Syke [] ist eine Stadt in Niedersachsen und Mittelzentrum im Norden des Landkreises Diepholz.

Der Name Syke ist abgeleitet von Siek (nds. für Quellgrund). Der Name wird von Einheimischen mit langem „ie“ ausgesprochen. Die irrige Aussprache als Süke [] durch Ortsfremde wird von Einheimischen teils mit niedersächsisch Süke oder Süük in Verbindung gebracht, was Seuche oder Krankheit bedeutet.

Geographie Geographische Lage Syke ist die größte Stadt und drittgrößte Kommune im niedersächsischen Landkreis Diepholz. Sie liegt im Osten des Naturparks Wildeshauser Geest, etwa 19 Kilometer (Luftlinie) südlich von Bremen. Die Stadt wird von der Hache durchflossen. Als „Stadt im Grünen“ wird Syke von den etwa 900 Hektar großen Staatsforsten Friedeholz und Westermark geprägt.

Syke liegt in einer Moränenlandschaft mit bewaldeten Höhen und eiszeitlichen Talmulden. Nordwestlich des Ortes liegt der Hohe Berg. Die Stadt lag an einem Heerweg zwischen Verden und Wildeshausen. Inseln im breiten Hachetal ermöglichten hier einen Übergang. Es wurde ein Bohlenweg gebaut. Dort, wo heute die „Hauptstraße“ in Syke verläuft, wurde ein Damm aufgeschüttet.

Klima Es herrscht gemäßigtes Seeklima, beeinflusst durch feuchte Nordwestwinde von der Nordsee. Im langjährigen Mittel erreicht die Lufttemperatur in Syke 8,5 bis 9 °C und es fallen etwa 700 mm Niederschlag. Zwischen Mai und August kann mit durchschnittlich 20 bis 25 Sommertagen (klimatologische Bezeichnung für Tage, an denen die Maximaltemperatur 25 °C übersteigt) gerechnet werden.

Stadtgliederung Die Stadt gliedert sich in die Ortsteile: Barrien (5.031) Gessel (2.197) Gödestorf (413) Heiligenfelde (1.462) Henstedt (421) Jardinghausen (269) Okel (1.169) Osterholz (372) Ristedt (1.366) Schnepke (443) Steimke (891) Syke (Zentrum) (10.945) Wachendorf (516) (Einwohner mit Hauptwohnsitz aller Ortsteile per 30. Juni 2022)

Geschichte mini|Der bronzezeitliche Goldhort von Gessel mini|Merian-Stich von Syke um 1654 mit dem Amtshof links und dem Dorf rechts mini|Syke in der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1773 mini|Der auf dem Gelände der Burg Syke entstandene Amtshof auf einem Merian-Stich um 1654, rechts der Ringwall mini|Ringwall auf dem früheren Burggelände, dem späteren Amtshof

Vorzeit Die Geest zwischen Hunte und Weser (überwiegend der Bereich der Delmenhorster, daneben auch der Bereich der Syker Geest) ist ein alter Siedlungsraum mit langer Besiedlungsgeschichte. Funde aus der Steinzeit, Bronzezeit und Eisenzeit sind im Kreismuseum in Syke, im Heimatmuseum Nienburg und im Focke-Museum in Bremen ausgestellt. 2011 wurde in der Feldmark beim Ortsteil Gessel der bronzezeitliche Goldhort von Gessel als einer der größten prähistorischen Goldhorte in Mitteleuropa gefunden. Die Entdeckung erfolgte bei archäologischen Prospektionen vor dem Bau der NEL-Erdgasleitung.Goldfund: Einst Gabe für die Götter? in: kreiszeitung.de vom 25. Oktober 2011 Bereits in vorchristlicher Zeit waren die Höhen beidseits des Hachetals durch germanische Bauern – Angrivarier und Chauken – besiedelt. Bei anderen archäologischen Untersuchungen wurde bei Gessel ein germanisches Gräberfeld aus der Römischen Kaiserzeit des 2. und 3. Jahrhunderts entdeckt.Trotz 2000 Jahren Ackerbaus ein unversehrtes Gräberfeld in: kreiszeitung.de vom 20. Mai 2011

Ab 300 n. Chr. wanderten Sachsen in die Region ein. Sie organisierten die Region politisch in Gaue mit Thingverfassungen. Der nördliche Bereich zwischen den Flüssen Hunte und Weser wurde zum Largau und Lerigau. Während der Karolingerzeit wurde der wichtige Hacheübergang in Syke als Ringwall gesichert. Der Wall diente als Grundlage für den Bau der späteren Syker Burg.

Mittelalter Um 800 n. Chr. wurde Sachsen von den Franken unter Karl dem Großen erobert und die Bevölkerung zwangschristianisiert. Die weltliche Gewalt der Things ging auf die Grafen über. Der Largau wurde zur Grafschaft Oldenburg-Wildeshausen. Ein Oldenburger Graf aus der Bruchhauser Linie errichtete um 1270 die Burg Syke, um seine Interessen gegen die Bremer Bischöfe zu sichern. Der Bau der Burg begünstigte die Siedlungsentwicklung in Syke. Seitdem war Syke Sitz der gräflichen Vögte und Amtsmänner und die Burganlage wurde zum Verwaltungssitz ausgebaut und verstärkt, nachdem Syke 1259 an die Herrschaft Neubruchhausen gefallen war. Die erste urkundliche Erwähnung Sykes stammt aus dem 13. Jahrhundert. Die früheste schriftliche Erwähnung der Burg stammt aus dem letzten Drittel des 14. Jahrhunderts. 1384 ging sie in den Besitz der Hoyaer Grafen über. 1582 gelangte sie nach dem Aussterben des Grafengeschlechts in die Hände welfischer Herzöge. 1633, in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges, soll die Anlage zum Teil geschleift worden sein.

1520 wurde Syke als Flecken bezeichnet.

Die Burg Syke wurde innerhalb des bereits bestehenden Syker Ringwalls errichtet, der einen Umfang von rund 400 Meter hatte.Laut einem Inventarium vom April 1583. Trotz archäologischer Untersuchungen ist die Frage nach dem Alter des etwa zur Hälfte erhaltenen Ringwalls unbeantwortet geblieben. Die ältesten Funde werden dem 13. Jahrhundert zugeschrieben. Das Burgterrain bot 18 Gebäuden Platz, vom Schweinestall bis zum Renaissancebau des großen Haupthauses. Es war von zwei Wassergräben umschlossen und nur über eine Zugbrücke zu erreichen. Das Kornzinshaus auf dem Burggelände wurde 1592 errichtet und ist der älteste Profanbau im Syker Stadtgebiet. Der Herzog herrschte von 1589 bis 1623 über den Verwaltungsbezirk Amt Syke.

Als Folge der Absetzung des Welfenherzogs Heinrich des Löwen durch den Staufenkaiser Barbarossa entstand um 1200 an der Weser die Grafschaft Hoya. Die Hoyaer Grafen verlegten ihre Residenz bald nach Nienburg und erwarben Ländereien westlich der Weser, so auch Syke.

In der Weserbrückenliste von um 1225, die den Ort erstmals erwähnt, taucht die heute gültige Version des Namens auf. Die Schreibweise hat sich mehrfach geändert. In einer Landkarte von 1768 bis 1773 steht Sycke, während westlich das Sieksche Feld und nördlich die Syker Riede liegen.

1350 und 1464 wütete die Pest, die nur wenige Einwohner von Syke überlebten. 1423 wurde Syke durch die Oldenburger Grafen geplündert. 1520 wurde Syke Flecken. 1525 erreichte die Reformation den Ort.

Neuzeit mini|hochkant|Die evangelisch-lutherische Christuskirche in Syke 1582 fiel die verwaiste Grafschaft an die Herzöge von Celle-Lüneburg. Sie waren von 1692 bis 1815 Kurfürsten (Braunschweig-Lüneburg bzw. Hannover) und bis 1866 Könige vom Königreich Hannover.

Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde Syke 1628 von Truppen der Katholischen Liga unter dem Feldherrn Tilly gebrandschatzt. Auch die Dänen verwüsteten damals den Ort.

1718 erhielt Syke das Marktrecht. Im gleichen Jahr fiel Syke einem durch Blitzeinschlag verursachten Brand zum Opfer. 1740 wurde Syke Poststation mit Relaisstation.

Während der Besetzung durch die Franzosen unter Napoleon (1803–1813) gehörte das Territorium beidseits der Weser mit Syke zu Frankreich. Für Napoleons Russlandfeldzug wurden Syker für die Grande Armée der Franzosen rekrutiert. Während der Einquartierung französischer Soldaten brannten am 2. April 1808 in Syke 83 Gebäude nieder, nur wenige Häuser blieben vom Feuer verschont.

1866 wurde Syke preußisch als Teil der Provinz Hannover. 1885 wurde der Kreis Syke durch Zusammenlegung der Ämter Freudenberg und Syke gebildet und Sitz eines Landrates.

Ab 1873 bekam Syke seinen Bahnhof mit dem Bau der Strecke Osnabrück–Bremen als Teil der Hamburg-Venloer Eisenbahn. 1900 wurde eine Schmalspurbahn nach Hoya gebaut, die erst 1965 auf Normalspur umgespurt wurde.

Der Flecken Syke lag am westlichen Hacheufer: am östlichen Hacheufer die Kolonie Syke, die aus einer 1790 gegründeten bäuerlichen Siedlung hervorgegangen war. 1897 wurde die Kolonie Syke mit dem Flecken Syke vereinigt. 1929 erhielt Syke das Stadtrecht. 1900 hatte Syke 2000 Einwohner.

Durch die preußische Verwaltungsreform von 1932 wurde Syke Kreisstadt des neu gebildeten Landkreises Grafschaft Hoya, der aus der Zusammenlegung des Landkreises Hoya und des Landkreises Syke entstand. 1946 wurde Syke Teil des neu gegründeten Landes Niedersachsen. Mit der Flüchtlingswelle nach dem Zweiten Weltkrieg verdoppelte sich die Einwohnerzahl 1945. 1974 entstand die heutige Stadt aus der bisherigen Stadt Syke und zwölf bis dahin selbstständigen Umlandgemeinden. Bis 1977 war Syke Kreisstadt des Landkreises Grafschaft Hoya. Nach der Kreisreform 1977/78 befand sich eine große Außenstelle der Verwaltung des Landkreises Diepholz in Syke. 2004 zentralisierte der Landkreis seine Verwaltung in Diepholz. Im ehemaligen Syker Kreishaus haben sich andere Behörden und Einrichtungen angesiedelt. Heute befindet sich dort auch eine Zweigstelle des Syker Gymnasiums.

Die Fahrzeughalle des Feuerwehrhauses im Stadtgebiet Syke brannte im Dezember 1994 und erneut im Januar 2009 komplett nieder.

Das Kfz-Kennzeichen des Landkreises Grafschaft Hoya war SY. Nach der Verwaltungsreform 1977 wurde dieser Landkreis unter den Landkreisen Nienburg, Oldenburg und Diepholz aufgeteilt. Da der ehemalige Landkreis Grafschaft Hoya überwiegend landwirtschaftlich geprägt ist, kann man vereinzelt auf landwirtschaftlich genutzte Fahrzeuge bzw. Anhänger treffen, die noch das Kennzeichen SY tragen. Seit April 2018 wird das Autokennzeichen SY wieder ausgegeben.Nummernschild: Bekommt Syke sein SY zurück? bei ndr.de vom 6. März 2018

Eingemeindungen Am 1. März 1974 wurden die Gemeinden Barrien, Gessel, Gödestorf, Heiligenfelde, Henstedt, Jardinghausen, Okel, Osterholz, Ristedt, Schnepke, Steimke und Wachendorf eingegliedert und sind weiterhin Ortsteile von Syke.

Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von Syke von 1961 bis 2017 Jahr Einwohner 1961 16.203 1970 17.013 1979 19.413 1987 18.796 1992 21.411 Jahr Einwohner 1997 23.340 2002 23.786 2010 24.341 2017 24.346

(1961 am 6. Juni und 1970 am 27. Mai, jeweils in den heutigen Grenzen, ab 1987 jeweils am 31. Dezember)LSKN-Online

Politik Stadtrat

Am 12. September 2021 wurden in Niedersachsen neue Kommunalparlamente gewählt. Der Rat der Stadt Syke hat seither 34 Ratsmitglieder. Zudem ist die Bürgermeisterin qua Amt stimmberechtigt. Die Sitze im Rat teilten sich nach der Kommunalwahl 2021 wie folgt auf: FWG 9 Sitze CDU 8 Sitze SPD 8 Sitze Grüne 5 Sitze FDP 2 Sitze Linke 1 Sitz dieBasis 1 Sitz

Derzeitiger Bürgermeister mini|Rathaus der Stadt Syke von 1983 Seit 26. September 2013 ist Suse Laue Bürgermeisterin der Stadt Syke. Sie ist Mitglied der SPD, trat aber als unabhängige Kandidatin an. Bei ihrer ersten Kandidatur 2013 wurde sie von SPD, Grünen und der Wählergemeinschaft SYKEplus unterstützt. Sie gewann die Bürgermeisterwahl am 22. September 2013 mit 54,3 % gegen drei Mitbewerber. Die Wahlbeteiligung lag bei 72,2 %. Bei der Bürgermeisterwahl am 12. September 2021 wurde Laue mit 82,36 % der Stimmen wiedergewählt. Es gab einen Gegenkandidaten. Die Wahlbeteiligung lag bei 59,17 %.

Bisherige Bürgermeister ~1820 (fast 30 Jahre): Arthur Christoph Fricke 1868–1888: Karl Balk 1888–1908: Johann Meyer 1908–1932: Hinrich Hanno 1932–1937: Friedrich Rittmeister 1937–1940: Bodo Habild 1940–1943: Johann Wrede 1943–1944: Friedrich Jürgens 1945–1946: Bernhard Poelder 1946: August Mavers 1946–1948: Heinrich Wilde 1948–1951: Heinrich Otersen 1951–1954: Heinrich Denghausen 1954–1956: Friedrich Jürgens 1956–1968: Wilhelm Ohse 1968–1974: Ferdinand Salfer 1974: Dietrich Schumacher 1974–1986: Heinz-Friedrich Struß 1986–1991: Walter Huntemann 1991–1993: Wilhelm Vogel 1993–2000: Brigitte Haase 2000–2001: Uwe Rüte 2001–2013: Harald Behrens (FDP) seit 2013: Suse Laue (SPD)

Ortsräte Seitdem sich die Stadt Syke 1974 mit den zwölf umliegenden Landgemeinden zusammenschloss, werden in zehn der vormals eigenständigen Gemeinden Ortsräte zur Vertretung der Interessen der einzelnen Ortschaften gewählt. Jeder Ortsrat setzt sich aus fünf Mitgliedern zusammen.