Als Einheitspartei oder Staatspartei wird die einzige oder zumindest die einzige programmatisch maßgebliche Partei eines Landes bezeichnet, die alle konformen politischen Strömungen eines Landes in sich vereint. Es können – je nach Staat unterschiedlich – daneben zwar noch weitere legale Parteien existieren, diese sind aber in aller Regel in einem Parteienblock der Staatspartei unterworfen und spielen faktisch im Prozess der politischen Entscheidungsfindung keine Rolle. Die Staatspartei ist damit das kennzeichnende und wesentliche Merkmal der Parteidiktatur.
Einheitsparteien nehmen oft für sich in Anspruch, den Willen und die Interessen des gesamten Volkes zu vertreten, und leiten daraus ihren Anspruch auf die alleinige Macht ab. Auch die Notwendigkeit einer „nationalen Einheit“ wird oft als Begründung für das Bestehen eines Einparteienstaates genannt. Solche Parteien bestanden in der Vergangenheit in zahlreichen sozialistischen Staaten. Auch in vielen afrikanischen Staaten entstanden nach der Unabhängigkeit Einheitsparteien, von denen die meisten seither zumindest de jure zu einem Mehrparteiensystem übergegangen sind. In manchen der betreffenden Staaten – wie Kap Verde, Benin und SenegalCaboverdeinfo.de: Interview: Hüseyin Aydin zu Kap Verde – gilt dieser Übergang als erfolgreich, während in anderen die ehemalige Einheitspartei weiterhin de facto das politische Geschehen dominiert.
Generell ist es möglich, dass sich die Staatspartei an politischen Idealen orientiert, um bestimmte momentane Gegensätze (Klassen, Ethnien usw.) in sich zu vereinen und diese zu überwinden, sowie dass die Partei in einem autoritären Regime aus dem (auch unfreiwilligen) Zusammenschluss zuvor selbständiger Parteien als Staatspartei entstanden ist wie z. B. die SED der DDR.Bundeszentrale für politische Bildung
Zwischen Einpartei- und Militärregime ist zu unterscheiden, auch wenn die Grenzen zwischen diesen beiden Formen von autokratischen Systemen häufig fließend sind. So schufen sich Militärführer wie Mobutu Sese Seko in Zaire die passende Einheitspartei „von oben“, während in manchen Einpartei-Staaten wie Malawi oder Ruanda das Militär dazu diente, mögliche oppositionelle Bewegungen zu unterdrücken. http://www.diplomatie.gouv.fr/de/frankreich_3/label-france_746/label-france_747/label-france-nr.61_749/das-dossier-afrika-in-bewegung_751/rechtsstaat-in-afrika_1073.html
Sprachlich handelt es sich um ein Oxymoron, da der Begriff Partei aus dem lateinischen pars (=Teil, Richtung) abgeleitet ist, was der Existenz eines einzigen, einheitlichen und die Gesamtheit repräsentierenden Exemplars widerspricht.
Gegenwärtig regierende Einheitsparteien Die nachfolgende Liste führt Länder auf, in denen gegenwärtig eine Einheitspartei an der Macht ist: Volksrepublik China: Kommunistische Partei Chinas führt die Politische Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes – ohne die beiden Sonderverwaltungszonen Hongkong und Macau. Kuba: Kommunistische Partei Kubas Eritrea: Volksfront für Demokratie und Gerechtigkeit Nordkorea: Partei der Arbeit Koreas (PdAK) führt die Demokratische Front für die Wiedervereinigung des Vaterlandes Laos: Laotische Revolutionäre Volkspartei führt die Front lao pour la Construction nationale () Tadschikistan: Volksdemokratische Partei Tadschikistans (de facto) Kasachstan: Amanat (de facto) Turkmenistan: Demokratische Partei Turkmenistans (de facto) Vietnam: Kommunistische Partei Vietnams führt die Front de la Patrie du Viêt Nam () Uganda: National Resistance Movement (de facto)
Ehemalige Einheitsparteien Im ehemaligen Ostblock Europas (1945 bis 1989) hatten mehrere Staaten de facto Einheitsparteien, vor allem die sowjetische KPdSU und die SED in der DDR. So wurden unter Stalin alle Oppositionsparteien verboten (siehe KPdSU/Stalinismus), bzw. nach 1945 in vielen Ländern Osteuropas zwangsassimiliert. Soweit nicht-marxistische Parteien im Ostblock existierten, insbesondere in Form von Blockparteien, waren sie für die Gestaltung der Leitlinien der Politik de facto ohne Bedeutung.siehe auch http://www.abipur.de/hausaufgaben/neu/detail/stat/107091670.html, Sowjetunion (Kommunistische Partei der Sowjetunion) 1920–1990 Volksrepublik Bulgarien (Vaterländischen Front unter der Führung der Bulgarischen Kommunistische Partei) 1944–1990 Deutsche Demokratische Republik (Sozialistische Einheitspartei Deutschlands) 1949–1990 Republik Kuba (Bewegung des 26. Juli) 1959–1961 Volksrepublik Polen (Polnische Vereinigte Arbeiterpartei) 1948–1989 Rumänien (Nationaldemokratischen Front/Front der Sozialistischen Einheit und Demokratie unter Führung der Rumänischen Kommunistischen Partei) 1944–1989 Tschechoslowakei (Komunistická strana Československa) 1948–1989 Ungarische Volksrepublik (Partei der Ungarischen Werktätigen) 1949–1956; Ungarische Sozialistische Arbeiterpartei 1956–1989
Auch verschiedene faschistische Staaten bildeten zwischen den 1920er Jahren und 1945 Einheitsparteien heraus: Königreich Italien (Nationale Faschistische Partei) 1926–1943 Italienische Sozialrepublik (Republikanische Faschistische Partei) 1943–1945 Kaiserreich Japan (Taisei Yokusankai) 1940–1945 Deutsches Reich (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) 1933–1945 Unabhängiger Staat Kroatien (Ustascha) 1929–1945 Slowakischer Staat (Hlinkova slovenská ľudová strana – Strana slovenskej národnej jednoty) 1939–1945 Spanien (Falange Española Tradicionalista y de las JONS unter der Führung der Falange) 1937–1977 Österreich (Vaterländische Front) 1934–1938 Norwegen (Nasjonal Samling) 1940–1945 Portugal (Nationale Union) 1934–1973 Königreich Ungarn (Einheitspartei) 1921–1944 Königreich Ungarn (Pfeilkreuzler) 1944–1945
Myanmar/Birma (Union Solidarity and Development Party) dominante Position 2010–2015 Sozialistische Föderative Republik Jugoslawien (Bund der Kommunisten Jugoslawiens) 1943–1992
Viele Staaten in Afrika südlich der Sahara waren nach ihrer Unabhängigkeit zeitweise Einparteienstaaten. Mit Ausnahme Eritreas sind sie heute zumindest de jure zu einem Mehrparteiensystem übergegangen. Angola (Movimento Popular de Libertação de Angola – MPLA) 1975–1991 Äquatorialguinea (Partido Único Nacional de los Trabajadores 1970–1979; Partido Democrático de Guinea Ecuatorial) 1987–1991 Äthiopien (Arbeiterpartei Äthiopiens) 1987–1991 Benin (Volksrevolutionäre Partei Benins) 1975–1990 Burkina Faso/Obervolta (Alliance pour la Démocratie et la Fédération - Rassemblement Démocratique Africain – ADF-RDA) 1960–1966 Burundi (Union für den nationalen Fortschritt – UPRONA) 1966–1993 Dschibuti (Rassemblement populaire pour le progrès) 1981–1992 Elfenbeinküste (Parti Démocratique de la Côte d'Ivoire – Rassemblement Démocratique Africain PDCI-RDA) 1960–1990 Gabun (Parti Démocratique Gabonais) 1968–1990 Ghana (Convention People’s Party) 1964–1966 Guinea (Parti Démocratique de Guinée–Rassemblement Démocratique Africain) 1958–1984 Guinea-Bissau (PAIGC) 1974–1991 Kamerun (Cameroon National Union 1966–1985; Rassemblement démocratique du Peuple Camerounais 1985–1990) Kap Verde (PAIGC 1975–1981; Partido Africano da Independência de Cabo Verde 1981–1991) Kenia (Kenya African National Union) 1982–1990 Komoren (Union Comorienne pour le Progrès) 1982–1990 Kongo-Brazzaville (Nationale Revolutionäre Bewegung) 1964–1968; (Kongolesische Arbeiterpartei) 1969–1990 Liberia (True Whig Party) 1878–1980 Madagaskar (Avant-garde de la Révolution Malgache – AREMA) 1976–1992 Malawi (Malawi Congress Party) 1966–1993 Mali (Union Soudanaise-Rassemblement Démocratique Africain) 1960–1968; (Union Démocratique du Peuple Malien) 1979–1991 Mauretanien (Parti du Peuple Mauritanien) 1961–1978 Mosambik (Frente da Libertação de Moçambique – FRELIMO) 1975–1990 Niger (Parti Progressiste Nigérien-Rassemblement Démocratique Africain) 1960–1974; (Mouvement National de la Société de Développement) 1989–1991 Ruanda (Parmehutu) 1965–1973; (Mouvement républicain national pour la démocratie et le développement) 1978–1991 Rhodesien (Rhodesian Front) 1962–1979 Sambia (United National Independence Party – UNIP) 1972–1990 São Tomé und Príncipe (Movimento de Libertação de São Tomé e Príncipe) 1975–1990 Senegal (Parti Socialiste du Sénégal) 1966–1974 Seychellen (Seychelles People’s Progressive Front) 1979–1991 Sierra Leone (All People’s Congress) 1978–1991 Somalia (Somalische Revolutionäre Sozialistische Partei) 1976–1991 Sudan (Sudanesische Sozialistische Union) 1971–1985 Tansania (Tanganyika African National Union – TANU 1965–1975; Afro-Shirazi Party – ASP auf Sansibar 1965–1992; TANU und ASP vereinigt zu Chama Cha Mapinduzi 1975–1992) Togo (Rassemblement du peuple togolais) 1969–1991 Tschad (Parti Progressiste Tchadien 1962–1973; Mouvement National pour la Révolution Culturelle et Sociale 1973–1975); (Union Nationale pour l’indépendance et la révolution) 1989–1990 Uganda (National Resistance Movement – NRM) 1987–2005 Zaire (Mouvement Populaire de la Révolution) 1967–1990 Zentralafrikanische Republik (Mouvement pour l’évolution sociale de l’Afrique noire – MESAN) 1962–1979; (Union Démocratique Centrafricaine) 1980–1981; (Rassemblement Démocratique Centrafricain) 1985–1991
Viele arabische Staaten hatten ebenfalls eine Einheitspartei: Ägypten (Arabische Sozialistische Union) 1962–1978 Algerien (Nationale Befreiungsfront (FLN)) 1962–1988 Irak (Nationale Progressive Front) 1973–1980 Sudan (Sudanesische Sozialistische Union) 1971–1985 Südjemen (Jemenitische Sozialistische Partei) 1978–1990 Syrien (Arabische Befreiungsbewegung) 1951–1954 Syrien: Nationale Progressive Front 1972–2024 Tunesien (Rassemblement constitutionnel démocratique) 1963–1981
Namensähnliche Parteien Partei der Einheit und des Fortschritts in Guinea Partei für Gerechtigkeit, Integration und Einheit für die Volksgruppe der Çamen in Albanien Demokratische Partei für Mazedonische Nationale Einheit, christdemokratisch-national.
Siehe auch Einparteiensystem Demokratischer Zentralismus Einheitsgewerkschaft Führerpartei Vereinigte Partei
Quellen
Kategorie:Parteityp Kategorie:Diktaturen