Wilhelm Kohl (* 9. Dezember 1913 in Magdeburg; † 2. Oktober 2014 in Münster) war ein deutscher Historiker und Archivar. Von 1971 bis 1979 leitete er das Staatsarchiv Münster.
Leben Wilhelm Kohl wurde als Sohn von Augusta Kohl, geborener Rabe, und des Kaufmanns und Richters am Landgericht Magdeburg, Willy Kohl, geboren.Wilhelm Kohl: Lebenserinnerungen. In: Karl Hengst, Anna-Therese Grabkowsky, Hans Jürgen Brandt (Hg.): Bewahren und Bewegen. Lebenserinnerungen, ausgewählte Aufsätze und Schriftenverzeichnis eines westfälischen Archivars und Historikers. Bonifatius, Paderborn 1998, S. 14–36, hier S. 17. Er besuchte die Otto-Guericke-Oberrealschule seiner Heimatstadt, an der er 1933 das Abitur erwarb.Karl Hengst, Anna-Therese Grabkowsky, Hans Jürgen Brandt (Hg.): Bewahren und Bewegen. Lebenserinnerungen, ausgewählte Aufsätze und Schriftenverzeichnis eines westfälischen Archivars und Historikers. Bonifatius, Paderborn 1998, S. 439. Er studierte Romanistik, Anglistik, Germanistik und Geschichte an der Universität Halle und an der Universität Göttingen.
Nach acht Semestern legte er 1937 das Staatsexamen für das Höhere Lehramt ab und wurde im selben Jahr in Göttingen mit der Arbeit Die Verwaltung der östlichen Departements des Königreichs Westphalen 1807–1814 zum Dr. phil. promoviert. auf der Webseite der Archive in NRW, abgerufen am 25. August 2016. Anschließend war er am Institut für Archivwissenschaft und geschichtswissenschaftliche Fortbildung in Berlin-Dahlem, wo er als Teilnehmer des 6. Lehrgangs das Staatsexamen für den Höheren Archivdienst ablegte. 1939 ging er zum Höheren Archivdienst an das Staatsarchiv Münster. 1940 wurde er zur Wehrmacht eingezogen, 1941 zwischenzeitlich nach Münster abgeordnet, um die Auslagerung der Archivalien des Staatsarchivs in Bergwerke und andere vom Bombenkrieg voraussichtlich nicht betroffene Orte zu organisieren. 1942 heiratete er Anna-Luise Preußker (1922–2019). Als Soldat an der Ostfront geriet er 1944 in sowjetische Kriegsgefangenschaft.Helga Kretzschmar: Prof. Dr. Wilhelm Kohl wird 100 – Historiker aus Leidenschaft, Westfälische Nachrichten, 9. Dezember 2013. 1949 wurde er entlassen und nahm seine Arbeit am Staatsarchiv Münster wieder auf. Zudem war er ab 1957 Mitarbeiter des Max-Planck-Instituts für Geschichte in Göttingen. 1964 erhielt er einen Lehrauftrag für Westfälische Landesgeschichte. Abt 1966 war er Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Westfalen-Lippe, von der er 1969 zum Honorarprofessor ernannt wurde. Nach ihrer Eingliederung in die Westfälische Wilhelms-Universität in Münster setzte er dort seinen Lehrauftrag als Honorarprofessor für Westfälische Landesgeschichte bis zum Ende des Wintersemesters 1982/83 fort.
Im Jahr 1970 wurde er zum Leiter des Staatsarchivs Münster ernannt; 1978 trat er als Leitender Staatsarchivdirektor in den Ruhestand. Von Juni 1978 bis 2004 leitete er ehrenamtlich das Universitätsarchiv der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.Universität Münster: , 16. Februar 2005; abgerufen am 7. Oktober 2014.
Von 1970 bis 1986 war Kohl Erster Vorsitzender der Historischen Kommission für Westfalen, der er seit 1955 als ordentliches Mitglied angehörte; 1989 wurde er zum Ehrenmitglied (mit der persönlichen Bezeichnung Ehrenvorsitzender) gewählt.Wilhelm Kohl auf der Webseite der Historischen Kommission für Westfalen, abgerufen am 25. August 2016. Kohl war weiterhin Mitglied der Preußischen Historischen Kommission (seit 1975) und der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen (seit 1976) sowie Korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen (seit 1989).
Der Arbeitsschwerpunkt Kohls war die Geschichte Westfalens, insbesondere die Kirchengeschichte des Bistums Münster. Überregional bekannt ist er als Verfasser zahlreicher Publikationen zum westfälischen Raum der Germania Sacra und als Herausgeber wichtiger Standardwerke zur westfälischen Geschichte.
Wilhelm Kohl war evangelisch und lebte in Münster-Angelmodde. Er starb im Alter von 100 Jahren.Todesanzeigen in den Westfälischen Nachrichten vom 6.–8. Oktober 2014.
Ehrungen Kriegsauszeichnung 1983: Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland 1990: Träger des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen 1996: Träger des Komtur-Kreuzes des Königlich Schwedischen Nordstern-Ordens 2009: Träger der Paulus-Plakette.
Schriften (Auswahl) Die Bibliographie der Schriften Wilhelm Kohls umfasst weit über 300 Bücher, Aufsätze und Handbuchartikel. Rheinische Urkunden aus dem Gräflich Landsbergischen Archiv (= Inventare nichtstaatlicher Archive. Band 8). Fredebeul & Koenen, Essen 1962. Notariatsmatrikel des Fürstbistum Münster. In: Beiträge zu westfälischen Familienforschung. Band 20, (Münster) 1962, S. 3–136. als Hrsg. mit Helmut Richtering: Behörden der Übergangszeit (= Das Staatsarchiv Münster und seine Bestände. Band 1). Münster 1964. Christoph Bernhard von Galen. Politische Geschichte des Fürstbistums Münster 1650–1678. Regensberg, Münster 1964 (Digitalisat). 150 Jahre Landkreis Steinfurt 1816–1966. Landkreis Steinfurt, Burgsteinfurt 1966. Die Urkunden des Stadtarchivs und des Klosters Maria Rosa in Ahlen (= Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Ahlen. Band 1). Stadt Ahlen, Ahlen 1966. mit anderen: Urkundenregesten und Einkünfteregesten des Aegidii-Klosters (= Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Münster. Neue Folge, Band 3). 1966, ISBN 978-3-402-05525-0. Die schwedischen Korrespondenzen. Band 1: 1645–1646 (= Acta Pacis Westphalicae. Band II C 2). Aschendorff Verlag, 1971. Regesten aus dem Archiv des Klosters und Stiftes Wietmarschen (= Das Bentheimer Land. Band 80). Verlag des Heimatvereins der Grafschaft Bentheim, Nordhorn 1973. Die Weiheregister des Bistums Münster 1593–1674 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen III: Die Geschichtsquellen des Bistums Münster. Band 9), Münster 1991, XXX und 359 S. Die Weiheregister des Bistums Münster 1699–1731 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen III: Die Geschichtsquellen des Bistums Münster. Band 10), Münster 1999, XXIV und 296 S. Die Schwesternhäuser nach der Augustinerregel (= Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster. Band 1, Germania Sacra. Neue Folge 3), Berlin / New York 1968 (Digitalisat). Die Klöster der Augustiner-Chorherren (= Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster. Band 2, Germania Sacra. Neue Folge 5), Berlin / New York 1971 (Digitalisat). Das (freiweltliche) Damenstift Freckenhorst (= Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster. Band 3, Germania sacra. Neue Folge 10), Berlin 1975 (Digitalisat). Urkunden und Regesten zur Geschichte der der Pfarrkirchen der Stadt Ahlen (= Quellen und Forschungen zur Geschichte der Stadt Ahlen. Band 5). Ahlen 1976. als Hrsg.: Das Soester Nequambuch. Neuausgabe des Acht- und Schwurbuchs der Stadt Soest (= Veröffentlichungen der historischen Kommission für Westfalen. Band 14). Reichert, Wiesbaden 1980. Geschichte der Stadt Ahaus. Ein Überblick (= Beiträge zur Geschichte der Stadt Ahaus. Band 2). Stadt Ahaus, Ahaus 1980. Akten und Urkunden zur Außenpolitik Christoph Bernhards von Galen (1650–1678) (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen, Reihe 42: Quellen und Forschungen zum Absolutismus in Westfalen. Band 1). 3 Bände. Münster 1980–1986. Das Domstift St. Paulus zu Münster. 3 Bände (= Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster. Band 4, Germania Sacra. Neue Folge 17, Band 1–3), Berlin 1982–1989. Das Bistum Münster. Die Diözese. 4 Bände. (= Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster. Band 7, Germania Sacra. Neue Folge 37, Band 1–4), Berlin 1999–2004. mini|Germania Sacra, Band 44 der neuen Folge Das (freiweltliche) Damenstift Nottuln (= Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster. Band 8, Germania Sacra. Neue Folge 44), Berlin 2005 (Digitalisat). Das Kollegiatstift St. Mauritz vor Münster (= Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster. Band 9, Germania Sacra. Neue Folge 47), Berlin / New York 2006 (Digitalisat). Das Zisterzienserinnen-, später Benediktinerinnenkloster St. Aegidii zu Münster (= Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster. Band 10, Germania Sacra. Dritte Folge, Band 1), Berlin / New York 2009 (Digitalisat). Die Zisterzienserabtei Marienfeld (= Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster. Band 11, Germania Sacra. Dritte Folge, and 2), Berlin / New York 2010 (Digitalisat). Kohl verfasste zahlreiche Artikel im Biographisch-Bibliographischen Kirchenlexikon (BBKL).
Literatur Karl Hengst, Anna-Therese Grabkowsky, Hans Jürgen Brandt (Hg.): Bewahren und Bewegen. Lebenserinnerungen, ausgewählte Aufsätze und Schriftenverzeichnis eines westfälischen Archivars und Historikers. Festgabe für Wilhelm Kohl zum 85. Geburtstag. Bonifatius, Paderborn 1998, ISBN 3-89710-070-3 (mit einer Bibliographie der Schriften Wilhelm Kohls von Anna-Therese Grabkowsky, S. 441–461). Mechthild Black-Veldtrup: Prof. Dr. Wilhelm Kohl zur Vollendung des 100. Lebensjahres. In: Westfälische Zeitschrift, Jg. 163 (2013), S. 11–13. Mechthild Black-Veldtrup: Zum 100. Geburtstag von Professor Wilhelm Kohl. In: Archivar, Jg. 66 (2013), S. 501–502. Kohl, Wilhelm. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s Who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 675. Kürschners deutscher Gelehrten-Kalender 2007. Saur, München 2007, Band II, S. 1879.
Weblinks
Helga Kretzschmar: Prof. Dr. Wilhelm Kohl wird 100 – Historiker aus Leidenschaft (mit Bild), Westfälische Nachrichten, 9. Dezember 2013; abgerufen am 8. Oktober 2014. Prof. Dr. Wilhelm Kohl vollendet sein 100. Lebensjahr (mit Bild), Blog der Archive im Kreis Siegen-Wittgenstein, 28. Dezember 2013; abgerufen am 8. Oktober 2014. Biographische Angaben auf den Seiten der Historischen Kommission für Westfalen.
Einzelnachweise
Kategorie:Archivar (Münster) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Münster) Kategorie:Hochschullehrer (PH Westfalen-Lippe, Abteilung Münster) Kategorie:Mitglied der Niedersächsischen Akademie der Wissenschaften zu Göttingen Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Träger des Verdienstordens des Landes Nordrhein-Westfalen Kategorie:Träger des Nordstern-Ordens Kategorie:Mitglied der Historischen Kommission für Westfalen Kategorie:Mitglied der Preußischen Historischen Kommission Kategorie:Deutscher Kriegsgefangener der Sowjetunion Kategorie:Behördenleiter Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1913 Kategorie:Gestorben 2014 Kategorie:Hundertjähriger Kategorie:Mann