Lettgenbrunn ist ein Ortsteil der Gemeinde Jossgrund im hessischen Main-Kinzig-Kreis. Der Ort, mit dem zugehörigen Weiler Villbach, mit etwa 310 Haushalten und 800 Einwohnern liegt im Südosten des Landes im Mittelgebirge Spessart und ist ein staatlich anerkannter Erholungsort.

Geografie Geografische Lage Der Ort liegt am nördlichen Ausläufer des Mittelgebirges Spessart, unterhalb der Ruine BeilsteinSpessartfährten, abgerufen am 21. Mai 2021. Direkt am Ortsrand entspringt das Flüsschen Jossa und vereinigt sich sofort mit dem Villbach.

Nachbargemeinden Lettgenbrunn liegt einen Kilometer westlich der Spessart-Höhenstraße L 2905. Zum Ortsteil Pfaffenhausen im Osten sind es drei und zum Kinderdorf Wegscheide im Norden fünf Kilometer. Flörsbach liegt im Süden etwa sechs Kilometer entfernt. Zur B 276 (Deutsche Ferienstraße Alpen-Ostsee) sind es fünf Kilometer in südwestlicher Richtung.

Geschichte Mittelalter mini|Reminiszenz dritter Wiederaufbau: Die unweit des Znaimer Hofs im Ortszentrum zusammenlaufenden Straßen heißen Ostpreußenstraße, Südmährer Weg, Karlsbader Straße, Stettiner Straße, Dresdner Straße

Der Ort wurde im Jahre 1313 als Letthechenburne erstmals urkundlich erwähnt. Spätere Dokumente beschreiben ihn als Lettichenborn (1435), Letchenborn (1453) und Letgeborn (1571)Geschichte und Tradition. Alle diese Namensformen gehen wohl auf die dem tonhaltigen, lehmigen Boden entspringende Jossa zurück. Die Entstehung des Ortes Lettgenbrunn und des Weilers Vielbach, heute Villbach, wird mit der Burg Beilstein in Verbindung gebracht. Diese stand auf einem Lavafelsen zwischen den beiden Ortsteilen der Gemeinde Jossgrund. Sie war Anfang des 15. Jahrhunderts bereits verfallen.

Neuzeit 1812 hatte Lettgenbrunn mit Villbach 26 Feuerstellen und 219 Seelen (Einwohner) und gehörte zur vormaligen Kurmainzischen Stadt- und Amtsvogtei Orb – damals Districtsmairie Orb der Unterpräfectur Orb im Departement Aschaffenburg des Großherzogtums Frankfurt. Maire (Bürgermeister) war Franz Stein (Lettgenbrunn), seine Adjuncte (Stellvertreter) hießen Johann Fingerhut (Lettgenbrunn) und Georg Götz (Villbach). Schullehrer war Johann Stein.

Infolge des Pariser Vertrages vom 3. Juni 1814 kam Lettgenbrunn am 26. Juni 1814 zur Krone Bayern und gehörte dort ab 1. Oktober 1814 zum Landgerichtsbezirk Orb. Nach dem für Bayern verlorenen Deutschen Kriegs kam Lettgenbrunn, am 22. August 1866, infolge des Friedensvertrages zwischen Preußen und Bayern an Preußen und gehörte ab 7. Dezember 1868 zur Preußischen Provinz Hessen-Nassau.

Lettgenbrunn wurde in seiner Geschichte dreimal entvölkert und wieder neu besiedelt.

Zum ersten Mal fiel nach einer Zerstörung von Kirche und Ort im Dreißigjährigen Krieg das Dorf wüst und wurde erst mit dem Neuaufbau der Kirche um 1654 wieder besiedelt.

Zum zweiten Mal wurde Lettgenbrunn 1912 für den Truppenübungsplatz Orb auf der Wegscheide aufgegeben, der auch die Gemarkungen von Villbach und Lettgenbrunn umfasste; die Bevölkerung wurde entschädigt und auf andere Orte verteilt. Nach dem Ersten Weltkrieg erfolgte eine Neubesiedelung, die jedoch nur von kurzer Dauer war. beim Verein „Das Archäologische Spessartprojekt e. V.“

Denn der Truppenübungsplatz wurde 1935 reaktiviert und Lettgenbrunn musste zum dritten Mal verlassen werden. Das Dorf sollte Bombenabwurf-Übungsplatz für den Fliegerhorst Gelnhausen-Rothenbergen sein. Nach der Verlegung des Friedhofs kam am 6. Mai 1935 die Zwangsräumung des Ortes für diejenigen, die nicht bereits freiwillig umgezogen waren. Laut Befehl des Luftkreiskommandos IV in Münster/Westfalen sollten ab 1937 die Gebäude als Zielobjekte für die Bombenabwürfe dienen.Lettgenbrunn im Zweiten Weltkrieg Der vollkommen zerstörte Ort wurde nach dem Zweiten Weltkrieg 1947 von Flüchtlingen aus dem Sudetenland, Schlesien, Ostpreußen etc. und Mitteln der Marshallplans der Vereinigten Staaten wieder aufgebaut. An die Herkunft dieser Siedler erinnern noch die Straßennamen sowie die Namen von zwei Gaststätten (Sudetenhof und Znaimer Hof).

Die Neubildung einer selbstständigen Gemeinde Lettgenbrunn wurde durch das Hessische Staatsministerium mit Wirkung zum 1. April 1952 beschlossen.

Hessische Gebietsreform Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierten zum 31. Dezember 1971 die bis dahin selbständigen Gemeinden Burgjoß, Oberndorf und Pfaffenhausen (heute Sitz der Verwaltung) zur neuen Gemeinde Jossatal. Diese wurde zum 1. Juli 1974 kraft Landesgesetzes mit Lettgenbrunn zur Großgemeinde Jossgrund zusammengeschlossen. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denenLettgenbrunn angehört(e):

16. Jahrhundert: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Oberamt Hausen, Amtsvogtei Burgjoß 1633: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Amt Orb 1787: Heiliges Römisches Reich, Kurfürstentum Mainz, Oberamt Orb und Lohr, Amtsvogtei Burgjoß ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Dalbergstaat („Erzkanzlerischer Kurstaat“), Fürstentum Aschaffenburg, Oberamt Orb und Lohr, Amtsvogtei Burgjoß 1806–1810: Primatialstaat Karl Theodor von Dalbergs im Rheinbund, Fürstentum Aschaffenburg, Oberamt Orb und Lohr, Amtsvogtei Burgjoß 1810–1813: Großherzogtum Frankfurt, Departement Aschaffenburg, Distrikt Orb 1814–1866: Königreich Bayern, Landgerichtsbezirk Orb ab 1867: Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis GelnhausenTrennung zwischen Justiz (Amtsgericht Bad Orb) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1918: Deutsches Reich,Infolge des Ersten Weltkriegs entsteht die Weimarer Republik. Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Kassel, Kreis Gelnhausen ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Kreis Gelnhausen ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Gelnhausen ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gelnhausen ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Kinzig-Kreis, Gemeinde Jossgrund

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Lettgenbrunn 690 Einwohner. Darunter waren 93 (13,5 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 135 Einwohner unter 18 Jahren, 261 zwischen 18 und 49, 150 zwischen 50 und 64 und 144 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 294 Haushalten. Davon waren 81 Singlehaushalte, 99 Paare ohne Kinder und 60 Paare mit Kindern, sowie 18 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 69 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 180 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung Belegte Einwohnerzahlen sind: 1632: 32 Huldigende 1668: 37 Einwohner 1812: 26 Feuerstellen, 219 Seelen (mit Villbach)

Historische Religionszugehörigkeit • 1961: 86 evangelische (= 36,44 %), 150 katholische (= 63,56 %) Einwohner

Verkehr Nahverkehr Ganzjährig verkehren die Buslinien 82 und 83, des KVG Main-Kinzig und schaffen öffentliche Verkehrsanschlüsse zu den anderen Ortsteilen, den Nachbargemeinden und an die Kinzigtalbahn (Hessen) am Bahnhof Wächtersbach. Es gilt der Tarif des Rhein-Main-Verkehrsverbundes. Die Streckenführung von Lettgenbrunn geht alternativ über Pfaffenhausen – Oberndorf – Burgjoß – Bad Orb – Aufenau – Wächtersbach bzw. Bad Orb – Aufenau – Wächtersbach.

Verkehrsanbindung Straße Durch den Ort verläuft in allgemeiner West-Ost-Richtung die Kreisstraße K 891 von Villbach nach Pfaffenhausen. In Villbach mündet sie ein in die Landesstraße 2905, die Lettgenbrunn über die Wegscheide mit Bad Orb verbindet und hinter Bad Orb mit der Anschlussstelle Bad Orb/Wächtersbach (AS 45) der Bundesautobahn 66 (Entfernung etwa 19 Kilometer). In Pfaffenhausen mündet die K891 ein in die Landesstraße 3199, die die Ortschaften im Tal der Jossa miteinander verbindet.

Bahn Eine Anbindung an den Bahnverkehr bietet der Bahnhof Wächtersbach an der Kinzigtalbahn. Die Regionalbahn, die im Stundentakt verkehrt, bindet an die ICE-Haltepunkte Fulda und Hanau bzw. Frankfurt an. Der Bahnhof ist 20 km entfernt und auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar. Der Bahnhof ist barrierefrei ausgebaut.

Öffentliche Einrichtungen Bildung Die kommunal getragene Kindertagesstätte „Zwergeninsel“ verfügt über insgesamt 25 Plätze. Die Betreuung erfolgt in einer altersstufenübergreifenden Gruppe.Kita „Zwergeninsel“

Bis zu Beginn des Schuljahres 2012/13 begannen Grundschüler ihre Schullaufbahn in Bad Orb. Seit dem Schuljahr 2013/14 werden sie in der Jossatal-Schule im näher gelegenen Oberndorf eingeschult.

Weiterführende Schulen liegen außerhalb der Gemeinde. Es sind u. a.: die Kreisrealschule Bad Orb, das Grimmelshausen-Gymnasium Gelnhausen, die Henry-Harnischfeger Schule in Bad Soden-Salmünster und die Brentano-Schule in Linsengericht.

Freiwillige Feuerwehr Die Freiwillige Feuerwehr Lettgenbrunn verfügt seit Mai 1990 über ein neues Feuerwehrhaus im Ort. 1993 wurde die Jugendfeuerwehr Lettgenbrunn gegründet. Sie ist, über ihre eigentliche Aufgabe hinaus an zahlreichen Aktionen im Ort beteiligt. Die Einsatzabteilung der Feuerwehr besteht zurzeit aus 26 aktiven Mitgliedern, Frauen und Männern. Die Jugendfeuerwehr umfasst 10 PersonenFeuerwehr Jossgrund LettgenbrunnFeuerwehr Lettgenbrunnl. Einsatz- und Gefahrenschwerpunkte der Feuerwehr Lettgenbrunn sind: Sägewerk große Waldgebiete Voraushelfergruppe.

Mehrzweckscheune Zentral im Ort, neben Kindergarten und Feuerwehr gelegen und mit diesen Einrichtungen verbunden ist das „BeilsteinStadl“. Dieser Veranstaltungsort entstand im Rahmen eines öffentlich geförderten Dorfentwicklungsplans. Die bisher vorhandenen öffentlichen Räume des Ortes waren allesamt zu klein, wie das Sportheim (50 Plätze), das Wanderheim (15 Plätze), der Schulungsraum der Feuerwehr (40 Plätze), oder aber sie lagen, wie die Dreschhalle nicht zentral genug. Das BeilsteinStadl entspricht allen Anforderungen an technische Ausstattung und bietet mit 150 m² Platz für 100 Personen. Am 15. Juli 2022 wurde es eröffnet. Die Räumlichkeiten bieten einen geeigneten Rahmen für so unterschiedliche Veranstaltungen wie Feierlichkeiten, Schulungen oder Gymnastik- und Sportkurse. Auch die anderen Ortsteile des Jossgrundes haben die neue Einrichtung in Lettgenbrunn kennen und schätzen gelernt.BeilsteinStadl Lettgenbrunn

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Doppelkirche in Lettgenbrunn

Doppelkirche