Dieser Artikel schildert die politische Entwicklung der palästinensischen Autonomiegebiete in der historischen Region Palästina beginnend mit dem Ende des Ersten Weltkriegs, der den Niedergang des osmanischen Reiches besiegelte.

Geopolitische Ausgangslage zu Beginn des 20. Jahrhunderts Die Hussein-McMahon-Korrespondenz (ein Briefwechsel von 1915 bis 1916 zwischen dem Emir des Hedschas, Hussein ibn Ali, Sherif von Mekka, und Sir Henry McMahon, britischer Hochkommissar in Ägypten) hatte die politische Zukunft der arabischen Länder des Nahen Ostens sowie das Bestreben Großbritanniens, eine arabische Revolte gegen die osmanische Herrschaft anzufachen zum Inhalt. McMahons Aussagen wurden von den Arabern als Zusage für eine arabische Unabhängigkeit gewertet.

Im Sykes-Picot-Abkommen vom 16. Mai 1916 hingegen wurden in einer geheimen Übereinkunft zwischen den Regierungen Großbritanniens und Frankreichs deren koloniale Interessen im Nahen Osten ohne Einbeziehung der Interessen der Araber festgelegt.

In der Balfour-Deklaration vom 2. November 1917 erklärte sich Großbritannien einverstanden mit den zionistischen Bestrebungen, in Palästina eine „nationale Heimstätte“ des jüdischen Volkes zu errichten. Dabei sollten „die Rechte bestehender nicht-jüdischer Gemeinschaften“ gewahrt bleiben. Zu diesem Zeitpunkt befand sich Palästina noch im Machtbereich der Osmanen. Am 31. Oktober 1917 war die Schlacht von Beerscheba unter dem britischen General Edmund Allenby an der Palästinafront erfolgt und somit hatte die Eroberung des osmanischen Mutesarriflik Jerusalem durch britische Truppen eingesetzt, welche bis Dezember 1917 faktisch beendet wurde. Die Schlacht bei Megiddo (1918) und die kurz darauf erfolgte Einnahme von Damaskus stellten zudem den Schlusspunkt der britisch-osmanischen Mesopotamienfront und der Arabischen Revolte dar. Das Osmanische Reich musste am 30. Oktober 1918 dem Waffenstillstand von Mudros zustimmen.

Auf der Konferenz von Sanremo, welche vom 19. bis zum 26. April 1920 im italienischen Sanremo stattfand, beschloss der Oberste Rat der Entente-Mächte (Großbritannien, Frankreich, Italien und Japan) im Rahmen der Neuaufteilung des besiegten Osmanischen Reichs verschiedene Mandate (Syrien, Libanon, Mesopotamien, Palästina). Frankreich erhielt das Völkerbundmandat für Syrien und Libanon zugesprochen, während Großbritannien Palästina (beiderseits des Jordan) und das Britische Mandat Mesopotamien (Irak) erhielt. Obwohl den Absprachen gemäß der Hedschas und das Gros der arabischen Halbinsel an Araber gingen, meinten viele ihren Interessen seien nicht genügt worden.

Britisches Mandatsgebiet Palästina Ein Ziel des Mandats für Palästina war die Umsetzung der Balfour-Deklaration von 1917. Artikel 25 des Mandates erlaubte es Großbritannien, die Mandatsgebiete „zwischen dem Jordan und der endgültig festgelegten Ostgrenze Palästinas“ von der Durchführung von wesentlichen Mandatsbestimmungen, wie denen zur Errichtung einer jüdischen nationalen Heimstätte, vorläufig auszunehmen. Damit wurde die Voraussetzung für die 1923 erfolgte Einsetzung des halbautonomen Emirats Transjordanien (des Vorläufers des heutigen Staates Jordanien) durch die Briten geschaffen, so dass der Raum für die Errichtung einer nationalen Heimstätte (Israel) in Palästina auf das Gebiet westlich des Jordan (Cisjordanien) beschränkt wurde.

Durch Zuwanderungswellen hatte die jüdische Bevölkerung erheblich zugenommen, was von der einheimischen arabischen Bevölkerung mit Skepsis gesehen wurde und immer häufiger zu Konflikten führte. Deswegen beschränkte das Weißbuch von 1939 der Briten die Einwanderung (trotz des zeitgleich stattfindenden Zweiten Weltkriegs). Das Weißbuch wurde von den palästinensischen Arabern als Zeichen der Rückkehr zur Fairness aber von den Zionisten des Neuen Jischuw als Ungerechtigkeit empfunden. Vor diesem Hintergrund spitzte sich die Lage gegen Ende der britischen Herrschaft zu. Vor allem in den 1930er und 1940er Jahren kam es zu blutigen Konflikten sowohl zwischen Juden und Arabern, aber auch im Kampf gegen die Mandatsmacht.

Die britische Regierung sah sich zunehmend außer Stande, ihr Mandat weiter auszuüben und wandte sich 1947 an die UNO. Noch im selben Jahr legte die UNO einen Teilungsplan vor, der je etwa die Hälfte des Gebiets für die beiden Parteien vorsah. Im Gazastreifen, dem Westjordanland sowie in weiteren Gebieten in Obergaliläa (v. a. um die Stadt Akko) und im nördlichen Negev sollte ein arabischer Staat gegründet werden, Jerusalem sollte unter internationale Verwaltung gestellt werden. Dieser Plan wurde von der jüdischen Seite akzeptiert, von den arabischen Führern jedoch abgelehnt, da sie jegliche Landansprüche der Juden missbilligten.

Israelischer Unabhängigkeitskrieg/Palästinakrieg Schon nach Bekanntwerden des Beschlusses kam es zu erbitterten Gefechten zwischen arabischen und jüdischen Einheiten. Durch die Flucht bzw. Vertreibung von palästinensischen Arabern entstand das palästinensische Flüchtlingsproblem. Die Gesamtheit dieser Vorgänge wird aus palästinensischer Sicht als Nakba bezeichnet. Am 14. Mai 1948 endete das britische Mandat in Palästina; noch am selben Tag wurde der Staat Israel ausgerufen. Die arabische Seite verzichtete hingegen auf die Ausrufung eines palästinensischen Staates, weil sie die Teilung generell ablehnte.

In der gleichen Nacht begann mit dem Vormarsch benachbarter Armeen (unter anderem Syriens und Ägyptens) der sogenannte Israelische Unabhängigkeitskrieg (Palästinakrieg). Nach seinem Ende im Januar 1949 war es der israelischen Armee gelungen, große Gebiete hinzuzugewinnen.

Jordanische und ägyptische Besatzung Auch auf den verbleibenden Gebieten – Westjordanland und Gazastreifen – wurde kein Staat „Palästina“ gegründet. Die besagten Gebiete wurden von Ägypten bzw. Jordanien völkerrechtswidrig besetzt, bis sie im Krieg von 1967 (Sechstagekrieg oder 3. arabisch-israelischer Krieg) von Israel erobert wurden. Der Gaza-Streifen wurde von Ägypten verwaltet und Jordanien annektierte 1950 die von der jordanischen Armee besetzten Gebiete Palästinas (Westjordanland und Ostjerusalem). Palästinensische Freischärler, sogenannte Fedajin, überfielen von Jordanien aus nach dem 1. israelisch-arabischen Krieg (1948/49) israelische Dörfer. Israelische Truppen führten Vergeltungsschläge auf jordanisches Gebiet durch. Israel baute Wehrdörfer. 1952 wurde unter Führung des palästinensischen Arztes George Habasch, einem orthodoxen Christen, in Amman die nasseristische panarabische Bewegung Arabischer Nationalisten gegründet.

Während des Suezkrieges ab 29. Oktober 1956 besetzen israelische Verbände den gesamten Gazastreifen. Sie drangen auf der Sinai-Halbinsel bis zum Suezkanal vor, während britische und französische Truppen nach einem Ultimatum am 31. Oktober mit Bombenangriffen auf Ägypten begannen und am Suezkanal landeten. Nach Verurteilung durch die UN-Vollversammlung und Beschluss der Aufstellung einer Friedenstruppe durch die UN-Vollversammlung mit einer United-Peace-Resolution am 4. November und der Aufforderung an Israel, sich hinter die Grenzen zurückzuziehen, stimmten Großbritannien und Frankreich am 6. November einen Waffenstillstand zu. Am 8. November erreichten die israelischen Verbände den Suezkanal. Die ägyptische Regierung stimmte der Stationierung einer UN-Friedenstruppe zu. Am 3. Dezember trafen die ersten Einheiten der UN-Friedenstruppe am Suezkanal ein und am 22. Dezember 1956 verließen die britischen und französischen Verbände Ägypten. Im März 1957 verließen die israelischen Truppen die Sinai-Halbinsel und den Gaza-Streifen und eine UN-Friedenstruppe landete im Gaza-Streifen und an der ägyptisch-israelischen Grenze. Im November 1956 demonstrierten palästinensische Flüchtlinge in Jordanien gegen die pro-britische Politik der jordanischen Regierung unter König Hussein I. Jordanien kündigte daraufhin den Militärpakt mit Großbritannien.

1959 gründete Jassir Arafat die Al-Fatah als palästinensische Widerstandsorganisation in Kuwait. Mit Unterstützung des ägyptischen Präsidenten Gamal Abdel Nasser gründeten Palästina-Flüchtlinge am 28. Mai 1964 in Jerusalem die Palästinensische Befreiungsorganisation (englisch: Palestine Liberation Organization, PLO) mit dem Vorsitzenden Ahmad Shukeiri. Al-Fatah begann Ende 1964 mit Terroraktionen gegen Israel. Die PLO hatte ihr Hauptquartier in Kairo. Weitere palästinensische Organisationen verübten seit 1965 Anschläge in Israel. Die israelisch Armee führte an der Grenze zu Jordanien Vergeltungsschläge auf jordanisches Gebiet im Westjordanland gegen die Terrorgruppen durch. Von 1966 bis zum Sechstagekrieg überfielen palästinensische Widerstandskämpfer von Jordanien, Syrien und Libanon aus Israel. Auf Druck des ägyptischen Präsidenten Nasser zogen die UN-Truppen im Mai 1967 aus dem Gaza-Streifen und von der ägyptisch-israelischen Grenze ab. Während des Sechstagekriegs vom 5. bis 10. Juni 1967 besetzte die israelische Armee den Gaza-Streifen, Ostjerusalem und das Westjordanland, darüber hinaus auch den Sinai und die Golanhöhen. Viele palästinensische Zivilisten flüchteten in die arabischen Staaten. Die Guerillaorganisationen flüchteten nach Jordanien, Syrien, Libanon und Ägypten.Kompakt Ploetz: Arabisch-israelischer Konflikt, S. 529, 530; Volks Ploetz: Jordanien, S. 771, Ägypten S. 723–726, Israel/Palästina S. 777/778.

Israelische Besatzung Noch 1967 erließ die UNO die Resolution 242, in der Israel zum Rückzug aus „besetzten Gebieten“ aufgefordert wurde. Gleichzeitig wurde festgestellt, dass allen Staaten der Region die Anerkennung der Souveränität und das Recht auf sichere Grenzen zustehe. Die arabischen Staaten leugneten zunächst weiter das Existenzrecht des jüdischen Staates, obwohl realpolitisch bereits 1967 eine Kehrtwende eintrat, als die arabischen Staatschefs auf einer Gipfelkonferenz äußerten, dass sie politisch auf den Abzug Israels aus den besetzten Gebieten hinwirken wollten. Israel seinerseits begann schon bald mit dem Bau von staatlich geförderten Wehrdörfern und Siedlungen in den besetzten Gebieten, die allerdings (anders als später Ostjerusalem und der Golan im Jahr 1981) nicht offiziell annektiert wurden. Während die Sinai-Halbinsel nach dem Jom-Kippur-Krieg und dem israelisch-ägyptischen Vertrag zurückgegeben wurde, verblieben das Westjordanland und der ehemals ägyptisch besetzte Gaza-Streifen bei Israel, da sowohl Jordanien als auch Ägypten diese Gebiete nicht zurückbekommen wollten.

Israelische Besatzung seit 1967

Palästinensischer Widerstand gegen die israelische Besatzung bis 1987 Die palästinensischen Widerstandsgruppen verstärkten den Kampf gegen Israel und unternahmen von Jordanien und dem Libanon Angriffe auf israelische Ziele. Israel führte Vergeltungsaktionen mit Überschreiten der Grenzen und Luftangriffen auf PLO und Al-Fatah-Stützpunkte durch. Im März 1968 drang die israelische Armee in Jordanien in das Al-Fatah-Lager in Karame ein. Es kam zu Gefechten mit jordanischen Truppen und Al-Fatah-Kämpfern (Schlacht von Karame). Am 17. Juli 1968 verabschiedete die PLO die Nationalcharta, in der der Kampf für die Freiheit der arabischen Bevölkerung Palästinas beschlossen und zur Vernichtung des Staates Israels aufgerufen wurde. Am 26. Dezember 1968 verübten Al-Fatah-Angehörige einen Anschlag auf ein israelisches Verkehrsflugzeug auf dem Athener Flughafen. Die israelische Armee griff als Vergeltung am 28. Dezember 1968 mit Hubschraubern den Beiruter Flughafen an, evakuierte Passagiere und Mitarbeiter und zerstörte Flugzeuge arabischer Fluggesellschaften. Im Februar 1969 trat die Al-Fatah in die PLO ein. Im Palästinensischen Nationalrat in Kairo wurde der Al-Fatah-Vorsitzende Arafat gegen den bisherigen PLO-Vorsitzenden Hamudas zum neuen Vorsitzenden gewählt. Die Al-Fatah wurde die stärkste Organisation in der PLO, die ihr Hauptquartier in Amman einrichtete.