mini|Schloss Iburg mit dem Bennoturm; davor der Charlottensee mini|Kalksteinbruch am Langenberg 1906
Bad Iburg (bis 1967 Iburg) ist eine Kleinstadt und ein staatlich anerkannter Kneippkurort im Südwesten des Landkreises Osnabrück in Niedersachsen.
Bedeutendstes Bauwerk ist das über der Stadt thronende Schloss Iburg mit ehemaliger Benediktinerabtei, das über sieben Jahrhunderte die Residenz der Osnabrücker Bischöfe war.
Bad Iburg gehörte zur Westfälischen Hanse und ist seit 1980 Mitglied der Neuen Hanse.
Durch Bad Iburg führt die Friedensroute, ein Radwanderweg, der an den Friedensschluss von 1648 zur Beendigung des Dreißigjährigen Kriegs erinnert, der in Osnabrück und Münster verhandelt wurde. Der Hermannsweg, ein Wanderweg, führt durch das Gebiet der Stadt auf dem Dörenberg und dem Großen Freeden.
Im Sommerhalbjahr 2018 (18. April bis 14. Oktober) wurde in der Stadt die Niedersächsische Landesgartenschau veranstaltet.
Geografie Geografische Lage Der Teutoburger Wald bedeckt etwa die nördliche Hälfte Bad Iburgs. Die Stadt ist eine der waldreichsten Kommunen im westlichen Niedersachsen. Höchste Erhebung ist der Dörenberg (331,2 Meter) an der Nordgrenze der Stadt. Im Stadtgebiet liegt der Freeden mit dem Großen Freeden (269 Meter) und dem Kleinen Freeden (200 Meter), welcher zum Europäischen Naturerbe gehört. Nahe dem Freeden ist außerdem der Hohnsberg (241,9 Meter), an dem die Düte entspringt. Der Berg wurde seit dem 19. Jahrhundert geologisch erforscht und trägt mit dort gefundenen Fossilien wie der Farnwedel-Versteinerung Zamites iburgensis Hosius u. v. d. Marck und dem Muschel-Fossil Pinna iburgensis Weerth den Namen des Fundorts in die Welt der geologischen Wissenschaft. Teilweise zum Stadtgebiet gehört der dem Hohnsberg benachbarte Limberg (194,3 Meter), an dem 1910 der Zeppelin LZ 7 „Deutschland“ abstürzte. Nordwestlich des Stadtzentrums befindet sich der Urberg (213 Meter), an dem sich von 1964 bis 1998 ein katholisches Mütter-Kurheim befand. An mehreren Bergen im Iburger Stadtgebiet wurde im 19. und 20. Jahrhundert Kalkstein abgebaut, so am Hagenberg (139,2 Meter) und am Langenberg (206 Meter).
Die südlichen Stadtteile sind dem Münsterland benachbart. Im Staatsforst Palsterkamp bei Glane entsteht durch den Zusammenfluss von Kolbach und Fredenbach die Glane, hier noch Glaner Bach genannt.
Nachbargemeinden Bad Iburg grenzt im Norden an Hagen am Teutoburger Wald und Georgsmarienhütte, im Osten an Hilter am Teutoburger Wald, im Süden an Bad Laer und Glandorf sowie im Westen an das nordrhein-westfälische Lienen (Kreis Steinfurt).
Stadtgliederung Bad Iburg mit Mäscher Glane Ostenfelde Sentrup Visbeck
Geschichte mini|Schloss und Kloster Iburg vor 1752, Ausschnitt aus einer Federzeichnung von Renier Roidkin
Die Fränkischen Reichsannalen erwähnen eine Iburg 753, als dort der Erzbischof von Köln Hildegar von den Sachsen getötet wurde.Kohl, Westfälische Geschichte, 1983, Bd. I, S. 280, Zitat: „..castrum Iuberg (vielleicht eher die engrische Iburg bei Bad Driburg als jene westfälische bei Osnabrück)..“ 772 eroberte Karl der Große die erhabene Königsburg Iburg gegen seinen Widersacher Herzog Widukind. Zum zweiten Mal eroberten 783 fränkische Soldaten die Iburg. Über die Region hinaus erhielt Iburg Bedeutung im elften Jahrhundert. Bischof Benno I. errichtete zwischen 1052 und 1068 eine Burg. Der bedeutendste Bauherr war Bischof Benno II., der erste Bischof des Osnabrücker Landes. Er ließ 1068 bis 1088 auf den Trümmern der alten Karlsburg eine Stiftsburg und ein Benediktinerkloster errichten. Benno hatte besonderes historisches Gewicht durch seine Vermittlung im Investiturstreit zwischen dem deutschen König Heinrich IV., seinem Freund, und Papst Gregor VII. beim Gang nach Canossa im Jahr 1077.
Um 1100 wurde die Iburg nach dem großen Brand in Osnabrück ständiger Wohnsitz der Osnabrücker Bischöfe.
Im Jahr 1226 wurde der Bau der Fleckenskirche St. Nikolaus begonnen. Damit erhielten auch die Menschen, die sich am Fuß des Burgberges angesiedelt hatten, eine eigene Kirche. 1254 erhielt Iburg durch Fürstbischof Bruno von Isenberg Stadtrechte; er befestigte den Ort. 1293 wurde Iburg als „oppidum“, als stadtähnliche Siedlung, mit einer „porta“ im Osten erwähnt. Blitzschlag und ein dadurch verursachtes Feuer zerstörten 1349 die Burg und das Kloster.
Im Jahr 1359 erhielt Iburg das Wigboldprivileg. Damit wurden Burg und Ortschaft mit einem Rat und gemeinsamer Verfassung zusammengeführt. Der Flecken wurde 1455 bis 1482 unter Fürstbischof Konrad III. mit Mauern umgeben; drei Tore ermöglichten den Zugang. Eine Wasserversorgung erhielt Iburg 1518, als Prior Frerking eine Wasserleitung von Dörenberg zum Kloster legen ließ. 1534 wurden die Täufer von Münster auf Veranlassung von Bischof Franz von Waldeck im Bergfried des Schlosses, dem so genannten Bennoturm, gefangen gehalten und bis auf einen später hingerichtet. Siehe auch: Täufer im Bergfried des Iburger Schlosses
1552 wurde südlich des Fleckens Burg Scheventorf als Wasserburg erbaut.
Feuer vernichtete 1585 im Flecken Iburg 53 Wohnungen mit Nebengebäuden und Stallungen, also etwa die Hälfte der Wohngebäude.
1625 wurde Franz Wilhelm von Wartenberg, der aus einer Nebenlinie der Wittelsbacher stammte, Bischof von Osnabrück. 1633 besetzten schwedische Truppen Iburg und schenkten die Burg Gustav Gustavson. mini|hochkant|Sophie Charlotte, die spätere erste Königin in Preußen, wurde 1668 in Iburg geboren Im Westfälischen Frieden zu Münster 1648 wurde wegen der konfessionellen Vermischung als Kompromiss die „Alternatio“ (Wechselfolge) erarbeitet. Katholische und evangelische Fürstbischöfe wechselten sich damit ab. Erster evangelischer Landesbischof wurde Kurfürst Ernst August I. von Braunschweig-Lüneburg.
1650 kehrte Fürstbischof Franz Wilhelm von Wartenberg in die Residenz in Iburg zurück.
1657 erhielt der Flecken Iburg das Privileg zur Abhaltung eines Jahrmarktes.
1662 wurde Kurfürst Ernst August I. von Braunschweig-Lüneburg erster evangelischer Fürstbischof von Osnabrück, entsprechend dem Friedensvertrag von 1648, der einen Wechsel zwischen katholischen und evangelischen Bischöfen vorsah. 1668 wurde seine Tochter Sophie Charlotte auf der Iburg geboren. Sie wurde später erste Königin in Preußen, Mutter des Soldatenkönigs und Großmutter Friedrichs des Großen. Nach ihr sind auch das Schloss Charlottenburg und der gleichnamige Stadtteil in Berlin benannt. 1672 endete die Ära der Osnabrücker Bischöfe in Iburg, als Ernst August I. das neue Schloss Osnabrück bezog. Die Iburger Residenz wurde aufgegeben.
Zwischen 1750 und 1755 wurde auf dem Burgberg ein großzügiger barocker Klosterneubau durch den westfälischen Barockbaumeister und kurfürstlichen General Johann Conrad Schlaun errichtet. Das Kloster bestand noch bis 1803, als es aufgrund der Säkularisation aufgehoben wurde. 1885 nahm die Verwaltung des Kreises Iburg ihren Sitz im Schloss.
Mit der Gründung des Verschönerungsvereins im Jahr 1887 wurde im Flecken die erste Grundlage für die spätere touristische Entwicklung gelegt. Der Verein machte es sich zur Aufgabe, Wanderwege anzulegen und Ruhebänke aufzustellen.
mini|hochkant|Schnautgangstein am Dörenberg Am 28. Juni 1910 strandete das Luftschiff LZ 7 „Deutschland“ am Limberg. Menschen kamen bei diesem Zeppelin-Unglück nicht zu Schaden.
1929 wurde die Bauerschaft Mäscher nach Iburg eingemeindet. 1932 wurde der Kreis Iburg aufgelöst; der Sitz des Landrats befand sich fortan in Osnabrück.
1932 und 1933 wurde der Charlottensee am Fuße des Schlossbergs angelegt. Initiator war der Iburger Kurverein, der auf Anregung des späteren Ehrenbürgers Robert Hülsemann 1932 gegründet worden war.
1934 wurde im Schloss Iburg die SA-Sportschule eingerichtet, die bis 1939 bestand. Von 1942 bis 1945 befand sich im Schloss die Deutsche Heimschule Schloß Iburg. 1948 wurde die Niedersächsische Heimschule Iburg im Schloss untergebracht. Sie bestand bis 1971.
Britische Truppen besetzten Iburg in der Osterwoche 1945 kampflos. Zuvor hatte Bürgermeister Hermann Rinklake die letzten Soldaten der Wehrmacht dazu veranlasst, den Flecken zu verlassen. Rinklage wurde am 3. September 1946 auf Beschluss des Gemeinderats zum Ehrenbürgermeister ernannt.
1953 wurde aus der Sommerfrische aus der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg und dem Luftkurort der 1920er Jahre der Kneipp-Kurort Iburg.
1959 erhielt Iburg wegen seiner bedeutenden geschichtlichen Vergangenheit im Mittelalter die Stadtrechte wiederverliehen.
1964 wurde am Urberg ein katholisches Mütter-Kurheim eröffnet, das bis 1998 bestand.
1967 erhielt Iburg die Staatliche Anerkennung als Kneippheilbad; seitdem darf der Ort den Namenszusatz „Bad“ führen.
Von 1973 bis 2004 war im Iburger Schloss eine Ausbildungsstätte der Polizeischule des Landes Niedersachsen untergebracht.
1980 besiegelten Bad Iburg und der Berliner Bezirk Charlottenburg ihre Städtepartnerschaft. Sie wurde am 10. November beurkundet. Als Zeichen der Verbundenheit wurde die Rennbahn um den Charlottensee in Charlottenburger Ring umbenannt.
In jüngerer Zeit wurde in Bad Iburg die Tradition des Schnatgangs wiederbelebt. Auf dem Karlsplatz des Dörenbergs wurde zur Erinnerung an den Schnautgang 2002 ein Gedenkstein aufgestellt.
Trotz der Förderung (Bad) Iburgs als Kurort über Jahrzehnte hinweg befindet sich der Gesundheitssektor der Stadt – wie andere traditionelle Kurorte auch – in einer Krise: Über ein Allgemeinkrankenhaus verfügt die Stadt nicht mehr, seit das katholische St. Franziskus-Krankenhaus in ein Alten- und Pflegeheim umgewandelt wurde. Das Sanatorium Kassen, ehemals eine Kurklinik, wurde ein Wohnheim für psychisch behinderte Menschen umgewandelt.Sanatorium Kassen
2018 machte die Schließung eines Rinderschlachthofs in Bad Iburg überregional Schlagzeilen, nachdem die Münchner Tierrechtsorganisation „Soko Tierschutz“ mit Videoaufnahmen gravierende Verstöße gegen das Tierschutzgesetz aufgedeckt hatte. Die zuständigen Veterinärmediziner des Landkreises Osnabrück wurden entlassen; bis August 2022 wurden 48 Verfahren geführt, die zumeist mit Geldstrafen endeten. Ende August 2022 wurden drei Angeklagte – der frühere Geschäftsführer und zwei Beschäftigte – vom Amtsgericht Bad Iburg zu Haftstrafen auf Bewährung sowie Geldstrafen verurteilt.
Eingemeindungen Am 10. Oktober 1929 wurde die Gemeinde Mäscher in den damaligen Flecken Iburg eingemeindet. Am 1. Juli 1970 wurden die Gemeinden Glane-Visbeck, Sentrup und Ostenfelde zur Gemeinde Glane zusammengeschlossen. Am 1. Juli 1972 wurde die Stadt Bad Iburg mit der Gemeinde Glane vereinigt und die Einheitsgemeinde Bad Iburg gegründet.
Einwohnerentwicklung mini|Bevölkerungsentwicklung in Bad Iburg seit 1987
Die folgende Übersicht zeigt die Einwohnerzahlen von Bad Iburg im jeweiligen Gebietsstand und jeweils am 31. Dezember.
Bei den Zahlen handelt es sich um Fortschreibungen des Landesbetriebs für Statistik und Kommunikationstechnologie Niedersachsen auf der Basis der Volkszählung vom 25. Mai 1987.
Bei den Angaben aus den Jahren 1961 (6. Juni) und 1970 (27. Mai) handelt es sich um die Volkszählungsergebnisse einschließlich Glane. Jahr 1961 1970 1987 1990 1995 2000 2005 2010 2011 2015 2017 2018 2019 Einwohner 6.069 6.964 9.815 10.416 11.371 11.708 11.535 11.560 11.601 10.548 10.599 10.661 10.636
Ortsname Frühere Ortsnamen von Iburg waren in den Jahren 753 Iuburg, 754 Iburg, 1070 Yburg, 1175 Yburch, 1350 Yburgh. Der Ortsname ist vermutlich eine Bildung mit dem Grundwort „-burg“. Der erste Namensbestandteil geht auf das mittelniederdeutsche Wort „iwe“ für „Eibe“ zurück. Wahrscheinlich hieß der Platz, auf dem die Burg errichtet wurde, ursprünglich „Iw-berg“ für „Eibenberg“.
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