mini|hochkant=1.4| Neumarkt, Aufgang zur Schildergasse (2008) Die Schildergasse ist eine Einkaufsstraße im Kölner Stadtteil Altstadt-Nord. Sie verläuft als Fußgängerzone in Ost-West-Richtung zwischen der Hohe Straße und dem Neumarkt und ist die zweitälteste Straße in Köln. 2023 lag die Schildergasse auf Platz fünf der meistfrequentierten Einkaufsstraßen in Deutschland.
Lage Die 534 Meter lange Schildergasse bildet zusammen mit der Hohe Straße die zentrale Fußgängerzone und das Einkaufszentrum Kölns. Sie beginnt am Neumarkt/Krebsgasse und endet an der Hohe Straße. Sie ist die älteste Einkaufsstraße Deutschlands. Durch die zentrale Stellung des Neumarkts als Knotenpunkt ist die Schildergasse zur wichtigsten Ost-West-Achse für Fußgänger geworden. In sie münden Ludwigstraße/An Sankt Agatha, Perlengässchen, Herzogstraße, Antonsgasse/Kreuzgasse, Krebsgasse und Zeppelinstraße.
Die Anliegerstraßen der Schildergasse sind überwiegend nur kurze Verbindungen zu den parallel verlaufenden Straßen und waren somit in das Geschehen der Hauptstraße eingebunden. Das Kirchspiel des gesamten Viertels war wahrscheinlich St. Alban. Die Ruine Alt St. Alban, eine der ältesten Altstadtpfarrkirchen in Köln, befindet sich als Mahnmal zwischen dem Gürzenich und dem modernen Wallraf-Richartz-Museum. Die Schildergasse wird von der Stadtbahn Köln mit dem U-Bahnhof Neumarkt, Heumarkt und U-Bahnhof Appellhofplatz bedient. Ein Parkleitsystem zeigt dem Besucher freie Plätze an.
Entstehungsgeschichte mini|hochkant|Ritter mit Schild (Codex Manesse) mini|hochkant|Altarbild des Hermann von Weinsberg, Bartholomäus Bruyn d. J. (s. Bildtext) Der Ursprung der Schildergasse liegt in der Römerzeit. Ihr heutiger Verlauf orientiert sich am ehemaligen römischen Decumanus maximus (Ost-West-Achse), der Hauptstraße mit direkter Verbindung zum Cardo maximus (Nord-Süd-Achse), der heutigen Hohe Straße. Am Schnittpunkt beider lag das Forum, der zentrale römische Marktplatz. Die Schildergasse entwickelte sich im Laufe der Zeit von einer Wohnstraße mit Werkstätten zu einer Einkaufsstraße.
Frühzeit und Mittelalter Während die römische Vergangenheit der Hohe Straße gesichert ist, liegt die der Schildergasse im Ungewissen, da es auf letzterer nur spärliche Funde gab.Helmut Signon/Klaus Schmidt, Alle Straßen führen durch Köln, 2006, S. 308 Benannt ist sie nach den hier im Mittelalter ansässigen zahlreichen Schilder- und Wappenmalern. Bei den Bewohnern hieß sie „Schildergaß“ oder „Schildergazin“, bis ins Mittelalter auch lateinisch „platea clippeorum“.nach dem Schildermaler „clipeator“ Im Mittelalter hieß sie „versus scildirgazin“ oder „versus scildirgassen“, 1797 tauchte erstmals ihr heutiger Name „in der Schildergasse“ auf.Adam Wrede, Neuer Kölnischer Sprachschatz, Band III, 1989, S. 22 Hier wohnte noch im 14. Jahrhundert die Mehrzahl der Meister dieses Handwerks, in Nr. 15 (später Nr. 5992) lag ab 1452 das Gaffelhaus (Zunfthaus) der Wappenschildermaler und der Schneider.
Als einer der ersten Handwerker ist allerdings Brauer Bodo belegt, der seit 1255 mit seinem Brauhaus auf der Schildergasse residierte. Gobelin(us) de Merzenich besaß in Nr. 49/53 in einem 1218 erwähnten Privathaus („Hof Merzenich“) die älteste Hauskapelle im spätromanischen Stil. 1425 wurde dieser Hof – wohl das älteste Bauwerk der Straße – von dem Landadligen Friedrich von Stepproide bewohntHistorisches Seminar der Universität zu Köln, Geschichte in Köln, Bände 9–12, 1981, S. 85 und um 1865 abgebrochen. Zwei weitere Häuser sind noch im ausgehenden 13. Jahrhundert belegt, und zwar Haus „Homburg“ aus dem Jahre 1286 (Nr. 40/42) und „Zum Thurm“ aus 1296 (Nr. 46).
Viele Nürnberger Maler hatten in der Straße ihren Wohnsitz und ihre Werkstätten, so auch Meister Eckard, der Maler.Franz Pfeiffer: Germania, Deutsche Vierteljahrsschrift für Alterthumskunde, 1864, S. 466 Er kaufte 1291 von Johann Overstolz zwei Reihenhäuser („unter einem Dache“) gegenüber der Hundsgasse („Hundisgasse“). Meister Walelm ist seit 1322 hier registriert, Meister Hagekinus besaß 1334 hier drei Häuser. Reinkinus (Reynardus Sturm zum Greifen – de grysone) erwarb 1328 hier sein erstes Grundstück, 1331 sein zweites; am 3. Juni 1371 belastete er sein Haus „zum Greifen“ mit einer Leibzuchtrentebei kinderlosen Ehen besaß der überlebende Teil ein Wohnrecht, war aber nur Inhaber der Hälfte des Rechts; „vitam suam“ zugunsten Meister Wilhelm von Herle. Beide Reinkinus-Häuser gelangten nach dessen Tod 1380 kraft Gerichtsbeschluss (wohl im Rahmen einer Zwangsversteigerung) an den Hypothekengläubiger Heinrich von Langenberch.
Die beiden berühmtesten Kölner Maler, Stefan Lochner und Bartholomäus Bruyn der Ältere, wohnten zwar nicht direkt auf der Schildergasse, sondern In der Höhle 28 – der direkten Verlängerung zur Hohe Straße. Diese war die direkte Verlängerung der Schildergasse über die Hohe Straße bzw. über die Straße „Unter Wappensticker“ hinaus. Stefan Lochner kaufte das seit 1328 im Schreinsbuch registrierte Haus „zum Karbun(c)kel“Karbunkel ist eine Eiterbeule im Jahre 1444, musste aber bis September 1444 hierfür zwei Hypotheken aufnehmen; das Eigentum ging nacheinander auf die Maler Hans von Memmingen (1453), Bartel Bruyn der Ältere und der Jüngere über.E. A. Seemann: Beiträge zur Kunstgeschichte, 1891, S. 11 Der Gobelin von Kriel erwarb 1273 in der Schildergasse/Ecke Herzogstraße das Haus „zur Gans“ und 1279 das Haus „zur Krone“ in der Nähe des Perlengässchens.Kölnischer Geschichtsverein, Jahrbuch, Band 73, 2002, S. 12 Im Jahre 1322 wird der in der „platea clippeorum“ wohnende Bildhauer Meister Welterus erwähnt.HAStK, Schreinsbuch Nr. 179, fol. 71r Aller Wahrscheinlichkeit nach hat er die Apostelstatuen im Chor der Domkirche angefertigt.Johann Jakob Merlo: Nachrichten von dem Leben und den Werken Kölnischer Künstler, 1850, S. 505
Am 9. Oktober 1333 verpflichtete sich Konrad Jetze von seinem Haus in der Schildergasse zur jährlichen Zahlung an Vikare. Malermeister Heynkinus (Hennkinus) besaß 1334 drei Häuser in der Schildergasse. Johann Platvoys I. kaufte 1334 zwei Häuser auf der Schildergasse. Diese erbte 1361 sein Sohn und Maler Johann Platvoys II., der insgesamt 6 Häuser in dieser Straße erwarb, von denen er sukzessive Häuser wieder verkaufte, so etwa bereits am 30. Juni 1361 ein Haus an Ludowig von Lulstorp. Johann Platvoys III. erbte zwar keine Häuser von seinem Vater, da ihn dieser ausbezahlt hatte, er erwarb jedoch zwei Häuser in der Schildergasse, als seine Frau diese von ihrem Vater erbte. Heydenrich von Lintlo nannte ein Haus in Neumarktnähe sein Eigen, das er 1305 dem Maler Philipp als Erbpacht verkaufte. Maler Gerhard Rüschbier erwarb 1338 vom Ritter Mathias von Spiegel eines von 4 Häusern in der Schildergasse zur Erbpacht, das er 1348 an die Schwestern Irmengardis und Greta von Crychten abtrat.Johann Jacob Merlo: Die Meister der altkölnischen Malerschule, 1852, S. 23
Hermann Wynrich von Wesel – einer der vermögendsten Kölner Handwerker jener Zeit – erwarb am 30. August 1378 die Erbanteile an einem Haus von Meister Wilhelm von Herle durch Heirat von dessen Witwe Jutta. Maler Gobelin von Stumbele (Stommeln) war bis zum 4. Januar 1387 Eigentümer des Anwesens Haus „Königstein“, 1393 erwarb Gobelin ein weiteres Haus vom Minoriten Franko von Lyskirchen, doch musste Gobelin es am 29. Januar 1396 wegen Zahlungsrückständen an die Minoriten zurückübertragen.Johann Jacob Merlo: Die Meister der altkölnischen Malerschule, 1852, S. 62 f. Wynand Groene erwarb 1351 von der Witwe des Ritters Mathias von Spiegel eine Haushälfte, die andere erwarb er am 6. Oktober 1362.Johann Jacob Merlo: Die Meister der altkölnischen Malerschule, S. 25 f.
Das Haus Mirweiler („Myrweilre“) in Nr. 96 (später: 4927) gehörte zunächst wahrscheinlich „Constantin von Lyskirchen zu Mirweiler“, der mit diesem Namenszusatz im Jahr 1378 als ein Mitglied der weitverzweigten Familie Lyskirchen Bürgermeister war. Danach hatte es 1395 der Patrizierfamilie des Ritter Heinrich von Spiegel zu Rodenberg gehört. Lambert von Luytge erwarb dieses Haus am 10. September 1491. Bis 1496 stand es im Eigentum von Dietrich Lüninck (Kanzler des Herzogs von Jülich und Berg), der es in jenem Jahr dem städtischen Brauamt verkaufte. Haus Mirweiler (oder „Tafelrunde“) fungierte seither als Zunfthaus der Brauer („domus tribunitia braxatorum“). Bis 1494 diente ein auf der heutigen Kreuzung Cäcilienstraße/Nord-Süd-Fahrt gelegenes Haus für die Brauzunft.
Unter dem Wappen der Brauer, einem mit Maischgabel und einer Malzschüppe bemalten Schild, wurden dort jeweils am Dreikönigstag (nach den Statuten des Zunftbriefes von 1497) die beiden Zunft- oder Gaffelmeister gewählt. Um 1612/13 wurde das Haus erweitert und der große Zunftsaal im Stil der Renaissance umgestaltet. Die Ausstattung des Saales war schlicht, er war mit einfachen blanken Holztischen und Bänken möbliert und hatte einen mit Delfter Platten verzierten Kachelofen. Der Wandschmuck bestand aus den Porträts der Bannerherren und einem Bild des Patrons der Zunft, Peter von Mailand.Carl Dietmar: Die Chronik Kölns, 1991, S. 179
Maler Clais Stoultze kaufte am 4. Mai 1467 die erste Hälfte des Hauses „Zum Thurm“ (zom Thurne) von Gutgin von Bonn, am 22. Januar 1472 die andere Hälfte von Johann von Siberg. Das komplette Areal verkaufte er 1475 an Johann von Berchem.Johann Jacob Merlo: Die Meister der altkölnischen Malerschule, S. 139 1482 erwirbt Stoultze das Haus „zum Roissgyn“Friedrich Baudri: Organ für christliche Kunst, 1865, S. 54 von Bernhart von Gnaitstat. Nach Meister Clais‘ Tod erbte am 30. Januar 1505 dessen Tochter Metzgin das Haus.
Die wohlhabende Goldschmiede- und Kaufmannsfamilie Adolf Rinck (1472–1541) kaufte dem Kölner Kreuzherren Hermann Kneyart zwei Häuser („zum großen und kleinen Kneyart“ aus der Mitte des 13. Jahrhunderts; Nr. 74/76) ab und errichtete auf dem Areal 1513 den bürgerlichen Prachtbau „zum goldenen Ring“ mit einer großen gewölbten Halle (1910 abgerissen). Die Patrizierfamilie Rinck machte 1513 das Anwesen zu ihrem Stammsitz.sie besaß mehrere Wohnhäuser am Rinkenpfuhl Haus „Königstein“ (Kunincksteyn) wurde 1464 durch Hermann Rinck (starb 1541) erworben und ab 28. Juli 1513 neu erbaut. Bürgermeister Johann Rinck wohnte seit 1510 im Haus „Königstein“ (Nr. 24) mit einer 1511 geweihten Kapelle (beide 1894 abgebrochen). Letzter Besitzer war die Familie Franz Everhard Bourel (Maler und Zeichner). Das Wohnhaus des Brauers Johann Oeckhoven (Nr. 117; Ecke Neumarkt) entstand vor 1588, ab 9. Mai 1594 wurde es neu erbaut.
Nicasius Hackeney erwarb am 7. März 1507 den Hof Heydenrich von Johann von Berchem und im Dezember 1508 das Nachbargrundstück in der Nähe des Neumarkts und ließ hier 1508 rasch ein Haus errichten, das „kaiserlicher Hof“ oder „Caesaris palatium“ genannt wurde. Hierin übernachtete Kaiser Karl V. am 29. Oktober 1520 und 5. Januar 1531.Johann Jakob Merlo: Die Familie Hackeney zu Köln, 1863, S. 61 Johann Jakob Merlo trug dazu bei, die Richmodis-Sage zu bekräftigen, denn die Familie Hackeney besaß hölzerne Pferde, die oft an den Söllerfenstern ihres Anwesens zu sehen waren; auch das Familienwappen zeigte (mindestens) ein schreitendes weißes Pferd. Beide Tatsachen dienten wohl als – fehlerhafter – Deutungsversuch dieser Sage.Johann Jakob Merlo: Die Familie Hackeney zu Köln, 1863, S. 50 Es gab eine Verbindung zwischen den Familien Hackeney und Aducht, denn Theodorich Hackeney hatte das Anwesen der ausgestorbenen Familie Aducht übernommen und Sohn Nicasius überlassen.Köln und Bonn mit ihren Umgebungen, Verlag Johann Peter Bachem, 1828, S. 114
Nach dem Ratsprotokoll vom 30. April 1612 lieferte die Stadt an den Bannerherrn der Zunft und ehemaligem Bürgermeister und Bierbrauer Peter Oeckhoven (Nachfahre des Brauers Johann Oeckhoven) Bauholz für das neue Gaffelhaus der Brauer in der Schildergasse Nr. 96, das 1862 verkauft und 1927 abgebrochen wurde.
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