mini|Arnold Esch im Mai 2020 Arnold Esch (* 28. April 1936 in Altenbögge/Kreis Unna, Westfalen) ist ein deutscher Historiker. Er lehrte von 1977 bis 1988 als Professor der Mittelalterlichen Geschichte an der Universität Bern und war von 1988 bis 2001 Direktor des Deutschen Historischen Instituts in Rom (DHI). Esch ist durch zahlreiche Publikationen als einer der besten Kenner des mittelalterlichen und frühneuzeitlichen Rom und des spätantiken-frühmittelalterlichen Straßennetzes in Mittelitalien ausgewiesen. Weitere Forschungen widmen sich dem Papsttum, der römischen Kurie und ihrer regionalen und familiären Zusammensetzung, der Papstfinanz mit ihrem bargeldlosen Zahlungsverkehr zwischen Nord- und Südeuropa.
Leben Arnold Esch stammt aus einer Pfarrer- und Kaufmannsfamilie vom Niederrhein.Martin Wallraff: Laudatio Arnold Esch. In: Arnold Esch: Wiederverwendung von Antike im Mittelalter. Die Sicht des Archäologen und die Sicht des Historikers. Berlin 2005, S. 1–9, hier: S. 5. Er wuchs mit drei Brüdern auf. Esch studierte seit 1955 in Münster, Göttingen und Paris Geschichte, Klassische Archäologie und Politische Wissenschaften. Im Jahr 1964 wurde er in Göttingen bei Hermann Heimpel mit der Arbeit Bonifaz IX. und der Kirchenstaat promoviert.Vgl. dazu die Besprechungen von Friedrich Merzbacher in: Zeitschrift der Savigny-Stiftung für Rechtsgeschichte, Kanonistische Abteilung 57, 1971, S. 376–378; Ricardo García-Villoslada in: Archivum Historiae Pontificiae 8, 1970, S. 385–389; Walter Ullmann in: The Catholic Historical Review 57, 1971, S. 494–496; William M. Bowsky in: Speculum 47, 1972, S. 305–307; Hans Martin Schaller in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 26, 1970, S. 287–288 (online). Nach seiner Promotion war er von 1964 bis 1970 als Assistent in Göttingen tätig, von 1970 bis 1973 als Assistent am Deutschen Historischen Institut (DHI) in Rom tätig. Nach der Habilitation 1974 in Göttingen mit der Arbeit Verhältnis von Stadt und Land am Beispiel der toskanischen Stadt Lucca lehrte er dort ein Jahr als Privatdozent und verbrachte ein weiteres Jahr als wissenschaftlicher Mitarbeiter am DHI Rom. Nach einer einsemestrigen Lehrstuhlvertretung an der Freien Universität Berlin wurde er 1977 Professor für mittelalterliche Geschichte an der Universität Bern. Seine Antrittsvorlesung in Bern hielt er über die Bedeutung von Überlieferungschance und Überlieferungszufall für die historischen Erkenntnismöglichkeiten.Arnold Esch: Überlieferungs-Chance und Überlieferungs-Zufall als methodisches Problem des Historikers. In: Historische Zeitschrift. 240, 1985, S. 529–570, hier: S. 536 (online). 1985/86 war er Rektor der Berner Universität. Seine Antrittsrede zum Berner Rektorat hielt er über die Universität im Mittelalter.Die Antrittsrede ist publiziert unter dem Titel Arnold Esch: Die Anfänge der Universität im Mittelalter. Bern 1985.
Von 1988 bis 2001 war er Direktor des DHI in Rom. In die Anfänge seiner Amtszeit fiel die Hundertjahrfeier des Instituts auf dem Kapitol in Gegenwart beider Staatspräsidenten, in der die Rolle des Instituts als Mittler zwischen deutscher und italienischer Geschichtswissenschaft gewürdigt wurde. Im April 1991 anlässlich des 100. Todestages von Ferdinand Gregorovius fand eine Tagung mit Wissenschaftlern aus Deutschland, Italien und Frankreich statt. Den Tagungsband dazu gab Esch 1993 mit Jens Petersen heraus.Vgl. dazu die Besprechungen von Franz J. Bauer in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 74, 1994, S. 697–698 (online), Karl-Egon Lönne in: Historische Zeitschrift 259, 1994, S. 717–718. Ende Oktober 1994 veranstaltete das DHI Rom eine von Esch und Norbert Kamp organisierte Tagung anlässlich des 800. Gedenkjahres Friedrichs II.Theo Kölzer: Das Gedenkjahr Friedrichs II. – eine Nachlese. In: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 54, 1998, S. 141–161 (online); Gerhard Rösch in: Historische Zeitschrift 266, 1998, S. 731–732; Knut Görich in: Rottenburger Jahrbuch für Kirchengeschichte 20, 2001, S. 314–315 (online). Esch befasste sich mit Friedrichs bewusster Rezeption antiker Kunst und wertete sie als Teil des kaiserlichen Selbstverständnisses und als Form kaiserlicher Selbstdarstellung.Arnold Esch: Friedrich II. und die Antike. In: Friedrich II. Tagung des Deutschen Historischen Instituts in Rom im Gedenkjahr 1994. In: Arnold Esch, Norbert Kamp (Hrsg.): Friedrich II. Tagung des Deutschen Historischen Instituts in Rom im Gedenkjahr 1994. Tübingen 1996, S. 201–226. Als Direktor brachte er, die Öffnung weiterer vatikanischer Archivfonds nutzend, die große Edition des „Repertorium Poenitentiariae Germanicum“ auf den Weg. Dieses von Ludwig Schmugge erarbeitete Werk enthält die aus dem Reich an den Papst gerichteten Bittschriften (Suppliken) von 1431 bis 1523.
Esch ist seit 1965 mit einer promovierten Altphilologin verheiratet und hat drei Söhne. Mit seiner Frau Doris Esch Raupach hat er mehrere Beiträge zu sprachgeschichtlichen, kirchengeschichtlichen und kunstgeschichtlichen Themen gemeinsam veröffentlicht.Arnold und Doris Esch: Die Grabplatte Martins V. und andere Importstücke in den römischen Zollregistern der Frührenaissance. In: Römisches Jahrbuch für Kunstgeschichte 17, 1978, S. 211–217; Dies.: Anfänge und Frühgeschichte der Deutschen Evangelischen Gemeinde in Rom 1819–1870. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 75, 1995, S. 366–426 (online); Dies.: Die römischen Jahre des Basler Landschaftsmalers Samuel Birmann (1815–17). In: Zeitschrift für schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 43, 1986, S. 151–166; Dies.: Dänen, Norweger, Schweden in Rom 1819–1870 im Kirchenbuch der deutschen evangelischen Gemeinde. In: Börje Magnusson, Stefania Renzetti, Sever J. Voicu (Hrsg.): Ultra terminum vagari. Scritti in onore di Carl Nylander. Roma 1997, S. 81–88; Dies: Mit Kaiser Friedrich III. in Rom. Preise, Kapazität und Lage römischer Hotels 1468/69. In: Paul-Joachim Heinig u. a. (Hrsg.): Reich, Regionen und Europa in Mittelalter und Neuzeit. Festschrift für Peter Moraw. Berlin 2000, S. 443–457; Dies.: L’importazione di maioliche ispano-moresche nella Roma del primo Rinascimento nei registri doganali 1444–1483. In: Faenza 2014, S. 9–27; Dies.: Spätmittelalterliches Umgangslatein. Wiedergabe direkter Rede in den Akten der Penitenzieria Apostolica (ca. 1440–1500). In: Mittellateinisches Jahrbuch 55, 2020, S. 267–290. Esch lebt seit Dezember 2021 in München.
Forschungsschwerpunkte mini|Arnold Esch im Jahr 2020 Esch forschte hauptsächlich zur italienischen Geschichte im 14. und 15. Jahrhundert, vor allem zur Geschichte Roms und des Papsttums im Übergang vom Mittelalter zur Renaissance. Seine Dissertation untersuchte anhand der reichen vatikanischen Archivalien, wie und mit welchen (auch fatalen: beginnender Ablasshandel) Mitteln Bonifaz IX. den Kirchenstaat durch die große Kirchenspaltung führte; die Habilitationsschrift behandelte anhand der allein für das 12. Jahrhundert verfügbaren 4000 Urkunden Luccas unter anderem, wie städtisches (im Handel erworbenes) Kapital ins Land eindrang und Getreidepreise und Bodenrente steigen ließ.
Neue Akzente setzten seine Studien zur Verwendung von Spolien, das heißt der Wiederverwendung antiker Architekturstücke an mittelalterlichen Gebäuden im weiteren Kontext des Nachlebens der Antike, dem er, als Historiker und Archäologe, mehrere Publikationen gewidmet hat.Arnold Esch: Spolien. Zur Wiederverwendung antiker Baustücke und Skulpturen im mittelalterlichen Italien. In: Archiv für Kulturgeschichte 51, 1969, S. 1–64; Arnold Esch: Ein verloren geglaubter Meilenstein der Via Appia: weitere Kriterien für die Provenienz von Spolien in mittelalterlichen Kirchen Italiens. In: Epigraphica 35, 1973, S. 96–101; Arnold Esch: Inschrift-Spolien. Zum Umgang mit antiken Schriftdenkmälern im mittelalterlichen Italien. In: Katharina Bolle, Marc von der Höh, Nikolas Jaspert (Hrsg.): Inschriftenkulturen im kommunalen Italien. Traditionen, Brüche, Neuanfänge. Berlin u. a. 2019, S. 201–224.
Esch erforschte und durchwanderte mit seiner Frau die fünf aus der Antike überkommenen Straßenzüge (Via Appia, Via Cassia, Via Flaminia, Via Salaria, Via Valeria). Diese persönlichen Erfahrungen waren die Grundlage für zahlreiche EinzelveröffentlichungenArnold Esch: Die Via Appia in der Landschaft. Hinweise zur Begehung im Gelände zwischen Genzano und Cisterna. In: Antike Welt. Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte 19, 1988, S. 15–29; Arnold Esch: Die Via Cassia in der Landschaft. Nachleben einer antiken Straße, mit Hinweisen zur Begehung im Gelände zwischen Sutri und Bolsena. In: Antike Welt. Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte 21, 1990, S. 134–158; Arnold Esch: Die Via Flaminia in der Landschaft. Nachleben einer antiken Straße, mit Hinweisen zur Begehung im Gelände zwischen Soracte und Otricoli. In: Antike Welt. Zeitschrift für Archäologie und Kulturgeschichte 26, 1995, S. 85–113. und wurden 1997 in einer Monographie veröffentlicht.Arnold Esch: Römische Straßen in ihrer Landschaft. Das Nachleben antiker Straßen um Rom. Mit Hinweisen zur Begehung im Gelände. Mainz 1997. Vgl. dazu die Besprechungen von Alfred A. Strnad in: Innsbrucker Historische Studien 22, 2000, S. 398–399; Philip H. Blyth in: The Classical Review 49, 1999, S. 308–309; Marie-Hélène Corbiau in: L’Antiquité Classique, Année 69, 2000, S. 551–552 (online). Zur Würdigung: Herbert Bloch: Arnold Esch’s Römische Straßen. In: Hagen Keller, Werner Paravicini, Wolfgang Schieder (Hrsg.): Italia et Germania. Liber Amicorum Arnold Esch. Tübingen 2001, S. 523–528. Esch möchte damit und mit den späteren Veröffentlichungen zum Thema dem Leser „die Freude, der Geschichte in freier Landschaft nachzugehen“, vermitteln.Arnold Esch: Römische Straßen in ihrer Landschaft. Das Nachleben antiker Straßen um Rom. Mit Hinweisen zur Begehung im Gelände. Mainz 1997, S. 2. Im Jahr 2011 erschien von ihm eine Monographie über den Verfall des römischen Straßensystems in Mittelitalien und die Via Amerina.Vgl. dazu die Besprechungen von Florian Sonntag in: H-Soz-Kult, 27. Mai 2013 (online); Cornelis van Tilburg in: Bonner Jahrbücher 212, 2012, S. 511–514 (online); Michael Rathmann in: Historische Zeitschrift 296, 2013, S. 715–716; Rudolf Schieffer in: Deutsches Archiv für Erforschung des Mittelalters 68, 2012, S. 390–391 (online). Im Jahr 2022 legte er eine Darstellung über die Via Salaria vor, die als eine der bekanntesten Konsularstraßen das antike Rom zunächst mit Rieti und dann, ab der Zeit des Augustus, mit Ascoli Piceno und der Adriaküste verband.Vgl. dazu die Besprechung von Kristjan Toomaspoeg in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 103, 2023, S. 571–572.