mini|Flakpanzer IV „Wirbelwind“ mit dem 2-cm-Flakvierling 38 Als Flakpanzer IV werden alle Flugabwehrpanzer auf dem Fahrgestell des deutschen Panzerkampfwagen IV bezeichnet, die im Zweiten Weltkrieg entwickelt wurden und in diesem eingesetzt worden sind. Die zu dieser Fahrzeugfamilie gehörenden Modelle unterscheiden sich in ihrer Bauform und Bewaffnung. In der Gesamtheit zeigen diese Modelle jedoch die Entwicklung hin zu modernen Flugabwehrsystemen mit Kanonenbewaffnung.

Geschichte Luftabwehr der Panzertruppe Ursprung der Luftabwehr Die Luftwaffe war, neben der Marine und dem Heer, die jüngste Teilstreitkraft der deutschen Streitkräfte, da diese erst im Verlauf des Ersten Weltkrieges entstanden war. Erst mit der Entwicklung von Jagd- und Kampfflugzeugen, Bombern und Aufklärungsflugzeugen wurden Konzepte zur Abwehr dieser Luftfahrzeuge erforderlich. Der Einsatz von Luftschiffen und Ballonen hingegen war derart gering in der Bedrohung geblieben, dass wenige Maßnahmen durch die Heeres- und Marinekräfte ergriffen worden waren. Einzelne Fahrzeuge mit aufgesetzten Geschützen als Ballonabwehrkanonen blieben die Ausnahme.Terlisten: Flakpanzer IV Wirbelwind (Sd.Kfz. 164/4) & Ostwind Nuts&Bolts Vol.13. 2000, S. 2.

Auf die zunehmende Bedrohung während des Ersten Weltkrieges wurde mit der Entwicklung von leichten Salvenkanonen, wie der 3,7-cm-Sockel-Flak L/14,5, und schweren Geschützen gegen hochfliegende Flugzeuge, wie der 8,8-cm-Flak 16, reagiert.

Die alliierten Siegermächte des Ersten Weltkrieges verboten dem Deutschen Reich den Ausbau der Flugabwehr und ließen die Masse der vorhandenen Waffen nach dem Friedensvertrag von Versailles zerstören.

Mobile Luftabwehr der Wehrmacht Im Konzept des Blitzkrieges spielte die mobile Luftabwehr anfänglich eine untergeordnete Rolle, da der schnelle Aufbau der deutschen Jagdflieger-Truppe darauf abzielte, möglichst schnell die Luftherrschaft über dem Operationsraum der eigenen Streitkräfte zu erringen. Das noch im Ersten Weltkrieg erprobte Kaliber 8,8 cm wurde noch vor dem Beginn des Zweiten Weltkrieges als Hauptkaliber für den Objektschutz während des Spanischen Bürgerkrieges in Form der neuen 8,8-cm-Flak 18 fortgeführt.

Für die Begleitung von motorisierten Kolonnen und Panzern wurden leichte Flugabwehrkanonen im Kaliber 2 cm und 3,7 cm auf am Ende der 1930er-Jahre neu entwickelte ungepanzerte Halbkettenfahrzeuge, wie dem Sd.Kfz. 10/4, dem Sd.Kfz. 6/1 und dem Sd.Kfz. 7/1 montiert. Diese Fahrzeuge bildeten beim Kriegsbeginn die mobile Flugabwehr der Panzerverbände.Terlisten: Flakpanzer IV Wirbelwind (Sd.Kfz. 164/4) & Ostwind Nuts&Bolts Vol.13. 2000, S. 3.

Verlust der Luftherrschaft Die Ausdehnung des Herrschaftsraumes des Deutschen Reiches und die Vielzahl der Kriegsschauplätze und Gegner überforderten die deutsche Jagdflieger-Truppe ab 1941 zunehmend. Schon ab 1942/43 gewannen die Westalliierten im Luftraum über Frankreich, den Benelux-Staaten und dem Deutschen Reich sukzessive die Luftherrschaft, gleiches galt ab 1942 für den Mittelmeer-Luftraum. Der Separatfrieden des Königreichs Italien und das Ausscheiden aus der Achse führte zu einer weiteren Überlastung der deutschen Streitkräfte.

Die Panzerverbände der Wehrmacht waren nunmehr gegen Tieffliegerangriffe von gegnerischen Jagdbombern so gut wie wehrlos. Als die im weiteren Kriegsverlauf absolute alliierte Luftüberlegenheit im Westen ab 1943 Truppenbewegungen bei Tage fast unmöglich machte, forderte Generaloberst Heinz Guderian eine Abwehrwaffe gegen Tiefflieger, welche direkt den Panzerverbänden in der Bewegung und im Gefecht folgen sollte.

Einen ersten Versuch mit einem Truppenumbau hatte das Fla-Bataillon 614 (mot.) bereits 1941 mit dem Umbau von veralteten Munitionsschlepper I Ausf. A unternommen. Hierbei wurde das Geschütz an Stelle der Ladefläche auf der kleinen Fahrzeugwanne montiert und die Munition wurde auf einem Anhänger mitgeführt. Das zusätzliche Gewicht überlastete das Fahrzeug und die Geschützbedienung war beim Schwenken auf dem kleinen Panzeraufbau dem Richtschützen im Weg.

Entwicklung Die Entwicklung eines leichten Flakpanzers begann mit einer Anfrage des Generalluftzeugmeister / Flak am 2. September 1942 durch den Dipl.Ing. Klein dieses Referats L Flak 4 bei Krupp. Ziel war die Kombination einer leichten Flak auf einer gepanzerten Selbstfahrlafette. Zu dieser Zeit waren gerade die Panzerversuchsmodelle VK 13.05 „Luchs“ und VK 16.02 „Leopard“ als mögliche künftige Trägerfahrzeuge denkbar. Das zu entwickelnde Fahrzeug wurde als Versuchsflakwagen Leichte (VFW L) bezeichnet.Jentz: Flak Selbstfahrlafetten and Flakpanzer PT 12. S. 12–31.

Nachdem das Projekt des VK 16.02 eingestellt worden war, folgte am 20. Februar 1943 die Entscheidung, für den Versuchsflakwagen Leichte auf Fahrwerksteile der Panzerkampfwagen-IV-Serie zurückzugreifen.

Am 22. Februar wurde eine Liste möglicher Bewaffnungen für das von Krupp zu entwickelnde Fahrzeug festgelegt. Dies waren der 2-cm-Flakvierling 38, die 3,7-cm-Flak 36 und 43 sowie die 5-cm-Flak 41. Der folgende Entwurf zeigte einen doppelwandigen Aufbau (2 × 10 mm) mit abklappbaren Seitenwänden. Außerdem hatte das Fahrzeug an den Seiten je sechs große gummierte Laufrollen und eine 50-cm-Kette (Kgs 61/500/130); er hatte wenig mit den Standard-Panzerkampfwagen IV gemein, doch auf einer Tagung vom 29. Mai bis zum 1. Juni 1943 wurde die Firma Krupp informiert, dass sie alle Entwicklungsbemühungen zu forcieren habe. Für eine kurzfristige Modifizierung einer Panzerwanne des Pz.Kpfw. IV wurde Krupp der Kontrakt DE 0084/6307/43 der Luftwaffe erteilt, der sich auf die Entwicklung des Aufbaus für die Wanne mit abklappbaren Seitenwänden für den 2-cm-Flakvierling 38 bezog.

2-cm-Flakvierling auf Fahrgestell Pz.Kpfw. IV Hitler stand einer solchen Lösung anfangs skeptisch gegenüber, da er einen zu hohen Aufwand im Verhältnis zum Nutzen befürchtete. Erst im September 1943 genehmigte er die Entwicklung des Flakpanzer IV. Entsprechend der Planung wurde der erste Prototyp mit einem 2-cm-Flakvierling 38 Ende September 1943 fertiggestellt und General Guderian in der Erprobungsstelle Kummersdorf am 16. Oktober vorgeführt. Die Seitenwände konnten in drei Stellungen positioniert werden. Optimal für den Einsatz gegen Luftziele waren die vollständig in die Horizontale abgeklappten Seitenwände, dann jedoch war die Geschützbesatzung weitgehend ungeschützt.Terlisten: Flakpanzer IV Wirbelwind (Sd.Kfz. 164/4) & Ostwind Nuts&Bolts Vol.13. 2000, S. 4. Mit seitlichen ausgestellten Seitenwänden war der Einsatz eingeschränkt möglich. Mit hochgestellten Seitenwänden war der 2-cm-Flakvierling 38 nach vorne fixiert und ein Einsatz nicht möglich.

Bei einem Treffen der Panzerkommission am 21. Dezember 1943 wurde dann allerdings entschieden, dass als Bewaffnung für das Fahrzeug die 3,7-cm-Flak 43 Verwendung finden sollte. Krupp wurde am gleichen Tag beauftragt, für Hitler eine vollständige Konstruktionszeichnung des zuvor entworfenen Fahrzeugs mit den sechs großen Laufrollen zu erstellen, um das Fahrzeug Hitler vorzustellen. Die Planung wurde am 24. Januar durch den Ingenieur Klein per Mitteilung an Krupp dahingehend geändert, dass nunmehr Serienfahrgestelle des Panzerkampfwagen IV verwendet werden sollten. Nach der Vorführung entschied Guderian, dass das Fahrzeug seinen Anforderungen gerecht würde und dass ab April 1944 pro Monat 20 Fahrzeuge zu fertigen seien. Der monatliche Ausstoß wurde dann mit 20 Fahrzeugen geplant.Jentz: Flak Selbstfahrlafetten and Flakpanzer PT 12. S. 12–32.

Die geplante Serienfertigung des Fahrzeugs mit dem 2-cm-Flakvierling 38 wurde storniert, der vorhandene Prototyp wurde für die 3,7-cm-Flak umgebaut.

Die Verantwortung für die Entwicklung von Flak-Selbstfahrlafetten wurde Anfang 1944 vom Generalluftzeugmeister / Flak auf den Generalinspekteur der Panzertruppen, Heinz Guderian, übertragen. In diesem Zug beauftragte Guderian die Inspektion 6 des Heereswaffenamtes mit einer grundlegenden Neukonstruktion von Flakpanzern.

Varianten Flakpanzerkampfwagen IV (3,7-cm-Flak 43) (Sd.Kfz. 161/3) „Möbelwagen“ mini|Möbelwagen im Panzermuseum Saumur

Das erste Fahrzeug der Flakpanzer-IV-Serie erhielt seinen Namen durch die Truppen, die das Fahrzeug mit einer Aufbauhöhe von 3 m mit den großen und auffälligen Transportfahrzeugen der Möbelspeditionen jener Zeit verglichen. Mit einer Besatzung von sieben Mann und einer Munitionsausstattung von 416 Schuss wog das Fahrzeug 25 Tonnen. Am 7. Februar 1944 vergab das Heereswaffenamt den Erstkontrakt 4911-0210-8905/44 an die Deutsche Eisenwerke AG in Duisburg. Hier sollten die ersten 100 Flakpanzer auf Fahrgestelle, die vom Krupp-Grusonwerk zu liefern waren, montiert werden.

Frühe Ausführung Gegenüber dem ursprünglichen Prototypen-Entwurf wurde einige Änderungen vorgenommen. So wurde der Panzerschutz für die Besatzung durch eine Kürzung der klappbaren Seitenwände um 25 cm deutlich verringert. Der Schutzschild der 3,7-cm-Flak 43 erhielt eine größere Aussparung auf der rechten Seite, damit das Geschütz bei hochgestellten Wänden trotzdem um 360° drehbar wurde. Die Vorrichtung am Geschützsockel, um diesen zu nivellieren, wurde weggelassen. Die ersten 20 Fahrzeuge erhielten doppelte Seitenwände aus ungehärtetem homogenen Panzerstahl (2 × 12 mm). Bei den nächsten 25 Fahrzeugen kam Panzerstahl der Güteklasse M8 mit einer Stärke von 2 × 10 mm zur Verwendung. Die Seitenwände der ersten Fahrzeuge wiesen an der oberen Kante einen Knick hin zur Fahrzeugmitte auf und waren ab dem Knick höher als die vordere und hintere Panzerung.

Hauptserie Ab dem Fahrzeug Nr. 46 wurde die Panzerung des Aufbaus mit 25 mm starken Panzerplatten vom Typ E32 ausgeführt. Der Knick am oberen Ende der Seitenpanzerung entfiel. Beides verringerte den Fertigungsaufwand. Änderungen am Fahrgestell folgten den Änderungen beim Panzerkampfwagen-Typen.

Produktion Die Auslieferung der Fahrzeuge begann mit 20 Fahrzeugen im März 1944. Eine ursprüngliche Planung, den „Möbelwagen“ frühzeitig durch die Modelle „Wirbelwind“ und „Ostwind“ zu ersetzen, scheiterte am langsamen Anlaufen der Fertigung der neuen Typen. Der ursprüngliche Vertragsumfang wurde erweitert und bis zum März 1945 wurden insgesamt 240 Fahrzeuge dieses Typs von den Deutschen Eisenwerken fertiggestellt.Thomas Jentz: Panzer Tracts 23. S. 50.

Einsatz Die Flakpanzer wurden ab Juni 1944 gemäß dem Kriegsstärkenachweis 1196 vom 1. April 1944 verschiedenen Einheiten in speziellen Panzer-Fla-Zügen zugeteilt. Als erstes gingen je acht Fahrzeuge an die 9. Panzer-Division, die 11. Panzer-Division, die 116. Panzer-Division, die 6. Panzer-Division und die 19. Panzer-Division. Ein verkleinerter Panzer-Fla-Zug mit je vier Fahrzeugen wurde den Panzer-Brigaden 101 bis 110 im August und September 1944 zugeteilt.

Ab September 1944 beginnend wurden gemischte Panzer-Fla-Züge aus je vier „Möbelwagen“- und vier „Wirbelwind“-Flakpanzern den restlichen deutschen Panzer-Abteilungen und Panzer-Regimentern zugeteilt.

Flakpanzerkampfwagen IV (2-cm-Flak-38-Vierling) (Sd.Kfz. 161/4) „Wirbelwind“ mini|Wirbelwind in Camp Borden

Als erster richtiger Flakpanzer galt der „Wirbelwind“, da er einen voll drehbaren Gefechtsturm besaß. Mit fünf Mann Besatzung hatte der „Flakpanzer (2 cm) auf dem Fahrgestell des Panzers IV (Sd.Kfz. 161/4)“ ein Gefechtsgewicht von 22 Tonnen. Das Fahrzeug war bewaffnet mit dem 2-cm-Flakvierling 38, welcher eine hohe Feuerkraft besaß.

Entwicklung Für einen neuen Flakpanzertypen hatte die In 6 des Heereswaffenamtes unter anderem folgende Anforderung formuliert:Terlisten: Flakpanzer IV Wirbelwind (Sd.Kfz. 164/4) & Ostwind Nuts&Bolts Vol.13. 2000, S. 5.

vollgepanzerter Drehturm für drei bis vier Mann Bedienung mindestens eine Zwillingskanone oben offener Drehturm einfacher Fertigung mit freier Sicht für den Kommandanten und damit geringe Belastung durch die Pulverdämpfe Vereinfachung der Turmschwenkwerke gegenüber den Kampfpanzertürmen