Eine Hausgeburt ist eine Form der außerklinischen Geburt. Sie findet, im Gegensatz zu Geburten im Krankenhaus oder Geburtshaus, in einer Privatwohnung statt und wird im Normalfall von einer Hebamme betreut.

Geschichte Bis etwa Mitte des 20. Jahrhunderts waren Hausgeburten in allen Teilen der Welt die vorherrschende Geburtsform. Erst durch eine flächendeckende Versorgung mit Krankenhäusern und Krankenversicherungen entwickelte sich die klinische Geburt in Industriestaaten zur dominierenden Art der Entbindung, während in Entwicklungsländern auch gegenwärtig die Hausgeburt vorherrscht, nicht selten mangels Alternativen. In den USA fanden 1900 nur 5 % aller Geburten in Kliniken statt, 1939 bereits 50 %, 1960 quasi alle Geburten. Man ging davon aus, dass ein Krankenhaus größere Sicherheit und bessere Schmerzlinderung bot, und man wollte von der längeren Ruhezeit profitieren, die der stationäre Aufenthalt bot. In den Zwanzigern und Dreißigern des 20. Jahrhunderts waren Klinikgeburten nicht sicherer als Hausgeburten: Die Säuglingssterblichkeit aufgrund von fehlerhaft durchgeführten Operationen stieg um bis zu 50 %.J. R. Wertz, D. C. Wertz: Lying-In: A history of childbirth in America. Schocken Books, New York 1979. Die Morbidität und Mortalität der Mütter wurde ebenfalls mit der steigenden Rate an Klinikgeburten in Verbindung gebracht. Es sollte dem entgegengewirkt werden durch größere Vorsicht vor Infektionen in den Kliniken.J. W. Leawitt: Brought to bed: Childbirth in America, 1750–1950. Oxford University Press, New York 1986. Mortalität und Morbidität verbesserten sich mit der Einführung von Antibiotika und durch die Durchführung von Kaiserschnitten anstelle von Geburtszangen-Extraktionen bei Komplikationen mit nicht vollständig eröffnetem Muttermund.

Ab der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts galt eine Hausgeburt in vielen Industrieländern als exotisch und unvernünftig. Diese Einstellung hat sich zum Ende des vergangenen Jahrhunderts wieder gewandelt. Heutzutage liegt es in der Entscheidung der Mutter, welchen Ort der Geburt sie wählt. In einigen Ländern werden Hausgeburten staatlicherseits wieder gefördert, etwa in den Niederlanden. Dort liegt die Hausgeburtsrate bei etwa 30 %.

In Deutschland wurden 2012 von 675.944 Kindern 10.164 (geplant und ungeplant) außerklinisch geboren. Das entspricht einem Anteil von 1,5 Prozent. Die gesetzlichen Krankenkassen erstatteten je Hausgeburt durchschnittlich rund 1100 Euro Kosten.

Geburtshilfliche Betreuung Hebammen In der Regel werden Hausgeburten von einer verantwortlichen Hebamme begleitet. Die Kosten für diese Betreuung werden in Deutschland von allen Krankenkassen übernommen. Die regional und individuell variierende Rufbereitschaftspauschale, die von Hausgeburts- und Beleghebammen erhoben wird, ist von den Eltern zu entrichten. Einige private Versicherungsunternehmen zahlen Prämien an die betreffende Versicherungsnehmerin bei Hausgeburten aus; die Höhe der Prämie ist vom Unternehmen und der Art der Versicherung abhängig, deckt jedoch in der Regel den Bereitschaftspauschalbetrag.

Ärzte Hausärzte und Gynäkologen dürfen eine Hausgeburt betreuen, sind jedoch in Deutschland verpflichtet, eine Hebamme hinzuzuziehen. Auch diese Kosten werden von den Krankenkassen übernommen. In der Praxis kommt es nur sehr selten zur ärztlichen Betreuung einer Hausgeburt.

Alleingeburt mini|Eine Frau gebärt ein Kind zuhause. Als unassisted childbirth (deutsch etwa: Alleingeburt) bezeichnet man eine Hausgeburt, bei der weder eine Hebamme noch sonstiges medizinisches Personal anwesend ist. Diese Form der Geburt ist in Deutschland relativ unbekannt und wird aufgrund der damit verbundenen Risiken kaum praktiziert. In Österreich besteht die Pflicht, bei der Geburt eine Hebamme hinzuzuziehen. – „Jede Schwangere hat zur Geburt und zur Versorgung des Kindes eine Hebamme beizuziehen.“ In Deutschland ist es einer Schwangeren zwar grundsätzlich erlaubt, ohne Inanspruchnahme professioneller Hilfe zu gebären. Sollte das Kind jedoch unter der Geburt Schaden erleiden, den eine Hebamme hätte verhindern können, macht sich die Mutter unter Umständen der fahrlässigen Körperverletzung oder gar fahrlässigen Tötung (§§ 222 und 229 StGB) schuldig.

Voraussetzungen Rechtliche Verantwortung

Ob für eine Schwangere die Möglichkeit einer Hausgeburt in Betracht kommt, liegt vor allem im Ermessen der begleitenden Hebamme. Eine Schwangere kann auch einen Gynäkologen um seine Meinung bitten, ist ihm aber über die Wahl ihres Geburtswunsches keine Rechenschaft schuldig. Der Gynäkologe trägt für die Wahl des Geburtsortes keine Verantwortung.

Ausschlusskriterien

Ausschlusskriterien für eine Hausgeburt liegen vor, wenn eine Spontangeburt nicht möglich oder mit besonders hohen Risiken behaftet ist. Hierzu gehören Lageanomalien des Kindes wie die Querlage, Anomalien in Funktion und Lage des Mutterkuchens wie eine Placenta praevia, aber auch Hinweise auf eine schwangerschaftsbedingte Erkrankung (Gestose) oder im Vorfeld diagnostizierte Organschäden des Kindes.

Auch Risikogeburten wie solchen bei Beckenendlage oder bei Mehrlingen sind Ausschlusskriterien für eine Hausgeburt. Sie dürfen in Deutschland aus versicherungsrechtlichen Gründen nicht von einer Hebamme zu Hause begleitet werden.

Soziale Kriterien Neben medizinischen Gesichtspunkten sind bei der Hausgeburt auch soziale Aspekte zu berücksichtigen. Fühlt sich die Schwangere durch ihr häusliches Umfeld belastet, zurückzuführen auf schlechte Hygieneverhältnisse, Lärm oder Familienstreitigkeiten, ergibt die Entscheidung für eine Hausgeburt wenig Sinn. Umgekehrt kann für eine Frau mit einer Krankenhausphobie oder aus Motiven der Selbstbestimmung und des Schutzes der Intimsphäre die Hausgeburt eine Alternative darstellen.

Gründe, Möglichkeiten und Grenzen Laut den Erhebungen der Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe (QUAG) geben die meisten Frauen die Betreuung durch die ihnen vertraute Hebamme und die Möglichkeit der Selbstbestimmung als entscheidende Motivation zur Hausgeburt an. Die persönliche Umgebung und die ausschließliche Anwesenheit vertrauter und erwünschter Personen werden als weitere Gründe angeführt. Eine Hausgeburt kann in Absprache mit der Hebamme individuell vorbereitet werden, so ist es beispielsweise möglich, den Intensitätsgrad der geburtshilflichen Betreuung mit der Hebamme abzusprechen und so einer Frau, die ihr Kind weitgehend ohne Hilfe bekommen möchte, eine Alternative zur Alleingeburt zu bieten. Geschwisterkinder können bei der Geburt zugegen sein oder Methoden wie die sanfte Geburt im Sinne von Frédérick Leboyer oder Michel Odent eine besondere Berücksichtigung finden.

Die QUAG verzeichnete 2006 bei 15,9 % der außerklinischen Geburten Wassergeburten. Wassergeburten sind zuhause auch in einer handelsüblichen Badewanne möglich. Um die Bequemlichkeit für die Gebärende und die Hebamme zu erhöhen, bietet ein Geburtspool eine geeignete Option. Solche Pools werden gemietet, gekauft oder von der Hebamme zur Verfügung gestellt.

Laut der US-Gesundheitsbehörde soll der Wasserschlauch zur Senkung der Gefahr einer Legionellen-Infektion vor Einlaufen des Wassers drei Minuten lang mit heißem Wasser gespült werden und sollen spezielle Wannen – keinesfalls ein Whirlpool – verwendet werden.

Die Anwendung starker Schmerzmittel oder Betäubungsverfahren wie der Pudendusblock oder die Periduralanästhesie sind im Rahmen einer Hausgeburt nicht einsetzbar, sie werden aufgrund der besonderen Situation der Hausgeburt aber auch nur selten verlangt. Eine Schmerzlinderung kann durch Verfahren wie Atemtechniken und Entspannungsbäder probiert werden. Auch alternativmedizinische Behandlungsformen wie Homöopathie oder Akupunktur kommen zur Anwendung.Friedrich Wolff: Geburtshilfe. In: Jörg Baltzer, Klaus Friese, Michael Graf, Friedrich Wolff: Praxis der Gynäkologie und Geburtshilfe: Das komplette Praxiswissen in einem Band. Thieme Verlag, 2006, ISBN 3-13-144261-1, S. 188.

Sicherheit Metaanalysen und systematische Übersichtsarbeiten Die Sicherheit von Hausgeburten wird nach wie vor kontrovers diskutiert. Ein Review, der im Jahr 2014 im Journal of Medical Ethics erschien, wertete 12 publizierte Studien, in denen 500.000 geplante Hausgeburten mit niedrigem Risiko erfasst wurden, aus. Die Autoren berichteten eine 3-fach höhere Mortalität bei Hausgeburten im Vergleich zu Klinikgeburten sowie schlechtere Apgar-Scores und eine verzögerte Diagnose von Hypoxie, Azidose und Asphyxie im hausgeburtlichen Setting. Der Review kam weiterhin zu dem Schluss, dass Kaiserschnitte bei geplanten Hausgeburten seltener auftraten.

Die größte Studie zu dem Thema wurde im Oktober 2013 im American Journal of Obstetrics and Gynecology publiziert. In ihr wurden die Daten von 13 Millionen Geburten ausgewertet. Die Studie ergab, dass Neugeborene nach einer Hausgeburt ein 10-fach erhöhtes Risiko für einen Apgar-Score von 0 nach 5 Minuten und ein 4-fach erhöhtes Risiko für Neugeborenenkrämpfe und neurologische Dysfunktionen hatten. Bei Erstgeborenen war das Risiko eines Apgar-Scores von 0 nach einer Hausgeburt 14 mal höher als bei einer Klinikgeburt. Frank Chervenak, ein Autor der Studie, merkte dabei an, dass das tatsächliche Risiko von Hausgeburten bedingt durch das Studiendesign vermutlich noch höher liegen müsse, da in ein Krankenhaus verlegte Hausgeburten als Klinikgeburten ausgewertet wurden.

Eine Analyse der Cochrane Collaboration verglich 2013 geplante Haus- und Klinikgeburten für Frauen mit geringem Risiko.O. Olsen, J. A. Clausen: Planned hospital birth versus planned home birth. In: Cochrane Database of Systematic Reviews. 2013, Issue 11. Art. No.: CD000352. Die Daten ergaben, dass geplante Klinikgeburten nicht sicherer sind als geplante Hausgeburten, während es bei ersteren jedoch zu mehr Interventionen und Komplikationen kommt. Laut den Autoren wurden noch nicht ausreichend Studien von guter Qualität gefunden, um konkretere Aussagen treffen zu können. Die höhere Rate an Interventionen während Klinikgeburten führen Autoren der Cochrane Collaboration auch auf das größere Spektrum an medizinischen Möglichkeiten im Krankenhaus zurück, das, in Zusammenspiel mit Ungeduld, häufiger zu eskalierenden Maßnahmen führe. Dies wiederum könne neue Komplikationen hervorrufen.O. Olsen, J. A. Clausen: Benefits and harms of planned hospital birth compared with planned home birth for low-risk pregnant women. Cochrane Summaries 2013.