paul oder seiner Supervisorin/Therapeutin als einzigen Schauplatz. Sie beginnt mit dem Kommen des Klienten und endet mit dessen Weggang. Die Handlung besteht im Wesentlichen aus Gesprächen – oftmals ergänzt um Ausschnitte mit Ereignissen unmittelbar vor oder nach einer solchen Unterredung. Während sie miteinander reden, sitzen sich die Gesprächspartner die meiste Zeit einander gegenüber. Zeitliche Raffungen während der Sitzungen sind formal nicht gekennzeichnet (z. B. durch Auf- und Abblenden), so dass der Zuschauer scheinbar ca. 30-minütige Sitzungen in Echtzeit verfolgt. In einigen Folgen (z. B. 1.07, 1.11) wird jedoch die Länge einer einzelnen Sitzung thematisiert, die demnach in der erzählten Zeit ungefähr eine Stunde dauert. Üblich sind in den USA für eine psychotherapeutische Sitzung 50 Minuten. Die Serie hat dadurch manches mit einer Theateraufführung, speziell einem Kammerspiel gemein.
Einige Folgen weichen mehr oder weniger stark von dieser Grundstruktur ab (→ Variationen in der Struktur).
Für die Ausstrahlung der ersten Staffel orientierte sich HBO am ungewöhnlichen Sendekonzept des israelischen Vorbilds, bei dem die Erzählstruktur der Serie mit einem besonderen Senderhythmus verbunden wurde; ab der zweiten Staffel änderte der Sender diesen Rhythmus jedoch zugunsten eines konventionelleren. Im deutschsprachigen Fernsehen wurde dies unterschiedlich gehandhabt (→ Sendekonzepte).
Aufgrund von sinkenden Einschaltquoten im Laufe der dritten Staffel kündigte HBO im März 2011 an, die Serie in der Form, wie sie in den ersten drei Staffeln zu sehen war, nicht mehr fortzusetzen. Man sei aber bemüht, die Serie in einer anderen Weise fortzuführen, da man von der Stärke der Geschichten überzeugt sei.
Erste Staffel Der etwa 50-jährige Psychotherapeut Dr. Paul Weston betreibt seine Praxis in Baltimore im Erdgeschoss des Hauses, das er mit seiner Familie bewohnt. Zur Familie gehören seine Ehefrau Kate, seine 17-jährige Tochter Rosie und sein neunjähriger Sohn Max. Sein ältester Sohn Ian geht aufs College und wohnt nicht mehr zu Hause. In 43 Folgen werden über einen Verlauf von neun Wochen erzählter Zeit (jeweils Montag bis Freitag) die Sitzungen von Pauls Patienten Laura, Alex, Sophie, Jake und Amy sowie Pauls eigene Besuche bei seiner pensionierten Kollegin Gina dargestellt. Privat machen Paul Eheprobleme mit Kate zu schaffen.
Laura Termin: montags, 9 Uhr
Laura ist eine 29-jährige Ärztin und schon ein Jahr in Behandlung bei Paul. Ihre Liebesbeziehungen mit Männern gestalten sich schwierig und enden für sie regelmäßig mit einer Enttäuschung. Zu Beginn der Handlung wurde sie gerade von ihrem Freund vor die Wahl gestellt: Heirat oder Trennung. Später wird eine andere Version der Geschichte ergeben, dass sie ihn zu diesem Ultimatum verleitet hat. Völlig aufgelöst erzählt sie, wie sie danach beinahe mit einem Fremden auf der Toilette einer Bar Sex gehabt habe. Sie gesteht Paul, dass sie in ihn verliebt sei und sagt, sie wolle mit ihm schlafen. Paul diagnostiziert einen Fall von erotischer Übertragung und versucht dieser zunächst professionell zu begegnen. Das fällt ihm zunehmend schwerer, als er erkennt, wie sehr er sich zu Laura hingezogen fühlt. Er und seine Frau Kate haben sich hingegen entfremdet. Sie wirft ihm vor die Familie zu vernachlässigen und teilt Paul mit, dass sie seit kurzem eine Affäre mit einem anderen Mann hat.
Laura reagiert mit Wut auf Pauls abweisende Haltung sowie den Vorschlag, die Therapie zu beenden, und meint, er traue sich nicht zu seinen Gefühlen für sie zu stehen. Spontan nimmt sie den Heiratsantrag ihres Freundes an, obwohl sie eine Ehe für einengend hält, und erscheint aus Protest zu spät zur Sitzung. Um Paul weiter zu provozieren, geht sie eine Beziehung mit Pauls Patienten Alex ein, den sie zufällig nach der Therapiestunde vor dem Haus trifft. Aufreizend und detailliert beschreibt sie in der Sitzung darauf ihre sexuellen Erlebnisse mit ihm und behauptet, sich trotz eines augenscheinlich missglückten Dates auf eine wundervolle Affäre zu freuen – tatsächlich endet diese in der Woche darauf schon wieder. Paul wirft ihr verletzt vor, dass sie sich an ihm rächen wolle. Laura sagt, sie halte ihn für innerlich tot und wolle ihm helfen, glücklich zu werden. Es gelingt Laura, ihm das Geständnis zu entlocken, dass er eine Vertrautheit zwischen ihnen spüre.
Zu Beginn der nächsten Sitzung möchte Paul den Abschluss der Therapie planen, doch Laura will die Behandlung schon nach dieser Sitzung beenden. Sie kommen auf eine für Laura unerträgliche Situation in ihrer Jugend zu sprechen: Nach dem Tod ihrer krebskranken Mutter musste sie sich mit 15 Jahren um ihren depressiven Vater kümmern. Paul hat als Kind ähnliche Erfahrungen mit seiner depressiven Mutter gemacht, nachdem sein Vater, ein Arzt, die Familie für eine seiner Patientinnen verlassen hatte. Laura berichtet dem schockierten Paul, dass sie damals von David, einem etwa 40-jährigen Freund ihres Vaters, der während einer Geschäftsreise bei ihnen im Haus lebte, entjungfert wurde und dass sie mehrmals mit ihm geschlafen hat. Einige Monate davor hatte sie unbeschwerte Ferien bei David und dessen Frau verlebt und begonnen für ihn zu schwärmen. Sie will sich nicht als Opfer sehen, da sie meint David verführt zu haben, und behauptet, sie habe den Sex genossen. Paul hingegen verurteilt dessen Handeln und vermutet, dass sie ihrem Vater Vorwürfe macht. Am Ende der Sitzung gibt Laura plötzlich zu, von ihren Gedanken an Paul so sehr abgelenkt gewesen zu sein, dass sie im Krankenhaus einen lebensbedrohlichen fachlichen Fehler gemacht habe. Das und die enttäuschte Hoffnung, sie und Paul würden ein Liebespaar, hätten sie veranlasst die Therapie zu beenden. Sie umarmt Paul zum Abschied und lässt ihn mitgenommen zurück.
Am folgenden Montag möchte Laura privat mit Paul über ihren Vater sprechen, dessen Gesundheitszustand sich verschlechtert hat. Auf Pauls Rat hin hat sie sich mit diesem erstmals über David unterhalten. Er sei nicht überrascht gewesen, aber sie will nicht glauben, dass er von den Vorgängen gewusst haben könnte. Paul hat der Gedanke sie niemals wiederzusehen verstört. Nun gesteht er ihr seine tiefen Gefühle für sie, was Laura aufgebracht für einen psychologischen Test hält. Letztlich überzeugt lässt sie sich unsicher auf die neue Situation ein. Als Paul sie umarmt, weil sie bei der Schilderung ihrer in Wahrheit als abstoßend empfundenen Entjungferung weinen muss, versucht sie ihn zu küssen. Er hält sie selbstbeherrscht davon ab, woraufhin Laura glaubt, er lehne sie ab. Paul versucht ihr zu erklären, dass eine Beziehung nicht richtig sei. Ihre Gefühle rührten daher, dass sie durch ihre Erlebnisse mit David Probleme habe, ein asexuelles Verhältnis zu Männern aufzubauen, und er wolle kein zweiter David für sie sein. Zum Abschied küsst er sie auf die Stirn. Als sie das Haus verlässt, begegnet sie im Vorbeigehen der eifersüchtigen Kate, die während der Sitzungen bei Gina von Laura erfahren hat.
Zwei Wochen später sehen sich Laura und Paul auf Alex’ Beerdigung, von der er sie telefonisch in Kenntnis gesetzt hat, wieder. Irrtümlich werden sie dort für ein Ehepaar gehalten. Paul erzählt Laura, wie unangenehm es ihm früher war, wenn Leute dachten die junge Frau seines Vaters sei seine Schwester. Laura fühlt sich nicht wohl in Gegenwart von Alex’ Frau und Familie und verlässt den Friedhof vorzeitig.
Ohne Laura fürchtet Paul plötzlich seine große Liebe verpasst zu haben. Von Gina dazu aufgefordert selbst herauszufinden, ob Laura für ihn die Richtige ist, verabredet er sich mit Laura für den Freitag der neunten Woche zu einem Gespräch in deren Wohnung. In einem Versuch sich einzureden, dass diese ihre Probleme überwunden habe, weil sie keinen weiteren Kontakt zu ihm aufgenommen hat, behauptet er, nun doch eine Beziehung zu wollen. Laura verweist nüchtern auf seine Erklärungen und bezweifelt, dass er dies wirklich will. Auf seine Versicherungen hin begibt sie sich jedoch ins Schlafzimmer. Paul, der ihr zögernd nachgegangen ist, bekommt eine Panikattacke, als sie sich auf dem Bett sitzend den Pullover auszieht, und verlässt fluchtartig die Wohnung.
Alex Termin: dienstags, 10 Uhr
Lieutenant Alex Prince Junior, 39 Jahre alt, ist ein ehrgeiziger afroamerikanischer Kampfpilot mit ‚cooler‘ Fassade, erschüttert durch eine Mission im Irak, bei der er auf einen irrtümlichen Befehl hin eine Koranschule für Jungen bombardiert hat. Kurz darauf erlitt er wegen selbstverschuldeter Überanstrengung beim Laufsport einen Herzinfarkt, musste wiederbelebt werden und ist seitdem beurlaubt. Daniel, ein befreundeter Arzt, hat ihm geraten einen Therapeuten aufzusuchen, bevor er seinen Plan, die Stelle des Bombenabwurfs zu besuchen, in die Tat umsetzt. Alex kämpft mit versteckten Schuldgefühlen angesichts der getöteten Kinder und hat außerdem Angst, schwul zu sein. Überlagert werden seine Probleme von der angespannten Beziehung zu seinem strengen und scheinbar gefühlskalten Vater. Paul fühlt sich wiederholt angegriffen von dem herablassend auftretenden Mann, der ständig nach Perfektion strebt und Pauls Fähigkeiten in Frage stellt. Er nimmt an, dass Alex statt sich gegenüber seinem Vater zu behaupten ihn bekämpft und dass die Therapie für ihn mit einer persönlichen Schwäche verbunden ist.
Angeblich möchte Alex Pauls Rat bezüglich seiner Reisepläne einholen, er hat jedoch schon beschlossen die Unglücksstelle aufzusuchen. Paul soll im Nachhinein die Verantwortung für seine Entscheidung übernehmen. Gleiches gilt für Alex’ Entschluss, seine Familie zu verlassen, als er bei der Rückkehr aus dem Irak realisiert, dass er seine Frau Michaela nie geliebt hat. Da sie beim Schlafen mit den Zähnen knirscht, erklärt er mit Verachtung, dass sie zu sehr nach Regeln lebe und im Schlaf von ihren unterdrückten Gefühlen verfolgt werde. Außerdem sei sie übermäßig darum besorgt, dass er bald wieder seinem Beruf nachgehe. Paul vermutet, dass Alex vor sich selbst wegläuft und in seine Frau Eigenschaften projiziert, die er an sich selbst hasst. Möglicherweise wolle er gar nicht wieder als Kampfpilot arbeiten. Alex bestreitet das, zieht zu Hause aus und bei dem schwulen Daniel und dessen Lebenspartner ein.