Das Domgymnasium Verden (kurz Dog oder DoG) ist ein humanistisches Gymnasium in Verden an der Aller. Es ist neben dem Gymnasium am Wall eines der beiden Gymnasien in der Stadt und gilt als eine der ältesten Schulen Deutschlands. Vorläuferin des heutigen Gymnasiums in der Nähe des gotischen Domes zu Verden war eine mutmaßlich bereits vor 1002 gegründete Lateinschule.
Geschichte
Gründungszeit Verden war nach der Aachener Synode von 789 als Bischofssitz zur Einrichtung einer Domschule angehalten. In der Chronik von Thietmar von Merseburg finden sich Belege für die Ausbildung eines adligen Skandinaviers zum Geistlichen durch Bischof Erp von Verden vor 994. Ausgehend von der Annahme, dass diese im Rahmen einer Klosterschule erfolgte, wird die Existenz einer Domschule in Verden vor 1002 abgeleitet. Über Umfang und Inhalte der Ausbildung liegen allerdings keine hinreichenden Belege vor.
Ab der Reformation Nach der Reformation wurde die bestehende Lateinschule 1578 durch Bischof Eberhard von Holle neu strukturiert und reformiert. Das Domkapitel und der Rat der Stadt Verden nannten die nunmehr protestantische Schule Schola Verdensis.https://www.domgymnasium-verden.de/about.html Die Schulräume wurden im ehemaligen Dormitorium eingerichtet. Anfangs wurden hier vier Klassen unterrichtet, eine fünfte Klasse kam 1651 hinzu. Wegen der steigenden Schülerzahl wurden die Räume mehrfach erweitert.
mini|Königl. Dom-Gymnasium Verden (Siegelmarke, zwischen 1850 und 1918) Im November 1872 erfolgte der Umzug in einen Neubau am heutigen Standort, der nur etwa 200 Meter vom Dom entfernt liegt. Die Schule hatte damals 215 Schüler und 13 Lehrkräfte.
Nachkriegszeit Das Gebäude von 1872 erhielt 1956 und 1979 weitere Anbauten. Nachdem die Koedukation eingeführt wurde, blieb in dem bis dahin nur für Jungen zugänglichen Gymnasium das Angebot in den alten Sprachen Latein und Griechisch erhalten. 2004 bekam das Gymnasium nach Abschaffung der Orientierungsstufe das Gebäude der ehemaligen Pestalozzischule hinzu, das etwa 200 Meter vom Stammhaus entfernt liegt. Der Anfang November 2005 begonnene Bau einer neuen Turnhalle, welche auch weitere Unterrichtsräume beherbergt, wurde im Januar 2007 abgeschlossen. Die alte Sporthalle wurde zwischenzeitlich vom Gymnasium am Wall benutzt, da deren Sporthallenkapazität nicht ausreichte. Im Sommer 2007 wurde sie dann abgerissen, wodurch Platz für eine Erweiterung des Pausenhofes geschaffen wurde.
Seit dem 18. Juli 2015 ist das Domgymnasium eine anerkannte UNESCO-Projektschule.
Zwei Vereine unterstützen das Domgymnasium heute finanziell. Der Verein ehemaliger Verdener Domgymnasiasten mit rund 1200 Mitgliedern besteht seit 1928. Die Aufgaben eines Fördervereins übernimmt der Schulverein des Domgymnasiums zu Verden.
Schulleben Seit einigen Jahren bietet das Domgymnasium auch eine Ganztagsbetreuung an. Neben den Pflichtfächern wird, größtenteils nachmittags, eine teilweise ungewöhnliche Auswahl an freiwilligen Arbeitsgemeinschaften angeboten. Darunter fallen unter anderem mehrere Chöre (Großer Chor, Junger Chor, Kammerchor) und Orchester (Sinfonia Piccola, Kammerorchester, Blasorchester) sowie Bands, Astronomie, Theater, Aquarien und Terrarien, Volieren, Schach oder Weinbau. Über 30 Jahre lang gab es eine Marionetten-Arbeitsgemeinschaft, die mehrfach auch im bundesweiten Wettbewerb um den Fritz-Wortelmann-Preis der Stadt Bochum erfolgreich war.Obernoltes Puppen kehren nach Verden zurück. In: Verdener Aller-Zeitung, online seit 1. Dezember 2022 Seit 1934 hat das Domgymnasium außerdem eine eigene Ruderriege.
Die Schule beherbergt eine große Anzahl an Tieren, wie beispielsweise Ziegen, Aras, Kleinpapageien, Fasane, Schlangen, Schildkröten, Fische und Bienen. Als humanistisches Gymnasium wird neben Latein auch Altgriechisch als Wahlsprache angeboten.
Die historische Bibliothek der Schule und ihre Arbeitsbibliothek haben zusammen rund 85.000 Bände. Dieser Buchbestand gilt als einer der größten an einer öffentlichen Schule in Deutschland. Der historische Buchbestand von etwa 25.000 Bänden beinhaltet insbesondere einen wertvollen Blaeu-Atlas von 1635.
Bekannte Personen Schulleiter 1578–1580: evtl. Bernhard Textor oder Konrad Hornemann 1580–1613: Detlev Rasch 1613–1649: Glaser 1649–1662: Solter 1662–1676: Johann Vagt gen. Vagetius 1676–1680: vakant 1680–1702: Johann Anton Pagendarm (1642–1702), Pädagoge 1702–1722: Fuhrmann 1723–1743: Justus Diederich Heidmann (1694–1743), Schüler, Philologe 1743–1778: Kolle 1778–1794: Johann Christian Meier (1732–1815), Pädagoge, Pfarrer und Schriftsteller 1794–1816: Schilling 1816–1832: Cammann 1833–1871: Hermann Gottlob Plaß, (1798–1872), einst ein Schüler des Domgymnasiums 1871–1875: Bernhardt 1876–1890: Freytag 1890–1912: Dieck 1912–1920: Franke 1920–1935: Paul Menge (Amtsenthebung durch die Nationalsozialisten)Verein ehemaliger Domgymnasiasten: Weihnachts-Rundschreiben 1966, S. 8 (Digitalisat).
Lehrer Ernst Friedrich Mylius (1710–1774), Konrektor (1738–1742), evangelisch-lutherischer Geistlicher und Hauptpastor in Hamburg Georg Heinrich Klippel (1801–1878), Konrektor (1833–1865), Philologe Wilhelm Pieper (1826–1898), Lehrer (1868–1870), Revolutionär Heinrich Otto Reddersen (1827–1908), Schüler, kurzzeitig Lehrer, Pädagoge Hugo Holstein (1834–1904), Oberlehrer (1875–1878), Philologe und Historiker
Schüler Barthold Nihus (1590–1657), katholischer Bischof Hermann Christian Hornbostel (1695–1757), evangelisch-lutherischer Geistlicher und Hauptpastor in Hamburg Johann Gotthard Schlichthorst (1723–1780), Superintendent am Bremer Dom Georg Wilhelm Friedrich Beneken (1765–1824), lutherischer Geistlicher, Philosoph und Publizist Johann Friedrich Basilius Wehber-Schuldt (1773–1840), Gutsbesitzer und Freimaurer Christian Georg Theodor Ruete (1810–1867), Professor der Ophthalmologie in Leipzig Friedrich Wyneken (1810–1876), deutsch-amerikanischer Missionar Christian Heinrich Plaß (1812–1878), Mitglied der Frankfurter Nationalversammlung und des Gothaer Nachparlaments Ludwig Heinrich Grote (1825–1887), Theologe und Publizist Johannes Samuel Büttner (1831–1905), lutherischer Geistlicher Marcus Lehmann (1831–1890), Rabbiner William von Hassell (1833–1915), Historiker Georg Hartwig (1840–1927), Theologe, Generalsuperintendent und Abt zu Loccum Carl Conrad Lueder (1840–1892), Konsul Ernst Friedrich Wyneken (1840–1905), evangelischer Theologe, Pädagoge, Schriftsteller, Philosoph und Sozialpolitiker Friedrich Hashagen (1841–1925), Theologe und Hochschullehrer Adolf Philippi (1843–1918), Altphilologe Carl Friedrich Müller (1844–1911), Germanist Wilhelm Walter (1846–1924), Theologe und Rektor der Universität Rostock Alexander von Dachenhausen (1848–1916), Oberleutnant, Genealoge, Heraldiker und Grafiker Wilhelm Fiehn (1851–1931), Schuldirektor Friedrich Kracke (1851–1939), sächsischer Generalmajor Gustav Roscher (1852–1915), Polizeipräsident in Hamburg Gustav Schaumann (1853–1918), Offizier Siegmund Seligmann (1853–1925), Kaufmann und Unternehmer, erster Generaldirektor der Continental AG August von der Wense (1854–1930), Rittergutsbesitzer und Mitglied des Deutschen Reichstags Johannes Meyer-Ellerhorst (1857–1933), Verwaltungsjurist, Präsident des Landesverwaltungsgerichts Oldenburg Otto Hohls (1862–1899), südafrikanischer Generalarzt Victor von Lepel (1863–1918), preußischer Generalmajor Carl Fiedler (1864–1955), Mediziner und Entomologe Otto Meyer (1865–1939), Industrieller Gustav von der Osten (1866–1923), Historiker, Gymnasialdirektor und Heimatforscher Heinrich Specketer (1873–1933), Chemiker Wilhelm Clausen (1878–1961), Mediziner Ernst Herzfeld (1879–1948), Archäologe, Altorientalist und Epigraphiker Dietrich Mahnke (1884–1939), Philosoph und Mathematikhistoriker Hans Wohltmann (1884–1968), Regionalhistoriker Johannes Wolff (1884–1977), evangelischer Theologe Adolf Heincke (1901–1986), Politiker (NSDAP) Ernst Klemeyer (1904–1992), Jurist und Politiker (NSDAP) Hans Maaß (1914–2000), Maler Dieter Dieckhoff (1929–2022), Politiker (CDU) Hanns Hoffmann (1930–2014), Architekt Gerold Becker (1936–2010), Rektor der Odenwaldschule (ab Minute 5:46) Hartwig Brandt (1936–2017), Historiker Jochen Goetze (1937–2022), Historiker Jürgen Debus (* 1939), Politiker (SPD) Axel Kühner (* 1941), Theologe und Publizist Gunter Mulack (1943–2023), Diplomat, deutscher Botschafter in Kuwait, Bahrain, Syrien und Pakistan, Direktor des Deutschen Orient-Instituts Manfred Hartmann (* 1950), Flottillenadmiral Peter Rabe (1951–2018), Politiker (SPD) Peter Waterhouse (* 1956), Schriftsteller Heinz-Dieter Freese (1957–2026), Theologe und Luftbildarchäologe Leontine von Schmettow (* 1962), JournalistinJörn Zweibrock: Einblicke hinter die Palastmauern. In: Weser Kurier, online seit Ende 2019
Literatur Paul Menge: Das Verdener Domgymnasium 1578–1928. Verden 1928.
Weblinks
Website des Domgymnasiums Verden Verein Ehemaliger Verdener Domgymnasiasten, u. a. Jahresrückblicke seit 1947
Einzelnachweise
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