Unilever plc ist ein multinationaler Konzern mit Hauptsitz in London. Das Unternehmen ist weltweit einer der größten Hersteller von Verbrauchsgütern. Die Hauptgeschäftsbereiche umfassen die Produktion von Nahrungsmitteln, Kosmetika, Körperpflege- sowie Haushalts- und Textilpflegeprodukten. Unilever beschäftigte 2016 weltweit 168.000 Mitarbeiter in über 100 Ländern (1990 noch 304.000). In Deutschland waren 2013 rund 5.000 Mitarbeiter tätig (1962: 36.000 MA, 1990: 27.400 MA, Ende 2005: 8.000 MA). Die 2008 gebildete Unilever-Organisation für die Länder Deutschland, Österreich und Schweiz (D-A-CH) hat ihren Sitz in Hamburg, Wien und Thayngen (Kanton Schaffhausen).
Mit einem Umsatz von 60,6 Mrd. US-Dollar, bei einem Gewinn von 6,9 Mrd. USD, steht Unilever laut Forbes Global 2000 auf Platz 103 der weltweit größten börsennotierten Unternehmen (Stand: GJ 2017). Das Unternehmen kam Mitte 2018 auf eine Marktkapitalisierung von ca. 156 Mrd. USD.
Unilever ging 1929 aus der Fusion der ursprünglich niederländischen Margarine Unie mit dem britischen Seifen- und Waschmittelhersteller Lever Brothers hervor. Von 1929 bis 2020 war es eine Dual-listed Company, bestehend aus der niederländischen Unilever N.V. mit Sitz in Rotterdam und der britischen Unilever plc mit Sitz in London. 2020 wurde das niederländische Unternehmen auf die britische Gesellschaft verschmolzen.
Geschichte Vorgängergesellschaften (1888 bis 1929) Van den Bergh – Antoon Jurgens – Margarine Unie 1888 gründete der aus dem niederländischen Oss in Noord-Brabant stammende Margarinefabrikant Simon van den Bergh im niederrheinischen Kleve das Unternehmen Margarinewerke Van den Bergh für die industrielle Herstellung von Margarine,Barbara Anne Hendricks: Die Margarineindustrie am unteren Niederrhein im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Inaugural-Dissertation zur Erlangung der Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität zu Bonn, Bonn 1981. um auf diese Weise die hohen Schutzzölle des Deutschen Reiches auf Butter und Margarine zu umgehen.
Sein Landsmann Antoon Jurgens, der 1871 das Margarine-Patent des Hippolyte Mège-Mouriès gekauft hatte, errichtete unweit von Kleve in der Nachbarstadt Goch ebenfalls eine Fabrik zur Margarineherstellung. Später erwarb Jurgens zahlreiche Margarineproduktionsstätten in Deutschland; beispielsweise 1902 die Rossitzky & Witt G. m. b. H. in Altona, die Krog & Evers in Hamburg-Ottensen und 1904 den größten deutschen Konkurrenten, die bereits 1880 gegründete Bahrenfelder Margarinewerke A. L. Mohr G. m. b. H. in Hamburg-Bahrenfeld. Insgesamt gehörten Jurgens 1927 zwölf Fabriken im Deutschen Reich.Ronald Hartmann: Bergedorf - das waren noch Zeiten! S. 104–106 (books.google.de).Das Pfennig-Imperium In: Der Spiegel. 40/1960, 28. September 1960 (spiegel.de).vroniplag.wikia.orgFirmenschrift von A. L. Mohr: Margarine-Fabrik, Altona-Bahrenfeld, 1900. Im Jahr 1927 fusionierten die beiden Familienunternehmen Jurgens und van den Bergh zur Margarine Unie in Rotterdam und in London zur Margarine Union. Das deutsche Tochterunternehmen war Margarine-Union.
Lever Brothers William Hesketh Lever und sein Bruder James Darcy Lever gründeten 1885 die Seifenfabrik Lever Brothers, die zunächst in Warrington in Nordwestengland beheimatet war und später auf die Halbinsel Wirral westlich von Liverpool verlegt wurde. Ihr Produkt war innovativ, weil sie Palmöl statt Talg für die Seifenherstellung verwendeten, und fand großen Absatz. Die Gebrüder Lever gaben ihm den Namen „Sunlight Soap“ und errichteten als Wohnort für die Fabrikarbeiter die Modellsiedlung Port Sunlight. Als deren deutscher Ableger entstand 1899 in Mannheim die Sunlicht-Seifenfabrik, die im Jahre 1914 unter dem Eindruck einer drohenden Staatsenteignung – bedingt durch den Ersten Weltkrieg – an die Süddeutsche Disconto-Gesellschaft veräußert, 1916 in eine AG gewandelt und dann 1924 von Lever zurückgekauft wurde.Erich Hassinger, Hugo Ott: Geschichte, Wirtschaft, Gesellschaft, Duncker & Humblot (Berlin), 1974 (abgerufen am 10. März 2020)
1929/1930 vereinigten sich schließlich Margarine Unie und Lever Brothers Ltd. zu Unilever. Die Vereinigung stellte die bis dahin größte Unternehmensfusion dar.
Stagnation (1929 bis 1945) mini|Schicht’s Patent-Seife Parallel wurde 1929 aus dem Zusammenschluss von zehn Unternehmen, darunter die Georg Schicht AG, die Unilever Österreich gegründet, die 1938 – nach dem Anschluss Österreichs – in die Unilever Deutschland integriert wurde. 1932 waren 69 Unternehmen sowie weitere 31 im Besitz von Unilever. Dazu gehörte auch die 1916 gegründete Parfümerie Elida AG. 1935 kamen wegen strenger Devisenbestimmungen (eingeführt im Zuge der Weltwirtschaftskrise), die den Abfluss von Geldern aus Deutschland zum Mutterkonzern nach Rotterdam verboten, Unternehmen wie Langnese sowie Schmelzkäse-Hersteller, Textil- und Papierfabriken zum Unternehmen hinzu.
Expansion (1945 bis 1970) 1948 lief die Produktion in den meisten Betrieben wieder an. 1958 wurde die deutsche Margarine-Union von einer Aktiengesellschaft in eine GmbH umgewandelt. 1960 übernahm Unilever von der österreichischen Wiener Milchindustrie AG (MIAG) das 1927 gegründete Milcheis-Geschäft, das Speiseeis unter dem Markennamen „Eskimo“ vertrieb.
Die Langnese-iglo GmbH entstand 1962 aus einem Zusammenschluss der beiden Unilever-Gesellschaften Langnese Eiskrem GmbH (seit 1936 bei Unilever) und „Iglo GmbH“. Im August 2005 wurde die Langnese-iglo GmbH ein Teil der Unilever Deutschland GmbH und fungierte nicht mehr als eigenständiges Unternehmen.
Konsolidierung (ab 1970) Unilever trennte sich von unprofitablen Firmen, indem es etwa Textilfabriken verkaufte. Dieser Prozess der Umstrukturierung wurde auch in den 1980er Jahren fortgesetzt. Anschließend folgten Jahre des Wachstums, in denen Unilever viele Unternehmensbeteiligungen kaufte. Zu den Neuerwerbungen gehörten u. a. Marken wie Calvin Klein (Parfüm- und Kosmetiklizenz), Bestfoods (mit Maizena, Ubena und Knorr), Ben & Jerry’s, Slim-Fast und Amora Maille.
In den vergangenen Jahren verlor das Geschäft von Unilever an Marktanteilen, der Umsatz stagnierte. In Deutschland wurde dies u. a. auf den Bedeutungsverlust von Markenartikeln und die Marktanteilssteigerungen von Discountern zurückgeführt.
Im Jahr 2004 wurden mehrere Unilever-Marken, unter anderem Biskin (seit 1968 am Markt), Livio (seit 1958) und Palmin (seit 1894) an das Unternehmen Peter Kölln KGaA in Elmshorn verkauft.
In einem Restrukturierungsprozess wurde die Führung des Unternehmens verkleinert. Die in Schaffhausen ansässige Unilever Supply Chain Company AG wurde gegründet, der alle europäischen Werke gehören.Unilever Supply Chain Company
Nach 45 Jahren, am 9. Februar 2006, gab Unilever den Verkauf seiner europäischen Tiefkühlmarken Iglo und Birds Eye bekannt. Daher wurde am 1. Juli 2006 der Bereich Tiefkühlkost in die neu gegründete iglo GmbH ausgegliedert, die dann am 28. August für 1,73 Milliarden Euro an die britische Investmentgesellschaft Permira verkauft wurde.
Im Jahr 2014 veräußerte Unilever einen Mehrheitsanteil an Slim-Fast an die US-amerikanische Beteiligungsgesellschaft Kainos Capital.Unilever sells Slim-Fast to Kainos Capital, Unilever-Pressemitteilung vom 10. Juli 2014. Am 15. Dezember 2017 gab Unilever den Verkauf seiner Brotaufstrich-Sparte (darunter die Marken Rama, Becel, Lätta, Sanella sowie Phase, Beta und Botteram) für 6,825 Milliarden Euro an den Finanzinvestor KKR bekannt. Der Verkauf wurde am 2. Juli 2018 abgeschlossen. Ausgenommen war der Geschäftszweig Südafrika, der an Remgro verkauft wurde.Unilever to sell its Spreads business to KKR for €6.825 bn.
Unilever als rein britischer Konzern (seit 2020) Im Oktober 2020 billigten die Unilever-Aktionäre den Beschluss des Vorstands, die Doppelstruktur mit Sitzen in Großbritannien und den Niederlanden aufzugeben und künftig allein in London den Hauptsitz zu haben.End of an era as Unilever UK shareholders back unification plan (englisch), abgerufen am 15. Oktober 2020. Die Verschmelzung der niederländischen Unilever N.V. auf die britische Unilever PLC wurde am 30. November 2020 vollzogen. Seither ist Unilever ein rein britisches Unternehmen, die niederländische Unilever N.V. wurde aufgelöst.Completion of Unilever’s Unification, unilever.com, 30. November 2020.Unilever is now formally a British company, retaildetail.eu, 30. November 2020.
Im November 2021 verkaufte Unilever seine Teesparte mit den Marken Lipton, PG Tips, Pukka, T2 und TAZO an CVC Capital Partners. Ausgenommen davon ist das Teegeschäft in Indien, Indonesien und Nepal.
Im Februar 2023 verkaufte Unilever The Suave Company an Yellow Wood Partners
Im Dezember 2023 verkaufte Unilever die Sparte Elida Beauty (mit mehr als zwanzig Schönheits- und Körperpflegemarken, darunter Q-tips, Impulse, Caress, Tigi, Timotei, Monsavon, Brut, Moussel, Alberto Balsam und VO5) ebenfalls an Yellow Wood Partners. Ausgenommen sind die Marken Pond’s und St. Ives.
Im März 2024 wurde bekanntgegeben, dass das Geschäft mit Eiscreme (Marken u. a. Langnese, Magnum, Ben & Jerry’s) bis Ende 2025 in eine eigenständige Firma ausgelagert werden soll.hej/Reuters: Unilever spaltet Eisgeschäft ab bei Spiegel Online am 19. März 2024, abgerufen am 19. März 2024 Seit Juli 2025 operiert die Eissparte als The Magnum Ice Cream Company als eigenständiges Unternehmen in der Unilever-Gruppe.
Im März 2026 vereinbarte Unilever mit dem US-amerikanischen Gewürz- und Aromenhersteller McCormick & Company den Verkauf der Anteilsmehrheit an seiner Lebensmittel-Sparte (Unilever Foods). Unilever bleibt zunächst mit einem Minderheitsanteil beteiligt. Die Transaktion soll aus steuerlichen Gründen mittels des Verfahrens Reverse Morris Trust erfolgen und Mitte 2027 abgeschlossen sein.https://www.unilever.com/news/press-and-media/press-releases/2026/unilever-announces-the-combination-of-unilever-foods-with-mccormick/
Konzernüberblick Beschäftigte Unilever beschäftigte 2016 weltweit 168.000 Mitarbeiter in über 100 Ländern (1990 noch 304.000). In Deutschland waren 2013 rund 5.000 Mitarbeiter tätig (1962 waren es 36.000, 27.400 Beschäftigte 1990 und 8.000 Ende 2005).
Struktur Heute ist Unilever ein britischer Konzern. Zuvor hatte das Unternehmen ab seiner Entstehung durch Fusion 1929 bis Ende November 2020 eine Doppelstruktur aus zwei gleichberechtigten Konzernteilen mit eigenen Aktien (Dual-listed Company): die niederländische Unilever N.V. sowie die britische Unilever PLC. Es gab zwei Hauptversammlungen, zwei Unternehmenssitze in Rotterdam und London, jedoch war der Vorstand von beiden Unternehmen – in ähnlicher Konstruktion wie bis 2005 bei dem Unternehmen Royal Dutch Shell – identisch. Beide wurden ab 1. Januar 2019 von dem Schotten Alan Jope geleitet. Im November 2020 wurde die niederländische N.V. auf die britische PLC verschmolzen.
Die Aktien der Gesellschaft sind an der Londoner Börse im FTSE 100 notiert und wie vor der Fusion auch an der Amsterdamer Börse im AEX-Index. Zusätzlich ist die Unilever-Aktie noch an der New York Stock Exchange notiert.
Unilever ist ein Konglomerat und unterhält unter anderem folgende Tochterunternehmen:
Ben & Jerry’s, gegründet 1978, seit 2000 Bestandteil von Unilever Bestfoods, gegründet 1916, seit 2000 Bestandteil von Unilever Hindustan Unilever, gegründet 1933 Oswald Nahrungsmittel GmbH, gegründet 1951, seit 2000 Bestandteil von UnileverBeat Welti, CEO Oswald Nahrungsmittel, im Interview In: moneycab.com, 3. Oktober 2016, abgerufen am 4. Dezember 2017. Unilever Foodsolutions GmbH.
Standorte im deutschen Sprachraum Verwaltung mini|ehemaliger (von Juni 2006 bis Oktober 2020) Sitz der Hauptverwaltung (rechts) in Hamburg neben dem Marco-Polo-Tower (links)