mini|Das Nordwestportal des Tunnels mini|Das am weitesten südlich liegende Portal des Tunnels mini|Die ICE Sprinter München–Frankfurt nutzten bis zu ihrer Einstellung als einzige planmäßige Personenzüge das sonst dem Güterverkehr vorbehaltene Portal der Verbindung von Stuttgart-Untertürkheim. mini|Am südöstlichen Portal des Tunnels verzweigt sich die Trasse Richtung Stuttgart Hauptbahnhof (links) und Stuttgart-Untertürkheim (rechts) Der Tunnel Langes Feld oder Langes-Feld-Tunnel (an den Portalschildern auch Langesfeld-Tunnel) ist ein 1991 in Betrieb genommener Eisenbahntunnel der Schnellfahrstrecke Mannheim–Stuttgart zwischen Möglingen und Stuttgart. Er unterquert, teils mit mehreren Röhren, auf einer Gesamtlänge von bis zu 4632 m unter anderem die Landschaft des „Langen Feldes“ bei Stuttgart und trägt daher ihren Namen.

Die Gesamtlänge aller Tunnelröhren wird mit 5494 m angegeben, darunter 2281 m eingleisige Tunnel. Die zugelassene Höchstgeschwindigkeit liegt zwischen 100 und 250 km/h.

Verlauf Der Tunnel unterquert das Strohgäu in südwestlicher Richtung. Er unterfährt dabei, im Bereich des Nordwest-Portals, die Bundesautobahn 81 gefolgt von landwirtschaftlich genutzten Flächen. Bei km 96,28 wird die Solitudeallee unterfahren. Im weiteren Verlauf folgen die Unterquerung des Rangierbahnhof Kornwestheims (mit rund 60 Gleisen), der Güterbahn nach Untertürkheim und der viergleisigen Bahnstrecke Stuttgart–Bretten.Rüdiger Block: ICE-Rennbahn: Die Neubaustrecken. In: Eisenbahn-Kurier Special: Hochgeschwindigkeitsverkehr. Nr. 21, 1991, ohne ISSN, S. 36–45.

Der Tunnel verfügt über insgesamt vier Portale. Während im Nordwesten ein Portal zwei Gleise aufnimmt, liegen im südöstlichen Bereich, bei Stuttgart-Stammheim, drei (jeweils eingleisige) Portale: Ein Trogbauwerk (ab Streckenkilometer 93,4) führt in das beim Strecken-Km 94,11 () liegende Nordwestportal. Die Röhre verläuft in südöstlicher Richtung mit zwei parallelen Gleisen auf einer Länge von 3212 mErnst Rudolph: Eisenbahn auf neuen Wegen: Hannover–Würzburg, Mannheim–Stuttgart. Hestra-Verlag, Darmstadt 1989, ISBN 3-7771-0216-4, S. 60. und trennt sich, nach einer Überleitstelle (Streckenkilometer 95,8 bis 96,1), unterhalb des Rangierbahnhofs Kornwestheim, beim Streckenkilometer 97,2 in zwei jeweils eingleisige Röhren auf: Die südliche der beiden Röhren wird planmäßig von Zügen Richtung Stuttgart genutzt. Es tritt im südöstlichen Bereich, bei Streckenkilometer 98,07 () an die Oberfläche. Über eine Weiche, die unmittelbar auf das Portal folgt, wird in südöstlicher Richtung die Hauptstrecke in Richtung Stuttgart Hauptbahnhof erreicht. Abzweigend führt, in östlicher Richtung, ein Verbindungsgleis zur Strecke nach Stuttgart-Untertürkheim. Die Länge der Röhre wird mit 3961 m angegeben. Die nördliche der beiden Röhren nimmt das planmäßig von Zügen in Richtung Mannheim befahrene Gleis auf, das beim Streckenkilometer 98,78 () an die Oberfläche tritt. Mit einer Länge von 4632 m (laut Anschrift am Tunnelportal) ist die Röhre, von Portal zu Portal gemessen, deutlich länger als die von Zügen Richtung Stuttgart befahrene Röhre. Diesem Portal ist ein Voreinschnitt mit Stützwänden vorgelagert. Aus der Nordröhre fädelt am Abzweig UntertürkheimDeutsche Bundesbahn, Projektgruppe NBS Karlsruhe der Bahnbauzentrale (Hrsg.): Langes Feld Tunnel: Baulose Kreidler und Aufweitungsbauwerk mit Abzweig Untertürkheim. Zweiseitiges Datenblatt, ca. 1987. beim Streckenkilometer 97,6 wiederum eine eingleisige Verbindung in zunächst südwestlicher Richtung aus und tritt bei zwischen der Nord- und der Südröhre an die Oberfläche. Das Gleis überquert dabei, in südöstlicher Richtung, die in südlicher Richtung verlaufende Nordröhre und fädelt schließlich in die Güterumfahrung nach Stuttgart-Untertürkheim ein. Die Gesamtlänge dieser Röhre wird, auf einem Schild in der Nähe des Tunnelportals, ebenfalls mit 4632 m angegeben.

Die Trasse liegt im Bereich des Nordwestportals zunächst in einer Rechtskurve von 7000 m Radius, an die sich eine kurze Gerade anschließt. Daran schließt sich wiederum ein Rechtsbogen von 2000 m Radius an, gefolgt von einer weiteren Geraden. Kurz vor Unterquerung des Rangierbahnhofs folgt ein Rechtsbogen von 1700 m Radius.Rudolf Bienstock, Gerhard Kiefer: Der Tunnel „Langes Feld“ der Neubaustrecke Mannheim–Stuttgart. Los „Langes Feld“. In: Die Bundesbahn, Heft 10/1986, S. 805–808. Nach einer kurzen Gerade folgt ein kurzer Linksbogen von 3000 m Radius, an den sich ein Rechtsbogen von 690 m Radius anschließt. Die an den Tunnel anschließende Einfädelung in das Bestandsnetz weist einen kurzen Linksbogen von 1800 m auf.

Die Gradiente der Röhren folgt dabei dem Verlauf des Geländes und fällt weitgehend Richtung Osten ab.Rudolph (1989), S. 104. Mit liegt im Langes-Feld-Tunnel der höchste Punkt der Neubaustrecke.Heinz Dürr, Knut Reimers (Hrsg.): Hochgeschwindigkeitsverkehr. 1. Auflage. Hestra-Verlag, 1991, ISBN 3-7771-0234-2 (Jahrbuch des Eisenbahnwesens, Band 42), S. 142. Etwa in der Mitte des Tunnels, kurz vor der Verzweigung der zweigleisigen Tunnels in zwei eingleisige Tunnel, liegt ein Gefälle von 11,42 Promille vor. Im Gleis von Untertürkheim, Richtung Mannheim, liegt die Längsneigung bei bis zu 18,5 Promille.

Die zulässige Höchstgeschwindigkeit im Gleis von Stuttgart-Zuffenhausen Richtung Mannheim beträgt zunächst 120 km/h, steigt dann auf 160 km/h an (ab km 97,9) und beträgt 190 km/h ab km 95,8 sowie 250 km/h ab km 94,8. Ab dem westlichen Tunnelportal (km 94,1) sind 280 km/h zugelassen. In Gegenrichtung sind wiederum 250 km/h ab dem westlichen Tunnelportal zugelassen, ab km 94,1 180 km/h, ab km 96,5 160 km/h sowie ab km 97,6 100 km/h. Sowohl die Abzweig- als auch die Überleitstelle im Tunnel sind mit 100 km/h befahrbar.

Eine Verbindungskurve zum Rangierbahnhof Kornwestheim war im nordwestlichen Bereich des Tunnels vorgesehen. Diese sogenannte Abzweigstelle Langes FeldWolfgang Ernst: Signaltechnische Rahmenplanung für die Neu- und Ausbaustrecken. In: Signal + Draht. Bd./Jg. 74 (1982), Nr. 4, , S. 70–76. wurde nachträglich vom Güterbeförderungsdienst der Bundesbahndirektion Stuttgart gefordert, um die Kornwestheim als Umschlagbahnhof nutzenden, zumeist nachts verkehrenden, Stückgüterzüge zu beschleunigen. Auch der übrige Güterverkehr von und nach Kornwestheim sollte damit beschleunigt werden.Scharf (2006), S. 201. Die Kurve hätte sich im Langen Feld aus dem zweigleisigen Abschnitt im Abzweig Kornwestheim gelöst und wäre in eine enge Verbindungskurve in ostnordöstlicher Richtung übergegangen, die am nordwestlichen Rand des Containerbahnhofs an die Oberfläche getreten wäre (etwa bei ). Beim Bau der angrenzenden Westrandstraße wurde Ende der 1990er Jahre die entsprechende Fläche freigehalten und die Trasse der Straße um etwa 50 Meter verlegt.Stadt Kornwestheim, Pressereferat (Hrsg.): Bau der Westrandstraße. Presseinformation 187-98 vom 9. November 1998. Die Verbindungsstrecke hätte die Nummer 4827 erhalten und wäre knapp einen Kilometer lang gewesen (Streckenkilometer 95,941 bis 96,900).Liste der VzG-Strecken (abgerufen am 15. Januar 2011, XLS, 352 kB) Sie ist im Fahrtunnel in Form einer Aufweitung beim Streckenkilometer 96,2 – zwischen den beiden Weichenpaaren der Überleitstelle – vorbereitet, wurde aber nicht realisiert.

An das Westportal schließt sich ein bis zu 40 m breiter Einschnitt an. Die Fahrbahn liegt in diesem Abschnitt in einer Wanne mit beidseitigen Stützwänden, die teils schalldämmend ausgeführt wurden.Deutsche Bundesbahn, Projektgruppe Mannheim – Stuttgart der Bahnbauzentrale (Hrsg.): Neubaustrecke Mannheim – Stuttgart: Möglingen, Schwieberdingen, Planfeststellungsbereich 14. Broschüre, 16 A4-Seiten, Karlsruhe 1981, S. 9. Insgesamt schließen sich auf den drei Kilometern vor dem Tunnel drei Trogbauwerke von 690, 790 und 820 m Länge an.Deutsche Bundesbahn (Hrsg.): Stützbauwerke Langes Feld. Vierseitige Broschüre, ca. 1987. Ein weiteres, 270 m langes Trogbauwerk entstand am Abzweig Untertürkheim.

Nach dem Planungsstand von 1982 war zwischen der Abzweigstelle Langes Feld und der Überleitstelle bei km 89 eine Schutzstrecke vorgesehen. Diese wurde, ebenso wie die Abzweigstelle, nicht realisiert.

Geologisch werden, von oben nach unten, folgende Schichten durchörtert: eine künstliche Auffüllung, quartäre Deckschichten und Bachablagerungen, Gipskeuper, Lettenkeuper sowie der Obere Muschelkalk.

Baulose Aufgrund der besonderen Struktur des Tunnels, mit wechselnden Folgen von ein- und zweigleisigen Röhren, wurde der Tunnel in acht Baulose aufgeteilt:

+ Baulose des Langes-Feld-Tunnels(von West nach Osten)BezeichnungLängeÜberdeckungBauweiseGleiseLos Langes Feld2765 m1–9 moffen2Los Rangierbahnhof Kr440 m1–6 moffen2 (beginnende Auftrennung der beiden Gleise)Los Lechler / Los Kreuzungsbauwerk765 m0,5–13 moffenRichtungsgleis StuttgartLos Kreidler299 m3–14 moffen2 (Richtungsgleis Mannheim, Einfädelung aus Untertürkheim)Los Aufweitungsbauwerk202 m7–8 moffen2 (Gleise gen Mannheim, aus Feuerbach und Untertürkheim)Los Gleisdreieck678 m3–12 mbergmännischRichtungsgleis MannheimLos Stammstrecke246 m0,5–4 moffene bzw. DeckelbauweiseRichtungsgleis Mannheim

Querschnitt Der Langes-Feld-Tunnel weist eine Vielzahl unterschiedlicher Querschnitte auf. Von West nach Ost sind dies: Der zweigleisige Abschnitt Langes Feld weist eine lichte Weite von 12,30 m und eine Höhe von 6,50 bzw. 6,90 m über Schienenoberkante auf. Der Gleismittenabstand beträgt 4,70 m. Unterhalb des Rangierbahnhofs wird, bei einer Höhe von 6,50 m über Schienenoberkante, die lichte Weite von 12,30 m auf 17,60 m vergrößert, bis die zweigleisige Röhre in zwei eingleisige Röhren übergeht. Im daran in der Nordröhre anschließenden, 299 m langen Los Kreidler wurde ein Rechteckquerschnitt mit 6,30 bis 6,60 m lichter Weite und 6,10 bis 7,00 m Höhe (über Schienenoberkante) verwirklicht. Im Bereich der Zusammenführung der beiden aus Zuffenhausen und Untertürkheim kommenden Gleise in der Nordröhre weist das zweigleisige und teilweise durch eine Stützwand getrennte Bauwerk eine lichte Weite zwischen 7,25 und 17,40 m auf. Die lichte Weite in den beiden Röhren liegt zwischen 6,30 und 10,15 m, die lichte Höhe zwischen 6,50 und 9,55 m. In den anschließenden eingleisigen Röhren liegt das Gleis aus Untertürkheim in einem Maulprofil, das Gleis aus Zuffenhausen dagegen in einem Rechteckprofil. Im 678 m langen Los Gleisdreieck, in der das aus Zuffenhausen kommende Gleis Richtung Mannheim geführt wird, wurde ein Maulprofil mit einer lichten Weite von bis zu 8,00 m und einer Höhe von bis zu 7,58 m über Schienenoberkante realisiert. In dem daran anschließenden, 246 m langen Abschnitt der Nordröhre (Los Stammstrecke), der zum Tunnelportal aus Richtung Zuffenhausen führt, wurde ein eingleisiges Rechteckprofil mit 6,60 m lichter Weite und 6,30 m Höhe über Schienenoberkante realisiert. Die Höhe des Tunnels wurde aufgrund der Höhenlage der Gleise der darüber liegenden Stammstrecke reduziert. Im 765 m langen eingleisigen Abschnitt der Südröhre (Lose Lechler und Kreuzungsbauwerk) wurde ein Querschnitt mit 6,30 bis 7,25 m lichter Weite und 6,50 m Höhe realisiert.

Geschichte Planung 1973 galt das Lange Feld als die höchstbewertete landwirtschaftliche Nutzfläche im Raum Stuttgart. Die Forderung nach einer Untertunnelung des Langen Feldes wurde vom Landkreis Ludwigsburg, dem Regierungspräsidium Stuttgart und von der Landesregierung unterstützt. Die Linienfindung in diesen Bereich war durch mehrere Zwangs- und Konfliktpunkte geprägt, insbesondere die Stadt Kornwestheim im Osten und den Stuttgarter Stadtteil Stammheim im Westen.