Paul Rudolf „Rolf“ Kauka (* 9. April 1917 in Markranstädt; † 13. September 2000 in Thomasville, Georgia) war ein deutscher Produzent und Verleger für Comics. Er schuf unter anderem die Figuren Fix und Foxi. Aufgrund seines Erfolges wurde Kauka zu Lebzeiten als „der deutsche Walt Disney“ bezeichnet. Unter anderem wegen der antisemitischen, rassistischen und deutschnationalen Umdeutung von Asterix und Obelix 1965/66 in seiner Comiczeitschrift Lupo Modern ist er allerdings auch stark umstritten.

Leben Rolf Kaukas Vater Alexander Paul Kauka war Hufschmied und Wagenbauer, wurde im Ersten Weltkrieg schwer verwundet und war danach unter anderem als Lagerarbeiter und Schrankenwärter tätig. Rolf Kauka selbst besuchte zunächst die Volks- und Realschule in Markranstädt bzw. Leipzig. Er verließ sie 1931 vorzeitig und absolvierte eine Ausbildung zum Drogeriegehilfen, wiederum in Markranstädt. Dort trat er am 1. Februar 1933, zwei Tage nach Machtergreifung der Nationalsozialisten, der Hitlerjugend bei, wo er schließlich den Posten eines Jungzugführers bekleidete. Kaukas Lehrzeit endete Anfang 1934, aber er blieb noch zwei Jahre in seinem Ausbildungsbetrieb, bevor er aus eigenem Entschluss kündigte.Eckart Sackmann, Klaus Spillmann, Klaus Wintrich: Rolf Kauka – Der lange Weg zu Fix und Foxi. S. 105 ff.

Über den Verbleib Kaukas ab März 1936 liegen zwar keine gesicherten Informationen vor, doch sind einige Cartoons für die Leipziger Neuesten Nachrichten und das Weißenfelser Tageblatt bekannt, die 1937 erschienen und mit Rudo Kauka signiert sind. Indizien legen zudem nahe, „dass Rolf Kauka Mitte 1936 seine Heimatstadt verließ, um in Bitterfeld und Weißenfels für Tageszeitungen der NSDAP als Texter und Zeichner zu arbeiten.“ Rolf Kaukas spätere Selbstauskunft, er habe ein Gymnasium besucht und vier Semester Betriebswirtschaft studiert, ist hingegen nicht zutreffend. Auch verwies er gerne auf finnische Ahnen, was jedoch nicht belegt ist. Seine Vorfahren väterlicherseits zogen im 19. Jahrhundert von Schlesien nach Sachsen, während seine Mutter aus dem Oberhessischen stammte.

1938 leistete er den Reichsarbeitsdienst ab und wurde anschließend, Ende November 1938, zur Wehrmacht eingezogen. Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs bewarb er sich als Berufsoffizier. Dabei gab er als Berufsbezeichnung Presse-Zeichner an.Eckart Sackmann, Klaus Spillmann, Klaus Wintrich: Rolf Kauka – Der lange Weg zu Fix und Foxi. S. 107. Im Krieg war er 1939 beim Überfall auf Polen im Einsatz, nahm 1940 am Westfeldzug teil und wurde 1944 an der Ostfront eingesetzt, ehe er sich als mehrfach dekorierter Oberleutnant eines Flakregiments bereits einige Wochen vor der endgültigen Kapitulation zu seiner Familie nach Prien am Chiemsee absetzte.

Kauka war insgesamt viermal verheiratet. So heiratete er im Juni 1943 die angehende Ärztin Erika Bahre. Aus dieser Ehe gingen drei Töchter hervor, darunter Marlis „Mascha“ Kauka (* 14. Feb. 1945), Kochbuchautorin und Verlegerin und heute Vorsitzende der Stiftung Amazonica. Auch aus seiner zweiten Ehe hatte er zwei Kinder, darunter seinen einzigen Sohn Michael (1962–2006). Zuletzt war Rolf Kauka von Ende 1975 bis zu seinem Tod mit Alexandra Kauka, geb. Stahl, verheiratet.

Erste Verlegeraktivitäten Nach Kriegsende musste sich Kauka beruflich neu orientieren. Er beschloss, nach dem Vorbild seiner Schwiegermutter Emma Bahre verlegerisch tätig zu werden, obwohl er in dieser Hinsicht keine Vorkenntnisse besaß. Dafür war nach alliiertem Besatzungsrecht eine personenbezogene Verlagslizenz zwingend erforderlich. Bahre war während der NS-Zeit Geschäftsführerin des Berliner Freiheitsverlages gewesen, der unter anderem Handbücher für Polizeirecht verlegt und die Ideologie der NSDAP vertreten hatte. Eine Fortführung dieser Verlagstätigkeit war somit nach Kriegsende ausgeschlossen; Emma Bahre selbst wurde bei der Entnazifizierung als NS-Belastete eingestuft. Kauka bemühte sich deshalb Ende 1945 selbst um eine Lizenz, fälschte dafür seinen Lebenslauf (unter anderem gab er sich als promovierter Literaturwissenschaftler Dr. Rudolf Kauka aus), wurde aber dennoch nach einer Anhörung vorerst abgewiesen. Auch sein persönliches Entnazifizierungsverfahren konnte aufgrund seiner falschen Angaben länger nicht abschließend beantwortet werden, bis er schließlich im April 1947 lediglich als Mitläufer eingestuft wurde. Trotzdem erschien bereits Anfang desselben Jahres eine erste Publikation mit dem Vermerk Kauka-Verlag, Prien am Chiemsee: ein kleinformatiges Handbuch mit dem Titel Leitfaden für Polizeibeamte von „Dr. E. G. Mayer“, laut Angaben im Buch „Städtischer Rechtsrat im Polizeipräsidium München“. Dafür bediente man sich eines Taschenspielertricks: Laut Impressum erschien die Broschüre unter der Lizenz des Heidelberger Freiheit-Verlages von Kurt Sellin. Offenbar setzte man auf die Namensähnlichkeit mit Emma Bahres ehemaligem Unternehmen. Eine Geschäftsbeziehung zwischen Kauka und Sellin ist nicht nachgewiesen. Dieses Buch sollte allerdings für einige Jahre die einzige Publikation des Kauka-Verlags bleiben. Anfang 1948 folgt dann der erste Band einer geplanten Reihe Elemente der Rechtswissenschaft (Kurzlehrbücher für Studium und Praxis), auf dessen Titel der Name Rudolf Kauka wie ein Verfassername steht, obwohl er nur als Herausgeber der Reihe fungierte. Der eigentliche Autor war der Jurist Norbert Pohl, den Kauka in Prien kennengelernt hatte. Dieser Band erschien im neu gegründeten Verlag der Zwölf in München, wo Kauka nun eine Anstellung fand, wofür er noch Jahre später dem Schriftsteller und Verleger Harry Schulze-Wilde dankte.Eckart Sackmann, Klaus Spillmann, Klaus Wintrich: Rolf Kauka – Der lange Weg zu Fix und Foxi. S. 111 f. Dieser war Inhaber einer echten Lizenz der US-amerikanischen Kontrollbehörden. Mit Schulze-Wilde gründete Kauka im September 1948 die Münchener Verlagsbuchhandlung Harry Schulze-Wilde & Co. Dabei firmierte er wieder als „Dr. Rudolf Kauka“ – die Fiktion aus dem Lizenzierungsverfahren erhielt er weiter aufrecht.

Die Münchener Verlagsbuchhandlung wurde zum Ausgangspunkt für Kaukas verlegerische Tätigkeit in den Anfangsjahren. Mit dem Wegfall der Lizenzpflicht schied Schulze-Wilde im Oktober 1949 aus der Firma aus, die danach mit dem Zusatz Rudolf Kauka OHG fortgeführt wurde. Man verlegte juristische Fachpublikationen, aber auch zwei Broschüren zu aktuellen politischen Themen. Vor allem aber wandte sich der Verlag der Unterhaltungsliteratur in Form von Romanheften und Magazinen zu. So erschienen bereits im Herbst 1948 drei Reihen: das kleinformatige ax Kriminal-Magazin, die Romanheftserie Der neue Film-Roman, anfangs im großen Illustriertenformat, und der Argus Kriminalroman, dessen wiederum kleinformatigen Hefte einzig dem Kriminalschriftsteller C. V. Rock gewidmet waren. Letztere gab man allerdings nach nur wenigen Ausgaben wieder ab.

Auch ax wurde bereits Anfang 1949 nach vier Ausgaben durch ein Neues Kriminalmagazin abgelöst, das anfangs im kurzlebigen Heinz Ullstein Verlag erschien. Den Vertrieb und ab Mitte 1949 die Heftredaktion übernahm die Münchener Verlagsbuchhandlung. Im März 1950 kam kurzzeitig eine Fachzeitschrift unter dem Titel Technische Neuheiten und Erfindernachrichten hinzu, die im Laufe des Jahres dreimal den Titel änderte und schließlich nach nur fünf Ausgaben weitergereicht wurde. Diese Publikation blieb ein Fremdkörper im Verlagsportfolio, das sich nun verstärkt der populären Lektüre verschrieb und dazu ca. Mitte 1950 die Westernromanserie Bill Rocky auf den Markt brachte. Noch im Herbst desselben Jahres folgte Mix, eine kleinformatige Unterhaltungsrevue in Fortführung des Münchener Neuen Magazins, und schließlich zum Jahreswechsel 1950/51 die überformatige Illustrierte Er – die Zeitschrift für den Herrn, eine Übernahme aus dem AWA-Verlag. Diese drei Titel erschienen von Beginn an im Kauka Verlag – wie Kriminalmagazin und Filmroman inzwischen auch –, der allerdings offiziell erst im November 1951 im Handelsregister eingetragen wurde, zunächst mit Erika Kauka als Inhaberin und kurz nachdem die Münchener Verlagsbuchhandlung von einer OHG in den Alleinbesitz Rolf Kaukas gewechselt war.

Das Jahr 1951 markierte eine erste Zäsur in Kaukas Verlegertätigkeit. Im Frühjahr stellte das Neue Kriminalmagazin nach der 27. Ausgabe sein Erscheinen ein, bald darauf auch Mix mit der Nr. 7. Es folgte noch eine Remittendenverwertung in Sammelbänden zu drei Heften dieser Reihen bzw. einem Exemplar des Filmromans unter dem Titel Buntes Magazin. Zum Jahresende wechselte dann auch Er erneut den Verlag, ebenso Bill Rocky und der Filmroman, mittlerweile umgestellt auf die gängige Romanheftgröße und umbenannt in Delphin Roman. Diese beiden Serien wurden nun vom Rastatter Roman- und Rätselheftverleger Erich Pabel fortgeführt.

1952 versuchte Kauka es zunächst auf einem neuen verlegerischen Gebiet: Er produzierte zwei Sammelalben samt den dazugehörigen Einzelbildern in Anlehnung an Bill Rocky und Flying Jack, eine weitere Western-Romanheft-Serie aus dem Pabel Verlag. Herstellung und Vertrieb der Alben unter dem Titel Der wilde Westen bzw. Indianerland oblagen jedoch Pabel, während der Kauka Verlag die Funktion eines Bildertauschdienstes übernahm. Erst gegen Ende des Jahres trat Kauka wieder als eigenständiger Verleger in Erscheinung, diesmal mit der schmalen Jugendzeitschrift Colombo, die sich vorwiegend Erzählungen und Reportagen aus aller Welt widmete, aber auch einen ersten Kurzcomic enthielt: einen Pantomimenstrip mit einer Figur namens Dagobert. Dieser stammte von dem Münchener Kunstmaler und Illustrator Dorul van der Heide, der auch bereits einen großen Teil der Bilder zu den Sammelalben beigesteuert hatte. Colombo wurde im Februar 1953 mit der Nr. 3 eingestellt, die Zusammenarbeit mit van der Heide fing aber nun erst richtig an.

Karriere als Comic-Verleger

Anfang der 1950er Jahre begannen die ersten US-amerikanischen Comics, den westdeutschen Markt zu erobern. Kauka erkannte durchaus die Chancen, die dieses für Deutschland neue Massenmedium bot. Jedoch wollte er nach eigener Auskunft zunächst Trickfilme produzieren. Allerdings verfügte er dazu weder über die notwendigen technischen noch über die personellen Voraussetzungen. Also begann er, eigene Comicfiguren zu entwickeln und engagierte dafür Dorul van der Heide als zunächst einzigen Zeichner, der allerdings schnell per Aushang an der Münchener Kunst-Akademie einen Assistenten suchte und fand: Werner Hierl. So erschien im Mai 1953 Kaukas erstes Comic-Heft Till Eulenspiegel, dessen Charaktere an Figuren der deutschen Märchen-, Fabel- und Volkserzählungen angelehnt waren. In Heft 6 tauchten dann in einer Kurzgeschichte zum ersten Mal die Fuchszwillinge Fix und Foxi auf, die bald zu Publikumslieblingen avancierten. Nachdem ab Heft 10 mehrere Ausgaben auf der Titelseite groß auf Fix und Foxi hingewiesen hatten, wurde die Reihe Anfang 1955 ab Nr. 29 endgültig in Fix und Foxi umbenannt. Die Serie, die über 300 Millionen Hefte verkaufte und in der Spitze eine wöchentliche Druckauflage von über 400.000 Exemplaren erreichte,Auflagenlisten der IVW 1961–1994; fehlende Angaben extrapoliert. Eine Auswertung der Zahlen s. auch auf kaukapedia.com entwickelte sich zum größten Comic-Erfolg Deutschlands. Kauka war jedoch zunächst lediglich Produzent der unter seinem Namen erscheinenden Comics. Verlag und Vertrieb und damit das eigentliche unternehmerische Risiko übernahm wiederum Erich Pabel.