Die Presse ist eine in Wien erscheinende überregionale österreichische Tageszeitung, die zur Styria Media Group gehört und gemäß ihrer Blattlinie eine „bürgerlich-liberale Auffassung“ vertritt.
Auflagen und Reichweiten + Reichweite laut ÖMAÖsterreichische Media-Analyse: Jahresberichte 2001 bis 2015/2016 (www.media-analyse.at) Jahr Reichweite Leser gesamt 2001 5,2 % 351.000 2002 5,3 % 361.000 2003 5,1 % 339.000 2004 4,4 % 299.000 2005 4,8 % 325.000 2006 4,3 % 300.000 2007 3,8 % 267.000 2008 3,4 % 241.000 2008/2009 3,8 % 265.000 2009 3,7 % 262.000 2009/2010 3,8 % 272.000 2010 3,8 % 271.000 2010/2011 3,8 % 271.000 2011 3,7 % 263.000 2011/2012 3,6 % 261.000 2012 3,7 % 266.000 2012/2013 3,8 % 274.000 2013 3,8 % 276.000 2013/2014 4,1 % 297.000 2014 4,2 % 302.000 2014/2015 4,0 % 291.000 2015 4,0 % 295.000 2015/2016 4,3 % 315.000 2016 4,0 % 296.000 2016/2017 4,1 % 306.000 2017 4,2 % 315.000 2017/2018 4,5 % 336.000 2018 4,6 % 346.000 2018/2019 4,6 % 345.000 2019 4,2 % 317.000 2019/2020 4,1 % 306.000 2020 4,3 % 323.000 2020/2021 4,1 % 311.000 2021 3,8 % 291.000
Laut Österreichischer Media-Analyse hatte Die Presse im Jahr 2017 durchschnittlich 315.000 Leser (4,2 % der österreichischen Bevölkerung) und lag damit hinter dem Kurier (545.000 Leser; 7,3 %) und dem Standard (480.000 Leser; 6,5 %). Mit täglich 66.670 verkauften Exemplaren im ersten Halbjahr 2021 lag sie hinter dem Kurier (114.019 Exemplare) und vor dem Standard (54.363 Exemplare). Die Druckauflage betrug 57.724 (Montag–Samstag) und 54.898 (Sonntag).
Die größten Reichweiten hat Die Presse, ähnlich den anderen Qualitätszeitungen, bei Lesern mit Matura oder Hochschulabschluss sowie bei Lesern mit einem Haushaltseinkommen von 3000 Euro (oder mehr) monatlich.
Im Jahr 2010 erhielt Die Presse 2,8 Millionen Euro aus der Presseförderung des Bundes und damit die höchste Presseförderung aller österreichischen Tageszeitungen.http://www.statistik.at/web_de/statistiken/bildung_und_kultur/kultur/buecher_und_presse/021218.html
Geschichte Die alte „Presse“ (1848–1896) mini|hochkant|Titelblatt der Erstausgabe vom 3. Juli 1848
Die Zeitung wurde zur Zeit der Märzrevolution 1848 vom Unternehmer August Zang nach Pariser Vorbildern (u. a. La Presse von Émile de Girardin) unter dem Namen Die Presse gegründet. Die erste Ausgabe erschien am 3. Juli – und war – im Vergleich mit anderen Zeitungsgründungen jenes Jahres – ein eher gemäßigtes bis konservatives Blatt. Nach Niederschlagung der Revolution und Einstellung der meisten Zeitungen geriet sie jedoch immer mehr an den „linken“ Rand, bis sie selbst am 8. Dezember 1849 von der Militärverwaltung Wiens wegen ihrer zunehmend oppositionellen Blattlinie eingestellt wurde. Zang versuchte zwar einen Neuanfang, indem er die Zeitung erneut von Brünn aus – wo kein Ausnahmezustand herrschte – herausgab, musste dieses Unterfangen jedoch im Dezember 1850 aufgeben.
Erst 1851 gelang es Zang, aufgrund persönlicher Beziehungen die behördliche Genehmigung zur Wiedererstehung der Presse zu erlangen, die ab dem 25. September wieder in Wien erschien. 1858 verkaufte Zang die Hälfte der Zeitung für 200.000 Gulden an die „Österreichische Creditanstalt für Handel und Gewerbe“.Edith Walter: Österreichische Tageszeitungen der Jahrhundertwende (Ideologischer Anspruch und ökonomische Erfordernisse). Verlag Böhlau, Wien 1994, S. 46.
Im Jahr 1864 kam es zum Zerwürfnis Zangs mit der Redaktion, die nahezu geschlossen austrat und die Neue Freie Presse gründete. Zang gelang es zwar, ein neues Redaktionsteam (u. a. Eduard Warrens) zusammenzustellen, doch verlor die alte Presse gegenüber der Neuen Freien Presse schon bald an Bedeutung. 1867 trennte sich Zang zur Gänze von der Presse, indem er seinen verbliebenen Anteil an die Regierung verkaufte. Diese führte das Blatt fortan unter der Leitung eines besonderen Konsortiums halbamtlich weiter und verkaufte ihrerseits 1888 den Anteil an eine Bank.Edith Walter: Österreichische Tageszeitungen … Seite 46. – Laut Walter sei der Verkauf „offenbar an die Rothschild-Bank“ – nämlich an die Österreichische Creditanstalt für Handel und Gewerbe – erfolgt. Die weiteren Ausführungen Walters lassen aber den Schluss zu, dass es sich auch um die Österreichische Länderbank gehandelt haben könnte. Die letzte Ausgabe erschien am 31. Oktober 1896, danach wurde die Presse endgültig eingestellt.
Die „Neue Freie Presse“ (1864–1939) mini|Kopf der Neuen Freien Presse, 1928 mini|Logo 2001 mini|Pavillon der Tageszeitung Neue Freie Presse bei der Weltausstellung 1873 in Wien
Die von den ehemaligen Redakteuren der Presse Michael Etienne und Max Friedländer sowie deren Administrationsleiter Adolf Werthner gegründete Neue Freie Presse (NFP) erschien erstmals am 1. September 1864. Sie etablierte sich bald als führendes Blatt der Habsburgermonarchie, das insbesondere vom liberalen Bildungsbürgertum gelesen wurde. Dies war nicht zuletzt den prominenten Autoren zu verdanken, die für die Zeitung arbeiteten, wie beispielsweise Karl Emil Franzos, Eduard Hanslick, Theodor Hertzka, Theodor Herzl, Hugo von Hofmannsthal, Felix Salten, Alice Schalek, Arthur Schnitzler, Berta von Suttner oder Stefan Zweig. Noch heute wird von der Presse gelegentlich darauf verwiesen, dass auch Karl Marx zeitweise als Korrespondent aus London für die NFP arbeitete; das Verhältnis war aber nur von kurzer Dauer und die Mehrzahl der von ihm verfassten Artikel wurden von der Redaktion nicht angenommen.
Nach Friedländers Tod (1872) wurde Etienne der Alleinverantwortliche des redaktionellen Teils der Neuen Freien Presse. Friedländers Anteile an der Zeitung übernahm die am 17. Juni 1873 gegründete Österreichische Journal-A.G., deren Kapitalgeber die Wiener Börsenbank bzw. in weiterer Folge die Anglo-Österreichische Bank war.Edith Walter: Österreichische Tageszeitungen …, S. 48.
1872 trat Moriz Benedikt in die Redaktion ein. Er übernahm nach Etiennes Ableben (1879) gemeinsam mit Eduard Bacher die Chefredaktion. Bacher (Chefredakteur ab 1. Mai 1879 und Herausgeber bzw. Co-Herausgeber seit 1888 der NFP) starb 1908; damit wurde Benedikt alleiniger Herausgeber der NFP und blieb dies bis zu seinem Tod im Jahr 1920.
Benedikt soll auch sämtliche Aktien der „Österreichischen Journal-A.G.“ erworben haben und so auch wirtschaftlich Herr über die Neue Freie Presse geworden sein. Ein diesbezüglicher Nachweis ist jedoch heute nicht mehr möglich.Edith Walter: Österreichische Tageszeitungen … S. 51.
Die Zeitung hatte zeitweise mehr als 500 festangestellte Journalisten. Sie wurde auflagenmäßig die drittgrößte Zeitung vor dem Ersten Weltkrieg (1904: 50.000 Exemplare, 1912: 66.000 Exemplare). Ihre bis dahin höchste Druckauflage (90.000 Exemplare) erreichte die Zeitung im Jahr 1920.
Karl Kraus kritisierte die Zeitung und ihren Herausgeber Benedikt ausgiebig. Für ihn stand fest, dass die „Tatsache, daß es keine Schlechtigkeit gibt, die der Herausgeber der Neuen Freien Presse nicht für bares Geld zu vertreten, und keinen Wert gibt, den er aus Idealismus nicht zu verleugnen bereit ist...“.Die Fackel. Nr. 376/377, 30. Mai 1913, XV. Jahrgang, S. 17. In seinem Stück Die letzten Tage der Menschheit bezeichnete er Benedikt als „Herrn der Hyänen“ und zitierte die Kriegsberichterstatterin der Neuen Freien Presse, „die Schalek“.
Nach dem Einmarsch der deutschen Truppen am 12. März 1938 und dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde die Zeitung „arisiert“: Die 22 Redakteure des insgesamt 37 Personen umfassenden Redaktionskollegiums, die nach der nationalsozialistischen Gesetzgebung als jüdisch galten, wurden am 13. März sofort entlassen. Darunter war auch der letzte seit 1918 amtierende Redakteur Julian Sternberg. An ihrer Stelle wurden 13 neue nichtjüdische Redakteure aus Österreich und Deutschland eingestellt. Als im Juni 1938 das Schriftleitergesetz in Österreich eingeführt wurde, wurden auch alle bis dahin noch verbliebenen Redakteure entlassen, die den Ariernachweis nicht erbringen konnten.Gerda Steingerber: Vernichtung, Vertreibung, Anpassung und Aufstieg von Journalisten im „Ständestaat“ und im „Dritten Reich“. Eine Analyse am Beispiel der Neuen Freien Presse (1933–1939). Dipl.-Arb., Wien 1991, S. 39.Fritz Hausjell: „Die undeutschen und zersetzenden Elemente in Österreichs Presse werden in kürzester Zeit restlos ausgemerzt sein.“ In: Fritz Hausjell, Wolfgang Duchkowitsch, Oliver Rathkolb (Hrsg.): Die veruntreute Wahrheit. Frankfurt am Main 1988, S. 183–186. Die Zeitung wurde unter nationalsozialistische Kontrolle gebracht und der Verlag, die Oesterreichische Journal A.G., am 18. Juni 1938 enteignet. Eine Neuerung im Blatt war die Einführung eines Impressums.
Die Neue Freie Presse erschien am 31. Jänner 1939 zum letzten Mal und wurde daraufhin mit dem populären Neuen Wiener Journal zum Neuen Wiener Tagblatt verschmolzen.Helmut W. Lang (Hrsg.): Österreichische Retrospektive Bibliographie (ORBI). Bearbeitet an der Österreichischen Nationalbibliothek. Reihe 2: Österreichische Zeitungen 1492–1945. Band 3: Bibliographie der österreichischen Zeitungen 1621–1945, N–Z. Verlag K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-23384-1, S. 34f. Die letzte Ausgabe des Morgenblatts der Zeitung erschien am 30. September 1938.
„Die Presse“ (seit 1946) Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die geistige Tradition unter Ernst Molden wieder aufgenommen. Anfangs hatte Molden viele Rückschläge einzustecken: Das Archiv der Zeitung war vernichtet, die Druckmaschinen von den Nationalsozialisten nach Oberschlesien abtransportiert; die Namensrechte der Zeitung waren in den Besitz eines Berliner NS-Verlegers gelangt.
Dennoch erschien am 26. Jänner 1946 die erste Ausgabe. Aufgrund der damaligen Papierknappheit wurde die Zeitung vorerst wöchentlich (jeden Donnerstag) herausgebracht. Sie war eine der ersten unabhängigen Zeitungsgründungen der Zweiten Republik. Seit dem 19. Oktober 1948 erscheint die Zeitung täglich, was zuerst einen massiven Auflage- und Abonnenten-Rückgang mit sich brachte und Die Presse in eine schwere finanzielle Krise stürzte. Fritz Molden, der Sohn des Herausgebers Ernst Molden, schaffte es 1950, einen Kredit über zwei Millionen Schilling in New York zu lukrieren und damit die Zeitung zu retten. Im Jahre 1952 übernahm er als Verlagsdirektor 50 Prozent der Zeitungsanteile, 1953, nach dem Tod von Ernst Molden, übernahm er die Chefredaktion.
Im so genannten Wiener Zeitungskrieg 1958 nahm Die Presse unter Fritz Molden eine Schlüsselrolle ein.
Im Jahre 1963 erfolgte die Umstellung auf das internationale Großformat. Im Jahre 1965 erwarb zwar die Bundeswirtschaftskammer einen Großteil der Zeitung. Der damalige Chefredakteur Otto Schulmeister hielt die Zeitung aber erfolgreich von der Bundeswirtschaftskammer unabhängig, arbeitete laut freigegebenen CIA-Akten jedoch unter dem Decknamen GRCAMERA der CIA zu.ORF.at: Christa Zöchling: In: profil-online. Ausgabe 17, 20. April 2009, abgerufen am 19. April 2009.
Im Jahre 1973 wurde Die Presse zusammen mit der Washington Post zur „Zeitung des Jahres“ gewählt. 1985 führte sie als erste in Europa im Ganzseitenumbruch die Datenfernübertragung zur Druckerei ein. Eine Formatänderung erfolgte 1993 vom Rheinischen auf das Berliner Format.
In den 1990er Jahren veränderte sich die Eigentümerstruktur. 1991 wurde die Styria Medien AG, die selbst im Wesentlichen (über 98 Prozent) der „Katholischer Medien Verein Privatstiftung“ gehört, mit 51 Prozent Mehrheitseignerin, im Dezember 1999 übernahm die Styria vom „Verein zur Förderung der freien bürgerlichen Presse in Österreich“ auch den Minderheitsanteil von 49 Prozent – seit diesem Zeitpunkt gehört der Presse-Verlag zur Gänze der Styria Medien AG. Im Herbst 2013 erhielt die Zeitung ein neues Erscheinungsbild mit optischen Anpassungen, welche vom Wiener Grafikdesigner Stefan Fuhrer begleitet wurden."Die Presse" gibt sich neues Erscheinungsbild (24. September 2013)DIE „PRESSE“ IM NEUEN DESIGN (3. Jänner 2014)
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