mini|Wiesbaden-Biebrich, vom Rheinufer mit Schlosspark bis zur Galatea-Anlage, auf Höhe der Armenruhstraße befindet sich die St.-Marien-Kirche Biebrich ist ein Ortsbezirk der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden.

Er ist mit rund 39.000 Einwohnern bevölkerungsmäßig der größte Stadtteil von Wiesbaden. Die Stadt am Rhein wurde am 1. Oktober 1926 nach Wiesbaden eingemeindet und war bis dahin selbständig. Bis zum Bau des Wiesbadener Stadtschlosses 1841 war Schloss Biebrich die Residenz der Herzöge von Nassau.

Lage in Wiesbaden Biebrich liegt am Rheinufer rund 5 Kilometer südlich des Stadtzentrums (Luftlinie). Nachbarstadtteile sind im Westen Schierstein, im Nordwesten Dotzheim und das Rheingauviertel, im Norden und Nordosten Südost und Erbenheim sowie im Osten Amöneburg. Auf der gegenüberliegenden Rheinseite liegt der Mainzer Stadtteil Mombach. In Biebrich münden die aus Wiesbaden kommende Salzbach sowie der oberhalb von Dotzheim entspringende Mosbach in den Oberrhein.

Geschichte mini|Denkmal zur Ersterwähnung im Jahr 874 mini|Biebricher Schloss vom Rheinufer aus gesehen mini|Fürst Karl von Nassau-Usingen verlagerte die Residenz nach Biebrich: Mit dieser Urkunde wurden im Dezember 1768 Mundköche und Küchenmeister für das Schloss Biebrich bestellt Erstmals erwähnt wurde Biebrich 874 als Villa Biburc. Der spätere Kaiser Otto III. schenkte Biebrich und Mosbach 991 dem Kloster Selz im Elsass. Die Herren von Bolanden-Falkenstein waren Vögte über diesen Besitz und verkauften ihre Rechte 1267–1285 an das Kloster Eberbach. Letzteres kaufte schließlich 1296 auch den Besitz vom Kloster Selz und gab Biebrich an König Adolf von Nassau weiter. Bis ins 20. Jahrhundert war es eine Kleinstadt und die Sommerresidenz der Fürsten und (seit 1806) Herzöge von Nassau. Diese erbauten die barocke Anlage Schloss Biebrich (1700–1744, Architekten: Maximilian von Welsch und Friedrich Joachim Stengel). 1749 wurde mit dem Bau der heutigen Biebricher Allee begonnen, um Biebrich in direkter Linie mit dem Stadtschloss Wiesbaden zu verbinden. Im Biebricher Schloss gründete sich dann 1778 der heute älteste eingetragene Verein Wiesbadens, die Freimaurerloge Plato. Der Landschaftsgarten, welcher das Schloss umgibt, wurde 1817 bis 1823 durch Friedrich Ludwig von Sckell angelegt. Der heutige Schlosspark am Ufer des Rheins beherbergt verschiedene freilebende Papageienarten, vor allem Halsbandsittiche und Große Alexandersittiche.

Im 19. Jahrhundert wurden Biebrich und Amöneburg ein bedeutendes Industriezentrum im Rhein-Main-Gebiet mit Fabriken unter anderem von Dyckerhoff (Zement), Kalle und Albert (Chemie), Rheinhütte und Henkell (Sekt). Die Zentralkommission für die Rheinschifffahrt vereinbarte am 31. März 1831 die Mainzer Akte, mit der Biebrich zum Rheinhafen mit dem Recht auf ein Warenfreilager erklärt wurde. Trotz eines Sabotageaktes Mainzer Kaufleute wurden bis 1845 Zollhaus, Kaimauer und Landungsbrücken errichtet. Ein weiterer Ausbau des Hafens Ende des 19. Jahrhunderts scheiterte am Widerstand Wiesbadens. Biebrich und Mosbach bildeten seit jeher eine gemeinsame Gemeinde, bis 1891 mit dem Status eines Fleckens.Staatshandbuch Hessen-Nassau 1820, Flecken Biebrich-Mosbach im Amt WiesbadenStaatshandbuch Hessen-Nassau 1866, Flecken Biebrich-Mosbach im Amt Wiesbaden Im Jahre 1891 erhielt der Flecken Biebrich-Mosbach das Stadtrecht gemäß der Preußischen Städteordnung, der Doppelname wurde aber nur bis 1893 geführt und dann zu Biebrich verkürzt.Stadt Wiesbaden: Geschichte des Stadtteils Biebrich Von der Wirtschaftskrise nach dem Ersten Weltkrieg war die Kleinstadt stark betroffen und litt unter der hohen Arbeitslosigkeit. Biebrich verband sich daher mit der großen und reichen, nahegelegenen Kurstadt Wiesbaden. In Biebrich befand sich das Unternehmen Dr. E. Uhlhorn & Co. und bot in den 1950er Jahren das Schlafmittel NervophyllMünchener Medizinische Wochenschrift. Band 95, Nr. 1, 2. Januar 1953, S. CV (Anzeiger von Dr. E. Uhlhorn & Co. Wiesbaden-Biebrich). an.

In den 1960er und 70er Jahren kam es in Wiesbaden zu einem hohen Bevölkerungswachstum. Daher wurden verstärkt Großsiedlungen errichtet. Die erste war die Siedlung Parkfeld westlich des Biebricher Schlossparks. Zur Planung wurde 1959 ein Wettbewerb veranstaltet, den Ernst May gewann. Er wurde daraufhin zum Planungsbeauftragten der Stadt Wiesbaden ernannt. Im Rahmen der Planungen für Das neue Wiesbaden entwickelte er nach dem Vorbild der Planungen am Parkfeld die Siedlungen in Klarenthal und am Schelmengraben.Stadt Wiesbaden (Hrsg.): Großsiedlungen (Zugegriffen am 5. April 2015)

Heute ist Biebrich der größte Stadtteil von Wiesbaden mit ca. 39.000 Einwohnern.

Wirtschaft und Infrastruktur Industrie In Biebrich befindet sich die Henkell-Sektkellerei. Das repräsentative Gebäude wurde von Paul Bonatz im neoklassizistischen Stil zwischen 1907 und 1909 erbaut. Vom Marmorsaal im Rokokostil gelangt man in die 7 Untergeschosse, wo sich die Produktion, Abfüllanlagen, Lagerung der bis zu 200.000-Liter-Fässer und Versand befinden.

Im Osten Biebrichs beginnt der 96 ha große Industriepark Kalle-Albert, der in den Wiesbadener Ortsbezirk Mainz-Amöneburg hineinragt.

Im Norden liegt der Dyckerhoffbruch, ein Kalksteinbruch des Zementherstellers Dyckerhoff, der seit 1964 als Deponie genutzt wird.

Verkehr Biebrich ist über Autobahnabfahrten der A 66, der A 671 und A 643 zu erreichen. Letztere wird über die Schiersteiner Brücke an der Grenze zum Nachbarort Schierstein über den Rhein geführt und verbindet Biebrich mit Mainz im Land Rheinland-Pfalz. In Richtung Innenstadt Wiesbadens ist der Stadtteil über die vielbefahrene Biebricher Allee angebunden.

Im Wesentlichen wird Biebrich nur mit Stadtbussen der ESWE Verkehrsgesellschaft versorgt. Es gibt jedoch eine Expresslinie, die von Biebrich über Schierstein und Walluf nach Bad Schwalbach fährt. Der Anschluss an den Schienenpersonennahverkehr erfolgte 1844. Heute werden die Bahnhöfe Wiesbaden-Biebrich an der rechten Rheinstrecke mit den Regionalbahnen RB 10 und in der Hauptverkehrszeit RE 9, sowie Wiesbaden Ost (ehemals Biebrich Curve, Biebrich Ost) an der Taunus-Eisenbahn mit den S-Bahnen S1, S8 und S9 bedient. An den ehemaligen Stationen Landesdenkmal und Waldstraße an der Aartalbahn findet kein Zugbetrieb mehr statt. Über eine Reaktivierung wird nachgedacht.

Der Ort verfügte über Hafenanlagen am Rhein, die über die Bahnstrecke Curve–Biebrich und den ehemaligen Rheinbahnhof Biebrich ans Eisenbahnnetz angeschlossen waren. Der Hafen wurde 1841 beim Nebeljungenstreich durch konkurrierende Mainzer Kaufleute kurzzeitig von den Schifffahrtsrouten abgeschnitten.

Politik Am 23. September 2008 wurde dem Stadtteil für sein Engagement in Vielfalt, Toleranz und Demokratie von der Bundesregierung der Titel Ort der Vielfalt verliehen.Caritasverband Wiesbaden-Rheingau-Taunus e. V.: ; abgerufen am 10. Februar 2024.

Wahlergebnisse zum Ortsbeirat

Seit 1972 wird im Rahmen der Kommunalwahlen in Hessen auch der Ortsbeirat des Ortsbezirkes Biebrich gewählt. Nach den einzelnen Wahlergebnissen ergab sich jeweils folgende Sitzverteilung: CDU SPD GRÜNE FDP REP FW LINKE Gesamt 2021 5 4 4 3 0 0 1 17 2016 5 6 2 2 0 0 2 17 2011 6 6 3 1 1 0 0 17 2006 6 6 2 2 1 0 0 17 2001 6 7 2 1 1 0 0 17 1997 6 7 2 0 2 0 0 17 1993 6 7 2 1 0 1 0 17 1989 6 9 1 1 0 0 0 17 1985 8 8 1 0 0 0 0 17 1981 9 7 0 1 0 0 0 17 1977 8 8 0 1 0 0 0 17 1972 6 10 0 1 0 0 0 17

mini|Das barocke Schloss Biebrich mit seinem Park: ehemalige Residenz der Herzöge von Nassau

Kultur und Sehenswürdigkeiten Biebricher Schloss Das barocke Biebricher Schloss entstand 1700 bis 1750 direkt am Rheinufer in Wiesbaden-Biebrich. Das Residenzschloss der Nassauischen Herzöge liegt am Südende des großen Schlossparks.

Schlosspark Der 50 ha große Schlosspark, der im Stil englischer Landschaftsgärten mit einem Teich und der künstlichen Ruine Mosburg angelegt wurde, ist Schauplatz des traditionellen Pfingst-Reitturniers.

mini|hochkant|Galatea-Brunnen in der Robert-Krekel-Anlage Robert-Krekel-Anlage mini|hochkant|Vase im Renaissance-Stil in der Robert-Krekel-Anlage In der Robert-Krekel-Anlage, wo die Rathausstraße und die Straße der Republik aufeinandertreffen, sind mehrere Skulpturen aufgestellt. Ein Galateabrunnen wurde 1907So: Werner, S. 422; nach Howard Fuhs: Biebrich – Die Galatea Anlage und die Robert-Krekel-Anlage, soll das bereits 1900 geschehen sein. von Eugen Dyckerhoff der Stadt Biebrich geschenkt. 1981 und 2008/09 wurde der Brunnen restauriert. In der Anlage befindet sich ferner eine Vase mit Sockel im Renaissance-Stil, die der Stadt im Juni 1907 von der Firma Dyckerhoff & Widmann geschenkt wurde.Howard Fuhs: Biebrich – Die Galatea Anlage und die Robert-Krekel-Anlage.

Rheinufer mini|Blick auf den Rhein bei Biebrich, gemalt von Adolf Glatte um 1900: In der Bildmitte sind die Umrisse des Schlosses zu erkennen, rechts daneben die Oranier-Gedächtniskirche und angeschnitten am rechten Bildrand die ehemalige Rheinkaserne Das Biebricher Rheinufer ist vollständig zugänglich und ermöglicht einen freien Blick auf die Rheininsel Rettbergsaue. Die Uferpromenade ist als Teil des Hessischen Radfernwegs R3 und als internationaler Rheinradweg ausgeschildert. An einer Straße nahe dem Rheinufer liegt das Landhaus, in dem Richard Wagner Teile seiner Meistersinger von Nürnberg komponierte. Am östlichen Ende der Rheingaustraße liegen die 3 Unternehmenvillen von Dyckerhoff, Albert und Kalle.

Stadtbild Schon zu Zeiten der industriellen Kleinstadt Biebrich am Rhein entwickelte sich ein urbanes Stadtbild mit teils ansehnlichen Fassaden noch aus der wilhelminischen Ära, insbesondere auch Stadthäuser mit gewerblich nutzbaren Höfen. In dieser Zeit wurde auch die Adolfshöhe vor allem entlang der Wiesbadener Allee zu einem Villenviertel, welches mit dem Biebricher Wasserturm, dem nassauischen Landesdenkmal sowie der Henkell & Co. Sektkellerei drei ebenso auffällige wie sehenswerte Landmarken aus dieser Zeit besitzt. Zwischen 1959 und 1970 wurde nach Plänen von Ernst May westlich des Schlossparks die Siedlung Parkfeld errichtet.

Industriekultur Zur Route der Industriekultur Rhein-Main Wiesbaden gehören das Biebricher Zollhaus am Rheinufer, der Wasserturm, die Hammermühle, die Wuth’sche Brauerei sowie mehrere Villen.

Museum Das Museum Biebrich für Heimat- und Industriegeschichte präsentiert eine ständige Ausstellung zur Geschichte Biebrichs und zum Herzogtum NassauMuseum Biebrich für Heimat- und Industriegeschichte Museen in Hessen. Regelmäßig finden Sonderausstellungen statt, so 2020 zur Biebricher Filmgeschichte, vorwiegend über den Filmpionier Edwin Georg „Edy“ DengelAusstellung im Heimatmuseum über Biebricher Filmgeschichte Wiesbadener Kurier vom 30. Januar 2020. Das Museum ist im ehemaligen Stadtbad, einem Jugendstilgebäude, untergebracht.

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