mini|hochkant=1.6|Vergleich Druckschrift (Antiqua) mit Schreibschrift (humanistische Kursive) 1499

Eine Schreibschrift, Kursive (mittellateinisch cursivus ‚fließend, geläufig‘), Kurrentschrift ( ‚laufen‘) oder Laufschrift ist eine Gebrauchsschrift, die durch eine fortlaufende bzw. wenig unterbrochene Linienführung auf einem Schriftträger (meist Papier) charakterisiert ist. Sie dient dem flüssigen (kursiven) Schreiben mit der Hand. Als Schreibgeräte werden zum Beispiel Bleistifte, Füllfederhalter, Kugelschreiber, Fineliner, Kreide oder Pinsel (vorwiegend in Ostasien) verwendet.

Als Synonym zu Kursive wird auch die Bezeichnung Kursivschrift verwendet; diese birgt aber eine Verwechslungsgefahr zur Kursivschrift in der Typografie.

Schreibschriften weltweit und über alle Zeiten mini|Einige Formen der arabischen Schrift Frühe Formen der Schreibschrift sind beispielsweise die hieratische Schrift, die als kursive Variante der ägyptischen Hieroglyphen in Gebrauch war, und die aus ihr entstandene demotische Schrift.

Schreibschriften können von links nach rechts oder von rechts nach links geschrieben werden. Der weltweit wichtigste Vertreter für letzteres ist die arabische Schrift mit ihren diversen Variationen.

Neben Schriften, die es nur als Schreibschriften gibt (wie etwa die demotische oder die arabische Schrift) gibt es auch häufig Fälle von Schreibschriften, die als (vorwiegend handschriftliche) Alternativen zu Nicht-Schreibschriften (Druckschriften) in der gleichen Schriftkultur in Gebrauch sind und die auch das gleiche Alphabet wie diese Druckschriften verwenden. Beispiele: Die lateinische Schreibschrift (in vielen Variationen) und auch die deutsche Kurrentschrift sind Schreibschriften für das lateinische Alphabet. Die kyrillische Schreibschrift ist eine Schreibschrift für das kyrillische Alphabet. Die (weitgehend unverbundene) hebräische Schreibschrift ist eine Schreibschrift für das hebräische Alphabet.

Abgrenzungen Der Begriff der Schreibschrift wird gelegentlich dem Begriff der Leseschrift gegenübergestellt, der Schriften bezeichnet, die auf möglichst gute Leserlichkeit und nicht auf möglichst flüssige Bewegungsausführung ausgerichtet sind.Karl Eckhardt: Das erste Schuljahr in der Arbeitsschule (= Die Grundschule. 1). 13. Auflage. Beltz, Langensalza 1930, S. 34.Thomas Heyl, Constanze Weth: Sprachliche und piktoriale Information in Schriftsystemen, Skripten und Typografie. In: Petra Gretsch, Lars Holzäpfel (Hrsg.): Lernen mit Visualisierungen. Erkenntnisse aus der Forschung und deren Implikationen für die Fachdidaktik. Waxmann, Münster u. a. 2016, ISBN 978-3-8309-8414-6, S. 259–272, hier S. 265. Die starke Verbundenheit der Linien wirkt sich negativ auf die Leserlichkeit der Schrift aus. Es erfordert deshalb viel Übung und Geschick, trotzdem eine leserliche Schrift zu erzielen. Die Kunst des Schönschreibens wurde im Mittelalter lediglich von Schreibmeistern ausgeübt und gelehrt. Später wurde sie Bestandteil der Schulbildung und eine Mehrheit der Bevölkerung erwarb eine gewisse Fähigkeit hierzu.

Schreibschrift ist nicht mit von Hand geschriebener Schrift gleichzusetzen. So wurden die Unziale, die gotische Minuskel, die Textura, die Rotunda oder die humanistische Minuskel (primär) von Hand geschrieben, sind aber keine Schreibschriften. Gleiches gilt für Druckschrift, sie kann natürlich auch von Hand geschrieben werden. Umgekehrt gibt es auch gedruckte Satzschriften, die in DIN 16518 zur Gruppe VIII „Schreibschriften“ gezählt werden, weil sie eine Schreibschrift imitieren.

In der Typografie bezeichnet der Begriff Kursivschrift Satzschriften, bei denen die Schriftzeichen in Schreibrichtung schräg geneigt sind. Historisch hat sich dies aus einer bestimmten Kursive entwickelt, der humanistischen Kursive. Daher stammt ihre Bezeichnung, aber ansonsten hat die typografische Kursivschrift wenig mit dem deutlich allgemeineren Begriff der Kursive (Schreibschrift) gemein.

Merkmale der Schreibschrift mini|hochkant=1.6|Schematischer Vergleich zwischen lateinischer „Druck“schrift und gebundener Schreibschrift

Die Schreibschriften unterscheiden sich von anderen mit der Hand geschriebenen Schriften durch den starken Einfluss, den die rasche und flüssige Bewegungsausführung auf die Form ausübt. Während statisch aufgebaute Schriften (z. B. Buch- und repräsentative Inschriften) durch das Aneinandersetzen von einzelnen Formteilen bzw. Strichen entstehen, entsteht Schreibschrift vorwiegend aus ununterbrochenen Linien. Die Ökonomisierung des Schreibprozesses besteht in der Vermeidung des Neuansetzens bzw. Neuaufsetzens des Schreibgerätes und ist durch die Verwendung der Schreibfeder geprägt. Viele Schreibfedern lassen keine Rückwärtsbewegung oder eine solche nur kurz ohne Druck zu, zumindest fließt die Tinte nicht nach.Matthias Gröschke: Häufig gestellte Fragen zur Kalligraphie. Mitteilung der Firma, abgerufen am 31. Januar 2024. Charakteristische Merkmale gegenüber anderen mit der Hand geschriebenen Schriften sind die vorwiegend einzügige DarstellungWerner Dietrich: Statistische Untersuchungen über den Zusammenhang von Schriftmerkmalen. In: Neue psychologische Studien. Band 11, Heft 2, 1937, , S. 77–142, (Zugleich: Leipzig, Universität, Dissertation, vom 17. August 1937).Severin Corsten, Günther Pflug, Friederich Adolf Schmidt-Künsemüller (Hrsg.): Lexikon des gesamten Buchwesens. Band 6: Phraseologie – Schütz-Hufeland. Hiersemann, Stuttgart 2003, ISBN 3-7772-0327-0, S. 604.Lexikon der Kunst. Band 4: Q–S. Seemann, Leipzig 1977, ISBN 3-88436-110-4, S. 393. der Schriftzeichen mit Hilfe von Innenligaturen, das Weglassen von Serifen, Quadrangeln und anderen Zierabschlüssen, die Schaffung von Verbindungen zwischen Buchstaben innerhalb eines Wortes mit Hilfe von Außenligaturen, die Überführung des Richtungskontrastes waagerecht/senkrecht in die Diagonale (unter anderem durch Abschleifen der Formen) sowie die mehr oder weniger deutliche Schräglage der Hauptachse der Zeichen.

Von Hand geschriebene Schrift, die diese Merkmale nicht aufweist, ist keine Schreibschrift, sondern wird Druckschrift, in der Schweiz auch Steinschrift, genannt.

Entwicklung der Schreibschriften in Europa mini|hochkant=1.6|Beispiel der deutschen Kurrentschrift (1782) Kursiven sind in der Geschichte der Schrift nicht immer üblich gewesen. Während in der römischen Antike Schrift umfangreich im Alltag eingesetzt wurde (ältere römische Kursive) und sich dadurch eine flüssige, verbundene Schrift entwickelte (jüngere römische Kursive), kannte das hohe Mittelalter keine auf dem Prinzip der Buchstabenverbindung beruhende Schrift. Erst seit dem 13. Jahrhundert hatte sich Schriftlichkeit durch Universitäten, Kaufleute und zentralistische Verwaltung wieder so weit verbreitet, dass eine neue Kursivschrift, die gotische Kursive, entstand.

Mit dem Buchdruck wurde es auch weniger Begüterten, Schulen und öffentlichen Büchereien möglich, Bücher zu erwerben. Das Schreiben von Hand stand im 15. Jahrhundert zunehmend in Konkurrenz durch den Buchdruck. Es wurde möglich, Bücher von gleicher Art und Güte in großer Zahl rasch und billig herzustellen. Die Lettern und die Gestaltung der Druckwerke lehnte sich zunächst im Schnitt und schmückendem Beiwerk an das Vorbild handgeschriebener Bücher an.

Auch nach dem Aufkommen der Druckkunst gab es weiterhin eine große Anzahl von Schreibern in Deutschland, Frankreich, Spanien,siehe auch: Escritura cortesana. Italien, der Schweiz und anderen Ländern. Der Beruf des Schreibers blieb weiterhin wichtig, etwa für das Schreiben von Akten und Briefen. Die Schreiber verteidigten den Fortbestand ihrer Kunst, indem sie Schreibschulen gründeten, Schüler aus den bürgerlichen Ständen annahmen und die Schriften weiterentwickelten. Als Lehrer der Schreibkunst wurden sie Schreibmeister genannt. Von 1500 bis 1800 entstanden allein in Deutschland etwa 800 gedruckte Schreibvorlagen.

Als bedeutendster Nürnberger Schreibmeister gilt Johann Neudörffer, ein Zeitgenosse Albrecht Dürers. Er schuf mit Hieronymus Andreä die Neudörffer-Andreä-Fraktur. Mit dieser Druckschrift legte er zugleich die Basis für alle weiteren Frakturschriften, die auch die in den Kanzleien verwendete Schreibschrift beeinflusste (Kanzleikurrent, deutsche Kurrentschrift). In seiner Schule ging er gegen die Vielfalt und Verworrenheit der damals benutzten Verkehrsschriften an.

In den Kanzleien und im wirtschaftlichen Alltag waren in Deutschland die Formen der gotischen Kursive Ausgangspunkt der Entwicklung zur sogenannten deutschen Schrift oder deutschen Kurrentschrift. Im 16. Jahrhundert setzte sich für lateinische und nichtdeutsche Texte die von dem Humanisten Niccolò Niccoli entwickelte humanistische Kursive als Schreibschrift durch. Die humanistische Kursive entwickelte sich weiter zur lateinischen Schreibschrift, die noch heute verwendet wird. Ein gebildeter Bewohner Deutschlands lernte bis ins 20. Jahrhundert mindestens zwei Schriftarten flüssig lesen und schreiben. In Briefen wurde nicht selten der normale Text in deutscher Kurrentschrift geschrieben, Eigennamen oder sonst hervorzuhebende Wörter dagegen in humanistischer Kursive (bzw. lateinischer Schreibschrift). Im NS-Staat setzte sich der Referent für Schrift im NS-Lehrerbund, Friedrich Sammer, für die Kurrentschrift ein, doch 1941 wurde nach einer Entscheidung Adolf Hitlers die deutsche Kurrentschrift durch einen Erlass verboten (Normalschrifterlass) und die lateinische Schreibschrift zur alleinigen „deutschen Normalschrift“ erklärt. Die deutsche Kurrentschrift war in der Folge auch nach dem Ende des NS-Staates nur noch wenig in Gebrauch.

Spezielle Schreibweisen

In der Kurrentschrift können manche Buchstaben unklar zu lesen sein. Um das zu verbessern, haben sich bestimmte Zusatzzeichen entwickelt. Zum Beispiel wurde es im deutschen Sprachraum üblich, über das kleine u einen Bogen oder Strich zu zeichnen (ŭ/ū), um es vom kleinen n besser unterscheiden zu können. Auch wurden die Doppelbuchstaben „mm“ und „nn“ oft durch einen Reduplikationsstrich als m̅ und n̅ geschrieben. Der Reduplikationsstrich fiel im 20. Jahrhundert außer Gebrauch und auch ŭ-Bögen trifft man heute nur noch selten an.

Der Buchstabe O bekam in der Schreibschrift manchmal ein „Schwänzchen“ oder einen Kringel, um ihn besser von der Ziffer 0 zu unterscheiden, die Ziffer 7 einen Querstrich, um sie besser von der Ziffer 1 zu unterscheiden, und der Buchstabe Z einen Querstrich (Ƶ), um ihn besser von der Ziffer 2 zu unterscheiden. Im angelsächsischen Sprachraum setzen sich andere Konventionen durch, etwa das Weglassen des Aufstrichs bei der Ziffer 1 zur besseren Unterscheidung von der Ziffer 7.

Reformen und Abschaffung der deutschen Kurrentschrift mini|hochkant=1.3|Beispiel der Sütterlinschrift Im Jahre 1830 fand die spitze Stahlfeder von England ausgehend immer größere Verbreitung. Sie erwies sich zwar als schwieriger in der Handhabung als die Kielfeder, konnte sich aber bis zum Ende des 19. Jahrhunderts auch in Deutschland durchsetzen.

Mit der Einführung der Schulpflicht und des Schreibens als Grundlehrfach wurden bald die verschiedenen Meisterschulen überflüssig. Durch ihren Wegfall und durch die weitere Durchsetzung des englischen Stils mitsamt der englischen Spitzfeder setzten sich neue Gebrauchsschriften durch.