mini|rechts|alternativtext=Fotografie einer Gruppe Guerillas|Pathet Lao Guerillas in Sam Neua (1953) mini|Die Pathet Lao übernahm als Symbol die Flagge der kurzlebigen Lao-Issara-Regierung. Seit 1975 ist es die Staatsflagge von Laos. Die Pathet LaoDas Genus des Begriffs „Pathet Lao“ ist in der deutschen Literatur nicht einheitlich, es werden je nach Text die Artikel „der“, „die“ oder „das“ verwendet, teilweise wird der Begriff auch als Pluraletantum (d. h. ausschließlich Pluralform) aufgefasst. In diesem Artikel wird einheitlich die feminine Singularform („die Pathet Lao ist“) genutzt. (laotisch , „Land der Lao“ oder „Laotische Nation“) war eine laotische militärische Widerstandsbewegung mit kommunistischer Ausrichtung. Sie wurde 1950Das gelegentlich angegebene Gründungsdatum 1944 ist definitiv falsch, zu diesem Zeitpunkt gab es in Laos noch keine organisierte Unabhängigkeitsbewegung und Souphanouvong war noch nicht politisch tätig. nach der Spaltung der Unabhängigkeitsbewegung Lao Issara mit Unterstützung der vietnamesischen Việt Minh gegründet und kämpfte anfangs im Ersten Indochinakrieg gegen die Franzosen, später im Laotischen Bürgerkrieg, einem Nebenkriegsschauplatz des Vietnamkriegs, mit Unterstützung Nordvietnams gegen die von den Vereinigten Staaten unterstützte Königliche Laotische Armee. Oberhaupt der Pathet Lao war der „rote Prinz“ Souphanouvong, einflussreichste Person wurde mit wachsendem nordvietnamesischen Einfluss jedoch zunehmend Kaysone Phomvihane. Als Hauptquartier dienten die Höhlen von Viengxay in Nordostlaos. 1956 wurde als Massenorganisation und politischer Flügel die Neo Lao Hak Sat (Laotische Patriotische Front, laotisch: ແນວລາວຮັກຊາດແນວ=Menschen,ລາວ=Laos,ຮັກ=lieben,ຊາດ=Nation: Laotische Menschen lieben die Nation) gegründet; 1965 benannte man die Pathet-Lao-Streitkräfte in Laotische Volksbefreiungsarmee um. 1975 übernahm die Pathet Lao die Macht im Land, rief die Demokratische Volksrepublik Laos aus und löste sich durch Umwandlung in mehrere staatliche Organisationen auf.
Bezeichnung Der Begriff „Pathet Lao“ entstand im August 1950 auf dem von der Lao-Issara-Nachfolgeorganisation Neo Lao Issara (laotisch:ແນວລາວອິດສະລະ Front für ein freies Laos) durchgeführten Ersten Widerstandskongress, einer Veranstaltung derjenigen Teile der laotischen Unabhängigkeitsbewegung, die die mit Frankreich geschlossene Autonomievereinbarung ablehnten und die Fortsetzung des Widerstandes mit Unterstützung der vietnamesischen Kommunisten vorzogen. Auf diesem Kongress wurde ein 12-Punkte-Manifest verabschiedet, das mit „Pathet Lao“, also „Land der Lao“, unterzeichnet war, da der Widerstandskongress den Anspruch erhob, für die gesamte von Frankreich befreite laotische Nation zu sprechen. Der Begriff wurde infolgedessen schnell als Name für die gesamte Bewegung übernommen. In der westlichen Welt wurde „Pathet Lao“ dann später meist als Synonym für „laotische Kommunisten“ verwendet. „Pathet Lao“ war also eigentlich nur ein Oberbegriff und keine Organisation (das war die Front Neo Lao Issara bzw. ab 1956 die Neo Lao Hak Sat sowie später zusätzlich die Laotische Volksbefreiungsarmee), faktisch sind die Begriffe aber so untrennbar miteinander verbunden, dass die Pathet Lao allgemein als die laotische Widerstandsorganisation angesehen wird.A. J. Dommen: Conflict in Laos. 1971, S. 70.Pathet Lao. In: M. Stuart-Fox u. a.: Historical Dictionary of Laos. 1992, S. 103.
Geschichte Vorgeschichte bis 1949 Nachdem Frankreich 1940 im Zweiten Weltkrieg in Europa besiegt worden war, besetzte das Japanische Kaiserreich im September des gleichen Jahres die französische Kolonie Indochina. Infolgedessen kam es zur Doppelherrschaft des japanischen Militärs und vichy-treuer französischer Kolonialbeamter. Im März 1945 ließ Japan jedoch die (aufgrund der Kriegslage nicht mehr als loyal geltenden) Franzosen inhaftieren und drängte die vietnamesischen, laotischen und kambodschanischen Monarchen dazu, sich für unabhängig zu erklären, woraufhin im Fall Laos Sisavang Vong, König des Protektorats Luang Prabang, am 8. April die Unabhängigkeit des Königreichs Laos proklamierte. Nachdem Japan am 15. August 1945 kapituliert hatte, nutzten Unabhängigkeitsbewegungen wie Hồ Chí Minhs Việt Minh in Vietnam oder Prinz Phetsaraths Lao Issara in Laos das Machtvakuum und riefen die Unabhängigkeit erneut aus, während der laotische König hingegen beim Eintreffen der ersten britischen, chinesischen und französischen Besatzungstruppen sich wieder Frankreich unterwarf. Es brach nun der (hauptsächlich in Vietnam ausgetragene) Erste Indochinakrieg zwischen den Unabhängigkeitsbewegungen und Frankreich aus.
Prinz Phetsaraths jüngerer Halbbruder, Prinz Souphanouvong, befand sich zum Zeitpunkt der japanischen Kapitulation im vietnamesischen Vinh, wo er als bei der Kolonialverwaltung angestellter Ingenieur Brücken baute. Er begab sich nun direkt zu Hồ Chí Minh und erklärte sich – obwohl er zuvor nie politisch oder militärisch tätig gewesen war – bereit, eine laotische Unabhängigkeitsbewegung anzuführen. Mit vietnamesischer Unterstützung kehrte Souphanouvong daraufhin nach Laos zurück, wo er den Widerstand gegen die anrückenden Franzosen organisierte und Minister sowie kurz darauf zusätzlich militärischer Oberbefehlshaber der in seiner Abwesenheit gegründeten Lao-Issara-Regierung wurde. Gegen die französische Armee war die Lao Issara jedoch chancenlos, in der einzigen offenen Feldschlacht bei Thakhek im März 1946 wurden die Laoten vernichtend geschlagen. Der Großteil der Lao Issara, darunter auch der verwundete Souphanouvong, floh nun nach Bangkok, wo eine Exilregierung entstand, ein kleinerer Teil ins nördliche Vietnam. Während seiner Zeit als Oberbefehlshaber im Exil kooperierte Souphanouvong eng mit der Việt Minh, wofür er von anderen Mitgliedern der Exilregierung, die den Vietnamesen aus historischen Gründen oder dem Sozialismus feindselig gegenüberstanden, stark kritisiert wurde, woraufhin Souphanouvong letzten Endes im Mai 1949 die Lao Issara verließ. Nachdem Frankreich mit der Französisch-laotischen Generalkonvention im Juli des gleichen Jahres erhebliche Autonomiezusagen gemacht sowie eine Amnestie erlassen hatte, löste sich die verbliebene Lao Issara schließlich auf und die meisten Mitglieder kehrten friedlich ins Königreich Laos zurück, wo viele von ihnen politische Ämter in der (profranzösischen) königlichen Regierung übernahmen. Phetsarath, der sich in seiner Ehre gekränkt sah, da ihm der König seine Titel entzogen hatte, blieb jedoch in Bangkok, seine Rolle als führender laotischer Politiker übernahm nun bald sein jüngerer Bruder (und Souphanouvongs älterer Halbbruder) Souvanna Phouma.M. Stuart-Fox u. a.: Historical Dictionary of Laos. Abschnitt „Chronology“ (xxxii–xxxiv) sowie Lemmata Souphanouvong. S. 142ff und Lao Issara. S. 73f.
Gründung im Indochinakrieg Nach dem Verlassen der Lao Issara kündigte Souphanouvong die Bildung eines Laotischen Befreiungskomitees zur Fortsetzung des Widerstandes an. Auch andere bedeutende Mitglieder der Unabhängigkeitsbewegung waren nicht bereit, die französischen Bedingungen zu akzeptieren: Die 1946 ins nördliche Vietnam geflohenen Lao-Issara-Mitglieder hatten dort mit Hilfe der Việt Minh ein Komitee für laotischen Widerstand im Osten gegründet, dessen Anführer Nouhak Phoumsavan war. Ein weiteres Mitglied dieses Komitees, Kaysone Phomvihane, Sohn eines vietnamesischen Vaters und einer laotischen Mutter, hatte im Januar 1949 die Latsavong-Brigade aufgestellt, aus der sich später die Pathet-Lao-Streitkräfte bzw. die Laotische Volksbefreiungsarmee entwickeln sollten. Es entstand nun als Nachfolgeorganisation der Lao Issara die Neo Lao Issara (Front für ein freies Laos).
Souphanouvong erreichte im Herbst 1949 die Provinz Tuyên Quang, wo er zum zweiten Mal mit Hồ Chí Minh sowie mit General Võ Nguyên Giáp zusammentraf. Vom 13. bis zum 15. August 1950 fand nun im nördlichen Vietnam (nach anderen, unwahrscheinlicheren Angaben in der nordostlaotischen Provinz Houaphan) mit massiver Unterstützung der Việt Minh der sogenannte Erste Widerstandskongress der Neo Lao Issara statt, der als Gründungsereignis der Pathet Lao gilt. Auf diesem Kongress, an dem vermutlich etwa 150 Personen teilnahmen, wurde das namensgebende 12-Punkte-Manifest (siehe Abschnitt Bezeichnung) beschlossen, in dem die von nun an als Pathet Lao bekannte Bewegung als Ziele unter anderem „Vertreibung der französischen Kolonialisten, Verhinderung internationaler imperialistischer Interventionen, Formung eines unabhängigen und vereinten Landes Laos und Schaffung einer Koalitionsregierung, Realisierung von Demokratie, Freiheit und Gleichheit der Ethnien sowie Verbrüderung mit den Völkern von Vietnam und Kambodscha“ definierte. Des Weiteren wurde eine Nationale Widerstandsregierung als Gegenstück zur profranzösischen königlichen Regierung in Vientiane aufgestellt, der neben Souphanouvong Kaysone Phomvihane, Nouhak Phoumsavan, Phoumi Vongvichit, Souk Vongsak, Faydang Lobliayao und Sithon Kommadam – letztere beiden bedeutende Minderheitenführer – angehörten. Die Neo Lao Issara bestand weiter und sollte als Massenorganisation zukünftig den zentralen Bestandteil der Pathet Lao bilden. Es wurde ein Zentralkomitee gewählt, dem 19 Personen, darunter alle Minister der Gegenregierung, angehörten.Souphanouvong. In: M. Stuart-Fox u. a.: Historical Dictionary of Laos. S. 142 ff. und Free Laos Front. S. 45 f. sowie Appendixe 9 und 10, S. 245 f.Michael Schultze: Die Geschichte von Laos. (= Mitteilungen des Institutes für Asienkunde. 236). Hamburg 1994, S. 123.A. J. Dommen: Conflict in Laos. 1971, S. 69/70, Ziele der Pathet Lao sinngemäß übernommen von S. 70, dort wiederum basierend auf A Chronicle of Principal Events Related to the Indo-China Question, 1945–1954. World Culture Publishing House, Peking 1954.
Militärisch spielte die Pathet Lao im Ersten Indochinakrieg noch keine Rolle. Die Pathet-Lao-Streitkräfte umfassten zu Beginn nur etwa 300 primitiv bewaffnete Guerillakämpfer, bis Kriegsende stieg deren Zahl dann langsam, aber stetig an. Selbst verglichen mit der kleinen französischen Garnison in Laos (3.000 Franzosen und 12.000–13.000 laotische Hilfstruppen) war die Pathet Lao militärisch bedeutungslos; insgesamt umfassten sowohl die französische Armee in Indochina als auch die Việt-Minh-Armee (einschließlich Hilfstruppen und Irregulärer) je etwa 400.000 Mann.Martin Windrow: The French Indochina War 1946–1954. Osprey Publishing, London 1998, S. 11, 23.Colonialism. In: Stanley I. Kutler (Hrsg.), Jean Delmas: Encyclopedia of the Vietnam War. Charles Scribner's Sons, New York 1996, S. 139.
Seit der gewaltsamen Vertreibung der Lao Issara 1946 hatten in Laos keine größeren Kampfhandlungen stattgefunden. Erst nachdem die Việt Minh bis Winter 1952/53 ihre Kerngebiete im vietnamesisch-chinesisch-laotischen Grenzgebiet gefestigt hatte, begann sie mit einer Invasion des laotischen Territoriums. Ziele des Angriffs waren die Konsolidierung der bisher „befreiten“ Gebiete, Besetzung der strategisch wichtigen Pässe im Grenzgebiet und Bindung französischer Truppen im ansonsten wenig bedeutenden Laos. Im Dezember 1952 wurden zahlreiche Grenzposten überrannt, die Hauptinvasion startete dann im April 1953 und führte nach der Vernichtung der Garnison von Muang Khoua zur Besetzung der Provinz Houaphan und Teile der angrenzenden Nachbarprovinzen sowie einem Vorstoß bis kurz vor Luang Prabang. Im Dezember 1953 stieß die Việt Minh gegen Thakhek und in die Provinz Attapeu in Südlaos vor, im Monat darauf eroberte sie die Nordprovinz Phongsali.