Bredstedt (dänisch: Bredsted, nordfriesisch: Bräist, mit gedehntem e gesprochen , plattdeutsch: Breedsteed, südjütisch: Bräjst) ist eine Kleinstadt im Kreis Nordfriesland, Schleswig-Holstein. Die Stadt ist seit 2001 Luftkurort.
Geographie Geographische Lage Das Gemeindegebiet der Stadt Bredstedt erstreckt sich am Übergang der Bredstedt-Husumer Geest in den Naturraum Nordfriesische Marsch am südlichen Fuße des Stollbergs. Durch den Ort fließt der Bredstedter Bach in den angrenzenden Bredstedter Koog. Dieser wurde um das Jahr 1520 eingedeicht.Harry Kunz und Albert Panten: Die Köge Nordfrieslands. (= Nordfriisk Instituut. Nr. 144). 2. Auflage. Nordfriisk Instituut, 1999, ISBN 3-88007-251-5, S. 43. Die Küstenlinie (Brandungszone) des Nordfriesischen Wattenmeers der Nordsee befindet sich heute in etwa fünf Kilometern Entfernung in westsüdwestlicher Richtung.
Nachbargemeinden Direkt ans Bredstedter Gemeindegebiet grenzen:
Geschichte mini|Bredstedt um 1895 Bredstedt wurde urkundlich erstmals 1231 im Erdbuch durch den dänischen König Waldemar II. als Brethaestath erwähnt. Der Ortsname bedeutet etwa breite Stätte (vgl. altnordisch breiðr mit einer Reihe von Entsprechungen im schwedischen, niederdeutschen und englischen Bereich).Wolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein. 2. Auflage. Neumünster 1992, ISBN 3-529-02726-X, S. 179.Johannes Kok: Det danske folkesprog i Sønderjylland. Band 2, København 1867, S. 96. Der Ort liegt historisch in der Nordergoesharde, die zum Idstedtsyssel, dem südlichen der drei Syssel des südlichen Jütlands und späteren Herzogtums Schleswig gezählt wurde.
Bis ins Jahr 1477 erstreckte sich das Meer noch bis an den Ort heran; Bredstedt hatte einen Hafen und wurde zum Flecken erhoben. Auch wurde es im Spätmittelalter aus dem Kirchspiel Breklum gelöst, doch blieb das Kirchspiel Bredstedt auf den Flecken sowie später auf Teile neu gewonnener Köge im Westen beschränkt.
Die Nordergoesharde gehörte zum Amt Flensburg und blieb bei allen Landesteilungen der Herzogtümer Schleswig und Holstein immer beim königlichen Anteil. Bredstedt hatte als Marktort für ein weites Umland Bedeutung. Als Zentrum der Harde überflügelte es Breklum. Auf Grund des hohen Grades der Selbstverwaltung wurde die Harde im 18. Jahrhundert immer häufiger als Landschaft Bredstedt bezeichnet, womit die Bedeutung des Zentralorts zusätzlich belegt wird. 1785 wurde die Harde aus dem Amt Flensburg gelöst und in ein eigenständiges Amt Bredstedt umgewandelt. Allerdings übernahm bald der Husumer Amtmann auch die Geschäfte in Bredstedt.
Das Amt Bredstedt wurde 1853 durch die vorgelagerten Köge und das Gut Mirebüll erweitert. Nach der Annexion des Herzogtums Schleswig in das Königreich Preußen wurde es schließlich Teil des neuen Kreises Husum. In der Nachfolge der alten Harde war Bredstedt ab 1867 Sitz eines Amtsgerichts, welches bis 1975 bestand. 1887 wurde der Bahnhof an der Marschbahn gebaut. Am 8. Oktober 1900 wurde dem Ort das Stadtrecht verliehen.
Der Aufschwung, der bereits die Verleihung der Stadtrechte nach sich gezogen hatte, hielt auch in den Folgejahren an. So wurde 1902 ein friesischer Heimatverein gegründet. Ebenso erhielt Bredstedt im selben Jahr eine Volksbibliothek, die Vorgängerin der heutigen Stadtbücherei. Im Folgejahr gründete sich der Friesen-Courier, die örtliche Zeitung. Sie wurde bis zum Jahr 1942 herausgegeben. Ebenso wie bei den vorangegangenen Eindeichungen in der Bredstedter Bucht, verbreitete sich die ökonomische Basis auch durch die Bedeichung des Cecilien- und Sönke-Nissen-Koogs in der zweiten und dritten Dekade des 20. Jahrhunderts.Verein für Bredstedter Geschichte und Stadtbildpflege e. V. (Hrsg.): Streifzüge durch die Bredstedter Geschichte. Teil 3: Bredstedter Erinnerungen. 2013, ISBN 978-3-88007-385-2, S. 129 ff.
Schwere Krisen zu Beginn und Ende der Weimarer Republik wechselten sich mit einer Blütezeit in der Mitte ab. Sie ließen aber auch die Anspruchshaltung der Bürger gegenüber der politischen Vertretung anwachsen, die aber nicht erfüllt werden konnte. Immer wieder wurde städtische „Misswirtschaft“ kritisiert. Eine schwere Bürgermeisterkrise gab schließlich der NSDAP die notwendige Basis, die zu einem frühen Erblühen des Nationalsozialismus im Raum Bredstedt führte. Bereits vor Beginn der Weltwirtschaftskrise, im Februar 1929, fasste eine Ortsgruppe Fuß. Im März 1933 wurde die NSDAP von 50,2 % der Bredstedter gewählt. Die Regierung von Hitler wurde sogar von 68,4 Prozent der Bevölkerung unterstützt. 1934 wurde ein Reichsarbeitsdienstlager in Bredstedt eingerichtet.
Während der Kriegsjahre 1939–45 wurden durch Brände fünf Häuser zerstört. Hierbei starben zusammen 15 Menschen. Die Zahl der Gefallenen belief sich auf insgesamt 340 bzw. 11 % der Bevölkerung.
Im Jahr 1954 wurde die Effi-Briest-Verfilmung Rosen im Herbst unter anderem in Bredstedt gedreht.Thomas Steensen (Hrsg.): Bredstedt. Stadt in der Mitte Nordfrieslands. Verlag Nordfriisk Instituut, Bredstedt/Bräist 2000, ISBN 3-88007-285-X, S. 150
In Bredstedt war zwischenzeitlich auch eine Fachschule zur Ausbildung von Anwärtern beim Bundesgrenzschutz eingerichtet. Diese Schule wurde in den 1990er Jahren geschlossen. Das ehemalige Ausbildungsgelände an der Dörpumer Straße wurde mittlerweile in den Gewerbepark Mittleres Nordfriesland umgewandelt. Von der Tradition als BGS-Standort ist heute noch die Dienststelle eines Bundespolizeirevier hier ansässig.
Bis zum 1. April 2008 war Bredstedt amtsfrei und hauptamtlich verwaltet. Seitdem bildet die Stadt mit den Gemeinden der ehemaligen Ämter Bredstedt-Land und Stollberg das Amt Mittleres Nordfriesland mit Verwaltungssitz in Bredstedt.
Religion mini|Ev.-luth. St.-Nikolai-Kirche In Bredstedt gibt es zwei evangelisch-lutherische Kirchengemeinden. Die größte Gemeinde ist die Gemeinde St. Nikolai. Ihr gehören 3800 Gemeindemitglieder (2011) an, das sind 77 % der Bevölkerung. Ihr Gotteshaus ist die 1510 erbaute spätgotische St. Nikolai-Kirche. Die evangelische dänische Gemeinde (Bredsted danske Menighed) nutzt einen Kirchenraum in der dänischen Schule vor Ort.
In der Clementstraße befand sich bis zum Jahre 2019 die katholische Marienkapelle, in der einmal wöchentlich samstags ein Gottesdienst stattfand. Die katholische Gemeinde gehört der Kirchengemeinde Christus König und Sankt Knud in Husum an.
In der Gressstraße gibt es eine Versammlung der Zeugen Jehovas mit ca. 100 Mitgliedern.
Politik Stadtvertretung Die im Rahmen der Kommunalwahlen in Schleswig-Holstein 2023 abgehaltene Gemeindewahl am 14. Mai 2023 ergab folgendes Ergebnis:
Die Wahlbeteiligung betrug 47,2 Prozent.
(BIV: Bürgerinteressenvertretung Bredstedt, WGB: Wählergemeinschaft Bredstedt)
Bürgermeister Im Zuge einer Direktwahl bestimmten am 3. März 2024 die Bürger der Stadt Bredstedt bei einer Wahlbeteiligung von 43,7 Prozent Christian Schmidt zum neuen Bürgermeister. Es waren drei Gegenkandidaten aufgestellt.
Wappen Blasonierung: „Über von Silber und Blau neunmal geteiltem Wellenschildfuß in Rot eine silberne Bohlenbrücke.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]
Städtepartnerschaften Neben einer Städtepartnerschaft mit der Kommune De Witt im US-Bundesstaat Iowa besteht ein Patenschaftsvertrag mit der polnischen Stadt Kreuz (Ostbahn) (poln. Krzyż Wielkopolski).
Kultur und Sehenswürdigkeiten Vereine Bredstedt hat ein stark ausgebildetes Vereinswesen. Hierzu zählen mehrere Sport- und Musikvereine.
Sportvereine Bedeutendster Sportverein der Stadt ist der Bredstedter TSV. Er bietet Breiten- und Wettkampfsport in den Hauptsportarten wie z. B. Fußball, Handball, Leichtathletik und weiteren an. Er nutzt vor allem die Sportanlagen an der Süderstraße und die Turnhalle auf dem Gelände der ehemaligen BGS-Schule im Gewerbepark Mittleres Nordfriesland.
Daneben gibt es den TC Bredstedt. Die Tennisanlage des Vereins befindet sich außerhalb des Zentrums im Wald von Quickhorn. Sie ist zu erreichen über die Ausfallstraße Richtung Dörpum.
Im SAV Bredstedt gehen die Sportangler ihrem Hobby nach.
Der älteste örtliche Sportverein ist die Bredstedter Ringreitergilde. Sie wurde bereits im Jahr 1783 gegründet und gehört damit zu den ältesten Sportvereinigungen im Kreis Nordfriesland.
Ein weiterer Traditionsverein ist der Bredstedter Schützenverein, welcher im Jahr 1878 gegründet wurde. Die Schießsportanlage befindet sich am äußeren Ende der Westerstraße.
Der Bredsted IF von 1947 (Bredsted Ungdoms- og Idrætsforening) fördert die dänische Sport- und Jugendarbeit durch kulturelle und sportliche Tätigkeiten.
Musikvereine Dem Bredstedter Handwerkerverein ist ein erfolgreicher Spielmannszug zugehörig. Daneben gibt es mit der Bredstedter Liedertafel von 1842 einen traditionellen Herrenchor. Darüber hinaus besteht die Gelegenheit des Musizierens im Posaunenchor, welcher von der örtlichen evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde gebildet wurde.
Sonstige Vereine Für eine erfolgreiche Stadtentwicklung machen sich unter anderem der Handels- und Gewerbeverein und der Tourismusverein Bredstedt und Umgebung stark. Dem historischen Erbe widmet sich der 1990 gegründete Verein für Bredstedter Geschichte und Stadtbildpflege, der das Bredstedter Archiv im Bürgerhaus und einen Ausstellungsraum unterhält. Der örtliche Theaterverein, die Halligtor-Bühne Bredstedt, produziert jedes Jahr ein Weihnachtsmärchen, ein Sommerstück und ein Krimi-Dinner in hochdeutscher Sprache.
Museen Das kleine Automuseum Oldtimer im Stall von K. P. Nielsen stellt seit 1990 alte Autos, Motorräder und Motoren aus.Dieter Lammersdorf: Oldtimermuseen in Deutschland. Johann Kleine Vennekate-Verlag, Lemgo 2014, ISBN 3-935517-06-8, S. 8.Oldtimer im Stall Auf radiomuseum.org, abgerufen am 12. November 2022.
Bauwerke In der Liste der Kulturdenkmale in Bredstedt stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.
mini|hochkant|Ehem. Wasserturm der Reichsbahn Das Zentrum der Stadt Bredstedt ist heute architektonisch gesehen äußerst heterogen. Die älteste Entwicklungslinie erstreckt sich entlang von Norderstraße, Hohle Gasse, Markt und Osterstraße. Dabei bildet der Markt den historischen Ortskern.
Stilistisch hervorzuhebendes Gebäude ist unter anderem der an der Stirnseite des Marktplatzes dominierende Bau Sparkasse/Rathaus aus der Gründerzeit. Der nördliche Gebäudeteil stammt aus dem Jahr 1893/94. Hier war bis ins Jahr 2008 die Stadtverwaltung untergebracht. Der zweistöckige Backsteinbau ist stilistisch der Neugotik angelehnt. Der südliche Gebäudeteil wurde im Jahr 1930 als Anbau an der Ecke Markt/Bohnenstraße ausgeführt. Er wurde für die Spar- und Leihkasse zu Bredstedt errichtet, die mittlerweile das gesamte Gebäude nutzt. Dieser Anbau stammt aus der Feder des Flensburger Architekten Guido Widmann. Im Entwurf nahm er die neugotischen Fassadenelemente in abgeschwächter Form mit auf.
Weitere stilistisch ins Auge fallende Gebäude am Markt sind Wolf's alte priv. Apotheke und das Wohnhaus des ehemals größten Bredstedter Unternehmers, des Tabakfabrikanten Preisler. Letzteres bildet zusammen mit dem ehemaligen und inzwischen restaurierten Fabrikgebäude einen kleinen Innenhof.
Am Beginn der Osterstraße befinden sich gegenüberliegend zwei aus der gesamten Häuserzeile aufgrund ihrer Doppelstöckigkeit dominierende Gebäude. Es handelt sich um das ursprünglich als Postgebäude errichtete Geschäftshaus an der Südseite und das Nordfriesische Haus an der Nordseite der Straße. Sie sind beide für die weitergehende Häuserzeile untypisch in trauf- anstatt giebelständiger Bauweise ausgeführt. Das ehemalige Postgebäude ist ein typisch norddeutscher Backstein- und Klinkerbau. Das davor liegende Haus der Landvögte passt sich in der Fassade dem Nachbarhaus an, ist allerdings nur einstöckig mit einem Walmdach ausgestattet.